Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

da stoppte in Harburg ein Krankenwagen in der Innenstadt an der Kreuzung Rathausstraße/Walkmühlenweg. Fahrer und Beifahrer gingen zu einer Arztpraxis, vermutlich nicht, um dort zu relaxen und im Wartezimmer Zeitschriften durchzublättern – und dann, berichtet das "Hamburger Abendblatt", kam ein Polizist und verpasste dem Krankenwagen einen Strafzettel. Das Fahrzeug behindere Fußgänger beim Überqueren der Straße, zitiert das "Abendblatt" aus der Begründung, "eine Mutter mit Kinderwagen kommt hier nicht rüber".

Sicher, das war völlig korrekt. Und jetzt ist mir auch endlich klar, warum so viele andere Straßenkreuzungen in unserer Stadt so zugeparkt sind: Die Polizei schreibt nur die Krankenwagen auf.

Was noch war: Bei der Wahl des Direktkandidaten der CDU für die Bundestagswahl im Wahlkreis Hamburg-Nord/Alstertal setzte sich gestern Abend Christoph Ploß (30) gegen den früheren Hamburger Sozialsenator Dietrich Wersich (52) durch.

Und ein Leser mailte, dass es nicht genüge, Helmut Schmidt auf dem Hamburg Airport per Namenszusatz und Ausstellung zu gedenken. Was noch fehle, sei nämlich der Zigarettenrauch, und wie es mit der Einführung einer enormen Raucherzone im Check-in-Bereich oder vor den Gates wäre. "Ich bin zwar (pensionierter) Nichtraucher, aber für den verstorbenen Ex-Bundeskanzler könnte ich mich damit anfreunden."

Hamburger Hafen wächst nicht

Die Hamburger Hafenwirtschaft freut sich auf die Elbvertiefung. Leider meint man diesmal nicht uns, sondern die Fahrrinnenvertiefung der Unterelbe. Denn so richtig vorwärts geht es im Hamburger Hafen derzeit nicht, der Umschlag stagniert. Schuld seien Einbrüche im Handelsverkehr mit Russland und China, so die Marketinggesellschaft des Hafens. Durch Investitionen in die Infrastruktur – 450 Millionen in acht Jahren – sei die Wettbewerbsfähigkeit zwar deutlich verbessert worden, den Aufschwung aber solle die (andere) Elbvertiefung bringen. Im Dezember trifft das Bundesverwaltungsgericht eine Entscheidung. Und die, so hofft die Hafenwirtschaft, wird mit Auflagen positiv ausfallen. Manfred Braasch vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland glaubt das nicht; der gewaltige Eingriff in die Natur sei nicht zu rechtfertigen, und die Elbvertiefung sei am heutigen Bedarf vorbei geplant worden. "Damals nahm man an, dass im Jahr 2025 insgesamt 28 Millionen Container im Hamburger Hafen umgeschlagen werden. Mittlerweile gehen sogar Wirtschaftsvertreter davon aus, dass es dauerhaft nicht mehr als zehn Millionen Container pro Jahr werden", so Braasch. Der deutlich zukunftsfähigere Ansatz, statt die Elbe zu vertiefen, sei eine "tiefgangsbezogene Arbeitsteilung der deutschen Nordseehäfen". 

"Kein Patient zu Schaden gekommen"

Haben das Universitätsklinikum Eppendorf und die LungenClinic Großhansdorf vor dem Jahr 2012 wirklich Patientenakten manipuliert und damit die Organspende-Rangliste verändert? Der Aufschrei war groß, die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt. 14 Fälle hatte die Prüfkommission beanstandet, vier von diesen galten gestern als "erklärbar und erledigt". Aus Sicht des UKE werden sich auch die anderen zehn Fälle bald aufklären. Das Klinikum wies Manipulationsvorwürfe von sich, kein Patient sei auf der Warteliste bevorzugt worden oder zu Schaden gekommen. Fragezeichen aber bleiben. Sieben Papierakten sind unauffindbar. Ein Resultat von Problemen der Dokumentation und Aktenführung, heißt es vonseiten des UKE und weiter: "Aus den Fehlern in der Dokumentation einen Vorsatz oder Manipulation abzuleiten, ist falsch." Auch der Gesundheitsausschuss der Hamburger Bürgerschaft will die Vorgänge auf seine nächste Tagesordnung setzen. Sollte sich ein Manipulationsverdacht bewahrheiten, könnten nicht nur die behandelnden Ärzte ihre Zulassung verlieren, dies könnte im schlimmsten Fall auch das Aus für das Transplantationszentrum bedeuten. Nachdem wir vorgestern Sandra Wilsdorf von der Ärztekammer Hamburg irrtümlich der Bundesärztekammer zurechneten, hat sich gestern tatsächlich deren Präsident gemeldet: Seiner Einschätzung nach, sagte auch Frank Ulrich Montgomery, seien Manipulationen bei Organspenden seit der Änderung des Transplantationsgesetzes heute kaum noch möglich.

Angst um Kinder während OSZE-Treffen

Oh, oh! Die Schulbehörde fand es überhaupt nicht gut, was sich der Elternrat der Grundschule Sternschanze geleistet hat. Der hatte nämlich gewagt, einen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Andy Grote zu schicken, weil die Eltern aufgrund des nahenden OSZE-Treffens und möglicher Proteste die Sicherheit ihrer Kinder nicht gewährleistet sehen und sich ein entsprechendes Konzept wünschen, berichtete das "Hamburger Abendblatt". Die Behörde muss zwar grundsätzlich nicht involviert werden, wenn erwachsene Eltern eigenverantwortlich handeln, "bei einem so relevanten Thema wäre das aber wünschenswert gewesen", sagt Peter Albrecht von der Schulbehörde. Und obendrein entschied Schulleiterin Gisela Rathjens eigenmächtig, den Eltern freizustellen, ob sie die Kinder während des Treffens zur Schule schicken wollten oder nicht. So geht das nicht, erklärte die Schulbehörde und lud gestern zu einem Gespräch ein, an dem auch die Polizei teilnahm. Dennoch sei es "ein offenes, lösungsorientiertes Gespräch gewesen", so die Elternratsvorsitzende Sandra Cantzler ("exzellentes Gespräch" sagte sie allerdings nicht). "Wir wünschen uns, dass die Eltern in Eigenverantwortung entscheiden können, ob die Kinder während dieser Zeit zur Schule gehen oder nicht", so Cantzler. Albrecht dazu: "Eltern haben zwar bei witterungsbedingten Gefahrenlagen grundsätzlich das Recht, ihre Kinder nicht zur Schule zu schicken. Schulbehörde, Schule und Polizei werden sich nun abstimmen, ob das auch auf diese Situation anwendbar ist, und gemeinsam nach einer Lösung suchen." Fest stehe aber bereits, sagte er noch, dass der Unterricht in jedem Fall stattfinden werde. Bleibt also die "witterungsbedingte Gefahrenlage": Wird bei unter null Grad das Wasser der Wasserwerfer nicht zu tückischem Glatteis?

Gymnasialleiter wollen Inklusion

9768 Schüler haben in diesem Jahr in Hamburg das Abitur bestanden – so viele wie noch nie. In den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der Abiturienten verdoppelt, in keinem anderen Bundesland macht ein so hoher Anteil der Schüler das Abitur. Ist das überhaupt noch eine Hochschulreife?, fragen Eltern schon länger besorgt. Nun wehren sich die Sprecher der Vereinigung der Leitungen Hamburger Gymnasien im Interview mit der ZEIT:Hamburg gegen die Vorwürfe des angeblich zu laschen Abiturs. "Der durchschnittliche Abiturient ist heute auf die Anforderungen der Hochschule besser vorbereitet als früher", sagte Christian Klug, Schulleiter des Gymnasiums Lerchenfeld. Die Hamburger Gymnasialschulleiter äußern sich in dem Gespräch zudem erstmals zu der Kritik, die ihre Kollegen von den Stadtteilschulen vor fünf Monaten im Interview mit der ZEIT geübt hatten. "Es erfüllt uns tatsächlich mit Sorge, dass sich ein immer höherer Anteil der Schüler am Gymnasium anmeldet", sagte Sprecher Christian Gefert vom Marion Dönhoff Gymnasium. Damals hatten die Stadtteilschulleiter die Befürchtung geäußert, das Schulsystem drohe aus diesem Grund zu scheitern. Um die Stadtteilschulen zu entlasten, fordern die Gymnasialleiter nun, ihre Schulen stärker in die Inklusion von förderbedürftigen und behinderten Schülern einzubinden. Das ganze Interview lesen Sie im Hamburg-Teil der neuen ZEIT, hier auch digital erhältlich.

Anreisechaos zur Elbphilharmonie

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Konzertticket für die Elbphilharmonie und schaffen es nicht rechtzeitig zum Einlass. Horror oder? Nun hat sich in dieser Frage auch die CDU sortiert: "Es droht ein Verkehrschaos in der westlichen HafenCity", so der verkehrspolitische Sprecher Dennis Thering. In der Bürgerschaft will die Fraktion nun ein "Parkleitsystem" für das Areal um die Elbphilharmonie fordern. Wenn viele Leute mit dem eigenen Auto dorthin fahren, dann, vermutet die CDU, werde es eng, da schließlich der gesamte An- und Abreiseverkehr über die Mahatma-Gandhi-Brücke laufe. "Darunter würden auch der Ruf und die Attraktivität der Elphi leiden", sagt Thering. Klar, wäre doch dumm, wenn man die Konzerte per Lautsprecher in den Stau übertragen müsste. Lösen möchte die CDU das Problem mit Echtzeitinformationen zur Verkehrs- und Parkplatzsituation auf dynamischen Informationstafeln und mit einer App. Ob es gut geht, wenn hektische Konzertbesucher während der Fahrt an ihrem Smartphone herumfingern? Ex-Bürgermeister Ole von Beust hatte neulich etwas ins Spiel gebracht, das helfen könnte, das Kernproblem der unattraktiven Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu lösen: den in der Vergangenheit verworfenen Skywalk – eine Glasröhre mit Laufbändern vom Baumwall zum Konzerthaus. Die Grünen wollen erst mal abwarten, wie groß das Chaos wirklich ist. "Sobald die Elbphilharmonie eröffnet ist, werden wir schauen, was gut läuft und wo noch Verbesserungsbedarf besteht", sagt der verkehrspolitische Sprecher Martin Bill.

Udo, Meister der Kurznachricht

Viel wurde geschrieben über den Sprachverfall durch die Kommunikation mit Kurznachrichten via SMS und Twitter: Abkürzungen und Emoticons als Feind der feinen deutschen Sprache und so weiter. Dabei können solche Nachrichten – je nach Verfasser – kleine Kunstwerke sein. Udo Lindenberg ist so eine Edelfeder in der Welt der digitalen Kurzbriefschreiber. Eigentlich müssten wir hier mit einer immensen Zahl von Emoticons arbeiten, um zu beschreiben, wie es aussieht, wenn eine SMS von Udo eingeht. Autor Benjamin von Stuckrad-Barre hat für das Buch "U DO FRÖHLICHE. Das Udo-Lexikon von Alkohol bis Zigarre" eine kleine Analyse der Udo-Kunstsprache, gepackt in Kurznachrichten, geschrieben, welche die "Bild"-Zeitung aktuell in Auszügen veröffentlicht. Das sieht dann in etwa so aus: "alles under controletti? das ding wird m*e*E*eG*A! schön und schlau – wie die panik-frau (es folgen drei Herzchen, die hier leider nicht abzubilden sind), more mucho than i expecccted" und so weiter. Ein Spiel mit Form, Bild und Sprachen, geschrieben, wie er spricht, der Udo. Kunst durch und durch. Und wir ahnen schon: Nachdem uns seine gemalten Likörelle (richtig, die Likörbilder) schon so viel Freude bereitet haben, folgt alsbald eine Vernissage seiner schönsten SMS. Reingehen würden wir.

Mittagstisch

Pasta im Bücherladen

Eigentlich ist das Koch-Kontor ja eine Buchhandlung. Eine Kochbuch-Handlung, um genau zu sein. Weil aber der Mensch vom Wort allein nicht leben kann, gibt es im Koch-Kontor jeden Werktagmittag auch was zu essen. Im täglichen Wechsel stehen zwei Hauptgerichte auf der Karte (5 bis 8,90 Euro), jeweils eines mit und eines ohne Fleisch, und so gut wie immer stammen die Rezepte aus einem der Kochbücher, die es im Eingangsbereich zu kaufen gibt. Und so kann es passieren, dass man an einem Montag im November einen Teller Linguine Puttanesca mit frittierten Kapern, schwarzen Oliven, Tomaten, Petersilie-Zitronen-Pesto und Parmesan auf dem Teller hat, dass man beim Nudelwickeln darüber sinniert, wann man zuletzt so gut fleischlos gegessen hat, und gleichzeitig allen Ernstes überlegt, das Kochbuch "Pasta für jeden Tag" von Anna DelConte und Eric Treuillé zu kaufen (Verlag Dorling Kindersley, 19,92 Euro). Obwohl sich zu Hause das Kochbuch-Regal biegt. Man lässt es letztlich bleiben. Und nimmt sich stattdessen vor, öfter einmal die zwei Stationen mit der U2 vom Helmut-Schmidt-Haus zum Karolinenviertel zu fahren – für einen Mittagstisch im Koch-Kontor.

Koch-Kontor; Karolinenstraße 27, Mittagstisch Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 Uhr

Wolfgang Lechner

Was geht

Stadtwerkstatt: Hamburg wächst. Immer mehr Menschen wollen an der Waterkant wohnen – nur der Platz, der fehlt. Deswegen wird an allen Ecken und Enden gebaut. Wo, für wen und wie gebaut wird, darüber informiert die Behörde für Wohnen und Stadtentwicklung bei der 13. Stadtwerkstatt "Eine Stadt für alle". Es darf diskutiert werden! Fischauktionshalle, Große Elbstraße 9, von 17.30 bis 21 Uhr (Einlass ab 17 Uhr)

Kids studieren: Der Mensch ist unzähligen Werbebotschaften ausgesetzt – aber was genau steckt hinter den bunten Bildern? In der Kinder-Uni Bergedorf erklärt Prof. Dr. Christoph Wegmann, wie Werbung uns beeinflusst. "Werbung wirkt! Die Strategien des Marketings" für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Campus Bergedorf, Hörsaal 0.43, Ulmenliet 20, 17 Uhr, 3 Euro

Kaiserliche Regie: Das Leben als greiser Harlekin, der Tod als General – so interpretierte Viktor Ullmann die Welt in "Der Kaiser von Atlantis". Kein Wunder: Der Komponist schuf die Kammeroper im Ghetto Theresienstadt. Heute beschließt Nachwuchshoffnung Aileen Schneider ihr Regiestudium mit der Bilderwelt eines ausweglosen Systems.  TheaterQuartier, Gaußstraße 190, 20 Uhr, 20 Euro

(Wissens-)Durst löschen: Wie laut war der Urknall? Was ist dunkle Materie? In 50 Kneipen und Bars diskutieren Hamburger Wissenschaftler mit Gästen über ihre Forschung. "Wissen vom Fass" bietet ihnen eine halbe Stunde, um "ganz normale Bürger" von ihrem Fach zu begeistern. Verschiedene Orte in Hamburg, 19 Uhr, Eintritt frei

Schnack

Heute ein neues Wort von einem älteren telefonierenden Herrn gelernt. "Hat dir Christina das Foto von den schönen Lampen schon geappt?"

Gehört von Yann-Aretin Eggert

Meine Stadt

Die Blätter sind im Herbst doch das schönste Spielzeug. © Foto: Florian Schleinig

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


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