Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

sollten Sie zu den 1000 gehören, die dank Losglücks bei den Eröffnungskonzerten in der Elbphilharmonie am 11. und 12. Januar dabei sein dürfen, ein kleiner Hinweis: In dieser Woche wird feststehen, wer die 4000 sind, die außer Ihnen auch noch reindürfen. Aber, unter uns: Große Überraschungen wird es dabei nicht geben. Gehen Sie davon aus, dass in der Elphi so ziemlich jeder anzutreffen sein wird, der in Hamburg Rang und Namen hat. Und in den Pausen, davon können wir auch ausgehen, wird sich anhand der Schlangen zeigen, wie gut das Verhältnis der weiblichen und männlichen Toiletten den Realitäten entspricht (was das soll habe ich in meiner Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" in der ZEIT:Hamburg erklärt).

Vorher und nachher könnte sich vielleicht noch zeigen, ob das Verkehrskonzept seinen Namen verdient – obwohl man bei all den Ehrengästen noch nicht so richtig von Echtbetrieb sprechen kann: Nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck und alle Ministerpräsidenten der Länder sind eingeladen, sondern auch die komplette Bundesregierung. Vielleicht könnte aber auch gerade das ein Anlass sein, neue, innovative Wege zu testen, die Elphi ohne Stau zu erreichen: durch die Luft. Oder vor allem auch übers Wasser. Für den Fall, dass da weiterhin Visionen fehlen, sei noch einmal das Bild der hamburgischen Gondolieri heraufbeschworen, die Merkel & Co mit starker Hand und lauthals Arien schmetternd (auf Platt) durch Nebel und Eisregen vom Baumwall direkt zur Elphi schippern.

Sortieren für die Bundestagswahl

Apropos Angela Merkel: Dass die jetzige Bundeskanzlerin und CDU-Chefin wieder antreten will – beim Parteitag in Essen und auch zur vierten Kanzlerkandidatur – hat die Hamburger CDU gestern sehr  begrüßt. "Gerade in diesen unruhigen Zeiten ist eine verlässliche Politik für Deutschland entscheidend", sagte CDU-Chef Roland Heintze. Die CDU hat auch die Landesliste fertig, mit der sie in den Bundestagswahlkampf ziehen will. Auf den ersten beiden Plätzen stehen Ex-Landeschef Marcus Weinberg und Haushaltspolitiker Rüdiger Kruse, einzige Frau unter den Top Six ist die 67-jährige Herlind Gundelach auf Platz fünf (eine Konstellation also, bei der es vor der Elphi-Damentoilette garantiert keine Warteschlange gibt).

Die FDP Hamburg zieht mit ihrer Partei- und Fraktionschefin Katja Suding an der Spitze in den Bundestagswahlkampf 2017 – und wird, beschloss man auf dem Parteitag, als Konsequenz der Wahl Donald Trumps den Aufbau einer europäischen Armee fordern.

Medizinische Notversorgung – doch nicht alles neu?

Das medizinische Notfallsystem in Hamburg stehe vor einer Revolution, berichtete das "Hamburger Abendblatt" in seiner Samstagsausgabe. Wegen der überfüllten Krankenhaus-Notaufnahmen und der vielen Patienten mit Bagatell-Erkrankungen wolle man die Aufnahme und Behandlung von Patienten komplett umkrempeln:

Geplant sei "eine Konzentration von Notfallambulanzen an einer Handvoll Standorten". Folgt man den Ausführungen des "Abendblattes", entscheiden in diesen Zentren, am Ende solle es nur vier davon geben, erfahrene Ärzte darüber, ob Patienten wirklich in einer Krankenhaus-Notaufnahme oder in einer – nahen – Arztpraxis behandelt würden. Rico Schmidt von der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz entkräftet uns gegenüber vehement: "Es ist keine Konzentration von Notaufnahmen geplant. Es wird weiterhin 21 Krankenhäuser geben, die die Not- und Unfallversorgung sicherstellen. Wir sind in der Gesundheitsbehörde erstaunt über die Berichterstattung und müssen widersprechen." Unstrittig scheint: Das bestehende Angebot der Notfallversorgung einzelner Kliniken soll ergänzt werden. Ganz konkret möchte die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) etwa am Asklepios Klinikum Harburg eine "Portalpraxis" eröffnen. Dort bekommt die Notaufnahme für minder schwere Krankheitsfälle die Unterstützung von Vertragsärzten. Lediglich im Bezirk Harburg sei geplant, im kommenden Jahr die Not- und Unfallversorgung für Erwachsene zusammenzuführen, betont Schmidt. Vorerst also muss, wer in Not ist, nicht erst bis ans andere Ende der Stadt fahren, um versorgt zu werden.

Neuer alter bester Freund China

Rücken Hamburg und China noch enger zusammen? Nicht nur, dass Hamburg seit 30 Jahren mit der fernöstlichen Metropole Shanghai eine Fernbeziehung führt, korrekt gesagt: eine Städtepartnerschaft unterhält. Für China ist Hamburg auch Standort Nummer eins in Europa. Mehr als 550 Firmen aus dem Reich der Mitte agieren in der Hansestadt, rund 700 Hamburger Unternehmen unterhalten Geschäftsbeziehungen nach China. Wie die beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen in Zukunft aussehen könnten, diskutieren 500 Teilnehmer der bedeutendsten chinesisch-europäischen Wirtschaftskonferenz "Hamburger Summit: China meets Europe", die am Mittwoch vom Ex-Kanzler und dem neuen Ehrenvorsitzenden der Veranstaltung Gerhard Schröder miteröffnet wird. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und die stellvertretende chinesische Premierministerin Liu Yandong werden erwartet. "Die Chinesen haben großes Interesse daran zu erfahren, wie es mit der EU weitergeht", sagte Philip Koch, Projektleiter für die Konferenz. Der Wahlausgang in den USA dürfte diesen Wunsch verstärken. Zwei Tage lang diskutieren die Teilnehmer – rund die Hälfte von ihnen kommt aus China – über wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Konferenz beendet die China Time, die große Sause, mit welcher Hamburg und Shanghai alle zwei Jahre ihre Partnerschaft feiern. Mehr als 160 Veranstaltungen standen diesmalauf dem Programm, am Freitag endet die hanseatisch-asiatische Party. Wirtschaftlich gesehen ist aber wohl noch lange nicht Schluss.

Keine duften Züge mehr

Ihnen ist doch sicher auch schon einmal während der S-Bahn-Fahrt der Schweiß des Nebensitzers in die Nase gestiegen. Oder dessen Knoblauchbrot. An manchen Tagen ist die Luft in den Wagen zum Schneiden dick, das Geruchskonglomerat aus Alkoholfahnen, Essens- und Körpergerüchen und Parfümschwaden alles andere als lieblich. Dagegen wollte die Deutsche Bahn etwas tun und schickte beduftete Straßenbahnen auf die Schienen. Ein Pilotprojekt, das auf wenig Gegenliebe stieß – Kunden beschwerten sich beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Der legte ein Veto ein: "Wir fordern, diese Aktion umgehend zu beenden!" Die Art der Beduftung durch Kartusche Fahrgäste mit Allergien und Asthmatiker riskierten durch das Mitfahren Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme bis hin zu Asthmaanfällen. Zum Wochenende brach die Bahn den Versuch ab. Projekt "Energize" und "Relax" – so heißen die zwei zum Einsatz gekommenen Duftvarianten – sind damit abgehakt. Wie es in den Abteilen doch noch zu einer olfaktorischen Verbesserung kommen kann, will das Unternehmen jetzt gemeinschaftlich mit dem DAAB beraten.

Weibliche Straßen

Falls Sie mit dem Gedanken liebäugeln, demnächst in das Quartier Altona-Nord zu ziehen, dann könnten Sie bald in der Domenica-Anita-Niehoff-Straße wohnen. Die 2009 verstorbene Prostituierte und Streetworkerin ist Namensgeberin für eine der neu entstehenden Straßen in der Neuen Mitte Altona. Im Quartier werden zwölf Straßen benannt, zehn werden künftig Frauennamen tragen, und zwar nicht irgendwelche. Zu den von der Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen auserwählten Frauen gehören unter anderem die jüdische Komponistin und Musiklehrerin Felicitas Kukuck, Elfriede Land, eine der ersten Busfahrerinnen Deutschlands, aber auch Emma Poel, die mehrere soziale Einrichtungen gründete. "In diesem neuen Quartier in Altona-Nord wird das vielfältige Wirken von Frauen für unsere Stadt gewürdigt", sagt die Altonaer Bezirksamtsleiterin Liane Melzer. Ein – oder vielmehr zehn – Zeichen für die Emanzipation. Und nein, wir haben nicht nachgezählt, wie es denn bei den übrigen Hamburger Straßennamen um die Frauenquote steht.

Mittagstisch

Staunen und Essen

Jahrelang hat man der Elbphilharmonie beim Wachsen und Werden zugeschaut, jetzt endlich kann man hinein. Eine lange Rolltreppe bringt den Besucher durch einen weißen Tunnel nach oben. Die Fahrt endet vor einer Fensterfront mit spektakulärem Ausblick: Zu Füßen liegt der Hafen. Auch essen kann man hier: Eine Treppe führt hinab in das Restaurant Störtebeker. Nach dem hellen Aufgang mutet es dunkel an, Erdfarben dominieren, Holz, Leder und Sichtbeton. Der Mantel wird an der Garderobe abgegeben, die hinter sechs schweren Türen verborgen liegt. Obwohl man nicht reserviert hat, bekommt man einen hübschen Platz in der Nähe des Fensters. Das Fleisch des empfohlenen Schmortopfes – die Küche gibt sich nordisch bodenständig – zerfällt auf der Zunge, Lauchzwiebeln bringen Frische in die feine Brühe mit Kartoffeln und Karotten (19,50 Euro). Nach dem Essen sollte man auf jeden Fall noch einen Verdauungsspaziergang auf der Plaza machen – der Aussichtsplattform in 37 Meter Höhe. Einmal rundherum. Oder gleich zweimal.

Störtebeker Elbphilharmonie, Platz der Deutschen Einheit 3; Mittagstisch Montag bis Sonntag 11.30 bis 15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Sultan im Kino: Der osmanische Herrscher Abdul Hamid hetzt in "Abdul the Damned" "Alttürken" gegen "Jungtürken" auf. Mag die Geschichte im Jahr 1908 spielen – der "rote Sultan" wirkt wie eine allegorische Darstellung Hitlers, das Massaker an den "Jungtürken" erinnert an die Ermordung Ernst Röhms durch die SS. Das Filmfestival cinefest zeigt den Streifen von Regisseur Karl Grune im Original von 1934.

Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, 21.15 Uhr, 7,50 Euro

Pinsel auf der Bühne: Der chinesische Bilderbuchautor und -illustrator Chen Jianghong schlüpft in die Rolle von Han Gan. Als Maler am Hofe des Kaisers tuscht er die Geschichte "Han Gan und das Wunderpferd" mit großem Pinsel vor den Augen des Publikums. Musikerinnen aus Shanghai begleiten ihn auf traditionellen chinesischen Instrumenten. Für Kids ab 6 Jahren.

Kampnagel, Jarrestraße 20, 16 Uhr, 8 Euro

Verlosung: Heute öffnet die Christmas Lounge in den Colonnaden. In drei Themen-Pavillons – darunter auch unser ZEIT-Pavillon "Wohlfühlmomente", eine sinnliche Lesestube mit Piano und Samowar – erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit Kulinarischem und Kulturellem, wie Lesungen und Glühwein-Talks. Und es kommt noch besser: Für unsere Elbvertiefungsleser hat der Kooperationspartner Hotel Baseler Hof zwei Übernachtungen für zwei Personen im Kleinhuis Hotel Mellingburger Schleuse springen lassen, im Classic-Doppelzimmer, inklusive Frühstück, Sauna- und Schwimmbadnutzung. Klingt gut? Dann beantworten Sie bitte folgende Frage: Seit wann steht die traditionsreiche Fußgängerzone Colonnaden unter Denkmalschutz? Antwort bitte bis 13 Uhr an elbvertiefung@zeit.de

Christmas Lounge in den Colonnaden, 21.11. bis 23.12.2016, täglich 12 bis mindestens 20 Uhr, Eintritt frei. Das Programm wird am jeweiligen Tag hier veröffentlicht.

Was kommt

Mehr fürs Meer: Öl- und Gasförderung, Schifffahrt, Fischerei, Kohlendioxid – die Weltmeere müssen ganz schön was aushalten. Brauchen sie mehr Schutz? Darüber diskutieren bei "Meeresumweltschutz: Braucht das Meer mehr?" unter anderem Monika Breuch-Moritz, Präsidentin des Bundesamts für Seeschifffahrt, und Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Baseler Hof Säle, Esplanade 15, Mittwoch, 19 Uhr, Anmeldungen online

Moin und Shalom: Hamburger Start-ups und solche aus Israel, insbesondere aus Tel Aviv, haben vieles gemeinsam – die Städte sind international ausgerichtet, technisch hochmodern. Welche Synergieeffekte sich daraus ziehen lassen, will die Deutsch-Israelische Gesellschaft Hamburg unter dem Motto "Moin Hamburg, Shalom Israel – Lets talk about B2B Opportunities!" herausfinden.

Mindspace, Rödingsmarkt 9, Mittwoch, 18.30 Uhr, Anmeldung online

Was bleibt

Weihnachtsmärchen: Die Erwachsenen verlustieren sich auf den Weihnachtsmärkten bis der Weihnachtsmann über’n Rathausmarkt fliegt – und was ist mit Kindern, die auch leuchtende Augen haben wollen? Die gehen ins Märchen. So viele Stücke stehen auf dem Programm, dass nur ein kleiner Einblick möglich ist:

Die Schneekönigin:Theater für Kinder, Max-Brauer-Allee 76, ab vier Jahre, bis 29. Januar, 16,50 Euro

Tausendundeine Nacht: Schauspielhaus, Kirchenallee 39, ab acht Jahre, bis 1. Januar, ab 7Euro

Die unendliche Geschichte: Thalia Theater, Alstertor, ab zehn Jahre, bis 5. Januar, ab 6,50 Euro

Die kleine Meerjungfrau: Ohnsorg Theater, Heidi-Kabel-Platz 1, ab vier Jahre, bis 27. Dezember, ab 8,50 Euro

Der kleine Ritter Trenk: Altonaer Theater, Museumstraße 17, ab fünf Jahre, 24. November bis 16. Januar, ab 10 Euro

Schneewittchen und die sieben Zwerge: St. Pauli Theater, Spielbudenplatz 29–30, ab vier Jahre, 25. November bis 22. Dezember, ab 10,90 Euro,

Der Räuber Hotzenplotz: Schmidt Theater, Spielbudenplatz 27, ab vier Jahre, bis 7. Januar, ab 15,40 Euro

Hänsel und Gretel: Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, ab vier Jahre, bis 23. Dezember, ab 10 Euro

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

"Nach nun elf Spieltagen wartet der HSV immer noch auf den ersten Saisonsieg. Die "Rothosen" waren gegen Hoffenheim nah dran am "Dreier", am Ende reichte es aber nur zu einem 2:2-Unentschieden. Das ist zwar besser als nichts und mehr als erwartet, angesichts des Ingolstadt-Sieges gegen Darmstadt aber trotzdem zu wenig. Immerhin schießt der HSV wieder Tore. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Samstag im Nord-Derby gegen den Tabellensechzehnten Werder Bremen."

Erik Hauth, bloggt über den FC St. Pauli

 "Gut gespielt, wieder verloren: Seit 180 Minuten schießt nur der FC St. Pauli die Tore; dummerweise immer ins eigene Tor. ›Eigentlich ganz gut‹, sagt meine Nebensteherin Claudia auf der Gegengerade, ›jeder der Boys in Brown hat Ideen – doof nur, dass die Mitspieler sie nicht erkennen.‹ So bleibt St. Pauli trotz Kämpferherz unbelohnt. Für Ewald Lienen wird es ganz eng – obwohl oder gerade weil man sich fragt, was er nun noch tun soll."

Meine Stadt

600 geladene Gäste nahmen am Samstag im Deutschen Schauspielhaus Abschied von Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler, die am 7. Oktober nach schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren gestorben war. "Kultur war für sie niemals nur eine Angelegenheit des bildungsbürgerlichen Feuilletons, sondern Antrieb einer modernen, sich wandelnden Gesellschaft", sagte Bürgermeister Olaf Scholz. Kisseler habe sich kompromisslos für das Thema eingesetzt; "dass wir in weniger als zwei Monaten am 11. und 12. Januar die Elbphilharmonie eröffnen können, wäre ohne ihren Einsatz nicht möglich gewesen". Zum Andenken an die Verstorbene soll künftig der mit 50.000 Euro dotierte "Barbara Kisseler Theaterpreis" für herausragende Leistungen an Hamburger Theatern verliehen werden.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.