Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

manchmal, nur manchmal, gibt es auch unter Maschinen eine ausgleichende Gerechtigkeit. So schrieb ein Leser aus Uhlenhorst, er sei hocherfreut gewesen, als er die Elbvertiefung bei geöffnetem Fenster gelesen habe – und auf einmal das altvertraute, aber ungewohnte Geräusch eines Besens hörte, der Laub zusammenfegt: "Mittlerweile wird ja der Lärm startender Flugzeuge emittiert, wenn astronautenähnliche Experten mit motorisierten Laubbläsern ein paar abgefallene Blätter zusammenkehren." Unser Leser eilte begeistert nach unten auf die Straße, um von dem fegenden Nachbarn Aufklärung zu erfahren: Seien alle Laubpuster von entnervten Kopfarbeitern sabotiert worden – oder zumindest anderswo im Einsatz? Handle es sich um einen Anfall von Fege-Nostalgie?

Mitnichten, so der Nachbar: "Die beauftragte Reinigungsfirma entferne das Laub auf dem Gehweg nicht mehr, weil sich ein Fahrzeughalter darüber beklagt habe, dass beim motorisierten Laubblasen ein Steinchen gegen die Lackoberfläche seines Porsches geschleudert worden sei und sie beschädigt habe." Fazit unseres Lesers: "Ich danke dem sensiblen Bürger der Autostadt Hamburg für die Rückkehr zum archaischen Besen."

Eurowings und Lufthansa: Achtung, Streik!

Wollten Sie heute mit Eurowings fliegen? Vielleicht können Sie sich gleich wieder hinlegen: Bei der Fluggesellschaft wird gestreikt. Gestern rief die Gewerkschaft ver.di das Kabinenpersonal an den Standorten Hamburg und Düsseldorf auf, von fünf Uhr morgens bis 20 Uhr die Arbeit niederzulegen. Am Hamburg Airport Helmut Schmidt sind laut Pressestelle in diesem Zeitraum 20 Abflüge und 20 Ankünfte von Eurowings vorgesehen. Durch den Ausstand seien Flugstreichungen und Verspätungen möglich. Wer sich über den aktuellen Status des Hamburger Flugplans informieren will (oder muss), kann dies auf der Website des Airports tun oder auf der Seite der Fluggesellschaft. Ver.dis Aufruf zum Streik ist eine Reaktion auf den jüngsten ergebnislosen Einigungsversuch in den Tarifverhandlungen mit Eurowings. Die Gewerkschaft fordert für die rund 460 Kabinenmitarbeiter "unter anderem eine Anhebung der Gehälter und eine Erhöhung der Funktionszulagen um jeweils sieben Prozent, 500 Euro Zulage für die Kabinenleitung sowie die volle Bezahlung der Dienstzeit einschließlich der Bodentätigkeiten und Bodenzeiten". Da ver.di aber die Verhandlungen nicht für gescheitert erklärt habe, sei man "umso überraschter, dass nun zu einem eintägigen Streik aufgerufen wird", zitierte die dpa einen Eurowings-Sprecher. Und wie überrascht da erst die Fluggäste sein werden ...! Am Mittwoch geht der Spaß übrigens weiter. Dann wollen die Lufthansa-Piloten streiken.

Notaufnahmen mit Arztpraxis

Der "Hamburger Abendblatt"-Bericht vom Wochenende über eine angebliche Neuorganisation der Hamburger Notfallversorgung und eine Konzentration der Notaufnahmen auf "eine Handvoll" Standorte ließ die Gesundheitsbehörde zwar "erstaunt" zurück (wir berichteten). Aber was die Einführung von "Portalpraxen" angeht, war das Blatt offenbar auf der richtigen Spur: Mehrere Krankenhäuser wollen wohl eine Art Konglomerat von Notaufnahme und Arztpraxis einrichten. Das gibt es beispielsweise im Marienkrankenhaus bereits seit zwölf Jahren, "zur großen Zufriedenheit der Patienten", erzählte uns Michael Wünning, Chefarzt der Notaufnahme. Um Patienten mit leichteren Beschwerden lange Wartezeiten zu ersparen, können die einen niedergelassenen Arzt aufsuchen, der auch am Wochenende direkt neben der Notaufnahme seinen Dienst versieht. Dass angeblich hauptsächlich jüngere Menschen kämen, ist für Wünning nur verständlich: "Notaufnahmen spiegeln die gesellschaftliche Struktur wieder", sagt er. "Die Menschen sind mobiler, viele Junge haben gar keinen Hausarzt." Aber die These, viele kämen mit harmlosen Wehwehchen, kann Wünning nicht uneingeschränkt unterstützen. "Wer bei Kopfschmerzen vier Wochen auf einen Termin beim Neurologen warten muss, wird irgendwann so nervös, dass er zum Abklären dann doch lieber in die Notaufnahme kommt." Auch er beobachte eine stetige Steigerung der Patientenzahlen in der Notaufnahme, doch diese betreffe alle Diagnosen und Abteilungen – nicht nur "Schnupfen-Patienten".

"Wir stellen verstärkt Verelendung fest"

Man sieht sie am Isebekkanal, im Stadtpark oder an der Alster: Menschen, die sich in mehr oder weniger notdürftigen Zeltlagern oder nur in Schlafsäcken vor dem Winter zu schützen versuchen. Viele von ihnen stammen aus Südosteuropa und Osteuropa; wie die Kollegen von ZEIT ONLINE bereits im Sommer recherchierten, stieg die Zuwanderung aus EU-Ländern wie Rumänien, Polen, Bulgarien und Ungarn deutlich an. Dass sich dies mittlerweile auch in Obdachlosigkeit niederschlägt, beobachtet Johan Graßhoff bei seiner täglichen Arbeit. "Und wir stellen verstärkt Verelendung fest, gerade bei Obdachlosen aus Osteuropa", sagt der Straßensozialarbeiter des Diakonischen Werks Hamburg, der in der Innenstadt das Gespräch mit in Not geratenen Menschen sucht. Viele der Einwanderer, die sich dort durchschlagen, haben ihren ohnehin prekären Job und dann ihre Wohnung verloren – auch wenn sie theoretisch Anspruch auf Sozialleistungen hätten. Doch dies scheitere an der Sprachbarriere, an Diskriminierungen oder schlicht an Unwissen. Hinzu kämen Zuwanderer auf Arbeitssuche und jene, die sich mit Betteln durchschlügen. Die wachsende Zahl an Obdachlosen stelle Unterkünfte in der ganzen Stadt und das Winternotprogramm vor Herausforderungen. "Es herrscht ein großer Druck auf alle Hilfsangebote, weil es einen Konkurrenzkampf auf der Straße gibt", so Graßhoff. Wie dem zu begegnen sei? "Es muss ein ganzheitliches Konzept mit allen Beteiligten entwickelt werden, um die Verelendung zu stoppen", fordert er.

"Viele Eltern sehen Mathematik als wenig bedeutsam an"

Sie klingen erfrischend, sind für viele Schüler aber dröge: die sogenannten Mint-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Gerade hier hält sich die Begeisterung der Kids in Grenzen, vor allem, wenn es später darum geht, ein Studium oder einen Beruf in dieser Richtung zu wählen. Die Skepsis bekommen die Kinder oft von zu Hause mit. "Viele Eltern sehen Mathematik in ihrem Alltag und ihrem Beruf als wenig bedeutsam an", sagt Monika Seiffert, Mint-Referatsleiterin der Behörde für Schule und Berufsbildung. Und das übertrage sich auf den Nachwuchs. Um Abhilfe zu schaffen, findet heute der dritte Hamburger MINT-Tag statt, an dem rund 1000 Klassen mit insgesamt 25.000 Schülern teilnehmen. Die Schüler können sich in Gentechnik versuchen, Experimente in Physik, Chemie und Biologie durchführen oder das Raumklima ihres Klassenzimmers analysieren. "Besonders gut funktionieren Veranstaltungsformate, bei denen sie selbst aktiv werden können", sagt Monika Seiffert. Die – öffentliche – Abschlussveranstaltung mit Musik und Experimenten steigt im KörberForum. Und wenn es auf der Bühne erst blitzt, knallt und raucht, ist die Aufmerksamkeit des Nachwuchses garantiert.

Zum Tod von Esther Bauer

Am vergangenen Samstag starb die Holocaust-Überlebende Esther Bauer im Alter von 92 Jahren in New York. Geboren wurde sie 1924 in Hamburg, 1942 wurde sie mit ihren Eltern nach Theresienstadt deportiert, wo ihr Vater Alberto Jonas kurz darauf starb. Ihre Mutter Marie wurde 1944 in Auschwitz ermordet. Esther Bauer überlebte erst Theresienstadt, dann Mauthausen. 1946 ging sie in die USA. Seit den 1980er Jahren reiste sie immer wieder zu Vorträgen, um zu schildern, was sie als junges Mädchen erlebt hatte. Im Theaterstück "Das ist Esther" von Christiane Richers erzählt sie – vom Band – von ihrer behüteten Kindheit in Eppendorf, aber auch von all dem, was danach kam. Esther Bauer wurde gestern in New York beigesetzt, heute wird das Theaterstück im Dr.-Alberto-Jonas-Haus aufgeführt, der früheren Israelitischen Töchterschule, deren letzter Leiter Esther Bauers Vater war. Die Vorstellung ist bereits ausverkauft, Schulen können das Stück jedoch zu sich einladen: Aufgeführt wird es dann im Klassenzimmer.

Mittagstisch

Feine Speisen und edle Weine

Zu der sich am Fischmarkt entwickelnden neuen Gastronomieszene gehört auch die Neue Heimat, eine Mischung aus Delikatessengeschäft und Bistro. Den hohen, hellen Raum dominiert die große Theke mit Spezialitäten des Erlanger Käseverfeinerers Volker Waltmann, eines der wenigen Affineure Deutschlands. Dahinter werden in der offenen Küche Gemüsegerichte zubereitet, etwa eine feine, leicht scharfe Rote-Bete-Apfel-Suppe mit Thymian und Parmesan (5,50 Euro) oder Ratatouille (7,40 Euro), optional kann eine Fleisch- oder Fischbeilage gewählt werden. Die kleine, regional und saisonal ausgerichtete Karte wird wöchentlich komplett erneuert. Ungewöhnlich ist die Getränkeauswahl mit hausgemachter Zitronen-Nelken-Limo, ausgefallenen Kaffeespezialitäten oder biodynamisch angebauten Weinen. Die Stühle waren früher einmal alte Fässer, Tische und Theke bestehen aus dicken Eichenplanken, die Lampen erinnern an Fischreusen, und die Tagesgerichte stehen auf einer großen Abreißrolle Packpapier – in der Tat eine neue Heimat für Genießer.

Neue Heimat, Fischmarkt 5, Mittagstisch von 11.30 bis 15 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Räuberpistole: Au Backe, "Der Räuber Hotzenplotz" klaut Großmutters Kaffeemühle – ausgerechnet an ihrem Geburtstag. Kasperl und Seppel stürzen sich ins Abenteuer, um den Bösewicht zu fangen. Theaterspaß für die ganze Familie.

Schmidts Tivoli, Spielbudenplatz 24–28, 10 Uhr, ab 15,40 Euro

Olympia im Film: Regisseur Guido Weihermüller begleitet mit seiner Dokumentation fünf Athleten bis zu den Olympischen Spielen in Brasilien. In "Die Norm – Ist dabei sein wirklich alles?" zeichnet er ein intimes Porträt ihrer Arbeit und ihrer Persönlichkeiten. Im Anschluss diskutieren Regisseur und Athletenteam mit dem Publikum.

Abaton, Allende-Platz 3, 20 Uhr, 8 Euro

Die Sprache der Kunst: Holz, Ton, Stein und Papier treffen in der Ausstellung "Skulptur heute" aufeinander. Elf Künstler illustrieren mit ihren Werken die Spannbreite zeitgenössischer Skulpturen.

Stern-Wywiol Galerie, An der Alster 81, bis zum 7.1.2017, 10–18 Uhr

Integration: Mehr als 30.000 Geflüchtete hat Hamburg seit Beginn des letzten Jahres aufgenommen. Auf dem Integrationskongress "Fischkopp trifft Falafel", organisiert von der Grünen-Bürgerschaftsfraktion, soll darüber diskutiert werden, wie es weitergeht.

Rathaus Hamburg, 17 Uhr, Anmeldung unter 040 42831 1397 oder per Mail an info@gruene-fraktion-hamburg.de

Was kommt

Verlosung: Im Rahmen des Hamburger Theater Festivals zeigt das Thalia Theater Friedrich Schillers "Don Carlos", eine Produktion des Deutschen Theaters Berlin unter der Regie von Stephan Kimmig. Das 1787 in Hamburg uraufgeführte Drama handelt von Liebes- und Machtintrigen am spanischen Königshof des 16. Jahrhunderts. Wir verlosen 5 x 2Karten für die Vorführung am 29.11. Sie wären gerne dabei? Beantworten Sie bitte folgende Frage: Um wessen Liebe konkurrieren König Philipp und sein Sohn Don Carlos? Antwort bitte bis heute 13 Uhr unter Angabe Ihrer Kontaktdaten an elbvertiefung@zeit.de.
Don Carlos 29. und 30.11., 19 Uhr, Thalia Großes Haus, Alstertor, Tickets: 16,– bis 68,– Euro, Kartentelefon 040-32 81 44 44

Hamburger Schnack

Auf dem Parkplatz hinter einer Autowaschstraße machen die Fahrer zweier Leichenwagen Zigarettenpause. Als sie ihre Autos wieder besteigen, sagt der eine zum anderen: "Frohes Schaffen!"

Gehört von Jürgen W. Salomon

Meine Stadt

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.