Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

unsere Stadt wird immer begehrter. Laut Statistikamt Nord kamen im September schon 6,5 Prozent mehr Gäste hierher als vor einem Jahr. Vielleicht ein tröstlicher Gedanke, sollten Sie festgestellt haben, dass Sie hier heute nicht wegkommen. Am Hamburger Flughafen wird wieder gestreikt. Diesmal legen die Lufthansa-Piloten ihre Arbeit nieder, voraussichtlich jeweils 26 Starts und Landungen werden ausfallen. Wenn auch Sie zu den etwa 6000 betroffenen Passagieren zählen, Infos hier, sind Sie vermutlich längst mit Umbuchen oder Ihrem persönlichen "Plan B" beschäftigt. Auch am Dienstag, da streikte das Kabinenpersonal von Eurowings, blieb die Lage am Airport ruhig – vermutlich, weil Infos über verspätete oder gar nicht erst startende Flüge heutzutage rechtzeitig via Internet, SMS oder Mail bei den Fluggästen ankommen. Die müssen nicht erst anreisen, um sich vor TV-Kameras zum Ei zu machen, sondern können ihrer Verzweiflung in den eigenen vier Wänden freien Lauf lassen, zur Freude der Nachbarn. Übrigens: falls Sie über Weihnachten eine Flugreise planen, sollten Sie auf jeden Fall die App der Fluglinie und einen "Plan C" (wie "Christbaum") parat haben. Der heutige Streik ist immerhin schon der 14. im laufenden Tarifstreit.

Vogelgrippe: Hunde an die Leine!

Die Vogelgrippe breitet sich in Hamburg aus – und nun müssen Hunde an die Leine, Katzen haben Ausgehverbot. Wieso das? Laut Gesundheitsbehörde besteht die Gefahr, dass frei laufende Tiere das H5N8-Virus verbreiten könnten. Seit am Sonntag bei drei Wildvögeln in Rothenburgsort der Geflügelpest-Erreger nachgewiesen wurde, gilt alles im Umkreis von zehn Kilometern (also praktisch ganz Hamburg) als "Beobachtungsgebiet": Wer Hund oder Katze frei herumlaufen lässt, riskiert ein Bußgeld von bis zu 30.000 Euro. Ganz schön happig – aber Kristin Schalkowski, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit (FLI), hält das nicht für übertrieben. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass sich Säugetiere mit der Geflügelpest infizierten. Verbreiten könnten die Tiere das Virus aber trotzdem: "Hunde und Katzen bergen ein großes Verschleppungsrisiko, indem sie mit infizierten Kadavern oder Kot in Berührung kommen, den Erreger an vielen Stellen in der Umwelt verbreiten, Gegenstände kontaminieren", so Schalkowski. Die strikten Regeln für Hunde und Katzen machen aus Sicht der Forscher durchaus Sinn, zumal auch eine Infektion von Menschen mit H5N8 bisher zwar nie vorgekommen, aber eben auch nicht ganz auszuschließen sei. Wenn nach 21 Tagen keine weiteren Fälle von Geflügelpest bekannt werden, dürften die Hunde wieder frei herumtollen, sagt Rico Schmidt von der Gesundheitsbehörde. Dazu kurz etwas für alle Eltern mit kleinen Kindern, Jogger und Hundephobiker, die auf die nahezu einmalige Chance hoffen, sich auf den Grünflächen und in den Parks ganz unbehelligt zu tummeln: In Hamburger Parks wurden gestern durchaus frei laufende Hunde gesichtet (deren Besitzer die Leinenpflicht zwar gut fanden, aber für andere Hunde); Bußgelder wurden noch keine verhängt.

Hamburg wird "Active City"

Wird Hamburg nun doch noch zur "Sportstadt"? Ein Jahr nach der Olympia-Pleite stellte Sportsenator Andy Grote nun seinen "Masterplan Active City Hamburg" vor. Er enthält 26 Projekte im Sportbereich, Kostenpunkt 40 bis 50 Millionen Euro, dahinter steht die Philosophie einer "Stadt als Sportstätte": Schul- und Vereinssport, Sport "für alle", Nachwuchsleistungssport und Spitzensport sollen gefördert werden. Etwa durch "niedrigschwelligen Zugang" zu Sportangeboten, "aktivierende Veranstaltungsformate" und den Ausbau von Sportstätten. Schöne Worte, nicht neu – aber was heißt das denn nun konkret: Bau von Bolzplätzen in sporttechnisch unterversorgten Vierteln? Nun, erst einmal wird Bestehendes umgebaut: Die Julius-Leber-Schule in Eimsbüttel bekommt eine Sporthalle für Rollstuhlbasketball, die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule (Altona) eine Zuschauertribüne, die Dreifach-Hallen in den Gymnasien Ohlstedt und Hummelsbüttel (Wandsbek) werden für Hallenhockey umgerüstet. 2017 geht es weiter mit dem Wiederaufbau der Sporthalle Mittlerer Landweg, der Modernisierung der Regattastrecke Dove-Elbe und mit "Bewegungsinseln" für Sport im Freien (mit Outdoor-Geräten, die Jogger zu Klimmzügen animieren sollen). Wo, steht noch nicht fest, mehr grüne Laufstrecken soll es dazu offenbar leider nicht geben. Einige der Projekte waren schon für die Olympischen Spiele geplant; nichts weiter als "alter Wein in neuen Schläuchen" sei der Masterplan, der bis 2024 umgesetzt werden soll, sagt nun etwa Daniel Otzel von der FDP.

Hamburger Industrie fürchtet TTIP-Ende

Das war's dann wohl mit TTIP, oder?: Donald Trump will die Verhandlungen um das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU stoppen, verkündigte der zukünftige US-Präsident – via YouTube-Video. Deutsche Wirtschaftsverbände hatten schon vor der US-Wahl vor einem möglichen TTIP-Ende gewarnt, und nun ist die Stimmung unter den Hamburger Unternehmern entsprechend düster. "Sehr besorgniserregend" sei die Ankündigung Trumps, sagte uns etwa Nico Fickinger, Geschäftsführer von Nordmetall. Für die norddeutschen Arbeitgeber in der Metall- und Elektroindustrie seien allerdings weniger konkrete Schäden zu befürchten als vielmehr unerfüllte Hoffnungen zu beklagen. "Wir hatten auf größere Exportchancen durch TTIP gehofft", so Fickinger. Trumps Faible für Protektionismus und Zollschranken könne er nicht nachvollziehen, so der Nordmetall-Chef weiter: "Jeder Ökonom weiß doch, dass Handel eine wichtige Grundlage für Wachstum, Wohlstand und Arbeitsplätze ist. Nun aber sieht es so aus, als würde Trump sämtliche verbindlichen Regeln für fairen Handel aufkündigen wollen – dabei brauchen wir jetzt dringend stabile Rahmenbedingungen!" Bisher macht sich der US-Präsident in spe also auch an der Elbe wenig Freunde. Es bleibt spannend. Wenn er so weitermacht, auch für Trump.

Von der Straße in den Wohnwagen

Schluss mit Platte. Sascha Ringler und sein Hund Jack müssen diesen Winter nicht auf der Straße verbringen. Dem Hinz & Kunzt-Verkäufer ist mithilfe einer Online-Anzeige ein kleiner Coup geglückt. Der 35-Jährige ist bald stolzer Besitzer eines Wohnwagens. Wie hat er das gemacht?

Elbvertiefung: Herr Ringler, Sie haben online "ein Dach zum Überleben mit Hund" gesucht. Wie kamen Sie auf die Idee?

Ringler: Wir haben zu dritt mit drei Hunden Platte gemacht und einfach eine Anzeige aufgegeben, in der wir eine Gartenlaube oder eine Zeltmöglichkeit für den Winter gesucht haben. Ich dachte, einfach mal probieren. Mehr als nix kann ja nicht rauskommen.

EV: Und das hat tatsächlich funktioniert?

Ringler: Wir haben eine Menge Angebote bekommen, darunter auch von einer Kielerin, die einen alten Wohnwagen zu verschenken hatte. Der ist in einem Topzustand und innen erst kürzlich renoviert worden. Echt voll lieb von dieser Dame. Am Samstag wird der Wohnwagen mit einem Trailer geholt. Ich bekomme Hilfe von einigen Leuten, die auch Geld für die Überführung, TÜV und die Gasabnahme gesammelt haben.

EV: Ein Problem gibt es aber noch, der Stellplatz fehlt ...

Ringler: Ich bin drauf und dran einen Stellplatz zu finden. Es wurde bei verschiedenen Kirchen angefragt. Außerdem habe ich ein Online-Gesuch geschaltet. Das wurde aber schon zweimal gelöscht, weil es leider auch Neider gibt. Da kommen auch Kommentare wie "Geht arbeiten" und "Schmarotzer". Aber daran bin ich nach all den Jahren gewohnt, da lache ich drüber.

EV: Wenn es nicht geklappt hätte, was hätten Sie dann gemacht?

Ringler: Weiter Platte. Ich mache das seit fast 20 Jahren. Für mich ist das normal. Ich komme mit einer Wohnung schlecht zurecht. Fühle mich da so eingeschränkt und immobil. Aber im Laufe der Jahre wurde es nobler. Angefangen habe ich mit normaler Platte, dann im Zelt und nun bald im Wohnwagen. Die kalten Nächte auf der Straße sind bald nicht mehr erträglich. Im Wohnwagen können wir sicher über den Winter kommen.Also ich. Den beiden anderen war das alles zu stressig, und sie hatten keinen Bock mehr darauf.

Torjubel im Miniaturformat

Das Millerntor-Stadion: Wer hier schon einmal auf den Rängen stand und dabei dem inbrünstig dahingeschmetterten Chorgesang der FC-St.-Pauli-Fans ("You'll neeever walk alooone!") lauschen konnte, weiß: Selbst an langweiligen Spieltagen ist die Stimmung hier derart legendär, da wird das Treiben auf dem Platz schon mal zur Nebensache. Nun wird konsequenterweise dem Fußballstadion ein Denkmal gesetzt: Eine Miniatur-Version des "Millerntor" (Maßstab: 1:1000) ist von jetzt an drei Monate lang in der Rindermarkthalle zu besichtigen. Zwei Jahre hat es gedauert, das Modell zu bauen. Aber: Kein Stadion-Flair ohne eingefleischte Fans! Das dachten sich wohl auch die Modellbauer Veronika und Holger Tribian (die übrigens aus Duisburg, nicht aus Hamburg kommen): Fans des FC. St. Pauli können sich nun also per Mail um die Modellierung ihrer selbst bewerben. Schlappe 38 Euro kostet so ein Mini-Selbstbildnis, Accessoires wie ein Schal oder der eigentlich ja obligatorische Bierplastikhumpen in der Hand kosten etwas mehr. Auch eine "Dauerkarte" mit Name des "Figuren-Paten" und der jeweilige Standort der Figur sind im Preis drin. Doch am Ende werden wohl nicht alle Pauli-Fans ihren Sitz- oder Stehplatz für die Ewigkeit im Stadion ergattern können: Insgesamt 1600 Mini-Fans sind fürs Modell vorgesehen, im echten Millerntor an der Feldstraße tummeln sich (wenn es vollbesetzt ist) knapp 30.000 Leute.

Mittagstisch

Journalistenteller und andere Verwirrungen

"Haben Sie nicht schon bezahlt?", fragt die Servicekraft des Broscheks nach einem Blick in den Kassencomputer und betrachtet den Gast, als sei er ein wenig tüdelig. Nein, erwidert man friedlich, deswegen stehe man ja hier an der Kasse. Bezahlt werden 13,50 Euro für ein Lunch, Wasser und Kaffee inklusive, wobei man den Kaffee lieber woanders trinken sollte. Zur Auswahl standen Wolfsbarsch mit Kartoffeln und Blattspinat mit sehr garen Kartoffeln oder Hähnchenbrust mit Zucchini und Kräutergnocchi. Als Erinnerung daran, dass man sich in einem ehemaligen Verlagshaus befindet, heißt das Menü "Journalistenteller". An den Wänden hängen alte Setzkästen. Sehr erfolgreich wurde hier von 1864 bis zur Enteignung durch die Nationalsozialisten 1936 die Tageszeitung "Hamburger Fremden-Blatt" herausgegeben – zuletzt unter Alfred Broschek. Sie zeichnete sich nicht nur durch den Abdruck von Fotografien schon in den 20er Jahren aus, sondern durch ihr ungewöhnlich großes Format. Letzteres kommt einem reichlich bekannt vor.

Broscheks Restaurant im Renaissance Hotel, Große Bleichen 36, Mittagstisch täglich 12 bis 15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Olympia im Film: Regisseur Guido Weihermüller begleitet mit seiner Dokumentation fünf Athleten bis zur Olympiade in Brasilien. In "Die Norm - Ist dabei sein wirklich alles?" zeichnet er ein intimes Porträt von Arbeit und Persönlichkeit im Spitzensport. Im Anschluss diskutieren Regisseur und Athletenteam mit dem Publikum.

Abaton, Allende-Platz 3, 20 Uhr, 8 Euro

Preisverleihung: Wer kriegt den HANS? Das entscheidet sich heute: Für den Hamburger Musikpreis sind in sieben Kategorien jeweils vier Künstler nominiert – darunter etwa Songwriter Enno Burger (als "Künstler des Jahres") und Newcomerin Lina Maly (als "Nachwuchs des Jahres" und für den "besten Song").

Musikclub Markthalle, Klosterwall 11, 20 Uhr

Diskussion über Flüchtlinge: Sozialsenatorin Melanie Leonhard und der Soziologe Prof. Ludger Pries diskutieren bei den "Hamburger Mittagsgesprächen" über die Frage, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann.

Börse Hamburg, Kleine Johannisstraße 4, 12.15 Uhr, 5 Euro, Anmeldung unter info@stories-hamburg.de

Was kommt

Verlosung: Gut gegen den Herbst-Blues: Das MeridianSpa Eppendorf lädt am 26. November zu einem Yoga-Special mit Ralf Bauer ein. Der Schauspieler und Yogalehrer lehrt das Tibetische Heilyoga Lu Jong – eine der ältesten Formen des Yoga: Es lässt die Energie im Körper fließen und löst psychische und physische Blockaden, die über spezielle Atemübungen "ausgeatmet" werden. Klingt gut? Wir verlosen 2x2 Tageskarten für das MeridianSpa inklusive Yogamatten und DVDs. Schreiben Sie uns bis 13 Uhr an elbvertiefung@zeit.de, Betreff: MeridianSpa. 

Yoga-Special mit Ralf Bauer, 26.11., MeridianSpa Eppendorf, Spirit Loft, Quickbornstraße 26, 14 bis 16 Uhr

Schnack

Gehört am Eppendorfer Baum: "Oder möchten Sie?", fragt eine Frau, die sich gerade die druckfrische neue ZEIT vom Kiosk holte, den Feuilleton-Teil entnahm und den Rest der Zeitung sogleich unbesehen in den Müll werfen wollte.

Gehört von Jan Phillip Meyer

Meine Stadt

Handelt es sich hier in Ottensen etwa um eine besondere Kurzparkzone, in der nur der parken darf, dem es gelingt, dabei nicht gleichzeitig anzuhalten? © Andreas Bickel

Viele vermeintliche Hamburger Originale kommen gar nicht aus der Stadt und sind Zugewanderte (Udo Lindenberg ist in Wirklichkeit Westfale, Olaf Scholz und Olivia Jones sind Niedersachsen) – und, es war ohnehin nur eine Frage der Zeit, jetzt kommt auch die Alstertanne nicht aus Hamburg, sondern aus dem Umland, genauer: aus Bad Segeberg. Umstandshalber; denn es gab schon einen Favoriten im Bezirk Harburg, das Bezirksamt dort erteilte aber keine Fällgenehmigung. Hoffen wir nun, dass sich in dem aktuellen Baum keine unangeleinten Katzen versteckt haben.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.