Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

der derzeit in Hamburg geltende Leinenzwang für Hunde samt dem Hausarrest für Katzen hat, analysiert Birgit Stöver von der CDU-Bürgerschaftsfraktion messerscharf, "zu erheblichen Irritationen geführt und wird bisher auch kaum befolgt". Mögen Experten die Maßnahmen noch so sehr befürworten, um zu verhindern, dass sich die Geflügelpest im Stadtgebiet weiter ausbreitet, Tierschützer zweifeln offen an der Notwendigkeit, vierbeinige Lieblinge nur wegen zweibeiniger Vögel derart einzuschränken, werfen die Frage auf, ob es in Hamburg etwa mehr Hunde oder mehr Hühner gäbe, und bieten an, dann eben künftig auf Frühstückseier zu verzichten.

In den Parks flanieren selbstbewusste Hundehalter, die die aktuelle Leinen-Vorschrift genauso wenig befolgen, wie sie auch vorher schon die Schilder zur Leinenpflicht ignorierten. Nur ein paar Ehrliche zerren ihre pikierten Tiere hinter sich her, Ehrliche, die sich wie Dumme vorkommen, denn (wie beim Radfahren): Kontrollen gibt es weit und breit nicht. Wetten, morgen lassen sie ihren Hund auch "ohne" laufen? 

Einige von Ihnen aber haben, im Gegenteil, noch weiter gedacht. "Ich verstehe natürlich, dass man verschiedene Maßnahmen ausprobiert, um die Vogelgrippe an der Ausbreitung zu hindern", schrieb eine Leserin aus der Nähe von Cuxhaven. "Doch was ist mit frei laufenden Joggern, Kindern und all den anderen (Menschen)? Der Vogelkot wird von den Vögeln doch sicher nicht präzise nur an Freilaufflächen für Hunde abgeladen …" Und ein anderer Leser fordert, um die Verbreitung der Vogelgrippe durch den Schuhen anhaftenden Kot infizierter Tiere zu verhindern, konsequenterweise auch Kinder an die Leine zu legen ("auch die toben über Rasenflächen").

"Was ist mit den Menschen (und Hunden) von auswärts?", will die Schreiberin aus Cuxhaven noch wissen. "Bei uns sammeln sich Tausende Wildgänse auf den Feldern. Gelten wir nun als kontaminiert und dürfen dann nicht mehr nach Hamburg einreisen?" 

Ob sich der Gesundheitsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft in seiner heutigen Sitzung auch mit solchen Fragen beschäftigt, ist fraglich. Aber selbst wenn es jemals eine Sperrzone für Kontaminierte aus Cuxhaven geben sollte, keine Sorge: Hier kann das sowieso niemand kontrollieren.

(Ähnlich unkontrollierbar, aber das wissen Sie sicher schon, ist der Streik der Piloten der Lufthansa. Er wurde auf heute verlängert. Zeit, mal wieder in den Park zu gehen?)

Flüchtlingsheime: (Kein) Platz für Obdachlose?

Weil trotz des Winternotprogramms für Obdachlose immer noch viele Menschen draußen kampieren müssen, fragen sich viele Hamburger, auch viele von Ihnen, was mit den Notunterkünften und zentralen Erstaufnahmestellen für Flüchtlinge geschieht, nachdem diese dort ausgezogen sind. Bekanntermaßen kommen ja viel weniger Flüchtlinge nach: Kann man die Räume denn nicht einfach für frierende Obdachlose bereitstellen? Johan Graßhoff, Straßensozialarbeiter des Diakonischen Werks Hamburg, würde das "sehr stark befürworten". Das Personal vor Ort sei ja vorhanden, "der Senat muss nur ein Zeichen geben". Wieso das nicht getan wird, dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen. Marcel Schweitzer von der Sozialbehörde sagt: "Sie können aus einem alten Baumarkt oder einer Tennishalle keine öffentlich-rechtliche Unterbringung machen. Dafür müssen gesetzliche Standards eingehalten werden. Es muss zum Beispiel für jede Familie eine Küche geben und keine Gemeinschaftsbäder." Christiane Kuhrt vom Zentralen Koordinationsstab Flüchtlinge erklärt: "In den Erstaufnahmeeinrichtungen gibt es zwar Kapazitäten, die aber aus gesetzlichen Gründen ausschließlich für Flüchtlinge vorgesehen sind." Und die Flüchtlingsunterkünfte seien beileibe nicht teilweise leer, sondern nun lediglich "luftiger belegt". Konkret: Wo früher 16 Leute in einem Pavillon lebten, wohnen heute nun nur noch acht. Kuhrt: "Wir haben zwar eine Vielzahl freier Container auf Lager, aber nicht genug Standorte, um diese aufzubauen." Und bei anderen provisorischen Unterkünften liefen Mietverträge aus. Bei alledem allerdings wird man das Gefühl nicht los: Wo ein Wille wäre, wäre vielleicht ein Weg.

Die Polizei rüstet auf

Der OSZE-Gipfel steht nach Nikolaus quasi vor der Tür, pünktlich zu diesem politischen Großereignis präsentiert die Hamburger Polizei ihre neue Anti-Terror-Ausrüstung: Panzerwagen, Sturmgewehre und Titanhelme. Ist die also nötig? In der neuen ZEIT:Hamburg fragt Autorin Steffi Hentschke den Polizeiwissenschaftler Rafael Behr: "Müssen Polizisten heute bewaffnet sein wie Soldaten?" Behrs Antwort: "Das glauben sie zumindest. Spätestens seit den Anschlägen von Paris ist die Marschrichtung: Wir bereiten uns auf alle möglichen Bedrohungsszenarien vor – nicht nur auf die wahrscheinlichen. Das gilt auch für die Hamburger Polizei." Besonders brisant ist dabei die Tatsache, dass dieselbe Spezialeinheit, die für den Anti-Terror-Kampf im Einsatz ist, auch für die Sicherheit auf Demonstrationen verantwortlich ist: die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE). Müssen also Demonstranten bald fürchten, dass man sie mit Sturmgewehren in Schach hält? Behr sagt: "Die Ausrüstung wurde für den Kampf gegen den Terror angeschafft, nicht für Demonstrationen." Wieso die Polizei aber gerade jetzt aufrüstet und was Rafael Behr Sorge bereitet, lesen Sie in der neuen ZEIT:Hamburg, ab heute am Kiosk oder hier digital.

Beratung und Therapie für Flüchtlinge

Eine neue Einrichtung in Hamburg kümmert sich um die Psyche von Flüchtlingen: In drei Räumen in der Adenauer Allee, im Gebäude des Flüchtlingszentrums Hamburg, werden nun geflüchtete Menschen ehrenamtlich beraten und weitervermittelt – an Juristen, Psychotherapeuten, Ärzte, je nachdem. Das Psychosoziale Zentrum für psychisch belastete migrierte und geflüchtete Menschen wurde von Hamburger Ärzten und Psychologen gegründet, die sich im Verein SeGeMi, Seelische Gesundheit – Migration und Flucht e. V. engagieren. Es gehe darum, die Lücken in der Versorgung zu schließen, erklärt SeGeMi-Vorstand Mike Mösko. "Etwa 4000 der geflüchteten Menschen, die letztes Jahr nach Hamburg gekommen sind, sind behandlungsbedürftig." Häufig gehe es um Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen, Behandlungen scheiterten bisher oft an sprachlichen Problemen: Unter rund 600 Psychotherapeuten in Hamburg sei kein Einziger, der eine Therapie auf Arabisch anbiete. Dazu kommen bürokratische Hürden; der Antrag für einen Dolmetscher für eine Therapie brauche etwa ein halbes Jahr, so Mösko. Das neue Zentrum, ähnliche gibt es bisher in 32 deutschen Städten, arbeitet mit Organisationen wie Refugees Welcome, der Psychotherapeutenkammer Hamburg, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und dem Hamburger Anwaltsverein zusammen. Die Hamburger Bürgerschaft hat 200.000 Euro für einen Dolmetscher-Fonds bewilligt, der Verein ist aber noch auf Spenden für die Schulung und Supervision von Dolmetschern angewiesen.

HANS für Udo Lindenberg, Haiyti und die Beginner

Noch ein Preis für Udo Lindenberg! Immerhin ist es nicht ein dritter Bambi, der ihm gestern Abend in der Markthalle verliehen wurde, sondern der Hamburger Musikpreis HANS. Mit ihm will die Hamburger Musikwirtschaft e. V. Kreativität prämieren, unabhängig von kommerziellem Erfolg. In Udos Fall kommt beides zusammen, aber HANS steht auch für Hamburg, hanseatisch und Hans Albers, weshalb Udo diese Ehrung als "Künstler des Jahres" auf jeden Fall besser schmecken dürfte als das goldene Reh. "Nachwuchs des Jahres" wurde die mutmaßlich – offen spricht sie nicht über ihr Alter – 23-jährige Rapperin Haiyti. ZEIT-Redakteur Daniel Haas urteilte über sie vor ein paar Wochen: "Jede Strophe ein Faustschlag, jedes Wort ein Hieb" (LINK http://www.zeit.de/2016/40/haiyti-saengerin-rap-punk-lyrik). Und hier können Sie sie hören (LINK: https://www.youtube.com/watch?v=4g3NOF_CoSo). Gleich zwei Hänse schnappten sich die Beginner. Mit "Ahnma" und "Advanced Chemistry" räumten die gerade erst aus der Versenkung zurückgekehrten Deutsch-Rap-Stars in den Kategorien "Song" und "Album des Jahres" ab. Und auch für ihr Video zu "Es war einmal" gab’s einen HANS – für Regisseur David Aufdembrinke. Wieso hier eigentlich keiner der Gewinner zu Wort kommt ("Ich könnte weinen vor Freude, Mutter, wir danken dir!")? Sie alle erfuhren erst gestern Abend bei der Preisverleihung von ihrem Glück.

Die Bienen sind los

In Ottensen wurde gerade zwei Hobby-Imkern von einer Baugenossenschaft untersagt, weiterhin Bienen auf ihrer Dachterrasse zu halten, berichtete das "Hamburger Abendblatt". Die Begründung: Anwohner könnten sich in ihrer Sicherheit beeinträchtigt fühlen. Ist das wahr? Imkern ist ein Trend, Bienenstöcke stehen auch schon auf den Dächern von Firmen, Verbänden und Behörden. Droht uns naiven Städtern da Gefahr? "Wenn ein Teil des Bienenvolkes ausschwärmt, herrscht bei vielen große Aufregung. Aber eine Gefahr geht nicht von den Tieren aus", sagt Judith Heimann vom Imkerverband Hamburg. Martin Rubach, zweiter Vorsitzender,  ergänzt: "Die Biene ist kein Angriffstier. Bienen kommen nicht wie Wespen an den Tisch und holen sich Wurst und Käse ab." Bienen stächen nur, wenn sie sich bedroht fühlten, "also wenn man beispielsweise im Klee auf sie tritt". Erleichterung. Aber sollte man vielleicht mal andersherum fragen: Fühlen sich die Bienen in der Stadt überhaupt wohl? Rubach sagt: "Es ist zwar nicht das natürliche Umfeld der Biene, durch Häuserschluchten zu fliegen, aber was das Blütenangebot in der Stadt angeht, ist das natürlich super." Trotzdem komme es zu Problemen, erklärt Judith Heimann; nicht alle Hobby-Imker kennten sich gut genug aus. "Viele fangen an und merken dann, dass es doch komplexer ist." Wer nicht mit Tausenden von Insekten umgehen könne, "der sollte lieber für eine gute Flora sorgen und Margeriten oder ein Kräuterbeet auf den Balkon pflanzen". Dann brummt es da auch so.

Mittagstisch

Abwarten und Tee trinken, wo könnte man das besser als im Meßmer Momentum. In den petrolfarbenen Sitzen mit hohen Lehnen lässt sich eher die Generation 50plus für ein Päuschen nieder, Damen, die es gewohnt sind, die Nase zu rümpfen, Herren, die ihren Tee mit EC-Karte bezahlen, ein paar Touristen. Es ist angenehm langweilig, der Blick auf den Binnenhafen vor den Fenstern beruhigend, die chansonlastige Musik klimpert leise im Hintergrund. Essen ist hier Nebensache (es geht schließlich um Tee; Tasse 2,50 €, Kännchen 5,50 €), die Speisekarte überschaubar, die Snackgröße auch. Die vier kleinen Sandwiches mit Lachs und Kapern (5,70 €) kommen vornehm blass, also ungetoastet englisch, und sind lecker, aber nicht mehr als ein Appetizer. Nach mehr sieht die Etagere am Nachbartisch aus. Auf drei Etagen liegen Sandwiches, Scones und Teegebäck, das Kännchen Tee ist in dem Menü (9,90–19,90 €) schon inbegriffen. Schön, dass sich Gäste nach dem Besuch im Shop drei Teebeutel gratis mitnehmen dürfen.

Meßmer Momentum, Am Kaiserkai 10, täglich 11 bis 20 Uhr

Tina Pokern

Was geht

Spaziergang mit Zug: Hamburgs Hauptbahnhof ist der meistgenutzte Bahnhof Deutschlands. Rund eine halbe Million Menschen passieren ihn täglich – Experten zufolge platzt er bald aus allen Nähten. Welche Erweiterungsmöglichkeiten gibt es? Welche Chancen und Risiken bietet ein Ausbau? Beim Rundgang "Langsam wird es eng hier – zur Zukunft des Hamburger Hauptbahnhofs" diskutieren der verkehrspolitische Sprecher der grünen Bürgerschaftsfraktion, Martin Bill, und Michael Dominidiato von der Deutschen Bahn mögliche Szenarien.

Heinrich Böll Stiftung, 18 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unter 040/389 52 70

Es kommt ein Schiff, geladen: In der Binnenalster spiegeln sich Lichter, es duftet nach Keksen, Boote schaukeln dem Weihnachtsmann entgegen. Auf fünf Märchenschiffen spielen Kinder ab drei Jahren bis zum Fest Theater, backen, knuspern und träumen.

Märchenschiffe, Jungfernstieg 54, 10–18 Uhr, Eintritt für Kinder frei

Ritter der Oper: Graf Friedrich verdächtigt Elsa, ihren Bruder ermordet zu haben. Nur Schwanenritter "Lohengrin" will ihr helfen, unter einer Bedingung: Sie darf ihn niemals nach seiner Herkunft fragen. Die romantische Oper von Richard Wagner spielt vor dem historischen Hintergrund des Herzogtums Brabant im 10. Jahrhundert.

Staatsoper Hamburg, Dammtorstraße 28, 18 Uhr, ab 6 Euro

Nordische Musik-Tradition: Bei den "Danish Vibes" treffen dänische und deutsche Jazz- und Folkszene aufeinander. Dieses Jahr etwa Neuentdeckung Anna Scharling, bekannt für ihre klare Stimme und die sparsamen Arrangements. Nordische Tradition bedienen auch Hess Is More mit Live-Tanzmusik, The KutiMangoes mit Afro-Jazz, das Sextett Mames Babegenush mit jiddischen Einflüssen und die Jazzerin Kristin Korb.

kukuun & Häkken, Spielbudenplatz 21–22, 19 Uhr, 15 Euro

Was kommt

Verlosung: Bereits zum 14. Mal wird am 4. Dezember der Marion Dönhoff Preis vergeben. Die Stifter – DIE ZEIT, die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius sowie die Marion Dönhoff Stiftung – ehren mit diesem Preis in Andenken an Marion Gräfin Dönhoff Menschen, die im besonderen Maße zur dauerhaften internationalen Verständigung und Versöhnung zwischen Völkern und Nationen beitragen. Der Hauptpreis geht in diesem Jahr an den deutschiranischen Schriftsteller und Publizisten Navid Kermani. Der Hamburger Verein Hanseatic Help wird mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Exklusiv für unsere Elbvertiefungsleser haben wir noch 10 x 2 Karten für die Preisverleihung im Schauspielhaus in petto. Schreiben Sie uns bis Freitag 10 Uhr eine Mail an elbvertiefung@zeit.de.

Marion Dönhoff Preis, 4.12., Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Kirchenallee 39, 11 Uhr

Schnack

Mit unserem siebenjährigen Enkel waren wir essen im Restaurant. Das Essen schmeckte uns nicht wirklich. Auf die Nachfrage des Obers, wie es uns geschmeckt habe, antworteten wir dennoch: "Gut, danke." Alle drei waren wir hinterher unzufrieden darüber, nicht ehrlich geantwortet zu haben, also sozusagen gelogen zu haben. Da meinte unser Enkel: "Immerhin hab ich die Wahrheit gedacht!"

Gehört von Maren Ruf

Meine Stadt

David bugsiert Goliath © Gudrun von Wedel

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

 

Ihr

Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.