Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

liebe Hamburger Hundebesitzer, Sie haben es schon immer gewusst:

Ihre Tiere tun Gutes und sind gesund. Natürlich weniger für die Jogger, denen sie in Parks hinterherjagen, die kleinen Kinder, die sie auf der Straße stellen, oder wegen der Tretminen, die sie hinterlassen, sondern für Sie, ihre Frauchen und Herrchen. Tägliches Gassi gehen helfe gegen Übergewicht, Blutdruck und hohe Cholesterinwerte, erklärte nun die Kaufmännische Krankenkasse in Hamburg (KKH), zahlreiche Studien belegten weitere Effekte: Hunde, Katzen und andere Haustiere leisteten täglich "therapeutische Arbeit", auch bei Traurigkeit oder Stress, "sie spenden Trost und heitern uns auf", so Günter Feigl vom Serviceteam der KKH. Schon die Anwesenheit, aber auch das Streicheln eines Tieres reduzierten Stress und beförderten Glückshormone.

Kurz: Hund und Co. gäben einem das Gefühl, gebraucht zu werden. Sind Sie selbst Hundebesitzer, ist Ihnen all das wahrscheinlich überhaupt nicht neu, auch nicht dass Menschen, die mit einem Vierbeiner unterwegs sind, viel leichter soziale Kontakte knüpfen als Menschen, die mit dem SUV oder einer eingeschweißten Teppichrolle durch die Gegend ziehen. Vielleicht ist Ihnen aber neu – und dann sollten Sie näher darüber nachdenken –, dass es sich genau gegenteilig auswirken kann, wenn Sie den Kot Ihres Hundes nicht aufsammeln oder ihn auf Jogger und Kinder loslassen.

Kombinierte Notfallversorgung

Nur die schwereren Fälle in die Notaufnahme, die anderen zu den niedergelassenen Ärzten nebenan – über die Pläne zur Umstrukturierung der Notfallversorgung an den Hamburger Krankenhäusern haben wir bereits berichtet. Gestern eröffnete auch die Asklepios Klinik Nord-Heidberg eine erweiterte Notaufnahme, einen Neubau mit mehr als 22 Behandlungsräumen. Patienten mit weniger schweren Erkrankungen werden dort ab jetzt von niedergelassenen Ärzten behandelt – vor Ort. "Eine Möglichkeit der Zukunft" nennt das Franz Jürgen Schell von der Pressestelle der Asklepios-Kliniken. Hat der Hausarzt zu (sofern man einen hat), habe es zwar schon immer die Notfallversorgung durch den Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte gegeben, viele Patienten hätten aber den Gang in die Klinik vorgezogen – kein Wunder bei mehrstündigen Wartezeiten und dem Rätselraten, welcher Arzt welcher Fachrichtung am Ende erscheinen mag. Dass eine Klinik-Notaufnahme und niedergelassene Ärzte zum Wohl auch der Patienten zusammenarbeiten können, zeigt das Marienkrankenhaus mit seinem "Zukunftsmodell" übrigens schon seit zwölf Jahren.

Sicherheitspläne für Silvester

Es geht mal wieder um erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Thema diesmal ist aber nicht der nahende Nikolaus-OSZE, sondern ein ähnlich brisantes Großereignis: Silvester. Die "Mopo" berichtete am Sonntag von Experten aus sieben Landeskriminalämtern, die in den vergangenen Monaten die Köpfe zusammensteckten und Ideen zusammentrugen, um Übergriffe (wir erinnern uns an den letzten Jahreswechsel) zu vermeiden. In der Bund-Länder-Projektgruppe "Silvester" war die Hamburger Polizei dabei, Orientierung für kommende Maßnahmen soll der "Silvester-Abschlussbericht" sein, über dem ab heute die Innenminister der Länder brüten. Was genau in Hamburg geplant ist, ist eigentlich noch geheim, Ulf Wundrack von der Polizeipressestelle hat uns dennoch einige Einblicke gewährt: Es gibt Überlegungen, Plätze besser auszuleuchten und die Präsenz der Polizei im Getümmel zu erhöhen. Ermittlerteams könnten für den Fall der Fälle gleich bereitstehen, um Beweise zu sichern und die Strafverfolgung schnell(er) aufzunehmen. Aber auch die Veranstaltungsbesucher selbst sollen Verhaltensempfehlungen an die Hand bekommen – präventiv. Böses denkt, wem da der Rat der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker in den Sinn kommt. "Eine Armlänge Abstand halten" – oder wie war das?

Kein Bier mehr vom Kiosk!

Schluss mit dem Alkohol to go, das wünscht sich Mitte-Bezirksamtsleiter Falko Droßmann. Er will mit einem neuen Landesgaststättengesetz Bier und Feuerwasser aus den Kiosken verbannen und damit für mehr Ordnung auf dem Kiez und in St. Georg sorgen. Vor allem Anwohner sollen entlastet werden, wie das "Hamburger Abendblatt" berichtete. Wir haben Marc Meyer vom Verein Mieter helfen Mietern gefragt, was er von dem Vorstoß hält.

Elbvertiefung. Herr Meyer, ist die Problematik des öffentlichen Alkoholtrinkens tatsächlich so groß, dass man zu solchen drastischen Mitteln wie einem Verkaufsverbot greifen muss?

Marc Meyer: In bestimmten Stadtteilen gibt es eine profunde Problematik. Dort haben sich Alkoholversorgungsstellen in Wohnvierteln etabliert, an denen sich große Menschentrauben bilden. Das ist nicht nur laut, das führt auch zu Verunreinigungen – Müll wird hinterlassen, aufgrund von mangelnden Toiletten wird auch uriniert. Das Leben von Mietern ist durch dieses Phänomen nicht leichter geworden.

Elbvertiefung: Ist das Cornern, das Abhängen auf der Straße, nicht Teil der Partykultur in diesen Vierteln?

Meyer: Der Aufenthalt auf der Straße ist in diesen Vergnügungsvierteln durchaus stilprägend und muss auch nicht nur negativ gesehen werden. Ob diese großen Mengen an trinkenden Menschen in Wohngebieten aber sein müssen, ist etwas anderes.

Elbvertiefung: Sie begrüßen also den Vorschlag Falko Droßmanns?

Meyer: Aus Mietersicht ist es einen Versuch wert. Es ist vorstellbar, dass ein Verkaufsverbot eine Entspannung bringen würde. Fallen die Versorgungsstationen weg, verharren die Menschen nicht mehr vor Ort. Außerdem leiden auch die Clubs in Reeperbahnnähe, die zu großen Teilen vom Getränkeausschank leben, unter dem Kioskverkauf.

Elbvertiefung: Aber verschwindet der Alkohol wirklich aus dem öffentlichen Stadtbild, nur weil man den Verkauf verbietet?

Meyer: Eine Verbesserung ist nur möglich, wenn es keine Ersatzstrukturen gibt. Abzuwarten bleibt auch, ob sich die Leute nicht umstellen und auf andere Alkoholbevorratungsmöglichkeiten zurückgreifen. Sprich: die Getränke zuvor kaufen und an die Orte mitbringen.

Apps für Hamburg

Jeder kennt sie, die meisten nutzen sie: Apps, die kleinen Alltagshelfer auf dem Smartphone oder Tablet. Was viele nicht wissen: Hamburg ist ein Hotspot für App-Entwickler, "das wird aber leider noch nicht so wahrgenommen", sagt Sebastian Döll von der Handelskammer Hamburg. Deshalb hat die Kammer den "App Contest Hamburg" ins Leben gerufen. Heute Abend werden an die innovativsten Entwickler in insgesamt sechs Kategorien Preise von bis zu 5000 Euro vergeben (1000 Euro für den besten Schülerbeitrag stiften die Kollegen von ZEIT:Online). Die eingereichten Apps mussten für Hamburg sein oder in Hamburg entwickelt worden sein, dennoch hatte die Fachjury die Qual der Wahl: es gab 109 Bewerbungen. Darunter: "ApploadForHelp", eine App, die dem Behördendeutsch den Kampf ansagt und Hilfestellung bei Dokumenten gibt, "Pupuri", mit deren Hilfe Eltern den Überblick darüber behalten, wie viel ihre Sprösslinge am Smartphone spielen. Die App "Tabbt" führt Buch, bei welchen Freunden offene Rechnungen zu begleichen sind, "ADMEEE" möchte, dass Unternehmen, die im Internet werben, Kunden für ihre Aufmerksamkeit bezahlen – in Form von Guthaben bei einem Bezahlsystem oder Gutscheinen. Ob dann die Leute genauer hinsehen?

Wir sind gespannt auf die Preisträger.

Gala für Gala

Theatergänger kennen Gala Othero Winter längst. Nun wurde der Nachwuchsschauspielerin der renommierte Roy-Gobert-Preis der Körber-Stiftung, dotiert mit 10.000 Euro, verliehen. "Wer erlebt hat, wie sie – allein auf der Großen Bühne des Schauspielhauses stehend – mit nur einem Blick von Sehnsüchten und Abgründen eines Menschen zu erzählen vermag, vergisst sie nicht wieder", so Anja Paehlke, Mitglied des Vorstands. Gelegenheit, Gala Othero Winter mit eigenen Augen zu sehen, gibt es genug: Die 25-jährige Schauspielerin wirbelt derzeit in fünf Stücken über die Bühne des Deutschen Schauspielhauses.

Mittagstisch

Essen wie bei Oma

"Hast du meinen Brief bekommen?", begrüßt ein älterer Herr den anderen. "Ja? Gut, dann müssen wir darüber ja nicht mehr reden." Sie versinken in den Biedermeier-Möbeln, zwischen ihnen züngelt eine Kerze, der Tischnachbar trinkt am ersten Bier. Der Klangteppich in der Speisewirtschaft Opitz ist eine Komposition aus Take Thats Version von "How Deep Is Your Love" und Tischgesprächen, die beginnen wie Märchen: "Damals vor 30 Jahren ... " Das Opitz steht für "Hamburger Küche ohne Gedöns". Die angerichteten Teller sehen aus wie bei Oma, mit Mengen darauf, die nur Menschen verteilen, die den Hunger kennen. Es gibt Eisbein, Erbsenpüree, Sauerkraut und Salzkartoffeln (10,90 €), und das Fleisch zergeht so auf der Zunge, dass man mit dem Magen schimpfen möchte, weil er keinen Platz für die ganze Speise anbietet. Heute also lieber keinen Nachtisch, dabei hätte man gern auch das Walnusseis mit Eierlikör (7,50 €) gekostet. Aber das wäre nun wirklich Völlerei!

Speisewirtschaft Opitz; Mundsburger Damm 17, Mittagstisch montags bis samstags von 12 bis 15 Uhr

Tina Pokern

Was geht

Widerspenstig-islamische Lesung: "Wie irre muss man sein, um in einer Aubergine einen Phallus zu sehen und ihren Kauf nur zerstückelt zu erlauben?", fragt sich Bilqiss, die Heldin des gleichnamigen Romans. Sie ist verurteilt, soll gesteinigt werden – und lässt sich den Mund trotzdem nicht verbieten. Autorin Saphia Azzeddine schreibt tragikomisch über eine widerspenstige Frau in einem islamischen Land. Oberfett, Billrothstr. 67, 20 Uhr, 10 Euro, Anmeldungen unter 040/44 46 57 37

Puppentheater im Radio: Bertil ist allein zu Hause, das ist ziemlich langweilig. Plötzlich rumpelt etwas im Radio – ein Däumling. Er lädt Bertil ein, mit ihm in seine winzige Wohnung zu steigen. Die Theatergruppe Couturier spielt Astrid Lindgrens "Nils Karlsson Däumling" für Kids ab 4 Jahren. Hamburger Puppentheater, Bramfelder Straße 9; 10 und 11.30 Uhr, 4,50 Euro

Verlosung: Sinnliche Lesestube: Raus aus der quirligen, innerstädtischen Weihnachtskultur, rein in den ZEIT-Pavillon "Wohlfühlmomente". Songpoet Heinrich von Handzahm hüllt Hamburg in ein Kleid aus Melodien. Dazu dampft Tee im Samowar. Die vorweihnachtliche Stimmung der Colonnaden können Sie auch zu sich nach Hause holen: Wir verlosen zehn CDs des deutschen Liedermachers. Schreiben Sie uns bis morgen, 10 Uhr, eine Mail an elbvertiefung@zeit.de, Betreff: Heinrich von Handzahm. Christmas Lounge, Colonnaden, 18.30 Uhr, Eintritt frei

Was bleibt

Künstlerischer Service: Wilde Farben, märchenhafte Wesen – Uli Pforrs Malerei entspricht dem Titel seiner Ausstellung "Parallelwelten". Der Hamburger stellt im Rahmen des Konzepts "Fuck you I am famous" in der HafenCity aus. Das Projekt setzt auf Rundum-Service: Künstler sollen sich ausschließlich ihren kreativen Ergüssen widmen, alles andere managt die Galerie. Zeit, dass wir uns auch anmelden. "Fuck you I am famous" Galerie der Künstler GmbH, Großer Grasbrook 9, bis zum 23. Dezember dienstags bis samstags 12 bis 19, sonntags 12 bis 16 Uhr

Schnack

Gestern auf dem Weihnachtsmarkt in Ottensen vor einem Lebkuchenstand. Vater zu seinen zwei kleinen Kindern: "Wenn ihr jetzt nicht artig seid, bekommt ihr ein HSV-Herz!"

Gehört von Gunnar Wettig

Meine Stadt

Der Kran ist von der Feuerwehr, die Trucks sind von der Polizei. Da waren bestimmt ein Dutzend Beamte im Einsatz. Es ging wohl tatsächlich nur darum, den Baum auf den Balkon des US-Konsulats zu hieven ... © Foto: Claus Hecking

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.