Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

ist das bei Ihnen ähnlich? Kaum sitzen Sie abends mit der Familie beim Essen: Schon fehlt Ihnen etwas. Und schon nach kurzer Zeit können Sie nicht mehr anders: Sie müssen so tun, als müssten Sie dringend in Richtung Toilette, nur um dort Ihr Smartphone zu ziehen. Oder Sie zücken Sie es heimlich unterm Tisch. Oder aber offen, hemmungslos und mitten im Satz Ihres Gegenübers, um hastig Mails und SMS zu checken…

Die Quote der Smartphone-Abhängigen, da sind sich Experten sicher, steigt mehr und mehr, und es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis sich Sterbende zuhauf wünschen werden, ihr Smarty mit in den Sarg zu bekommen – nicht um sich im Falle des Falles retten zu lassen, nein, nur damit die Finger etwas zu tun haben.

Eine Umfrage des Direktversicherers Hannoversche macht allerdings leise Hoffnung: Jeder Zweite, so heißt es dort, fühle sich mittlerweile in Unterhaltungen gestört, "weil sein Gesprächspartner ständig auf sein Telefon starrt". Vielleicht also wird das jeden Zweiten bald so sehr stören, dass er seinem Gegenüber das Smartphone aus der Hand reißt, und wenn dann niemand mehr auf sein Telefon starrt, dann kann es doch nur besser werden mit der Sucht.

Vielleicht werden aber auch alle, die sich von den Smartphonestarrern nicht ernst genommen fühlen, anfangen, selber Nachrichten zu schreiben.

Wie Hamburg seine Schulden verschleiert

In der Hamburgischen Bürgerschaft wird seit gestern über den rot-grünen Haushaltsentwurf gestritten. Was ist dieses Machwerk denn nun – Ausweis soliden Wirtschaftens, wie SPD und Grüne finden, oder totales

Versagen, von dem CDU-Fraktionschef André Trepoll spricht?

ZEIT:Hamburg-Kollege Oliver Hollenstein hat die Finanzen der Stadt wochenlang unter die Lupe genommen. Seine Ausgangsfrage: "Wie passt das zusammen: ein rigoroser Sparkurs, aber immer neue Ausgaben? Die Kosten der Zuwanderung, die Milliardenverluste der HSH – und trotzdem baut die Stadt Schulden ab?" Die Vermutung: das ist zu schön, um wahr zu sein. In akribischen Recherchen wühlte sich Hollenstein durch 4128 Seiten Haushalt, 390 Seiten Beteiligungsbericht und 276 Seiten Geschäftsberichte. Und dabei hat er Spannendes gefunden: eine Menge Tricks, mit denen die Stadt ihre Schulden verschleiert.

Denn von wegen sparen: Der Scholz-Senat hat die Ausgaben stärker erhöht als seine Vorgänger. Das konnte er mit Rekordsteuereinnahmen und einigen Tricks kaschieren. Doch bei genauem Hinsehen wird klar: Der Schuldenstand ist nicht kleiner geworden, sondern größer. Dass es auf den ersten Blick ganz anders aussieht, liegt auch daran, dass die Stadt ihre Schulden in Tochterfirmen versteckt. Wie das geht und mit welchen Tricks man die offiziellen Zahlen sonst noch gut dastehen lässt, lesen Sie ab morgen in der neuen ZEIT:Hamburg oder heute schon digital.

HSV: Schlag auf Schlag

Weiß jemand, ob in Hamburg signifikant weniger Menschen amerikanische Serien schauen als in anderen Städten? Wäre logisch. Schließlich gibt es hier viel besseren Dramastoff, beim HSV, und der wird täglich serviert. Diesmal: Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden. Karl Gernandt meldete sich gestern Morgen von seinem Posten ab und war mächtig sauer. Es habe "zu viele bewusste Indiskretionen innerhalb unseres Gremiums" gegeben, sagte er in einem Statement. "Ich bin entsetzt, mit welchen Kräften im Verein und im Aufsichtsrat die sportliche und langfristige Weiterentwicklung riskiert wird." Was er damit meint? Der Aufsichtsrat wollte die Trennung von Dietmar Beiersdorfer geheim halten. Das klappte aber nicht. Typisch HSV eben. Jetzt ist das Chaos perfekt. Gernandt tritt zurück. Damit fehlt der wichtigste Verbindungsmann zu Mäzen Klaus-Michael Kühne. Der neue Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen hatte Kühne ja schon mal öffentlich kritisiert. Braut sich da was zusammen? Die jüngsten Informationen beruhigen erst mal. Kühne soll 20 Millionen für Wintertransfers bereitstellen. Na denn ... Aber wir sind sicher: Fortsetzung folgt.

Bürgerschaft investiert in Ganztag, aber reicht das?

Seit gestern tagt die Bürgerschaft zum Doppelhaushalt 2017/18. Dabei geht es unter anderem um die Finanzierung des mit der Initiative "Guter Ganztag" ausgehandelten besseren Ausbaus der Ganztagsschulen. Mit 2,35 Milliarden Euro für 2017 und 2,39 Milliarden Euro für 2018 ist der Etat der Behörde für Schule und Berufsbildung der zweitgrößte im Einzelplan. Geld soll unter anderem in Möbel für Ruhe- und Toberäume an den Schulen fließen (jetzt muss es nur noch die Räume geben!), außerdem soll in mehr Schulküchen richtig gekocht statt nur aufgewärmt werden. Die Farce, dass der Schwimmunterricht in der Grundschule nur stattfinden kann, wenn sich Eltern finden, die die Kinder tagsüber ins Schwimmbad begleiten, weil das Budget für Erzieher nicht reicht, soll bald der Vergangenheit angehören. Und, wichtig, weil Kinderfreizeit bei manchen Eltern absolut nichts kosten darf: Für Kinder von Hartz-IV-Empfängern soll die Ferienbetreuung künftig gratis sein. Das sei schon mal eine "ganz tolle Sache", sagte uns Miriam Colombo aus dem Vorstand der Elternkammer. Trotz Freude über die neuen Investitionen hat sie aber "Befürchtungen, dass das nicht reicht". Das hänge auch damit zusammen, dass es schwer sei, gutes Personal zu finden. Colombo wünscht sich einen "intensiveren Austausch zwischen Lehrern und den Erziehern aus der Nachmittagsbetreuung", denn nur so könnten diese auf die Schwachpunkte der Schüler eingehen. Außerdem stehe immer noch das "Toilettenreinigungsproblem" auf dem Zettel: "Die Toiletten sind nachmittags nicht mehr zu benutzen, ich gehe davon aus, dass da Geld reinfließen wird." Hoffentlich wird es nicht in den Abfluss gespült.

Experimente in 3-D

Die Kaffeetassen, die im Laden oder im Internet angeboten werden, gefallen Ihnen nicht? Dann designen Sie doch einfach Ihre eigene – und drucken Sie sie in 3-D aus. Dass das keine Zukunftsmusik und längst nicht nur Technikexperten vorbehalten ist, zeigt das OpenLab, das heute an der Helmut-Schmidt-Universität eröffnet wird. In diesem "offenen Labor" können ab Januar einmal in der Woche interessierte Hobbybastler Technologie und Maschinen der Universität nutzen. Wir sprachen mit Manuel Moritz vom Laboratorium Fertigungstechnik, der beim Aufbau des OpenLab mitgewirkt hat.

Elbvertiefung: Wofür sollte man Dinge erst mühsam in OpenLabs herstellen, wenn man sie doch im Supermarkt kaufen kann?

Manuel Moritz: Der Grundgedanke ist, dass prinzipiell jeder Mensch Teil einer Produktionskette werden kann. Mithilfe neuer und günstiger Technologien wie dem 3-D-Druck kann man heute einfacher denn je selbst zum Produzenten physischer Produkte werden und nach eigenen Vorstellungen Unikate herstellen, die man in keinem Supermarkt findet. Das bedeutet, dass Sie nicht mehr zwingend auf Unternehmen angewiesen sind, um etwas zu produzieren. Das schafft Unabhängigkeit und fördert Nachhaltigkeit.

EV: Wie funktioniert diese Produktion?

Moritz: Auf unserem Campus steht unser Maschinenpark mit acht bis zehn kleinen Werkzeugmaschinen. Es gibt außerdem etwa zehn 3-D-Drucker unterschiedlicher Größe für Plastikobjekte. Mit einem 3-D-Drucker können auch Nicht-Experten mit einer Software Objekte aus selbst gestalteten Designs herstellen, Kaffeetassen, Handyhüllen, das geht bis zu Haushaltsgeräten. In Communitys im Internet laden die Leute dann ihre Designs hoch und stellen sie anderen zur Verfügung.

EV: Mit den Unikaten ist es dann also doch nicht so weit her?

Moritz: Es geht auch um die soziale Komponente, dass Menschen sich treffen, sich über ihre Ideen austauschen und dass ihre Entwürfe von allen genutzt werden können. Zudem steigt der individuelle Wert, wenn man selbst Zeit in ein Produkt investiert hat. Es gibt viele Unternehmen und Start-ups, die im sogenannten FabLab gestartet sind.

EV: Ein Haushaltsgerät oder ein komplettes Möbelstück schnell mal ausdrucken wie ein Foto, das hört sich nach dem Traum vieler Menschen an. Geht das denn auch "schnell"?

Moritz: Mit dem Riesendrucker haben wir schon einen dreibeinigen Hocker angefertigt, das hat allerdings mehr als einen Tag gedauert. Für die Konferenz "Zukunft der Wertschöpfung", bei der wir das OpenLab eröffnen, haben wir auch einen ein Meter hohen Eiffelturm produziert. Dafür haben wir nur knapp 20 Stunden gebraucht. Es gibt bereits 3-D-gedruckte Produkte nahezu jeder Kategorie, die wir uns vorstellen können: Fahrräder, Autos, Häuser, Brücken und noch mehr. Es wird jedoch noch ein wenig dauern, bis diese Technologie sicht- und erlebbar unseren Alltag erreichen wird. Allein der 3-D-Druck hat jedoch das Potenzial, viele Branchen nachhaltig zu verändern. Das Experimentieren damit möchten wir auch im OpenLab fördern und Schüler und Studenten für Technologie und Produktion begeistern.

Hamburg auf Parkplatzsuche

Seit Anfang des Monats geht es mehr Falschparkern an den Kragen. Vorgestern wurden noch Informationsflyer ausgelegt, dass es nun aber wirklich echt ernst werde mit dem geltenden Recht, seit gestern gibt es tatsächlich Knöllchen, wenn man auf dem Gehweg, Fahrradweg oder in der zweiten Reihe parkt. Das "Hamburger Abendblatt" nennt das eine "Großoffensive" gegen Falschparker, das sei "aufgebauscht", meint Uwe Thillmann, Sprecher des Landesbetriebs Verkehr (LBV). Er bestätigte uns, dass seit Anfang Dezember neue Gegenden der Stadt einer "Parkraumüberwachung" unterzogen würden, unter anderem Hohenfelde, Uhlenhorst und Barmbek. Einerseits ist es gerecht, dass nun konsequenter geahndet wird und der ehrliche Parker nicht der Dumme bleibt – andererseits stellt sich die Frage: Was sollen die Leute dort machen, wo es beim besten Willen keinen Parkplatz gibt?! Thillmann plädiert für einen "Verkehrsmittelmix" aus Auto und Bahn, für solche Modelle kooperiere der HVV bereits mit Carsharing-Anbietern. Allerdings: Was tun, wenn, wie so oft, gerade kein Sharing-Auto in der Nähe herumsteht? Ein anderes Modell werde gerade für die Neue Mitte Altona untersucht: Wohnungen nur autolosen Bewohnern anzubieten, denen aber einen Carsharing-Pool zur Verfügung stehen soll. Auch bei Anwohnerparkausweisen gebe es Nachholbedarf, räumt Thillmann ein. Sein Fazit: Die Sache mit der Mobilität müsse "je nach Stadtteil individuell geregelt werden". Was aber überall helfen dürfte, wäre, die öffentlichen Verkehrsmittel so gut auszubauen, dass man gar kein Auto mehr braucht – ja, stimmt, das kostet Geld.

Unsere Frage zum Jahresende

Katja Suding © Heimat

Was möchten Sie 2017 besser machen, Katja Suding?

"Das vergangene Jahr hatte viele sehr traurige Momente. Mit Guido Westerwelle, Hans-Dietrich Genscher und Walter Scheel hat unsere liberale Familie gleich drei große Persönlichkeiten verloren. Das führt uns vor Augen, wie wertvoll das Leben ist und dass wir jeden einzelnen Tag genießen sollten. Es kann so schnell zu Ende sein. Als Hamburger Spitzenkandidatin ist mein großes Ziel für das nächste Jahr der Wiedereinzug in den Deutschen Bundestag. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des vollen Wahlkampf-Terminkalenders im nächsten Jahr möchte ich wieder mehr Sport machen, nachdem ich verletzungsbedingt einige Zeit pausieren musste. Denn ohne körperliche Fitness ist der oft hektische Politikeralltag schwer zu bewältigen, erst recht nicht im Wahlkampf."

Katja Suding ist Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft.

Mittagstisch

Burger für die Insel

Bunte Kacheln schmücken die Fassade, im Inneren dominieren warme Farben und rustikales Holz, während das Essen stilecht auf Schiefertafeln serviert wird. Das erste Burger-Restaurant der Elbinsel hat optisch schon mal vieles richtig gemacht. Wichtiger ist: Trotz so viel Hipness sind die Preise moderat, ein Burger mit Pommes ist zwischen 7 und 12 Euro zu haben, lässt sich nach Belieben aufpeppen, etwa mit Süßkartoffelpommes (plus 1,50 Euro) oder einer Extraportion Beef (plus 2,50 Euro). Alles hausgemacht im Williamsburger: von den krossen Bio-Pommes bis hin zur Rauch-Mayonnaise mit eigener Note. Das eher weiche, Brioche-ähnliche Burgerbrötchen mag Geschmackssache sein, beim saftig-würzigen Beef-Patty im "König Georg"-Burger (inklusive geschmorter Zwiebeln, Champignons und Cheddar für 8,50 Euro) gibt’s wenig Diskussionen. Der vegetarische Habibi-Burger (8,50 Euro) besticht durch das Zusammenspiel aus cremigem Hummus, scharfer Currysauce und süßen Datteln. Und gezapft wird fruchtig-herbes Bunthäuser-Bier – natürlich gebraut in Wilhelmsburg.

Williamsburger; Wilhelmsburg, Veringstraße 28, geöffnet Montag bis Sonntag, 12 bis 23 Uhr

Annika Lasarzik

Was geht

Musik verbindet: Echo-Preisträgerin Alexa Feser, Die Herren Simple und der Music Academy Stage Choir trällern für den guten Zweck – beim "Zusammen weiter"-Benefizkonzert. Sie sammeln mit Geflüchteten für bessere Integrationsprojekte. Rolf-Liebermann-Studio (NDR), Oberstr. 120, 19.30 Uhr, ab 34 Euro

Weiße Leinwand: Kaum jemand übersteht den Winter so lässig wie Snowboarder. Mit den Streifen "After Forever" und "The Eternal Beauty of Snowboarding" widmet das Abaton den Schneeakrobaten eine ganze "Snowboard Night". Cool. Abaton, Allende-Platz 3, 21 Uhr, 8 Euro

Geschichte des Sterbens: In der alten Pathologie ist es totenstill. Wer sie bei der Spezialführung des Medizinhistorischen Museums betritt, sieht sich konfrontiert mit der eigenen Endlichkeit: "Grenzerfahrung: Kulturpraktiken zwischen Leben und Tod" lädt ein zu einer Reise in die Geschichte des Sterbens. Medizinhistorisches Museum Hamburg, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, N30 Fritz Schumacher-Haus, Martinistraße 52, 18.30 Uhr, Eintritt frei

Acht Mutige, eine Bühne: Beim Stand-up Comedy-Event in der HafenCity versuchen blutige Anfänger und gestandene Profis, dem Publikum Lacher zu entlocken. Im Zweifel fliegen Tomaten. Club 20457, Osakaallee 6–10, 20 Uhr, 5 Euro

Legenden des Jazz: Das Hamburger Projekt "Mixed Generations", bei dem internationale Jazz-Größen Hamburger Nachwuchstalente fördern, trägt Früchte. Saxofonlegende Dave Liebman und Pianist Richie Beirach stehen mit dem jungen Schlagzeuger Nathan Ott auf der Bühne. Dabei sind außerdem Sebastian Gille (Jazzpreisträger Hamburg, Tenorsaxofon) und Bassist Robert Landfermann. May the Jazz be with you. Cascadas Club, Ferdinandstr. 12, 21 Uhr, 24 Euro

Hamburger Schnack

Ein sichtbar stolzes Großelternpaar mit drei Enkeln und der dazugehörigen Mutter reden übers Einkaufen von Lebensmitteln. Thema Reformhaus. Ein Enkelkind: "Was ist das?" Weise antwortet die Großmutter: "Da sind die Sachen besonders gesund." Enkelkind: "Was macht Lebensmittel gesund?" Großmutter (hörbar unschlüssig und partiell ratlos): "Die werden nicht mit Schadstoffen gedüngt."

Gehört von Klaus Struve

Meine Stadt

Neue Perspektiven auf die anderen Ameisen © Foto: Lara Ahlefelder

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle


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