Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

einige von Ihnen haben sich noch intensiv Gedanken über die teilweise spiegelglatten Straßen vom Wochenende gemacht – "wenn man uns in der Fußgängerzone wenigstens ein paar Sandeimer hingestellt hätte ...!", "ich bin dreimal gestürzt und würde den Besitzer des Hauses Osterstraße XY, vor dem sich dies abspielte, nun sehr gerne kennenlernen", "wie schön, dass wenigstens Sie fehlendes Verantwortungsbewusstsein beim Streuen nicht für eine unabänderliche Naturgewalt halten…".

Andere beschäftigte eher das Thema Weihnachtsbaum: "Mir fehlen in jedem Januar die Worte dazu, wie skrupellos und behände Fremde unseren Vorgarten mit ihren alten Tannen füllen."

Und einem Leser, nach eigenem Bekunden in einem "Villengebiet" lebend, gelang die Synthese beziehungsweise ein Tipp zur Verwendung ausgedienter Weihnachtsbäume beim nächsten Kälteeinbruch: "Äste klein schneiden, abnadeln und dann zum Streuen der Gehwege verwenden. Und da jetzt überall noch Weihnachtsbäume herumliegen, kommt fast jeder an dieses Streugut for free ..."

Elphi frei!

Sonntagabend war am Hamburger Hafen einiges los. Schöne Damen flanierten mit Abendkleid und Krönchen entlang der Landungsbrücken, frisch der Barkasse entstiegen, wo die schönste unter ihnen gewählt worden war: Rebecca Coner, die neue Miss Hamburg. Konkurrenz machte da nur eine andere städtische Schönheit: die Elphi. Sie erstrahlte an ebendiesem Abend in einem solchen Glanz, dass es beinahe blendete – ganz im Geheimen (na ja, zumindest so lange, bis es losging) hatte man die große Lichtshow geprobt, die am morgigen Abend die offizielle Eröffnung begleiten soll. Wer also nicht zu den rund 2000 geladenen Gästen, Promis und Staatsoberhäuptern gehört, die gemeinsam dem Eröffnungskonzert live lauschen werden, für den gibt es zumindest von außen einiges zu sehen. "Ein farbenprächtiges Spektakel", verspricht Sprecher Tom R. Schulz; besonders lohnend soll der Blick von den Landungsbrücken sein. Um die Jahrhunderteröffnung sehen zu können, musste allerdings niemand eigens Politiker werden oder muss sich in die Kälte stellen. Auch vom heimischen Sessel aus lässt sich das Eröffnungskonzert bequem im 360°-Livestream verfolgen. Besonders mittendrin werden sich dabei vor allem die Besitzer einer Virtual-Reality-Brille fühlen. Wem das zu intensiv ist, der kann natürlich auch die Fernsehübertragung des NDR einschalten. Der Festakt beginnt morgen um 18.30 Uhr, es moderiert Rolf Seelmann-Eggebert – nein, Quatsch: Barbara Schöneberger!

Abschied von einer Blattmacherin: Zum Tod von Anne Volk

Anne Volk, die langjährige Chefredakteurin der Frauenzeitschrift "Brigitte", ist am vergangenen Freitag nach langer schwerer Krankheit gestorben. Volk prägte die "Brigitte" mehr als zwei Jahrzehnte lang als Chefredakteurin, Geschäftsführerin und zuletzt als Herausgeberin. Sie rief unter anderem "Brigitte Woman" und das Onlineportal "Brigitte.de" ins Leben. 2004 zog sich die Journalistin in den Ruhestand zurück. "Anne Volk wird uns als eine der prägendsten Blattmacherinnen des Landes in Erinnerung bleiben", sagte Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel über die erste Frau überhaupt an der Spitze von "Brigitte": Sie habe dem Blatt Bedeutung und Größe gegeben. Wie das gelang, beschreibt im Intranet von Gruner+Jahr Peter-Matthias Gaede, selbst langjähriger Chefredakteur von "Geo": "Weil eben ihre ›Brigitte‹ trotz aller Konkurrenz immer weit an der Spitzeein Frauenbild verkörperte, das offenbar zum Selbstbewusstsein von Millionen Frauen passte. Nicht Avantgarde und Barrikadensturm, nicht Heimchen am Herd war Anne Volks ›Brigitte‹, sondern die wohltemperierte Mitte." Anne Volk sei eine Frau gewesen, zu der man habe aufsehen können, die so schnell nichts habe umhauen können und die grundsätzlich kein Blatt vor den Mund genommen habe, erinnert sich Kathrin Tsainis, Textchefin der Zeitschrift, in ihrem Nachruf: "Anne Volk war echt, und das ist eine Eigenschaft, die man kaum hoch genug schätzen kann." Die Publizistin wurde 72 Jahre alt.

Stadtreinigung revolutioniert den Biomüll

Mit der Biotonne haben viele Hamburger ihre liebe Not. Sie nutzen die Tonne längst nicht so intensiv, wie sich die Stadtreinigung das vorstellt. "Viele verwechseln die Biotonne mit der Gartentonne", sagt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung. Allerdings: Bei der Verwertung von Gras aber entsteht im Kraftwerk viel weniger Energie als durch Küchen- oder Speiseabfälle. Doch die in der Wohnung zu sammeln und vor sich hin müffeln zu lassen oder permanent nach draußen zur Tonne zu bringen ist nicht jedermanns Sache. Deshalb startet die Stadtreinigung in Niendorf nun einen Testlauf mit wachsbeschichteten Papiertüten. Diese fassen zwischen drei und fünf Liter Abfall, sind reiß- und wasserfest – und, erklärt Sprecher Fiedler, "im Gegensatz zu Bio-Plastiktüten kompostierbar": Sie dürfen also mit in die Tonne. Das ist quasi revolutionär, denn so entfällt das lästige Hin- und Hertragen und Auswaschen von Transportschalen. Der Gang zur Biotonne wird damit beispielsweise mit dem Gang zur S-Bahn kombinierbar. Neu sind die tollen Tüten nicht, sie werden bereits seit 2011 verkauft, wurden aber bislang offenbar schmählich unterschätzt. Funktioniert der Testlauf in Niendorf, sollen die Dinger wohl noch dieses Jahr in ganz Hamburg verteilt werden; jeder "Biotonnenhaushalt" soll 30 Stück jährlich kostenlos bekommen. Am Donnerstag übrigens werden auf dem Niendorfer Wochenmarktdie Händler in diesen Wundertüten auch Obst und Gemüse verpacken. Keine Sorge: frisches Obst und Gemüse.

Kein Essen für die Tonne

Apropos Tonne: Ärgern Sie sich auch immer, wenn Sie zu viel gekocht haben und das Essen später gar im Müll landet? In potenzierter Form erleben das die Gastronomen täglich: Leckere Mahlzeiten, die nur deshalb übrig blieben, weil der Gast lieber Brust als Keule wollte, enden in der Tonne. Das Berliner Start-up EatUp ist mit der App Meal-Saver in der Hauptstadt bereits gegen die Lebensmittelverschwendung zur Tat geschritten. Jetzt kommt Hamburg dran. 40 Essensproduzenten, vom Restaurantbesitzer bis zum Bäckereibetreiber, packen am Ende ihrer Schichten in Boxen, was niemand essen wollte. Wer Hunger hat, muss nur über die App einen Anbieter auswählen, online bezahlen und kann die Box später im Laden oder Restaurant abholen. Ach so: Was in der Schachtel drin ist, eine kostet maximal 3,49 Euro, das weiß man erst nachher. Die Abnehmer finden das offenbar ganz prickelnd: Im Schnitt werden die Anbieter täglich zwischen zwei und sieben Boxen los, weiß Leo Sakaguchi von Meal-Saver, "und die Kunden bekommen oft mehr, als sie allein essen können". Immer wieder ist das eine echte Win-win-Situation: Anja Merten hat sich mit ihrem Eimsbütteler Café Philo angemeldet und ist froh, nicht mehr so viel wegwerfen zu müssen; "das hat sonst niemand genommen, auch die Tafel nicht", sagt sie. Und ihr erster Meal-Saver-Kunde war mindestens genauso happy; er ging mit einem Drei-Gänge-Menü nach Hause.

Mittagstisch

Einmal die Karte rauf und runter

Zufällig kommt man hier, abseits der Trampelpfade, eher nicht vorbei. Das ist sehr schade, denn dem sympathischen Mittagstisch-Ableger des Restaurants FuH wären viel mehr Gäste zu wünschen. Ruhig liegt er da, der schöne Gastraum des FuHdladen in den Räumen einer ehemaligen Milchhandlung, mit alten Wandfliesen, Kronleuchtern und halbhoher weißer Holzvertäfelung zum matten Grün der Wände. Auf der Karte finden sich Speisen, die man am liebsten alle probieren möchte: Crespelle mit Kartoffel-Bergkäse-Füllung auf Rahmpilzen (7,50 Euro), Bratwürste vom Weideland-Auerochsen (8,90 Euro) oder gebratenes Entenfleisch mit rotem Thaicurry (10,50 Euro). Es wird dann das Fischfilet aus dem Ofen Bologneser Art mit Grünkohl-Kartoffelstampf für 9,50 Euro. Vorab wird Brot mit Gemüsepüree-Dip gereicht, natürlich alles hausgemacht. Der kleine Salat mit mariniertem Gemüse (5,90 Euro) dient als Brücke zur Hauptspeise. Den Abschluss macht eine delikat und intensiv schmeckende Zimtmousse (4,50 Euro), begleitet von in Wedel geröstetem Kaffee "Mr. Hoban". Hingehen!

Ottensen, FuHdladen; Arnoldstraße 47, Montag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Duden ade: Annika Vieregge kennt sie alle, die fiesen kleinen Grammatik-Fallen. Im Seminar "Dank dem Vortrag ODER dank des Vortrags? Präpositionen als Zweifelsfall" macht sie Nachschlagewerke überflüssig.

Universität Hamburg, Fakultät für Geisteswissenschaften, Von-Melle-Park 6, 10.15 Uhr

Pause mit Orgel: Auch der Geist braucht was zu futtern. Pastorin Lisa Tsang lädt ein zur "Mittagspause für die Seele" – ob Orgelmusik satt macht?

Hauptkirche Sankt Jacobi, Jakobikirchhof 22, 12.30 Uhr

Spray die Wand an: Kunst statt Schmiererei – Kids ab zehn Jahren lernen in "Outliners – Graffiti Workshop" Basics wie Blockletter, Simple und Bubblestyle.

Esche Jugendkunsthaus, Eschelsweg 4, 16 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unter kontakt@esche.eu

Mäuschen beim Kammerorchester: Wer hat da nicht geübt? Schläft die erste Geige? Das Ensemble Resonanz lädt zum Lauschen hinter den Kulissen in die "werkstatt: unknown space" ein.

Ensemble Resonanz, Feldstraße 66, 16.30 Uhr und 18 Uhr, Eintritt frei

Schnack

In einem Supermarkt in Eimsbüttel fragt eine Dame die Verkäufer: "Wo sind denn die abgepackten Blut- und Leberwürste? Ich meine die Leberwurst, die zu einer Schlachtplatte gehört." Eine Verkäuferin antwortet: "Die führen wir nicht mehr." Enttäuschung bei der Dame: "Da werden Ihre Kunden mit bayrischem Migrationshintergrund aber sehr traurig sein!"

Gehört von Ingrid Kolb

Meine Stadt

Das Schild scheint aber schon etwas betagt … An der Bahnsteigklause, S-Bahn Bahrenfeld. © Foto: Nadine Wedel

SCHLUSS

Eine Meise haben ist besser als keine Meise haben, oder? Zumindest wenn es um die Vögel geht, sollte das die Devise sein. Glaubt man aber der Zwischenbilanz der Vogelzählaktion "Stunde der Wintervögel" des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), machen sich Meisen, Grünfinken und Gimpel rar am deutschen Himmel, ihr Bestand soll um ein Drittel zurückgegangen sein. Den Vögeln habe es im vergangenen Jahr bundesweit die Brutsaison verregnet, mutmaßt Ornithologe Ingo Ludwichowski. In Hamburg sieht man die erste Hochrechnung ebenfalls mit Sorge. "Wir haben auch den Eindruck, dass wir hier weniger Meisen haben, aber die Zählung ist ja noch nicht abgeschlossen", sagt Ilka Bodmann von der Nabu-Landesgeschäftsstelle in Hamburg. Bis zum 16. Januar wird noch gezählt, und wer weiß, vielleicht steht es in unserer Stadt um die Tiere doch nicht so schlimm wie anderenorts; schließlich fühlen sich auch die Bienen in Hamburg wohler als im Umland. Sie können übrigens mitmachen und Ihre Meisen selber zählen, zumindest die Meisen im Garten. Infos hier.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle


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