Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wir würden Sie gern um Ihre Meinung bitten – in eigener Sache.

Wie die allermeisten von Ihnen wissen, erscheint die ZEIT in Hamburg seit drei Jahren mit einem eigenen Lokalteil, der sich den Themen widmet, die unsere Stadt bewegen. Dass es dieses Angebot für Hamburg gibt, das soll auf den Titelseiten der hier verkauften ZEIT-Exemplare an zwei Stellen, nämlich im Kopf – also ganz oben – und in der Spalte rechts auch deutlich zu erkennen sein.

Bisher sieht das, Sie kennen es vermutlich, etwa so aus:

©Die Zeit

Nun hat unsere Art-Direktion dazu ein paar Alternativen entwickelt. Und jetzt wäre es schön, wenn Sie uns kurz helfen könnten: Welchen der gestalterischen Vorschläge halten Sie für am besten geeignet, um künftig auf den Hamburg-Teil der ZEIT hinzuweisen? Hier geht es zu unserer kleinen Umfrage. (Und es gibt auch etwas zu gewinnen ...)

"Global Citizen"-Konzert zum G20-Gipfel – was steckt dahinter?

Der Protest gegen den G20-Gipfel wird glamouröser als gedacht: Zumindest treten am Vorabend des Treffens am 6. Juli Stars wie Coldplay und Herbert Grönemeyer beim "Global Citizen"-Festival in der Barclaycard-Arena im Volkspark auf ­ – ganz ohne Gage, für den guten Zweck. Dahinter steht die Organisation Global Citizen, die von dem Australier Hugh Evans gegründet wurde und nach eigener Aussage ein Zeichen gegen die globale Armut und für mehr Bildungschancen in Entwicklungsländern setzen will. 80 Prozent der Tickets, 9000 Stück, werden ab dem 14. März verlost – wer eines ergattern will, soll an Online-Aktionen auf der Homepage von Global Citizen teilnehmen. Per Online-Petition, Tweet oder E-Mail wird etwa dazu aufgerufen, Politiker an die Einhaltung der UN-Entwicklungsziele zu erinnern. Dieter Rucht vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung ist jedoch skeptisch. Wenig sei bisher über Global Citizen bekannt, Rechenschaftsberichte zu Personal- und Verwaltungskosten oder Organisationsstrukturen seien online nicht einsehbar – laut dem Sozialforscher ein No-Go für eine soziale Bewegung und ein Zeichen für mangelnde Seriosität. Kommerzielle Interessen ließen sich so nicht ausschließen. Zudem wirbt die Organisation mit acht Millionen Unterstützern weltweit und zehn Millionen Aktionen. "Mit Verlaub, diese Zahlen klingen schwachsinnig", sagt Rucht. Die Methode, mit Konzerttickets für Engagement zu werben, sei auch ein "Zeichen dieser Zeit": "Statt politischer Inhalte stehen coole Events und ein vermeintliches Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund. Dabei kann man sich nicht mit anderen ›global citizens‹ vernetzen, ich trage mich nur in ein großes Online-Register ein und weiß nicht einmal, was mit meinen Daten passiert oder ob diese weiterverkauft werden." Eine von Global Citizen erbetene Stellungnahme erreichte uns bis Redaktionsschluss nicht.

Blohm+Voss: 300 Arbeitsplätze fallen weg

Als die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss im Herbst an den Bremer Konkurrenten Lürssen verkauft wurde, wertete Wirtschaftssenator Frank Horch dies noch als "große Chance für den maritimen Standort Hamburg" – eine Chance für die knapp 1000 Mitarbeiter des Unternehmens war es dann wohl nicht. 300 von ihnen müssen nun gehen, wie die Geschäftsführung bei einer Betriebsversammlung am Dienstag mitteilte. Dass an den Kündigungen kein Weg vorbeiführe, begründete Aufsichtsratschef Klaus Borgschulte mit ausgebliebenen Investitionen, veralteten Konstruktions- und Fertigungsprozessen und "nicht angepassten" Kostenstrukturen. Überraschend kommt das alles nicht: Schon lange galt Blohm+Voss als angeschlagen, da jahrelang Großaufträge für Schiffsneubauten ausgeblieben waren. Ob man, der schlechten Auftragslage zum Trotz, dennoch weiter am Bau von Luxusjachten, einem der zentralen Standbeine von Blohm+Voss, festhalten wolle, ließen die Bremer bei der Übernahme noch offen. Jetzt will die Lürssen-Gruppe lieber auf Reparaturen und "luxuriöse Aufwertung" setzen – und demnächst steht der Bau fünf neuer Korvetten für die Bundesmarine an. Nicht nur für die betroffenen Arbeiter sind die Kündigungen dramatisch, sie sind auch ein denkbar schlechtes Zeichen für die deutsche Schiffbaubranche. Bereits am Montag gab die Bremerhavener Lloyd-Werft den Wegfall von 117 ihrer 400 Arbeitsplätze bekannt. Dem Verband für Schiffbau und Meerestechnik zufolge belasten "der schwache Welthandel und der Verfall der Rohstoffpreise den maritimen Weltmarkt schwer".

Rausch auf dem neuen Rasen

Der FC St. Pauli gewinnt 5:0 zu Hause gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, den Karlsruher SC, und spielt sich vor allem in der zweiten Halbzeit in einen Rausch. Dabei stellen sich dem geneigten Betrachter natürlich einige Fragen. Und wir reichten sie weiter an unseren FC St. Pauli-Kolumnisten Erik Hauth

1. Wer war der Spieler des Abends?

Wer drei Tore schießt, wie Aziz Bouhaddouz. Vor allem wenn er einen lupenreinen Hattrick aufs Parkett zaubert (zur Erinnerung: Das sind drei geschossene Tore in einer Halbzeit, kommt ja am Millerntor nicht so häufig vor). Beinahe noch wichtiger war das energische Flügelspiel von Cenk Sahin, der in dieser Form für den Kiezclub unverzichtbar wird. Drei Torvorlagen, zwei davon generierten sich aus eigenen Abschlüssen, sind ein Spitzenwert. Ein Zu-Null hat aber immer mehrere Väter. Gestern muss Torhüter Phillip Heerwagen den Karlsruhern wie ein Zauberer vorgekommen sein. Mit pfeilschnellen Reflexen vereitelte er gute Chancen der Gäste auf einen Anschlusstreffer. Auch wenn Ewald Lienen in Vogtscher Manier betont, dass die Mannschaft der Star ist: Diese drei Spieler waren für mich gestern herausragend.

2. Welche Rolle spielt der neue Rasen?

Dresdens Trainer Neuhaus hatte schon vor dem Spiel seiner Mannschaft in Hamburg das ramponierte Geläuf kritisiert. Mitte der Woche wurde nun der Rasen getauscht und fungierte quasi als 12. Mann. Auf dem frischen Grün lief der Ball sauber zwischen den Reihen der Kiezkicker. Wer hätte vor ein paar Wochen noch gedacht, dass der FCSP einmal seine spielerische Klasse aufblitzen lassen würde?

3. War es das mit dem Abstiegskampf?

Der auf St. Pauli "Klassenkampf" genannte Fight gegen den Abstieg ist ein Langstreckenrennen, bei dem man sich nie zu sicher sein darf. Die Boys in Brown sind allerdings in einer Topform, und wenn das Spiel in München gewonnen werden kann, schnuppert St. Pauli am unteren Mittelfeld der Liga. Prekär wird es wohl bis zum Ende der Saison bleiben, dafür sind einfach schon zu viele Punkte vergeben worden. Wenn die Spieler gesund bleiben – im Moment sieht man ja das erste Mal ein eingespieltes Team –, mache ich mir aber keine Sorgen.

"Unterschiede gab es eher zwischen den Schulformen als zwischen den Stadtteilen"

"Meine Jugend, meine Stadt, mein Bezirk" lautet das Motto einer Projektwoche der Stadtteilschule Wilhelmsburg: 20 Schüler der 11a haben eine Woche lang sechs Schulen in sechs Hamburger Bezirken besucht, entstanden ist ein Dokumentarfilm, der heute im Bürgerhaus Wilhelmsburg gezeigt wird. Ist das Leben junger Leute in Blankenese so viel anders als in Wilhelmsburg? Wir haben mit dem 16-jährigen Volkan Hielscher gesprochen, der das Projekt mitentwickelt und koordiniert hat.

Elbvertiefung: Volkan, was ist die Idee hinter eurem Projekt?

Volkan: Das Leben vieler Jugendlicher spielt sich oft vor allem im eigenen Stadtteil ab. Ich gehe in Wilhelmsburg zur Schule, treffe hier meine Freunde oder gehe zum Sport. Das ist so ein eigener Mikrokosmos, dabei ist es wichtig rauszukommen, zu erleben, wie sich das Leben junger Menschen anderswo abspielt und wie Schule etwa in Blankenese oder Schnelsen aussieht. Unser Ziel war es, Vorurteile abzubauen ...

Elbvertiefung: Und das ist euch gelungen?

Volkan: Und wie! Wir hatten vorher einige Stereotype im Kopf, dachten etwa, die Eppendorfer Schüler seien alle strebsame Bücherwürmer, während die Schüler aus dem Hamburger Westen dachten, wir Wilhelmsburger wären asozial und dumm ... Bei Kennenlernspielen in den Klassen hat sich gezeigt, dass wir viel mehr Gemeinsamkeiten und ähnliche Interessen haben als gedacht.

Elbvertiefung: Ihr habt die Julius-Leber-Schule, das Goethe-Gymnasium, das Gymnasium Eppendorf und die Stadtteilschulen Alter Teichweg, Blankenese und Lohbrügge besucht. Wie lief das ab?

Volkan: In jeder Schule haben je drei bis vier Schüler einen Tag in einer Klasse hospitiert und den Unterricht nach Leitfragen ausgewertet, die wir vorab entwickelt hatten: Ist die Stimmung konzentriert oder unruhig, wie gehen die Schüler miteinander um, wie sehr beteiligen sie sich? Dann haben wir die Schüler in anonymen Fragebögen und Einzelinterviews zu ihrer Freizeitgestaltung, Mediennutzung, Eigenwahrnehmung befragt und sie gebeten, den Unterricht zu bewerten. Die Lehrer haben wir gefragt, wie sie ihren Unterricht gestalten und warum gerade so.

Elbvertiefung: Und da gab es wirklich keine Unterschiede?

Volkan: Doch, aber eher zwischen den Schulformen als zwischen den Stadtteilen: Der Leistungsdruck ist bei den Gymnasiasten deutlich größer als an den Stadtteilschulen. Die Atmosphäre war in jeder Klasse anders, dabei war aber weniger die soziale Herkunft entscheidend, überall gab es solche und solche Charaktere. Auch Stil und Methodik des Unterrichts hingen stark vom Lehrer ab.

Elbvertiefung: Was hast du persönlich mitgenommen?

Volkan: Ich habe viele neue Leute getroffen und gelernt, wie wichtig es ist, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Heute um 17 Uhr präsentieren die Schüler der 11a der Stadtteilschule Wilhelmsburg ihre Ergebnisse und den Film "Meine Jugend, meine Stadt, mein Bezirk – ein Dokumentationsfilm von Wilhelmsburg nach Blankenese" im Kleinen Saal des Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20

Kampnagel zaubert gegen Trump

Donald Trump ist zwar erst seit wenigen Wochen im Amt, doch angesichts des fragwürdigen verbalen und politischen Gebarens des derzeit amtierenden US-Präsidenten (das, wie wir leider wissen, von wüsten Beschimpfungen von Journalisten bis zur Aufhebung von Transgender-Rechten und dem viel kritisierten Einreiseverbot für Muslime reicht), ziehen einige seiner Gegner längst so ziemlich alle Möglichkeiten in Betracht, um die Präsidentschaft schnellstmöglich zu beenden. Am 24. Februar sprachen selbst ernannte Hexen und Zauberer weltweit bereits einen Bannzauber (inklusive brennender Kerzen und einer Tarotkarte) gegen Trump. Die Aktion schien keinen Erfolg zu haben; alles deutet darauf hin, dass Trump noch immer putzmunter mit oder ohne Bademantel durchs Weiße Haus streift. Der Künstler Orgy Punk wagt nun am Freitag auf Kampnagel einen neuen Versuch: In einer "magisch-rituellen Performance" will er den mexikanischen Geist der heiligen Toten, "Santa Muerte", dazu anrufen, einen Fluch auf Trump zu legen und diesen so zum Rücktritt zu bewegen. Nun, amüsant klingt die Aktion, die im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kontext Mexiko" geplant ist, allemal.

Mittagstisch

Hotdogs als Mahlzeit

Wer schräg gegenüber von Ikea ein Hotdog-Restaurant aufmacht, in dem der billigste Hotdog mehr als das Sechsfache des schwedischen Pendants kostet, muss schon sehr überzeugt von seinem Konzept sein. Die Betreiber des neu eröffneten HookDogs in Altona sind es offenbar. In dem sehr schick designten Lokal wird um die Hotdogs ein ähnliches Brimborium veranstaltet, wie seit einigen Jahren mit den Burgern. Die Palette reich vom Standard mit Röstzwiebeln und Essiggurken (6,40 Euro) bis zum Überkandidelten mit Shrimps und Trüffelmayo (10,80). Wählen kann man noch zwischen drei Brötchensorten sowie zwischen Geflügel- oder Schweinefleisch beziehungsweise vegetarischer oder veganer Wurst. Außerdem: Salate, Milchshakes, Fritten und diverse andere Beilagen. Mittags gibt es einen einfachen Hotdog mit Pommes und Getränk für 8,90 Euro. Kann das Konzept aufgehen? Schwierig. Zwar messen die Hotdogs gute 20 Zentimeter, und die Würste schmecken um Längen besser als in jeder Hotdog-Bude, dennoch bleibt das Gefühl, man könnte für das Geld Leckereres essen.

 

Altona-Altstadt, HookDogs, Neue Große Bergstraße 15, Mittagstisch bis 17 Uhr

 

Thomas Worthmann


Was geht

Verlosung: Hans Zippert hat morgen seine Hamburg-Premiere im Polittbüro: "Ich bin nicht gut im Bett – 99 peinliche Bekenntnisse". Hans Zippert gibt alles zu und lässt kein Fettnäpfchen aus. Wie er in der Schule scheiterte, warum er im Bett versagt, wie er mal viel Geld verloren hat, weshalb er an den Guru Maharishi geglaubt hat, wieso er keinen Grießbrei essen kann, warum er SPD gewählt hat, weshalb er mit seinen Fehlleistungen auch noch dauernd angeben muss und 92 weitere unangenehme Erlebnisse. Für diese Lesung konnten wir noch 2 Karten bekommen, die wir verlosen: Schicken Sie bis morgen 10 Uhr Ihren Namen und den Namen Ihrer Begleitung an elbvertiefung@zeit.de. Viel Glück!

Polittbüro, Steindamm 45, Do., 2. März, 20 Uhr, Eintritt: 15,– / erm. 10,– Euro, freie Platzwahl!

Puppenkrach: Frieda liebt den Winterschlaf, ihr Freund Fredi aber will ständig Abenteuer erleben. Da kriegt niemand ein Auge zu. "Frieda und Frosch", eine Entdeckungsreise durch die vier Jahreszeiten mit dem Tandera Theater.

Hamburger Puppentheater, Bramfelder Straße 9, 10 Uhr, 4,50 Euro

Vortrag am Bau: Architektin Anna Heringer wurde mit dem Bau der METI School in Bangladesch bekannt. Ihr Fokus im Vortrag "Architecture is a tool to improve lives" liegtauf lokalen Baumaterialien und Arbeitskräften.

HafenCity InfoCenter im Kesselhaus, Am Sandtorkai 30, 18.30 Uhr, Anmeldung online

Lesung mit Ellbogen: "Stark, ungehalten" und "filmisch präzise", so lobpreist die Kritik den Debütroman "Ellbogen" von Fatma Aydemir. Er handelt von der Identitätssuche einer jungen Deutschtürkin, die das Schicksal nicht nur einmal herausfordert.

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, 10 Euro

Holland am Klavier: Er gilt als "Waver der ersten Stunde, Ausnahmepianist und lässig swingender Bigband-Leader": Jools Holland geht mit "The Voices of Ruby Turner and Louise Marshall" auf Tour. Musikalisch bietet der Londoner alles – außer Schubladen.

Fabrik, Barnerstraße 36, 20 Uhr, 29,70 Euro

Hamburger Schnack

Oma sitzt mit ihrer Enkelin Lotta in der S-Bahn von Altona zur Sternschanze und erzählt ihr von Schmerzen am Fuß, die von einer Zerrung der Achillessehne herrühren. Lotta kennt das Wort Zerrung nicht, was ihr mit Überdehnung – wie ein Gummiband – erklärt wird.

Danach fragt sie spontan: "Oma, hast du denn Spagat gemacht???"


Gehört von Maren Lund


Meine Stadt


SCHLUSS

Heute mal ohne.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Haben Sie einen Schluss in petto? Oder nie einen? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.