Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu wird heute doch nicht im Wilhelmsburger Plaza Event Center auftreten. Kurz nachdem Çavuşoğlu gestern erneut schwere Vorwürfe wegen in Deutschland untersagter Wahlkampfauftritte türkischer Politiker für das von Recep Tayyip Erdoğan angestrebte Präsidialsystem erhoben hatte, sagten die Behörden auch seinen Auftritt in Hamburg ab. Laut Bezirksamt Mitte wurde die

Veranstaltungshalle wegen Brandschutz-Mängeln gesperrt: eine vorgeschriebene und vor einiger Zeit bereits angemahnte Brandmeldeanlage sei nicht eingebaut gewesen. "Die Halle darf bis auf Weiteres gar nicht mehr genutzt werden", erklärte eine Sprecherin.

Wenige Stunden zuvor hatte Bürgermeister Olaf Scholz noch erklärt, dass Çavuşoğlu seinen Wahlkampfauftritt trotz massiver Proteste und Verbotsforderungen wie geplant abhalten könne. Und der CDU-Fraktionsvorsitzende André Trepoll hatte im Gespräch mit uns gefordert, dass Scholz die Veranstaltung tunlichst verbieten solle. "Einen einseitigen Wahlkampf für ein antidemokratisches Präsidialsystem können wir nicht akzeptieren", sagte Trepoll. "Dies gilt umso mehr, wenn mit Deniz Yücel gleichzeitig ein deutscher Journalist mit fadenscheiniger Begründung in der Türkei weggesperrt wird, der lediglich seine Arbeit gemacht hat. Journalismus ist kein Verbrechen." Und Deutschland sei für innertürkische Auseinandersetzungen nicht der richtige Ort, so Trepoll.

Unklar war bei unserem Redaktionsschluss, ob die Veranstalter des Wahlkampfauftritts bis heute Abend einen Ausweichort finden würden. Auf Facebook war gestern unbestätigterweise zu lesen, Çavuşoğlu werde in einem Festsaal in Norderstedt auftreten.

Abgesagt, erfuhren wir gestern, ist auch der Autokorso, mit dem das Bündnis #freedeniz für Pressefreiheit und gegen die Inhaftierung des deutschtürkischen Journalisten Deniz Yücel protestieren wollte und der in Wilhelmsburg enden sollte. Weitere Infos hier.

Frauen sind in der Überzahl, bekommen aber immer noch weniger, als sie verdienen

Morgen ist Internationaler Frauentag. Wer den zum Anlass nimmt, Damen in seiner Umgebung großzügig mit Blumen zu beschenken, hat wieder einmal gar nichts kapiert. Viel mehr geht es darum, aufzuzeigen, wo Frauen immer noch ins Hintertreffen geraten, obwohl sie – wie in Hamburg – in der Überzahl sind. 2015 waren 51 Prozent der hier lebenden 1.773.000 Einwohner weiblich, informiert das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein in einer Spezialauswertung ganz ohne Blümchenrand. Während die Mädchen in den Grund- und Stadtteilschulen noch in der Unterzahl waren, lag ihr Anteil in den Gymnasien bereits bei 51,6 Prozent. Von den Abiturienten waren sogar 53,7 Prozent weiblich. Promoviert haben 2015 allerdings nur 7000 Frauen – im Vergleich zu 13.000 Männern. Zehn Prozent der erwerbstätigen Frauen waren selbstständig, bei den Männern waren es 15 Prozent. Die deutlichsten Unterschiede zeigen sich jedoch nach wie vor beim Gehalt. Nur sechs Prozent der Frauen verdienten 2015 mehr als 3200 Euro netto, bei den Männern dagegen genau 20 Prozent. Immerhin, analysiert das Statistische Amt, nimmt der Anteil der besserverdienenden Frauen zu. Während 2005 nur 28 Prozent der arbeitenden Frauen zwischen 1500 und 3200 Euro netto verdienten, lag dieser Anteil zehn Jahre später bei 45 Prozent. Wenigstens die können sich ihre Blümchen definitiv schon selbst kaufen.

Erster Erfolg für "Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen"

Die Volksinitiative "Gute Inklusion für Hamburgs SchülerInnen" hat nach eigenen Angaben in nur sechs Wochen mehr als die erforderlichen 10.000 Unterschriften gesammelt. Damit muss sich das Parlament mit den Forderungen befassen. Die Initiatoren wollen nun aber noch weitersammeln. "Je mehr Unterschriften, desto besser unsere Verhandlungsposition", sagte der Initiativensprecher und ehemalige Schulleiter einer inklusiven Stadtteilschule Pit Katzer. Anfang Mai werde man die Unterschriftensammlung dann in der Senatskanzlei abgeben. "Wir wollen, dass sich die Bürgerschaft noch vor den Sommerferien mit unseren Forderungen in einer öffentlichen Sitzung beschäftigt." Die Initiative fordert für den gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht behinderte Kinder mehr pädagogisches, therapeutisches und pflegerisches Personal an den Schulen, mehr Therapie- und Pflegeräume und barrierefreie Schulgelände. Und sieht sich nun bestätigt. "Über 10.000 Unterschriften in so kurzer Zeit zeigen", erklärte die Vertrauensperson der Volksinitiative Sylvia Wehde, "wie wichtig insbesondere den Eltern die bessere personelle und räumliche Ausstattung der schulischen Inklusion ist."

Hightech-Fahndung nach Hundehaufen-Hinterlassern?

Unlängst berichteten wir an dieser Stelle von Gendatenbanken, mithilfe derer man Hundehaltern auf die Spur kommen könnte, die ihren gesetzlichen Aufräumpflichten nicht nachgekommen sind. In Valencia, informiert uns eine unserer vielen polyglotten Leserinnen, werde dieses Ermittlungsverfahren bereits angewandt. "Wir sind begeistert, wie gut das klappt!", schreibt sie uns. Die Stadtverwaltung führe die DNA-Proben kostenfrei durch, die Resultate seien sichtbar. Oder besser gesagt: eben nicht! Also vielleicht doch auch eine Idee für Hamburg? Wenig Begeisterung kommt ausgerechnet von denjenigen, die mit der Hundekacke am meisten Arbeit haben – und damit meinen wir nicht die Schuhputzer. "Es gibt doch eine viel pragmatischere Lösung", sagt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung. "Die Hundehalter müssen einfach nur die Beutel benutzen, die wir ihnen unentgeltlich zur Verfügung stellen." Immerhin rund 130.000 Euro kosten die Dinger pro Jahr, wobei Fiedler betont, von der Hundesteuer im Gegenzug nichts abzubekommen. Viele Hundebesitzer benützten die schwarzen Beutel zwar mittlerweile – um sie dann aber an Ort und Stelle liegen zu lassen: "Es gibt mittlerweile fast 10.000 rote Papierkörbe", sagt Fiedler. Bis zu einem von ihnen wird sich wohl auch der schwächste Hundehalter schleppen können! Aber wenn eben doch nicht und dazu noch jede Menge unverpackte Würste herumliegen, mit denen die Verantwortungslosen unter den Hundehaltern alle anderen Tierfreunde gleich mitdiskreditieren: Wäre nicht genau das doch ein Grund, die Gendatenbank in Hamburg mal anzutesten? Was sagt dazu eigentlich die Hundekotbehörde?

Rückzugsräume für Frauen und Kinder

Vergangenen Freitag wurde von der Landessynode der Nordkirche der Initiativpreis "Nordstern" verliehen. Eines der Gewinnerprojekte sind die "Kita-Rückzugsorte" in Altona. Einmal pro Woche stellen mehrere Kitas ihre Räume geflüchteten Frauen und ihren Kindern zur Verfügung. Dort können sich die Frauen aus nahe gelegenen Flüchtlingsunterkünften ausruhen, erholen, gemeinsam kochen und nebenbei Deutsch lernen. Denn die Situation in den Unterkünften sei angespannt, sagt Projektleiterin Bärbel Dauber vom Kita-Werk Altona-Blankenese: "Als wir begonnen haben, ging es vor allem um Bewohner von Erstaufnahme-Einrichtungen. Aber auch jetzt, in den neuen Wohnunterkünften, leben alle auf engstem Raum zusammen; Küchen und Bäder werden von mehreren Familien benutzt. Und da es sich um Container handelt, ist es sehr laut. Alle, vor allem die Kinder, bekommen zu wenig Schlaf." Mit Sprachspielen und Gesprächen über Gesundheit, Rechte und Schule will das Hilfsprojekt die Geflüchteten unterstützen. "Mittlerweile kommen die Frauen nicht mehr nur, um sich zu erholen", sagt Dauber. "Viel öfter wollen sie von uns Unterstützung dabei, wie sie sich selbst aus ihrer Situation herausbringen können. Sie wollen aktiv etwas tun." Mit vier Kitas, darunter Bugenhagen und Sülldorf, sowie rund 50 ehrenamtlichen Helferinnen erreicht das Projekt derzeit 50 Familien mit 60 bis 70 Kindern. Doch am liebsten wäre es ihr, sagt Bärbel Dauber, wenn irgendwann überhaupt niemand mehr kommen müsste.

St. Pauli-Sieg hat ein Nachspiel

Am Samstag gewann der FC St. Pauli in München gegen den TSV 1860 mit 2:1. Doch mehr Schlagzeilen als dieser erneute Sieg machte ein Interview des Sportchefs Andreas Rettig, das gestern auf der Homepage des FCSP veröffentlicht wurde. Darin warf Rettig den Gastgebern unsportliches Verhalten vor. Die Gremiumsmitglieder von St. Pauli seien, nachdem sie den Ausgleich – vermutlich lautstark – bejubelt hatten, von einem Ordner "zur Mäßigung aufgerufen" worden. "Nach weiterem Jubel nach dem 2:1 wurden sie aufgefordert, die Plätze zu verlassen und sich umzusetzen", berichtet Rettig. Erst habe es geheißen, es seien falsche Karten ausgestellt worden, dann habe man so getan, als hätten die Hamburger ihre Sitzplätze der Münchner Meistermannschaft angeboten. "Letztendlich konnte man das Match von der Tribüne aus bis zum Schluss verfolgen", erzählt Rettig weiter, der die Schuld bei Münchens Investor Hasan Ismaik sucht, der direkt hinter ihnen platziert war und sich möglicherweise vom Jubel der Gegner gestört fühlte. Auf der Münchner Fanseite dieblaue24 glaubt jedoch zu wissen, dass es "abfällige Gesten in Richtung Ismaik" gewesen sein sollen, die diesen erzürnt hätten. Entschuldigungen gab es noch in der Pause, und zwar vom TSV-Präsidenten Peter Cassalette, der sich allerdings am Montag fragte, "warum dann Rettig dieses Thema aufbauschen muss". Auf eine öffentliche Erklärung des TSV 1860 wartete man gestern vergeblich, allerdings ist dessen Umgang mit der Presse mittlerweile mehr berüchtigt als berühmt.

Kaffeepause

Von Macarons, Tartes und Eclairs

Im Café Mandelmehl und Zuckerei sind Einrichtung und Dekoration ebenso eine Augenweide wie die zahlreichen Tartes und pastellfarbigen Macarons, die in der Auslage auf Süßmäuler warten. Hier hat alles Stil – große Blumengestecke schmücken die drei unterschiedlich eingerichteten Räume, auf dem Holzfußboden stehen teils asiatisch angehauchte, teils klassisch-schlichte Möbel, silberne Vasen zieren Beistelltischchen, auf denen Buch oder Zeitschrift liegen. Viele der Deko-Gegenstände kann man gleich hier kaufen. Die großzügig bemessenen Stücke Zitronen- und Kokostarte sind hervorragend, saftig und aromatisch (3,20 Euro), der in Italien geröstete Kaffee, den es in zwei Hausvarianten gibt, wird auf einem hübschen Tablett mit einem Glas Wasser serviert. Man legt Wert auf Nachhaltigkeit und Saisonales. Ein Lieblingscafé, das seinen Namen vom Verkaufshit, den aus Mandelmehl hergestellten Macarons, bezieht. Nach so viel Zuckerei steht manchem der Sinn nach etwas Herzhaftem, da kommt das geröstete Bauernbrot mit diversen Belägen (3 bis 8,70 Euro) zupass.

Café Mandelmehl und Zuckerei; Grindelviertel, Rappstraße 16, dienstags bis freitags 8 bis 18.30 Uhr, samstags und sonntags 9 bis 18.30 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Seife gegen Puppen-Unglück: Spanien befindet sich im Krieg, die Königin mit ihren Töchtern auf der Flucht. Da beschließt der jüngste Spross, die "Mutige Prinzessin Glücklos", das Schicksal herauszufordern – und es mit duftender Seife zu waschen.

Hamburger Puppentheater, Bramfelder Straße 9, 10 Uhr, 4,50 Euro

Blinder Doku-Film: Wem würde man weniger Genialität in der Fotografie zutrauen als einem Blinden? "Shot in the Dark" ist ein intimes Porträt der Künstler Bruce Hall, Sonia Soberats und Pete Eckert. Ihre Sehschwäche ist Ausgangspunkt für visuelle Erkundungen der ganz besonderen Art.

Zentralbibliothek, Hühnerposten 1, 19 Uhr, Eintritt frei

Singer-Songwriter von der Insel:Jess Morgan ist viel unterwegs, um die Welt zu sehen. Vielleicht klingen die Songs der Britin deshalb wie der Soundtrack eines wilden Streifens, in dem starke Frauen durch die Gegend galoppieren. Jippie jey jey.

Pooca Bar, Hamburger Berg 12, 19 Uhr, 8,35 Euro

Lesung nach Attentat: Sie kam zu spät ins Büro, das rettete ihr das Leben. Catherine Meurisse, ehemalige Zeichnerin von Charlie Hebdo, verarbeitet mit ihrer Graphic Novel "Die Leichtigkeit" die Zeit nach dem Anschlag.

Übel & Gefährlich, Ballsaal, Feldstraße 66, 20 Uhr, 11,50 Euro

Hamburger Schnack

Ein älteres Ehepaar steht bei Edeka vor den Dosensuppen. Sie: "Die hier ist veganisch." Darauf er: "Ach, das ist ja auch nur Schweinekram!"

Gehört von Lena Michelsen

Meine Stadt

Ein Baumgeist im Klövensteen © Ulrike Dürkes

SCHLUSS

Wenn Sie die "Elbvertiefung" morgens direkt nach dem Aufstehen lesen, dann empfehlen wir heute im Anschluss daran eine kalte Dusche. Denn bei Storchens geht es schlimmer zu als in jeder Telenovela. Was bisher geschah: Rolf kam aus der Winterfrische zurück, Maria auch. Erster Sex. Dann Maria tot. Dann neue Maria (wir brauchen übrigens dringend einen anderen Namen als Maria II.). Und jetzt halten Sie sich fest: Am Samstag gegen 15 Uhr beobachtete unsere Leserin Cornelia Sp. über die Nabu-Webcam einen Kampf, dessen Ausgang bis Redaktionsschluss ungeklärt blieb. Am Sonntag saß zwar ein Storchenpärchen glücklich vereint im Horst, doch – fragt Leserin Cornelia zu Recht: "Ist das noch Rolf?" Oder ist es vielleicht Rolfs verschollen geglaubter Zwillingsbruder Ralf, immer schon ein Spieler und Trinker, der die letzten Jahre faul in der spanischen Sonne geblieben war, und der sich jetzt einfach in das von Rolf gemachte Nest setzen will? Wurde Maria II. von Ralf nur vorgeschickt, um Rolf den Kopf zu verdrehen, auf dass Rolf, nein Ralf im Kampf leichteres Spiel haben sollte? Und starb Maria I. tatsächlich durch einen selbst verschuldeten Flugfehler? Oder hat auch hier jemand nachgeholfen? Intrige! Drama! Sex! Schalten Sie also auch morgen wieder ein, wenn es heißt: "Auf den Schwingen des Schicksals – wenn Störche zu sehr lieben!". Hier! 

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.