Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern war Palmsonntag; die christlichen Kirchen gedachten des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem, teils mit Prozessionen bei strahlendem Sonnenschein. So war es bei uns.

In Ägyptenexplodierten Bomben in und vor christlichen Kirchen in Alexandria und Tanta. Mindestens 36 Menschen starben; über 100 wurden verletzt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) soll sich zu den Attentaten bekannt haben. Am Freitag hatte in der Stockholmer Innenstadt bereits ein mit dem IS sympathisierender 39-jähriger abgelehnter Asylbewerber aus Usbekistan einen Lastwagen in eine Menschenmenge und in ein Kaufhaus gesteuert: Vier Menschen starben, 15 wurden verletzt.

Auf dem Jahrestreffen der Landespressekonferenz am Freitag hat  Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz die Hamburger aufgerufen, sich bei allem Mitgefühl für die Opfer von dem Terror nicht verunsichern zu lassen: "Wir werden uns von denen, die uns verrückt machen wollen, nicht verrückt machen lassen", so Scholz. "Wir werden unsere Freiheit und unseren Lebensstil verteidigen." Das müssen wir.

Demonstrationsverbot zu G20: "Ein Fall fürs Bundesverfassungsgericht"

860 G20-Gegner haben laut Polizei am Samstagabend unter dem Motto "No G20! Zeit zu handeln" demonstriert, der Protest verlief friedlich. Die Demonstration war Programmpunkt einer zweitägigen "Aktionskonferenz" im Millerntorstadion: Gipfelgegner aus dem In- und Ausland übten sich dort im Aktions- und Blockadetraining, planten die Proteste rund um das Gipfeltreffen am 8. und 9. Juli, "eine Vielfalt von spannenden Aktionen, von Konflikt und Konfetti", sagte Sprecherin Emily Laquer. Die Frage, wann und wo protestiert werden darf, sorgt weiter für Verwirrung: Kurz vor der Konferenz hatte die Polizei bei einem "Kooperationsgespräch" mit den Gipfelgegnern mitgeteilt, dass am 7. und 8. Juli die gesamte Innenstadt bis zum Flughafen im Norden für Demonstrationen gesperrt werden solle. Eine Großdemonstration am 8. Juli könnte dann nicht mehr wie geplant stattfinden. Später erklärte die Polizei zwar, dass noch nichts entschieden sei, die Aktivisten aber sprachen bereits von einer "demokratiefreien Zone". "Es ist sehr problematisch, große Flächen per se abzuriegeln, denn hier wird das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit drastisch eingeschränkt", sagte uns auch der Protestforscher Dieter Rucht. Immer wieder müssten sich deutsche Gerichte mit Fällen beschäftigen, in denen das Recht auf Versammlungsfreiheit nachweislich verletzt, polizeiliche Auflagen für rechtswidrig erklärt worden seien. Dass es bei "Gipfeltreffen dieser Größenordnung zu Absperrungen in großem Stil kommt", sei zwar "nicht ungewöhnlich", soRucht. Dennoch: "Dieses Demonstrationsverbot sollte juristisch geprüft werden und wäre ein Fall für das Bundesverfassungsgericht."

Olaf im Hoffnungsland

Wenn Olaf Scholz um sich blickt, sieht er ein "Hoffnungsland". In seinem ersten Buch, das ebendiesen Titel trägt, gibt sich der Bürgermeister optimistisch: Er schreibt über den Zusammenhalt der EU, die Herausforderungen der Flüchtlingszuwanderung für Europa – und welche Chancen damit verbunden sind. Und während Scholz am Sonntag noch mit ZEIT-Kollegin Elisabeth Niejahr im Helmut-Schmidt-Auditorium der Bucerius Law School über sein Werk diskutierte, hatte sich Autor Christoph Twickel längst ein Bild gemacht. "Scholz schreibt sein Buch, wie er Politik macht: mit einem Sinn für Ordnung, der an Langeweile grenzt", kritisiert Twickel in der aktuellen ZEIT:Hamburg. Na gut, hätte uns der Bürgermeister einen spannenden Politthriller vorgelegt, hätten wir uns auch sehr gewundert ... Scholz’ Lösungsvorschläge bestünden stets aus "Regeln, Kontrolle, Koordination", findet Twickel – und dass der Bürgermeister Zuwanderung zwar als "Auszeichnung für unsere offene Gesellschaft" verstehe, zugleich aber das Asylrecht verschärfen und Balkanländer zu sicheren Drittstaaten erklären wolle, überzeugt unseren Autor nicht. In einem ZEIT-Interview mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und Politik-Redakteur Heinrich Wefing im März wurde Scholz übrigens konkreter: Nur wer ein Jahr lang ein Arbeitseinkommen erziele, das dem gesetzlichen Mindestlohn entspricht, solle Zugang zu den sozialen Sicherungssystemen erhalten, hieß es da etwa.

Tempo 30 – und wer kontrolliert?

Rund 50 Prozent von Hamburgs Straßen sind bereits als Tempo-30-Zonen ausgewiesen. Durch eine Änderung in der Straßenverkehrsordnung ist es nun noch leichter, Tempo 30 einzuführen. Aber wird der Straßenverkehr so auch sicherer? "Sollen die bereits existierenden Tempo-30- Zonen doch erst mal besser kontrolliert werden!", schrieb eine Leserin aus Eidelstedt, die nahe einer Tempo-30-Straße wohnt – wo nämlich "jeder so schnell fährt, wie er mag ..." Wir haben bei der Polizei nachgefragt: Wird in den Tempo-30-Zonen zu lax kontrolliert? "Die Geschwindigkeitskontrollen orientieren sich an einer 80/20-Regel", sagte uns Polizeisprecherin Heike Uhde. 80 Prozent würden in der Nähe von "schützenswerten Einrichtungen" wie Kindergärten oder Schulen durchgeführt oder dort, wo sich Unfälle häuften, den Rest der Kontrollen finde dort statt, wo erfahrungsgemäß oft zu schnell gefahren werde. Konkret: 4600 Kontrollen führte die Polizei mit ihren 13 Radarwagen und 21 Laserpistolen im letzten Jahr durch, auf den 30er-Zonen liege dabei sehr wohl ein "hoher Überwachungsdruck", so Uhde. 2016 habe man 5000 Anzeigen wegen zu schnellen Fahrens erstattet, "ganz überwiegend in Tempo-30-Zonen". Allerdings ist die Zahl der mobilen Radarkontrollen gesunken: 2014 gab es 5623 Geschwindigkeitskontrollen durch bewegliche Blitzer, 2015 nur noch 5186. Und dass es bei der Akzeptanz doch ein Problem gibt, zeigt eine Studie des ADAC vom Februar: Der zufolge ist vor Schulen ein Drittel der Autofahrer zu schnell unterwegs.

"Elbstrandweg für alle"

Zuletzt war es verdächtig ruhig geworden im Streit um den Elberadweg – nun aber scheint die Debatte wieder an Fahrt aufzunehmen. Die Pläne des Bezirks für einen 900 Meter langen Rad- und Fußweg auf dem Strandabschnitt in Övelgönne hatten unter Anwohnern und Strand-Fans einen Sturm der Entrüstung entfacht, mit einem Bürgerbegehren wollen sich die Gegner für den Erhalt des Sandstrands einsetzen. Nun haben auch die Befürworter ihre Initiative: Die nennt sich "Elbstrandweg für alle" und will sich "für konstruktive Lösungsvorschläge und gegen Denkverbote" einsetzen. Ein Radweg solle "allen Strandbesuchern, ob zu Fuß, mit dem Kinderwagen, einem Rollstuhl oder mit dem Rad, zugute kommen", sagt Sprecherin Samina Mir. Dabei seien auch geringere Maße als die vom Bezirksamt vorgeschlagenen 5,90 Meter Wegbreite denkbar. Ein Vorschlag: ein getrennter Geh- und Radweg, der auf Holzbohlen über dem Sandstrand schwebt. Auch ein gemeinsamer Weg sei eine Option, so heißt es auf der Homepage von "Elbstrandweg für alle" – Bedenken, dass Radler und Spaziergänger sich da in die Quere kommen könnten, gibt es nicht: Flaniert werde "am Wochenende und im Feierabend", Zeiten, in denen die Pendler eher nicht unterwegs seien. "Wir möchten erreichen, dass das Bezirksamt erst einmal Vorschläge für einen Weg in Övelgönne erarbeitet, um dann eine Entscheidung treffen zu können", so Mir. Moment – ist das nicht ohnehin der Ansatz, den der Bezirk Altona verfolgt?

Worauf ich mich diese Woche freue,

verrät uns Johannes Oerding

"Ich freue mich auf die kommende Woche, weil wir endlich in die heiße Phase meines neuen Albums eintauchen werden. Mir macht es immer Spaß, meine neue Musik zu verbreiten und darüber zu sprechen. Vor allen Dingen mag ich die ersten Interviews, da die Fragen noch überraschend sind und ich meine eigenen Antworten noch nicht kenne. Dann gibt’s noch einen Besuch in der Elbphilharmonie, in der mein Freund Max Mutzke mit Orchester auftritt! Ist auch mal schön, nicht selbst auf der Bühne zu stehen und den Kollegen bei der Arbeit zuzuhören ... Ende der Woche geht’s dann in die Proben, ich sehe endlich meine Band-Jungs wieder, und das ungesunde Leben beginnt, denn es geht auf Radio-Konzert-Reise. Das heißt: Tourbus, Rastplatz-Essen und lange Nächte. Ich liebe mein Leben!"

Johannes Oerding ist Sänger und Songwriter und lebt in Hamburg. Im Mai erscheint sein fünftes Album "Kreise".

Mittagstisch

Elbinsel-Pizza und die Qual der Wahl

 

Für eine gute Pizza braucht es nicht viel. Ein knuspriger Boden, feine Gewürze, frische Zutaten für den Belag, dazu aromatischer Käse, der nicht als geschmacksneutraler Fettklumpen daherkommt: perfekt. Klar, in Zeiten, in denen schon ein platter Schokoladenkuchen als "Schoko-Pizza" gefeiert wird, mag man das vergessen. Wer sich nun also den Geschmack echter Pizza in Erinnerung rufen will, dem sei ein Besuch im La Patina empfohlen – ein kleiner, feiner Laden mit einer übersichtlichen Speisekarte, die es in sich hat. Große Pizzen gehen für 5,50 Euro über den Tresen, die Fladen sind wahlweise aus italienischem Teig oder aus Kartoffel-Kräuter-Teig gemacht und werden mit Fisch, Fleisch oder vegetarisch belegt. Die Wahl fällt schwer: Garnelen (12,50 Euro), Spinat und Ziegenkäse (8,50 Euro) oder doch der Pastrami-Belag (14 Euro)? Die erste Variante schmeckt frisch und hat die ideale Knoblauchwürze – nur kommt beim Blick auf die Teller der Nachbarn schnell Wehmut auf. Kein Laden für Gäste mit Entscheidungsproblemen. Die Lösung: einfach wiederkommen. Dann werden auch die frischen Natas aus dem Ofen (das Stück für 3 Euro) probiert.

 

La Patina, Wilhelmsburg, Veringstraße 24, täglich geöffnet von 12 bis 23 Uhr

 

Annika Lasarzik

Was geht

Uuuund – Action! Im Leben von Bram gibt es keine ruhige Minute. Der Siebenjährige hat einfach zu viel im Kopf, was rausmuss. Dumm nur, dass sein Gezappel Eltern und Lehrer in den Wahnsinn treibt. Sein Problem – oder ihres? Der Kinderfilmring zeigt "Der kleine Zappelphilipp" für Zuschauer ab sechs und alle, die wissen möchten, was in einem Kind mit ADHS vor sich geht.

Kultura – Stadtteilkultur Neuallermöhe, Otto-Grot-Straße 90, 10.30 Uhr, Eintritt 2 Euro

Hier spricht die Polizei: Dienstwaffe zücken oder nicht? Festnehmen oder laufen lassen? Wie Polizisten im Einsatz Entscheidungen fällen, erläutert Prof. Rafael Behr in seinem Vortrag "Polizeiliche Entscheidungsfindung zwischen Bauchgefühl und Recht".

Museum der Arbeit, Wiesendamm 3, 19 Uhr, 5 Euro

Philosophisch unterwegs: Was wir nicht im Kopf behalten, haben wir heute auf Facebook oder Instagram. Aber was ist mit dem Rest? Die Katholische Akademie Hamburg lädt beim philosophischen Spaziergang "Das Flüchtige – Das Erinnern – Das Verschwinden" dazu ein, vergessene Alltagsmomente und Eindrücke aufleben zu lassen.

Sautter+Lackmann, Admiralitätstraße 71, 19 Uhr, Eintritt auf Spendenbasis

Heimatmelodien: In der "Weltkapelle Wilhelmsburg" treffen sich Musiker und Sänger mit und ohne Fluchterfahrung zur gemeinsamen Jam-Session in einer alten Friedhofskapelle. Wer Lust hat, stimmt ein. Das Konzert ist für alle offen.

Kulturkapelle im Inselpark, Ecke Mengestraße / Georg-Wilhelm-Straße, 19.30 Uhr, Eintritt frei

Was bleibt

Hohe Kunst: Zehn Wandgemälde sollen im Rahmen des Projekts "Walls Can Dance" auf Harburger Hausfassaden entstehen. Bis zum Herbst 2018 kommt immer wieder eins dazu. Das erste Bild der Streetartkünstler Low Bros ist schon zu sehen.

Harburger Binnenhafen, Harburger Schloßstraße 20, immer zugänglich, Eintritt frei

Konsumkritik: Was bei der Vortragsreihe "Hinter dem Tellerrand" aufgetischt wird, schmeckt nicht jedem, ist aber gehaltvoll – hier werden Lebensmittelproduktion und ihre Folgen kritisch unter die Lupe genommen. Diese Woche geht es am Dienstag weiter mit dem Thema "Klimagerechtigkeit und Tierhaltung".

Gängeviertel Fabrique, Valentinskamp 34a, Eingang Speckstraße, Dienstag, 19 Uhr, Eintritt auf Spendenbasis

Was kommt

Eigensinnig: Die leidige Geschichte mit dem Nobelpreis ist endlich abgehakt, jetzt widmet sich Bob Dylan wieder dem Wesentlichen und singt der Menschheit ins Gewissen. Dienstag tut er das auch bei uns: "Bob Dylan and his Band" kommen nach Hamburg, es gibt noch Karten.

Barclaycard-Arena, Sylvesterallee 10, Dienstag, 18 Uhr, 88,50 Euro VVK

Schnell noch ins Grüne: Freunde des schönen Scheins haben noch bis Donnerstag die Chance auf einen Besuch in "The Best Bogus Botanical Garden" – danach endet die Ausstellung. Zehn Künstler simulieren hier grüne Idylle und hinterfragen die Glorifizierung der Natur im Digitalzeitalter.

heliumcowboy artspace, Bäckerbreitergang 75, Mittwoch und Donnerstag, 13–19 Uhr

Handspiel: Blitzschnelle Dribbeltricks und knallharte Torschüsse gibt es diese Woche auf Kampnagel zu bestaunen. Ab Mittwoch kämpfen hier 40 Nationalmannschaften um die Tischfußball-Weltmeisterschaft.

Kampnagel, Jarrestraße 20, Mittwoch bis Sonntag ab 10 Uhr (Donnerstag 9.30 Uhr), Tagestickets 8 Euro (Sonntag 12 Euro)

Hamburger Schnack

Zwei ausgesprochen "coole" junge Männer unterhalten sich in der U-Bahn. "Hey, Digger, wieso fährst du denn mit der Bahn und nicht mit dem Auto?", fragt der eine. "Das dauert zu lange, Digger, um die Zeit stehe ich ewig im Stau, Digger ... und Mama hat mir den Wagen nicht gegeben."

Gehört von Martina Druckenthaner

 


Meine Stadt

Träume in der HafenCity ©Michaela Kaiser


SCHLUSS

Die Farbe halb abgeblättert, der Lenker verbogen, hin und wieder fehlt auch mal ein Rad (oder gleich zwei …): Alte Fahrräder, die in Bahnhöfen, an Laternen und Geländern still vor sich hin rosten, sind aus dem Stadtbild kaum wegzudenken. Ungefähr 1000 von ihnen stehen in Hamburg herum – manche Touristen halten sie schon für Streetart, vor allem, wenn sie mit Büschen und Bäumen verwachsen sind, andere Leute halten sie (das ist strafbar) für Ersatzteil- Selbstbedienungsstationen. Ab heute sammelt die Stadtreinigung mal wieder Fahrradleichen ein. Die wurden fairerweise vor zwei Wochen schon mit roten Markierungen versehen – falls Sie sich fragten, wem Ihr Fahrrad denn so gut gefällt: Bingo! Nun werden die Schrotträder abgeflext und eingesackt und dann, wenn möglich, repariert oder aufgearbeitet und in den "Stilbruch"-Gebrauchtkaufhäusern wieder verkauft. Also: Mit ein bisschen Glück können Sie Ihren uralten Drahtesel, den Sie schon vor Ewigkeiten neben Penny für gefühlt immer an die Hauswand lehnten, dann frisch aufgehübscht ein zweites Mal kaufen – wenn das nichts ist ...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern an 100 Freunde weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.