Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wenn die Elbphilharmonie hier schon wieder erwähnt wird, dann nur, weil einige von Ihnen sich so ungerecht behandelt fühlen. "Sollte das nicht ein Kulturhaus für alle Hamburger sein?", klagt etwa eine Leserin. "Und was ist jetzt? Wenn ich versuche, online ein Ticket zu buchen, werde ich ausgeknockt von Leuten aus Russland, China, den USA, für die Geld keine Rolle spielt. Wieso kommt nicht jeder Hamburger nur ein Mal im Jahr garantiert in die Elphi?"

An dieser Stelle sei verraten: Es gibt Hoffnung. Vielleicht nicht für alle Hamburger, aber für die zähen, die standfesten, die frühen Vögel, die weder Wind noch Wetter scheuen. Künftig, schrieb die "Hamburger Morgenpost", sollen beim Ticketverkauf nämlich die Vorverkaufsstellen schon VOR dem Onlineverkauf Karten anbieten. Was die vom Haus selbst veranstalteten Konzerte der kommenden Saison angehe, bestätigte uns Elbphilharmonie-Sprecher Tom R. Schulz, "so gehen die Karten hierfür am 12. Juni in der Tat zeitversetzt in den Präsenzverkauf an den Vorverkaufsstellen und den in unserem Webshop". Näheres erführen wir am 8. Mai zur Vorstellung des Programms 2017/18.

Doch so verheißungsvoll das klingen mag und nur um es auch zu erwähnen: Jemand vom anderen Ende der Welt, für den Geld wirklich keine Rolle spielt, der bucht sich glatt noch jemanden, der für ihn ansteht.

Donald auf Herbergssuche

Wo schlafen eigentlich Donald Trump, Wladimir Putin oder Recep Tayip Erdoğan, wenn Sie Anfang Juli nach Hamburg kommen? Klar: im Hotel. Aber wie das "Hamburger Abendblatt" berichtet, soll Trumps Entourage mit einer Anfrage im Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten keinen Erfolg gehabt haben. Eine Stellungnahme dazu habe es vom Hotel nicht erhalten, so das "Abendblatt". "Aber über die eventuellen Gründe für eine Absage lässt sich natürlich herrlich spekulieren", sagt Ulrike von Albedyll, die Landesgeschäftsführerin von Dehoga Hamburg, dem Branchenverband von Hotellerie und Gastronomie. In der Tat: Scheut man etwa den gewaltigen Aufwand für die Sicherheit des derzeit noch amtierenden US-Präsidenten? Oder gibt es unannehmbare Bedingungen von Trumps Seite, beispielsweise in Bezug auf Bademäntel? Dass der Mann in dem Haus an der Alster einfach nicht willkommen sein könnte, hält von Albedyll für äußerst unwahrscheinlich: "Ich kann mir das nicht vorstellen, weil unsere Hotels einfach Gastgeber sind." Anders gesagt: Der Gipfel ist für die Häuser ein Riesengeschäft. So könnte eine Absage in von Albedylls Augen einen viel einfacheren Grund haben: "Der Juli ist ohnehin ein sehr gut gebuchter Monat. Wer spät dran ist, bekommt möglicherweise Probleme." Und Trumps Dilemma wird doch wohl am Ende nicht daran liegen dass die G20-Gegner, welch intelligenter Protest!?, im Handstreich alle Zimmer der Nobelherberge gemietet haben?

Brandanschlag auf "Mopo": Prozess mit Teilgeständnissen

Gestern begann vor dem Landgericht der Prozess gegen vier junge Männer, die vor mehr als zwei Jahren Brandanschläge auf das Verlagsgebäude der "Hamburger Morgenpost" und eine Schule in Altona verübt haben sollen – mutmaßlich islamistisch motiviert. Gleich zu Anfang gab es Teilgeständnisse; drei der vier Männer im Alter zwischen 20 und 22 Jahren beteuerten jedoch in schriftlichen Erklärungen, "dass sie nicht strenggläubig seien und Gewalt im Namen des Islams ablehnten". Mehr noch: Karikaturen über den Propheten Mohammed, wie sie Schüler nach dem Terroranschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" aufhängten oder wie sie von der Zeitung nachgedruckt worden seien, müssten toleriert werden, ließ ein 22-Jähriger über seine Anwältin erklären. So gut, vielleicht auch strafmildend, das heute klingen mag: Die Anklage geht davon aus, dass die vier im Januar 2015 aus Wut über die Karikaturen handelten. Zwei von ihnen sollen versucht haben, eine Altonaer Schule, in der auch der Hausmeister wohnt, mit Molotowcocktails anzuzünden; nachts darauf versuchten sie der Anklage zufolge das Gleiche im Verlagsgebäude der "Mopo". Für die versuchte Brandstiftung können den Männern zehn Jahre Haft drohen. Zugrunde liegt das Erwachsenenstrafrecht; Bewährungsstrafen nach Jugendrecht hätten zwar im Vorfeld zur Debatte gestanden, heißt es, allerdings sei es nicht zu einer Verständigung gekommen.

Wissenschaft: "Man kann sich nicht nur das Passende rauspicken"

Eine Premiere steht den Hamburgern bevor – und der Welt auch. Erstmals findet am Wochenende nach Ostern der March for Science statt. Weltweit beteiligen sich laut den Veranstaltern Menschen in mehr als 400 Städten, Ziel sei, "für einen höheren Stellenwert der Wissenschaft" zu demonstrieren (eine akademische Karriere ist indes keine Voraussetzung für die Teilnahme). Wir sprachen mit Mitorganisatorin Julia Offe, was es mit dem March of Science auf sich hat.

Elbvertiefung: Jeden Sonntag Pulse-of-Europe-Demos, in einer knappen Woche der Ostermarsch, Anfang Juli Anti-G20-Proteste – braucht Hamburg wirklich noch einen Marsch?

Julia Offe: Ja, natürlich! Es geht ja schließlich um ganz verschiedene Themen.

EV: Eines Ihrer Anliegen ist, dass Wissenschaft und Forschung frei von politischer Einflussnahme bleiben...

Offe: In den USA zum Beispiel kürzt die Trump-Regierung den Klimaforschern das Geld, weil sie die Bedrohung durch den menschengemachten Klimawandel leugnet. Das ist ein Skandal und einer der Hauptgründe für den March for Science in den USA. Wir möchten zeigen, dass Wissenschaftler ungeachtet ihrer Religion oder Herkunft international zusammenarbeiten und sich austauschen und dass gerade das den wissenschaftlichen Fortschritt ermöglicht.

EV: Sie sagen, dass auch in Deutschland wissenschaftliche Erkenntnisse keinen angemessenen Stellenwert besäßen.

Offe: Es gibt politische Entscheidungen, die aus wissenschaftlicher Sicht absolut unhaltbar sind. So dürfen Pflanzenzüchter beispielsweise bei Saatgut von Lebensmitteln mittels radioaktiver Bestrahlung eine Unmenge von zufälligen Genmutationen auslösen und müssen das nicht kennzeichnen, obwohl die Effekte unbekannt sind. Dagegen muss der Einsatz von Gentechnik, mit dem nur einzelne Veränderungen ausgelöst werden, ausgewiesen werden. Oder nehmen wir die Alternativmedizin: Während es für Medikamente glücklicherweise ein strenges Zulassungsverfahren gibt, müssen die Hersteller homöopathischer Mittel weder Wirksamkeit noch Unbedenklichkeit belegen.

EV: Was sind die Gründe dafür?

Offe:Hier gibt es eben unterschiedliche Interessen und Lobbygruppen, und manche wissenschaftlichen Erkenntnisse passen besser ins eigene Weltbild und manche schlechter.

EV: Wie kann die Einflussnahme künftig verhindert werden?

Offe: Aufklären, aufklären, aufklären! Wissenschaft und kritisches Denken muss stärker im Schulunterricht verankert werden. Und wir müssen uns darüber bewusst werden, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Wissenschaft frei und unabhängig sowie angemessen finanziert ist. Das fordern wir beim March for Science ein.

Bob Dylan? Darf keiner knipsen

Bob Dylan kommt. Wer zu den Glücklichen gehört, die einen der einflussreichsten zeitgenössischen Musiker heute Abend in der Barclaycard-Arena erleben dürfen, sollte die Bilder des Geschehens ganz fest in Herz und Kopf abspeichern. Denn Fotos von dem Konzert, für das laut Veranstalter Karsten Jahnke Konzertdirektion gestern noch einige Karten zu haben waren, darf es nicht geben. Weil Fotografen bei Dylans Auftritt nicht erlaubt sind, entschied die Deutsche Presse-Agentur gar, komplett auf die Berichterstattung zu verzichten. Schade, aber so sei das eben mit dem legendären US-Musiker, erfuhren wir beim Veranstalter. Ist dem näselnden Meister am Ende sein (endlich abgeholter) Literaturpreis zu Kopfe gestiegen? Mitnichten. "Seit über 20 Jahren sind bei Bob Dylans Konzerten keinerlei Fotografen zugelassen", erklärt Patrick Janssen aus der Öffentlichkeitsarbeit des Veranstalters. Andere Künstler dagegen akzeptierten während der ersten drei Songs Aufnahmen aus dem sogenannten Fotograben. Auch hier ist Bob Dylan also ein Ausnahmetalent. Wie das kommt? Um es mit Dylan zu sagen: "The answer is blowin’ in the wind." Wenn Sie übrigens darüber nachdenken, heute Abend einfach selbst bei Bob Dylan zu fotografieren: Vergessen Sie’s. "Das ist grundsätzlich nicht erlaubt", so Janssen, "und das Sicherheitspersonal ist angewiesen, das zu unterbinden."

Leinen los! Die Alsterschwäne kehren zurück! ...

Gute Nachricht für Hundebesitzer – oder ihre Vierbeiner, die zuletzt nur noch mit Leine um den Hals im Freien herumtollen durften: Da im letzten Monat keine neuen Vogelgrippefälle registriert wurden, ist die generelle Leinenpflicht ab sofort aufgehoben. Und weil mit der Entwarnung auch die Stallpflicht für Geflügel passé ist, kann er endlich beginnen: der Hamburger Frühling. Wie das nun wieder zusammenhängt? Na, die Alsterschwäne kommen wieder ins Freie – und waren schon viel zu lange weg, denn einer alten Legende nach bleibt Hamburg als Hansestadt nur erfolgreich, "solange es Schwäne auf der Alster gibt ..." Ob sich die Schwäne der Erwartungen bewusst sind, die da auf ihnen lasten? Ihr Umzug wird zumindest wieder zum pompösen Spektakel: Um 10.30 Uhr am Mittwoch öffnen Schwanenvater Olaf Nieß und Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Strocks die Tore des Winterquartiers am Eppendorfer Mühlenteich (Erikastraße 186), von dort bringen Nieß und seine Helfer die Tiere in Booten in Richtung Fährdamm. Auf der Alster werden sie ausgesetzt und suchen ihre angestammten Quartiere auf. "Die Junggesellen unter den Schwänen schwimmen jedes Jahr zu den Alsterarkaden", verriet uns Jan-Peter Uentz-Kahn, Sprecher des Bezirks Nord. Wer Hamburgs magische Schwäne am Mittwoch aus nächster Nähe sehen und ihnen huldigen will, dem empfiehlt Uentz-Kahn übrigens das Elbufer am Fährdamm, die Krugkoppelbrücke und die Streekbrücke.

... Der Killerschwan etwa auch?

Kommt die Rede allerdings auf den "Killerschwan", den, der sich im vergangenen Jahr am Osterbekkanal über einige Gänseküken hermachte (Daniel Haas berichtete in der ZEIT:Hamburg),und fragen wir, ob der Mörder überhaupt noch unter den Alsterschwänen weilt oder aber rausgemobbt wurde, wenn er schon nicht in Arrest sitzt oder zumindest lebenslang Schnabelkorb trägt, wird Uentz-Kahn einsilbig. "Einen Killerschwan hat es nie gegeben", wiederholt er. "Der Schwan hat nur sein Revier und seine Brut verteidigt. Es ist normal, dass sich Wildtiere ins Gehege kommen, natürlich sagen wir da nicht: ›Dieser Schwan hat Alster-Verbot!‹" Natürlich nicht. Und herrscht in Hamburg nicht sowieso eine Gänseplage?

Mittagstisch

Hamburg ganz kleinstädtisch

Kleinstadt, das kann etwas Heimeliges haben, ein Gefühl von Beruhigung hervorrufen, bisweilen aber auch von Beengung. Letzteres überkommt den Gast bei einem Besuch in der Factory Hasselbrook. Nicht nur, dass das Setting ein ehemaliger Bahnhof ist – wie in vielen Kleinstädten, wo es nur noch Automaten für die Bahnfahrkarten gibt, aber keine Verwendung mehr für das Gebäude. Aus den Boxen schmettern die 4 Non Blondes "What’s up", und der gut gelaunte Barkeeper summt laut mit. An den Tischen sitzt ein gemischtes Publikum eher älteren Semesters, am Nebentisch schweigt sich ein Pärchen an und bestellt dann einen "Express". Auf der wöchentlich wechselnden Mittagstischkarte stehen vier Gerichte zwischen 5,90 und 7,90 Euro zur Auswahl, deutsche Küche mit hausgemachter Frikadelle, gebackenem Camembert und Erbseneintopf mit Kassler und Mettwurst. Das "Cremige Pilzrisotto" (6,50 Euro) kommt dann nicht nur mit großzügig darübergeschwenkter Balsamicocreme, sondern vor allem in viel Sahne. Das Ganze fühlt sich an wie ein Ausflug in eine längst vergessene Zeit. Ein Glück, dass es zurück zur Großstadt nicht allzu weit ist.

Factory, Hasselbrook, Hasselbrookstraße 172, Mittagstisch 11.30–15 Uhr

Elisabeth Knoblauch

 

Was geht

Stichhaltig: Keine Panik vor Wespen und Bienen – Insektenexperte Michael Neumann erklärt im "Thema beim Nabu: Bienen, Wespen und Hornissen", wieso die verbreitete Angst vor Stichen unnötig ist und wie eine friedliche Koexistenz auf der Terrasse gelingen kann.
Nabu-Geschäftsstelle, Klaus-Groth-Straße 21, 18 Uhr, Eintritt frei

Vereinte Kräfte: Web-Aktivisten und NGOs, ehrenamtliche Helfer, Firmen und Politiker kommen bei der "Socialbar Hamburg" zusammen, um Ideen für eine bessere Gesellschaft auszutauschen. Auch Sie möchten die Welt retten? Schließen Sie sich an!
LeetHub St. Pauli, Bernstorffstraße 118, 19 Uhr, Eintritt frei

Fremde Geräusche, vertrauter Klang: Hörbare Kulturunterschiede stehen im "Bunkersalon" auf St. Pauli zur Debatte. Gambist Jordi Savall und Philosoph Senthuran Varatharajah ergründen, wie Musik Identität schafft oder abschafft, Sängerin Derya Yildirim bringt Liedgut ihrer türkischen Vorfahren zum Klingen.

resonanzraum, Bunker an der Feldstraße, 19 Uhr, 5 Euro

Verlosung: Champagner-Brunch am Ostersonntag im Hotel Atlantic Kempinski: Prickelnder Genuss und Gaumenschmaus  – zum Oster-Brunch am Ostersonntag gehören Kalbsfilet, Austern, Hummer, Krabben, Desserts aus der Atlantic-Patisserie – und das beste: Wir verlosen 2 x 2 Gutscheine. Senden Sie einfach Ihren Namen mit dem Stichwort "Oster-Brunch" bis 12 Uhr an elbvertiefung@zeit.de. Viel Glück!
Oster-Brunch Hotel Atlantic Kempinski, An der Alster 72–79, Ostersonntag 12.30 bis 15 Uhr, Preis pro Person: 82 € inklusive unbegrenzten Champagners, Atlantic-Brunchbuffet, Wasser und Heißgetränken, 62 € inklusive Atlantic-Brunchbuffet, Wasser und Heißgetränken, exklusive Champagner

Reservierungen telefonisch unter +49 (0) 40 2888 806 oder per E-Mail an events.atlantic@kempinski.com

Hamburger Schnack

Auf dem roten Radweg am Mühlenkamp schickt sich die Person am Steuer eines roten Ferraris an, anhalten zu wollen. Dahinter fährt ein Peterwagen – und die Polizeibeamten geben direkt über Lautsprecher ihre Meinung dazu kund: "Nur weil Ihr Auto rot ist, berechtigt das nicht zum Parken hier. Bitte weiterfahren!"

Gehört von Ingrid Bujara


Meine Stadt


SCHLUSS

Entwarnung für alle Ottenser, die schon fürchteten, beim Warten auf die S-Bahn künftig im Regen zu stehen: Die geplante neue S-Bahn-Station Ottensen bekommt nun doch mehr als das ursprünglich geplante Mini-Dach von 28 Metern. Ganze 70 Meter Dach hat Verkehrssenator Horch versprochen, gebaut wird bis 2020. Die Station selbst soll allerdings schon zwei Jahre vorher in Betrieb gehen – für die geschätzten 5000 Fahrgäste am Tag gilt dann: Regenschirm nicht vergessen! Oder lieber schon mal für die schnellen Sprints unters Dach trainieren ...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten (abgesehen von den Weihnachtsbäumen von morgen)? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.