Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

willkommen aus aktuellem Anlass zu einer neuen lehrreichen Folge unserer unregelmäßigen Serie "Nepper, Schlepper, Hamburgerfänger". Diesmal geht es um wundersame Geldscheinvermehrung. Wie das geht? Ganz einfach: Man nimmt ein geheimnisvolles Pulver, schwarzes Papier und heißes Wasser, packt das Papier mit ein paar echten Geldscheinen zu einem großen Paket, verpulvert das Pulver, lässt das Bündel über Nacht in heißem Wasser liegen – et voilà! Und wenn es wider Erwarten nicht geklappt hat, so machten zwei Männer von 31 und 44 Jahren einem dritten Mann aus Langenhorn weis, wenn die 3000 Euro echten Geldes sich im Gegenteil des Nachts einfach auch in simples Papier verwandelt haben statt umgekehrt, dann liegt das nur daran, dass beim ersten Mal zu wenig Geld im Paket war! Erst als seine echten Scheine auch beim zweiten Mal wieder spurlos aus dem eingeweichten Paket verschwunden waren, begann das Opfer doch allmählich an der Kompetenz der zwei vorgeblichen Geldvermehrer zu zweifeln. So klärt alles Weitere ab morgen das Hamburger Amtsgericht.

Zwei Hamburgerinnen, ein Amt

Jamaika ist nicht nur ein Inselstaat in der Karibik, sondern vielleicht bald auch politische Realität bei unseren nördlichen Nachbarn. Denn einen Tag nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein standen gestern alle Zeichen auf Koalitionspoker. Eine, vielleicht die wahrscheinlichste Möglichkeit dabei ist eben die "Jamaika-Koalition", ein schwarz-gelb-grünes Bündnis (in den Nationalfarben des Karibikstaats) mit dem CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther, dazu als Partner FDP und Grüne. Er wünsche Günther "ein glückliches Händchen", schreibt Roland Heintze, Landesvorsitzender der CDU Hamburg, in seinen Glückwünschen. Für ihn ist die Koalitionsfrage auch deshalb interessant, weil die Hamburger CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Karin Prien eine heiße Kandidatin für das Amt der Bildungsministerin ist (wir berichteten). "Weil Bildung neben Infrastruktur und innerer Sicherheit eines der zentralen Wahlkampfthemen war, gehe ich davon aus, dass die CDU auch gern das Bildungsressort besetzen möchte", sagte uns Karin Prien dazu gestern. Natürlich müsse man jetzt aber erst die Koalitionsgespräche abwarten, "da liegt noch ein langer Weg vor uns". Wenn es aber so kommen sollte, wolle sie auch konsequent sein. "Ich bin bereit, nach Kiel zu ziehen. So eine Aufgabe geht nur vor Ort." Konsequenzen hätte dieser Umzug auch für Bürgermeister Olaf Scholz, auch privat. Denn die bisherige Bildungsministerin Schleswig-Holsteins kommt ebenfalls aus Hamburg – und ist seine Frau Britta Ernst.

Ab jetzt: Elphi-Tickets per Los

Gehören Sie zu den Hamburgern, deren Versuche, eine Karte für die Elbphilharmonie zu bekommen, online am knüllen Server scheiterten? Dann haben Sie jetzt eine neue Chance in der neuen Spielzeit. Um die 600 Konzerte sind geplant, renommierte Orchester kommen an die Elbe, aber es gibt auch Themenfestivals zu böhmischer oder tschechischer Kammermusik – und, nein, Sie müssen jetzt NICHT aufspringen und zum Rechner rasen. Denn die Tickets für mehr als 50 Abo-Reihen (von "Großen Stimmen" über "Pianomania" bis hin zu "Talente entdecken") werden in  der kommenden Saison nicht nach dem "First come, first serve"-Prinzip vergeben, sondern über ein Losverfahren, für das man sich ja, wirklich! noch entspannt bis zum 22. Mai anmelden kann. Allerdings eben, Losverfahren!, ohne Garantie. Ebenfalls per Los werden die Tickets für fünf Sonderkonzerte vergeben, darunter die Saisoneröffnung mit Cello-Suiten von Bach am 3. September. Und auch wer nur Karten für einen einzigen Abend will, soll es nun als Hamburger leichter haben als die Potentaten und Oligarchen aus Nah- und Fernost: Anders als bislang startet für rund ein Drittel der Konzerte, die von der Betriebsgesellschaft der Elbphilharmonie selbst veranstaltet werden, der Vorverkauf am 12. Juni an den  Vorverkaufsstellen um 10 Uhr, online sind die Karten aber erst ab 18 Uhr verfügbar. Mehr Infos gibt es hier. Ach so: Da der bewusste Vorverkaufstag ein Montag ist, empfiehlt es sich, Urlaub zu nehmen, aber, will man ihn kriegen, nicht zu verraten, weshalb ...

Kaifudogs sammeln Unterschriften – auch für Familien

"Am Kaifu wird es eng!" Mit diesem Slogan wirbt die Initiative Kaifudogs, die das Eimsbütteler Kaiser-Friedrich-Ufer auch nach dessen Neugestaltung wie bisher genutzt wissen will, für ihre Unterschriftensammlung (wir berichteten). Für ein erfolgreiches Bürgerbegehren müssten 6000 Unterschriften aus dem Bezirk Eimsbüttel in sechs Monaten her. Nach anderthalb Wochen "nähern wir uns schon den 1000", sagt Jule Thumser, eine der Sprecherinnen der Kaifudogs. Am Infostand, der an den Wochenenden bei der U-Bahn-Station Hoheluftbrücke aufgebaut wird, hielten "zum Teil die Leute mit ihren Autos, springen kurz raus und fragen, wo sie unterschreiben können", berichtet Thumser. Ein Hauptanliegen der Initiative: dass geprüfte Hunde weiterhin ohne Leine am Isebek-Kanal spazieren gehen dürfen. Die zwei Freilaufflächen, die es stattdessen geben solle, seien, so Thumser, kaum größer als "das Grundstück eines Einfamilienhauses". Aber nicht nur Hundebesitzer will die Initiative ansprechen, sondern alle, die gerne am Kaifu-Ufer ihre Freizeit verbringen – egal ob Kanufahrer, Radler, Grillgruppen oder Familien mit Kleinkindern. Denn für Erholungssuchende gibt es durch die aktuelle Umgestaltung bald weniger Platz; es werden Büsche gepflanzt, unter denen sich höchstens Ratten tummeln können, und Langgraswiesen angelegt, die nicht betreten werden dürfen – eine versteckte Sparmaßnahme des Bezirks, weil dadurch weniger gemäht werden muss? Aber nein, das war gar keine Idee der Politik oder der Verwaltung. Sondern Resultat eines Bürgerentscheides aus dem Jahr 2010, den die sogenannte Isebek-Initative gewann: ein Bürogebäude wurde verhindert, und seither entscheidet ein öffentlicher Runder Tisch über die Gestaltung des Isebeks-Grünzugs mit – so auch jetzt. Geschichte? Wiederholt sich eben doch.

Höhere Taxipreise in der Kritik

Dass Taxifahren bald teurer werden soll, haben wir schon berichtet. Heute steht dazu die Entscheidung des Senats an. Die CDU fordert dagegen eine Preisbremse für Taxitarife. "Die geplante Preiserhöhung ist unverhältnismäßig, unsozial und schädlich für viele Betriebe", erklärt CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering. "Taxifahren muss bezahlbar bleiben." Es gebe keine Rechtfertigung für die Tariferhöhung, zumal Inflationsrate und Treibstoffkosten seit Jahren auf niedrigem Niveau lägen. Das sieht Christian Brüggmann, Vorstand der Taxen-Union Hamburg Hansa, anders: "Seit der letzten Erhöhung im Oktober 2014 sind die Lebenshaltungskosten, die Betriebskosten und der Mindestlohn gestiegen", sagt er. Die Preiserhöhung sei notwendig, um das Überleben der Unternehmen zu sichern. Offenbar sehen das aber nicht alle so. "Die Tarifanhebung ist überzogen und durch wirtschaftliche Notwendigkeit nicht zu begründen. Es ist zudem zu befürchten, dass viele Kunden jetzt auf den öffentlichen Nahverkehr oder auf Anbieter wie beispielsweise Car2go umsteigen", zitiert das "Hamburger Abendblatt" André Hacker, Personalleiter bei den Funkzentralen Taxi Hamburg 6x6 und Taxiruf Hamburg 441011. Seine Kritik soll Hacker brieflich auch Verkehrssenator Frank Horch und Bürgermeister Olaf Scholz mitgeteilt haben. Ob das noch Einfluss auf die Entscheidung hat?

Eine Sexologin erklärt die Stadt

Reden wir über Sex! Gar nicht so einfach in Hamburg. "Es gibt hier einfach viele Dinge, über die man nicht spricht. Sex gehört definitiv dazu", sagt die Sexologin Ann-Marlene Henning im Interview mit ZEIT:Hamburg-Redakteurin Hanna Grabbe. Vor mehr als 30 Jahren kam die  gebürtige Dänin nach Deutschland, in Eppendorf betreibt sie ihre Praxis. Mit dem Besonderheiten im Liebesleben der Stadt kennt sich Ann-Marlene Henning also aus. Stichwort Imagedenken, das spiele eine wichtige Rolle. "Meine Erfahrung zeigt, dass der Druck, nach außen hin zu performen, im bürgerlichen Milieu hoch ist. Vorsichtig gesagt: Wer auf Vernissagen, Empfängen und wichtigen Geschäftsessen zugange ist, muss ja eine Fassade aufbauen, wozu heute auch eine sichere, erfolgreiche sexuelle Ausstrahlung gehört", so die Sexologin, die noch genau weiß, "wie es war, als ich damals in Hamburg ankam: Die Form musste gewahrt werden. Es galt feine Zurückhaltung." Die Dänen seien dagegen direkter, da entwickle sich leichter ein Gespräch. "Als wir die Fotos für mein erstes Buch gemacht haben, wollten wir junge Paare in Hamburg finden – und keiner, wirklich keiner hat mitgemacht. Dann sind wir in einen Park in Berlin und haben sofort 23 Paare gefunden." Uff. Welchen Einfluss die Karriere und der Kiefer auf Sex haben und warum es in Hamburg keine Amüsiermeile für Frauen gibt, auch darum geht es in dem Interview in der aktuellen Ausgabe am Kiosk oder hier digital.

Kaffepause

Shoppen und Kaffee trinken

In Secondhand-Klamotten stöbern und Kaffee trinken schließt sich im Klamottensen nicht aus. Im winzigen vorderen Teil des Ladens kann man einen Cappuccino von Black Delight, einen Tee, frisch gepressten Orangensaft oder eine Limonade trinken, im rückwärtigen Raum nach einer neue Bluse, einem Hemd oder einer Hose suchen. Angeboten wird eine kleine Auswahl an Kuchen, Kleinigkeiten wie Schneebälle aus weißer Schokolade und Kokos sowie überbackene Toasts (Spinat/Käse für 3,20 Euro), aber erst die drei Sorten an fluffigen Waffeln aus Dinkelmehl (Mohn/Mandel mit Vanillesoße für 3,90 Euro) sowie die Kombination aus Ladengeschäft und Café machen diesen Ort zu etwas Besonderem. Vor der Tür gibt es für zu erwartende Sonnentage auch noch Sitzgelegenheiten. Die hübschen Vintage-Möbel im Laden wurden leider gegen schnöde Stehtische und Barhocker ausgetauscht. Und: Wer jetzt eigene Frühlings- oder Sommerkleidung in Kommission geben möchte, kann einen Termin vereinbaren und hat nach erfolgreichem Verkauf, Waffeln und Kaffee vielleicht sogar noch Geld übrig.

Klamottensen; Ottensen, Kleine Rainstraße 6, Mo–Fr 10–19.30 Uhr, Sa. 10–18.30 Uhr

Christiane Paula Behrend

Was geht

Klassik für Kids: Komponist Georg Philipp Telemann schwitzt über seinem neuen Werk "Klingende Geographie" und kommt nicht weiter. Vielleicht können ihm die Elbwichtel helfen? "Telemann, Telefrau und viele Telekinderchen", Familienkonzert rund um das Leben des Hamburger Komponisten.

Speicher am Kaufhauskanal, Blohmstraße 22, 9.30 und 11 Uhr, 5 Euro

Sowjetische Tanzwut: Im Russland der 1920er bis 1950er Jahre pulsierte das Nachtleben zu Urban Folk, Klezmer, Jazz und Gangster-Chansons. Das St. Petersburger Sextett La Minor packt das Knopfakkordeon aus und lässt Hedis Tanzkaffee beben. Hossa.

Frau Hedis, Landungsbrücken (Brücke 10), 18 Uhr, 18 Euro

Idomeni – und dann? Das Flüchtlingscamp in Idomeni ist aufgelöst. Jetzt geht es um "Relocation" und Familienzusammenführung nach dem Dublin-Verfahren. "Geflüchtete in Griechenland – die katastrophalen Zustände nach Idomeni", Berichte von Dorothee Vakalis und Salinia Stroux.

Ökumenisches Forum HafenCity, Shanghaiallee 12, 18.30 Uhr

Beste Bücher:Terézia Mora feiert ihren "Preis der Literaturhäuser" mit einer Lesereihe von Göttingen bis Salzburg. Die ungarische Autorin habe "bislang ein Werk vorgelegt, das fraglos zum Aufregendsten und stilistisch Verblüffendsten gehört, was die deutschsprachige Gegenwartsliteratur zu bieten hat", so die Veranstalter. Ihre Buchtitel klingen entsprechend: "Seltsame Materie" (1999), "Das Ungeheuer" (2013), "Die Liebe unter Aliens" (2016).

Literaturhaus, Schwanenwik 38, 19.30 Uhr, 10 Euro

Verlosung

Verlosung I:Günter Märtens, Bassist von Ulrich Tukurs Rhythmus Boys, erzählt in seinem biografischen Roman "Die Graupensuppe" von seiner jugendlichen Achterbahnfahrt zwischen Freundschaft, Verrat, Sehnsucht, höchster Lust und dem scheinbar unvermeidlichen Eintauchen in die Hamburger Drogenwelt. Sie möchten bei der Lesung am Mittwochdabei sein? Wir verlosen 2x2 Gästelistenplätze. Senden Sie Ihren Namen und den Namen Ihrer Begleitung mit dem Stichwort "Graupensuppe" bis 12 Uhr an elbvertiefung@zeit.de. Viel Glück!

St. Pauli Theater, Spielbudenplatz 2930, Mittwoch, 20 Uhr, 20 Euro

Verlosung II: Sie wissen es natürlich schon: Am Samstag laden wir wieder ein zur Langen Nacht der ZEIT. In ganz Hamburg gibt es dann Lesungen, Vorträge, Diskussionen, Events. Eine der Veranstaltungen, die bereits ausgebucht ist: "Chaostage? ZEIT:Hamburg im Gespräch mit Olaf Scholz" um 20 Uhr im Hapag-Lloyd-Gebäude, Ballindamm 25. Wir verlosen trotzdem noch 2x2 Karten – wenn Sie in einer Mail bis morgen 12 Uhr an elbvertiefung@zeit.de verraten, warum Sie hinwollen.

Und wenn Sie wissen wollen, was sonst noch geht bei der Langen Nacht der ZEIT, schauen Sie hier vorbei.

Hamburger Schnack

Hafengeburtstag, eine Familie bummelt vom Baumwall in Richtung Landungsbrücken, der verdutzte Mann zu seiner Frau: "Wo siehst du denn einen Leuchtturm? Das ist ein Feuerschiff."

Gehört von Martina Fellinger

Meine Stadt

Da weiß man ja kaum, wo man anfangen soll. Der Fantasie sollen auf diesem Spielplatz am Eidelstedt-Center vielleicht einfach keine Grenzen gesetzt werden. © Annika J. Bubenzer

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

 

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