Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

wollten Sie schon immer ein Ferienhaus an der Küste Schleswig-Holsteins, sind aber nie dazu gekommen? Um es zynisch zu sagen: Vielleicht ist das gar nicht so tragisch. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) warnt nämlich in einem internen Schreiben davor, dass der Meeresspiegel in den nächsten Jahrzehnten deutlich stärker steigen könnte, als man bisher annimmt. Statt bis zu 98 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts, berichtet der NDR, der das Schriftstück nun sehen durfte, sei laut Bundesamt ein maximaler Anstieg "deutlich über einen Meter hinaus bis hin zu 1,70 Metern" nicht ausgeschlossen. Drohende Konsequenzen unter anderem: "dauerhafte Vernässung" und "dauerhafte Überflutungsgefahr" tief liegender Küstengebiete, Versalzung der Böden, aber auch Probleme für Hafenstädte wie Hamburg: hier könnte der steigende Meeresspiegel noch viel mehr Schlick in die Elbe spülen – kommt dann die permanente Elbvertiefung?

Ob die neue Vereinbarung, die Bürgermeister Olaf Scholz und BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer gestern unterschrieben haben, daran ein Quäntchen ändern kann? In Hamburg sollen in zwei Jahren bis zu 550 Elektrofahrzeuge des Carsharing-Anbieters DriveNow, an dem BMW beteiligt ist, unterwegs sein; bis dahin soll es auch 1150 städtische Ladepunkte und auch beim Parken Vorteile für Carsharing-Autos geben, hoffentlich auch für Nicht-BMWs.

Und die Nandus sind jetzt auch dran. Nandus, Sie wissen, sind diese exotischen, straußenähnlichen Laufvögel, deren Vorkommen im gar nicht so exotischen Nordwestmecklenburg immer wieder für Überraschung bei Autofahrern und für Ärger bei Landwirten sorgt. Vor Jahren brachen sieben der eigentlich in Südamerika vorkommenden Tiere aus einem Freigehege bei Lübeck aus; heute gibt es 220 Stück. Sie fressen alles, von Rapspflanzen bis zu geschützten Libellen, aber dürfen ihrerseits nicht gejagt werden. Und es gibt mittlerweile jede Menge "Nandu-Touristen", die fast noch größeren Schaden anrichten. Die Umweltbehörden wollen nun heimlich die Eier der Vögel anbohren, sodass diese unfruchtbar werden. Die brütenden Nandu-Hähne, so heißt es bei dpa, bemerkten "das lange Zeit nicht". Und die Weibchen?

Schleusung von Staatsgästen: Polizei übt für G20-Gipfel

Ein Hubschrauber am Himmel, Motorräder mit Beamten in neongelben Westen, Fahrzeugkolonnen mit Blaulicht, abgeriegelte Straßen: Sapperlott, dachte sich gestern so mancher Hamburger – haben diese Pfiffikusse G20 einfach vorgezogen, um die ganzen Gipfelprotestler auszutricksen? Mitnichten. Es wurde nur geübt für den Gipfel, und zwar, so die Polizei, die "Schleusung von Staatsgästen". Es seien drei Fahrten im Straßenverkehr geprobt worden, berichtete uns Polizeisprecher Timo Zill. Dass eine davon vom Flughafen zum Tagungsort der Staats- und Regierungschefs, den Messehallen, führte, liegt auf der Hand. Dass eine zweite am Verlagsgebäude der ZEIT vorbeiführte, konnten wir mit eigenen Augen sehen. Aber nähere Angaben wollte die Pressestelle der Polizei gestern nicht machen, auch nicht zur Frage, ob die "Schleusungen" erfolgreich vonstatten gingen und inwiefern dabei orangerote Perücken eine Rolle spielten. Nur so viel: Es kam zu Behinderungen. "Aber es ging um eine Übung unter realen Bedingungen im echten Straßenverkehr. Auf einem Übungsplatz braucht man so etwas ja nicht zu machen", sagt Rene Schönhardt aus der Polizeipressestelle. Apropos real: Der Hubschrauber, der in der Nacht zu Mittwoch über dem Norden Hamburgs kreiste, sei kein Vorauskommando gewesen, betont Schönhardt, sondern habe vielmehr nach Leuten gesucht, die zuvor einen Kiosk in Langenhorn überfallen hatten.

Luftreinhalteplan: Klassenziel nicht erreicht

Jetzt hat der Senat endlich den neuen Luftreinhalteplan beschlossen, und schon wird er in der Hamburgischen Bürgerschaft zerpflückt – zurecht. Kritik kam schon im Vorfeld von Naturschützern und Anwohnern, für die die jetzt verordneten Maßnahmen wie Hohn klingen müssen (wir berichteten). Auch im Parlament kam gestern Gegenwind von allen Seiten: Dem CDU-Abgeordneten Stephan Gamm fehlen konkrete Kostenangaben für die Maßnahmen und die Behandlung des Themas Feinstaub, obwohl unbestritten sei, "dass viele Bereiche stark belastet sind". Für ihn ist der Luftreinhalteplan "eine schwere Enttäuschung". Die Linken bezeichnen den Flugverkehr als "Baustelle", die der Senat nicht angehe, und Wieland Schinnenburg von der FDP fasst zusammen, was sich wohl so mancher gedacht haben wird: "Der Luftreinhalteplan dient nicht der Umwelt, sondern nur der Gesichtswahrung des Bürgermeisters." Umweltsenator Jens Kerstan dagegen betrachtet es als "Gütesiegel", dass die Kritiker keine konkreten Ideen anbringen, wie man es besser machen kann. Das Gesamturteil für den Luftreinhalteplan nach der Debatte, man könnte es in etwa so zusammenfassen: Klassenziel nicht erreicht! Die unendliche Geschichte, die im Jahr 2004 begonnen hat, sie ist noch lange nicht beendet. Passend kommentiert CDU-Mann Gamm in Richtung des Senats: "Sie haben sich im Zeitlupentempo einer toten Schnecke bewegt".

Polit-Karriere mit System

Als Spitzenkandidat Daniel Günther und die Schleswig-Holsteiner CDU am vergangenen Sonntag in Jubel verfielen ob der ersten Hochrechnung, freute sich wohl kaum jemand in Hamburg mehr als sie: Karin Prien. Immerhin könnte dieser Erfolg für die 51-jährige schulpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion den nächsten Karrierereschritt bedeuten: Bildungsministerin werden im Land zwischen den Meeren – sofern es Günther denn gelingt, eine Regierungskoalition zu schmieden. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, wird Prien sicher die nächste Chance nutzen, sich weitere Meriten in der Politik zu verdienen. Schließlich habe sie "jahrelang systematisch versucht, ihre politische Verantwortung auszubauen", hat ZEIT-Kollege Oliver Hollenstein beobachtet. In dem Stück "Auf dem Weg nach oben" zeichnet er den Etablierungsprozess der ambitionierten Wirtschaftsanwältin mit Wohnort Blankenese, jüdischen Wurzeln, Geburtsort Amsterdam und Sozialisation in Rheinland-Pfalz nach: von der fleißigen Anfragenschreiberin und Senatskritikerin mit erhöhtem medialen Geltungsbedürfnis, die sich bisweilen inhaltlich widerspricht, hin zur Politikerin, die nun endlich auch gestalten will. Welche Lücke Priens Weggang nach Kiel für die Hamburger Union bedeuten würde und wer die einzigen Parteikollegen sind, die sich darüber freuen dürften, das können Sie in der ZEIT:Hamburg lesen, ab morgen am Kiosk oder hier.

Demonstrieren statt Unterricht – von wegen!

Wer in Hamburg schulpflichtig ist und seiner Penne (veraltet für Schule) während des G20-Gipfels Anfang Juli fernbleiben möchte, sollte seine Pläne besser auf Eis legen. "Wir geben keinen Freifahrtschein aus, damit Schüler ein verlängertes Wochenende machen", stellte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, uns gegenüber klar. Am Freitag, 7. Juli, werden grundsätzlich alle rund 190.000 Schüler der mehr als 400 allgemeinbildenden Schulen zum Unterricht erwartet. Allerdings: Steht ein Demonstrationszug direkt vor der Haustür, ist der Schulweg durch erheblichen Stau oder unterbrochenen öffentlichen Nahverkehr erschwert bis unmöglich, können Eltern ihre Kinder für den betreffenden Tag abmelden. "Aber erst dann, nicht etwa im Vorwege aufgrund einer allgemeinen Einschätzung", betont Albrecht. Anders dagegen bei den Schulen im Umkreis der G20-Sicherheitszonen. Die Ganztagsgrundschule Sternschanze sowie die Katharinenschule in der HafenCity seien vom G20-Gipfel so betroffen, "dass generell keine Verletzung der Schulpflicht vorliegt, wenn Eltern ihr Kind nicht zur Schule schicken", so Albrecht. Gleiches Recht für alle gilt allerdings, was das Protestieren gegen G20 angeht: "An Streiks und Demos kann nach der Unterrichtszeit teilgenommen werden", hält Albrecht fest. Ob die Schulbehörde da nicht eine Ausnahme machen könne, Stichworte Wahrnehmung demokratischer Grundrechte und Erziehung zu mündigen Staatsbürgern? "Das entspricht nicht unserer Haltung und der der Gerichte", sagt Albrecht.

"Hartz-IV-Rebellin" Hannemann hört auf

Einst sorgte sie deutschlandweit für Schlagzeilen als "Hartz-IV-Rebellin" und wurde suspendiert, weil sie sich als Mitarbeiterin des Jobcenters Hamburg-Altona weigerte, Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose zu verhängen. Sie stritt sich vor Gericht mit der Stadt und nahm den Weg in die Politik. Nun legt Inge Hannemann zum 31. Juli aus gesundheitlichen Gründen ihr Mandat für die Hamburgische Bürgerschaft nieder, teilte ihre Fraktion Die Linke gestern mit. "Ich bedaure meinen notwendigen Rücktritt sehr", erklärte Hannemann. "Für die Arbeitsmarktpolitik bleibt mir nur zu sagen: Soziale Gerechtigkeit kann nur umgesetzt werden, wenn die derzeitigen desolaten Strukturen rückgängig gemacht werden und die Erwerbslosen mit Respekt und Menschenwürde behandelt werden." Cansu Özdemir und Sabine Boeddinghaus, die Vorsitzenden der Fraktion Die Linke, erklärten: "Inges schwere Erkrankung bestürzt uns sehr. Uns werden nicht nur ihre Fachkenntnisse fehlen, sondern auch ihre Energie und ihre Herzlichkeit."

Schonung für die HSV-Nervenkostüme?

Zugegeben, wir kamen stark ins Grübeln: Jens Todt, seines Zeichens Sportdirektor des erneut abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten HSV, sagte der "Bild"-Zeitung: "Natürlich ist die Relegation für die Fans eine spannende Sache. Aber ich bin generell dafür, sie abzuschaffen." Für alle, die es noch mal ganz genau wissen wollen (obwohl sie es natürlich wissen): In der Relegation treten der Drittletzte des Oberhauses und der Dritte der Zweiten Liga nach Abschluss der Punktspielsaison in einem Hin- und einem Rückspiel gegeneinander an. Der Gewinner darf in der kommenden Spielzeit in der Ersten Liga starten, dem Verlierer winkt die Zweite Liga. Hängt Todts Einstellung contra Relegation nun damit zusammen, dass der HSV sich nun als Tabellensechzehnter erneut anschickt, nachsitzen zu müssen, um den Nimbus der Unabsteigbarkeit zu wahren? Sind dreimal Relegation in vier Jahren schlichtweg zu viel für die strapazierten Nervenkostüme im Volkspark – ständig diese zwei Extraspiele am Saisonende, in denen man sich zum Klassenerhalt retten muss, während die Ligakonkurrenz entspannt zuschaut, das hält ja keiner aus!? Die wahren Beweggründe werden wir vorerst nicht erfahren. Aber, diese böse Frage muss erlaubt sein: Wie wollte sich der HSV denn ohne Relegation vor dem Abstieg retten?

Mittagstisch

Eritreisches von Elsa

Dass man in Elsa’s Bistro eritreische Küche erwarten darf, ist vom Namen des Lokals schwerlich abzuleiten. Auch die Inneneinrichtung liefert kaum Anhaltspunkte, wird der Raum doch von einer wuchtigen Theke dominiert, die sich in einem Schützenvereinsheim gut machen würde. Die Wirtin und Namensgebern Elsa Hartmann, gebürtige Eritreerin, wirkt dahinter fast verloren. Doch sie hat den Laden im Griff. Mittags steht für 9 Euro ein reichhaltiges Buffet zur Verfügung. Viele der Speisen erinnern an arabische Mezze wie Taboulé, Linsen, Spinat, Auberginen und Paprika. Dazu gibt es raffiniert gewürzte Fleischgerichte wie Rinderhacksoße oder -gulasch sowie Hähnchen in einer schweren süßlichen Soße, Reis, Dips, Brot, Frühlingsrollen und Gemüse-Pakoras. Alles ist selbst zubereitet und von hoher Qualität. Wer nicht vom Buffet essen möchte, kann sich auch einen Salat- oder Gemüseteller mit Falafel und/oder Bulgur servieren lassen (6,50 bis 7,50 Euro). Und aus Verbundenheit zu den Kunden des hier vorher ansässigen türkischen Imbisses gibt es sogar Döner mit Pommes (7,50 Euro).

Elsa’s Bistro ; Bahrenfeld, Bahrenfelder Steindamm 99, Mittagstisch Mo–Fr ab 11 Uhr

Thomas Worthmann

Was geht

Zukunft am Dulsberg: Was fehlt am Dulsberg? Wie sollen sich leere Räume hier weiterentwickeln? Der "6. Dulsberger Kulturratschlag – Dulsberg 2025" will mit einer Zukunftswerkstatt den Stadtteil gestalten.

Kulturhof Dulsberg, Alter Teichweg 200, 17–21 Uhr, Eintritt frei

Junger Jazz: Sie alle sind erst um die 20, und doch attestieren Musikkritiker Clara Haberkamp, Anna-Lena Schnabel und Lisa Wulff "enorme musikalische Reife". Besonders die "innovativen Klänge und subtilen Grooves" des Trios Saskya überzeugten. Eröffnungskonzert der neuen Jazz-Reihe in Halle 424.

Halle 424, Stockmeyerstraße 43, 18 Uhr, 15 Euro

Literatur alla italiana: "Wer macht uns zu dem, was wir sind?", fragt Michela Murgia. In ihrer zweisprachigen Lesung lotet die italienische Autorin mit "Chirú" die ungewöhnliche emotionale Bindung zweier Menschen aus.

Italienisches Kulturinstitut Hamburg, Hansastraße 6, 19 Uhr, Eintritt frei, Anmeldung unter events@iic-hamburg.de

Zucker-Schnack: Er versüßt uns häufig, oft zu häufig, das Leben: Zucker. Aber er hat noch mehr Bedeutung. Über kultur- und religionswissenschaftliche Aspekte und Fragestellungen des "weißen Golds" diskutieren heute auf Einladung der Katholischen Akademie Hamburg Kulturanthropologin Kerstin Poehls, Islamwissenschaftlerin Hamida Behr, Michael Nüssen von der Liberalen Jüdischen Gemeinde und Erlend Pettersson vom Bhakti Yoga Zentrum. Natürlich zur besten Kaffeeklatsch-Zeit, bei Kuchen oder Torte.

Café Sha, Daimlerstraße 12, 15 Uhr, Eintritt 6 Euro zuzüglich Kaffee und Kuchen

Miaumio im Kinono: Katzen sind so unverwüstlich wie die Plätze, die sie bewohnen. "Von Katzen und Menschen (und der Kunst des Nutzlosen)" wirft einen dokumentarischen Blick auf Streuner in einer sterilen, zweckorientierten Welt.

B-Movie, Brigittenstraße 5, 19.30 Uhr, 3,50 Euro, Reservierungen online

Verlosung

Lange Nacht der ZEIT: Im Rahmen der Interviewreihe des ZEITmagazins "99 Fragen an …" befragt Moritz von Uslar seinen Gast, den CDU-Politiker Jens Spahn, in einem schnellen Interview – furchtlos, assoziativ, temporeich, ungewöhnlich. Wir verlosen fünfmal zwei Platzreservierungen. Senden Sie Ihren Namen und den Ihrer Begleitung unter dem Stichwort "99 Fragen" heute bis 12 Uhr an elbvertiefung@zeit.de. Viel Glück!

Laeiszhalle, 99 Fragen live: Moritz von Uslar spricht mit Jens Spahn, Dammtorwall 46, Sonnabend, 13. Mai, 20 Uhr, Großer Saal

Hamburger Schnack

In der U3 Richtung Baumwall. Opa sagt zum Enkel im Kleinkindalter: "Wir waren schon lange nicht mehr im Miniatur Wunderland, dort drüben." Der Enkel schaut rüber, zeigt dann aber weiter rechts auf die Elbphilharmonie: "Nee, Opa, ich will lieber in das große Haus mit den vielen Löchern."

Gehört von Sonja Diekmann

Meine Stadt

Frühjahrsputz – auch in den Fleeten © Margret Silvester

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen begrüßt Sie an dieser Stelle meine Kollegin Annika Lasarzik.

Ihr Mark Spörrle

 

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.