Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

aus mit der Politik für Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, 53. Für eine weitere Amtsperiode stehe er nicht zur Verfügung, und er werde sein Landtagsmandat nicht wahrnehmen, verkündete der SPD-Politiker gestern, eine gute Woche nach den Landtagswahlen, bei denen die bisherige Koalition aus SPD, Grünen und SSW ihre Mehrheit verlor. Die siegreiche CDU um Spitzenkandidat Daniel Günther wird, wie es derzeit aussieht, wohl mit FDP und Grünen in Koalitionsverhandlungen gehen.

Vorbei auch die Hoffnung von Bauern und Umweltschützern, die norddeutschen Nandus zur Geburtenkontrolle zwingen zu können. Vielleicht erinnern Sie sich: In der Grenzregion von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein tummelt sich die einzige in Europa vorkommende Population der südamerikanischen Straußenvögel – zum Leidwesen der um ihre Ernte fürchtenden Bauern. Jagen darf man die Vögel nicht. So begannen vor zwei Wochen Bauern und Ranger des Biosphärenreservates Schaalsee, mit amtlicher Erlaubnis die Eier in den Nandu-Nestern anzubohren, um sie unfruchtbar zu machen, in der Hoffnung, die brütenden Hähne würden nichts bemerken und weiterbrüten, nur eben ohne Erfolg. Wir meldeten schon damals leise Zweifel an: Würden die offenbar recht emanzipierten Nandu-Weibchen denn auch nichts merken?

Und wir wissen nicht, ob jetzt tatsächlich die Hennen ihre Schnäbel im Spiel oder die Männchen doch genug Grips hatten, aber: Zwar fanden die menschlichen Anbohrer insgesamt neun Nester mit Eiern, die sie mit Akkuschraubern löcherten. Allerdings dachten die Nandu-Männchen nicht daran, auf den nutzlosen Schalen sitzenzubleiben: Sie gaben die Nester auf. Das könne bedeuten, so Petra Böttcher vom Kreisbauernverband Nordwestmecklenburg, dass die Tiere nun neue, besser versteckte Nester bauen und erneut brüten wollten. Die Lizenz zum Eieranbohren allerdings lief schon am Montag aus. 

Dicke Luft in Hamburg

Weil an zwei Hamburger Messstellen regelmäßig zu hohe Stickoxidwerte registriert werden, sollen dort laut Umweltsenator Jens Kerstan bestimmte Dieselfahrzeuge einfach nicht mehr vorbeifahren dürfen. Eine Kleine Anfrage der CDU beantwortete der Senat nun damit, dass dieses Fahrverbot auf der Max-Brauer-Allee sowie der Stresemannstraße 70 Prozent aller 335.943 Hamburger Dieselautos betreffen würde, darunter einen Großteil der Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge. Wie das "Hamburger Abendblatt" berichtete, erfüllten nicht einmal Dienstwagen der Umweltbehörde die strenge Abgasnorm Euro 6. Die Sinnhaftigkeit von Kerstans kreativer Lösungsidee mal beiseitegestellt: Sollte nicht ausgerechnet die Umweltbehörde mit gutem Beispiel vorangehen? "Wer beim Fuhrpark der Behörden nur auf die Dieselfahrzeuge schaut wie die CDU, erhält ein verzerrtes Bild", sagt uns deren Sprecher Jan Dube. 41 Dienstautos gebe es derzeit, davon seien 14 Diesel-, 16 Benzinautos und immerhin bereits elf Elektrofahrzeuge. Die Dieselautos würden nun schrittweise nach Möglichkeit durch E-Mobile ersetzt. Deren Anteil, so Dube, solle "bis 2020 in der gesamten Hamburger Kernverwaltung auf 50 Prozent steigen". Bei der Polizei erfüllten die jährlich rund 45 neuen Fahrzeuge die neue Abgasnorm Euro 6, erklärte uns eine Polizeisprecherin. Und die Feuerwehr schaffe neue Fahrzeuge "ausschließlich nach neuestem technischen Standard" an. Lassen wir mal kurz die Untersuchungen beiseite, nach denen neueste Diesel sogar mehr Schadstoffe ausstoßen als ältere: Wie er die Hamburger Luft verbessern will, ohne einfach nur Messstellen großräumig umfahren zu lassen, das diskutiert Umweltsenator Kerstan heute ab 19 Uhr in der Louise Schroeder Schule, Thedestraße 100, 22767 Hamburg.

CDU zur Ehe für alle: Und sie bewegt sich doch!

"Es wäre gut, wenn wir die vollständige rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften, inklusive Adoptionsrecht, in der kommenden Legislaturperiode erreichen würden." Dies sagte gestern niemand Geringerer als der mögliche zukünftige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther. Bemerkenswerte Worte eines CDU-Politikers anlässlich des heutigen Internationalen Tages gegen Homo-, Trans- und Biphobie (etwas knackiger IDAHOT genannt). Die Nord-CDU habe dazu auf seine Initiative bereits einen Parteitagsbeschluss gefasst, wenngleich das in der Bundespartei "noch ein weiter Weg dahin" sei. Rückt die CDU also von ihrer Einstellung, eine Familieneinheit müsse unbedingt aus der traditionellen Konstellation Vater-Mutter-Kind bestehen, ab? In der Hamburger CDU gibt es noch keinen entsprechenden Beschluss, ihr Vorsitzender Roland Heintze sagte uns jedoch: "Ich persönlich bin grundsätzlich für die ›Ehe für alle‹, da dies eine konsequente und zeitgemäße Fortsetzung von Unionspolitik wäre. Der Staat sollte Verbindungen zweier Menschen fördern und unterstützen, wenn diese gegenseitig Verantwortung füreinander übernehmen. Dies darf im 21. Jahrhundert in Deutschland nicht abhängig von der sexuellen Orientierung sein. Den Wunsch gleichgeschlechtlicher Paare, alle aus der Ehe hervorgehenden Rechte und Pflichten füreinander einzugehen, sollten wir als Union respektieren und meines Erachtens in der nächsten Legislaturperiode auch umsetzen."

Haspa: Ist die Filiale der Zukunft – zu?

Da stellte die Haspa erst im Februar ein schickes neues Konzept vor: die "Filiale der Zukunft" sollte "zum lokalen Treffpunkt werden, wo sich Nachbarn austauschen und vernetzen können", wie Vorstandssprecher Harald Vogelsang versprach, mit Kaffeebar, iPads, Zeitungen und Veranstaltungen in "Wohlfühlatmosphäre". Aber jetzt scheint es, als sei die Filiale der Zukunft eher etwas anderes – nämlich zu. Das NDR-"Hamburg Journal" vermeldete, dass mehr als 30 Filialen auf dem Prüfstand und möglicherweise vor dem Aus stünden, das wäre ein Viertel des aktuellen Filialnetzes. Simone Naujoks, Leiterin der Pressearbeit der Haspa, dementierte das uns gegenüber: "In keiner Weise planen wir, in der nächsten Zeit so eine große Anzahl von Filialen zu schließen." Zwar habe man schon vor einiger Zeit angekündigt, "dass das Filialnetz moderat verkleinert werden soll, aber eben moderat". Sicher sei bisher lediglich die Schließung von weniger als zehn Filialen, Anfang des Jahres habe man sogar eine neue Filiale in Barsbüttel eröffnet. Und auch die Filiale der Zukunft, die mit der Kaffeebar, sei nach wie vor ein ganz großes Thema, versicherte Naujoks: "Die erste neue Filiale wird in wenigen Wochen in Niendorf eröffnet." Abwarten, wie viele dafür schließen werden ...

"Das ist eine bedrohliche Entwicklung"

Die Loki Schmidt Stiftung verschenkt gemeinsam mit der Sparda-Bank ab morgen 10.000 Samen-Tütchen mit Wildblumensamen, mit der Bitte, diese im Garten, auf dem Balkon oder im Blumenkasten auf dem Fensterbrett auszusäen. Wieso das? Wir fragten Axel Jahn, den Geschäftsführer der Stiftung.

Elbvertiefung: Herr Jahn, wollen Sie Hamburg einfach hübscher machen?

Axel Jahn: Der Hintergrund ist dramatischer. Auf den Äckern rund um Hamburg gibt es immer weniger Wildblumen. Früher waren Getreidefelder bunt – die Wildblumen sorgten dafür, dass ein ganzes System ökologisch stabil blieb. Heute sind sie aufgrund der intensiven Landwirtschaft erst grün, dann gelb und dann braun.

EV: Welche Folgen hat das?

Jahn: Früher machten die Wildblumen die Landschaft reich und schön, jetzt hängen wir voll an der chemischen Spritze. Einzelne Blumenarten sind praktisch schon ausgestorben. Diese Pflanzen ernähren Bestäuber wie Bienen, Hummeln und Schwebfliegen, von denen ernähren sich wiederum alle möglichen Tiere von Schwalben bis zu Fledermäusen. Das ist ein komplettes System.

EV: Je weniger heimische Wildblumen, umso weniger Vögel?

Jahn: Absolut! Wissenschaftler in Nordrhein-Westfalen haben festgestellt, dass die Biomasse an Insekten seit 1989 um 70 Prozent zurückgegangen ist! Meisen finden deshalb immer weniger Futter. Das ist eine bedrohliche Entwicklung.

EV: Und dagegen können ein paar Blumen auf dem Fensterbrett helfen?

Jahn: Wir wollen die Menschen sensibilisieren, ihre Sinne schärfen und sie ermutigen, sich einzusetzen. Ich habe vor ein paar Jahren auf meinem Balkon auf Wildpflanzen umgestellt, seither brummt und summt es. Bienen kommen mit städtischen Abgasen offensichtlich besser zurecht als mit Pflanzenschutzmitteln auf dem Land.

EV: Welche Blumen sind in Ihrer Samenmischung enthalten?

Jahn: Es sind 14 verschiedene, darunter Hundskamille, Hasenohr und vor allem die Blume des Jahres 2017, der Klatschmohn. Er erfüllt alle Kriterien, die wir bei der Wahl stellen: Er sieht gut aus, ist bedroht und steht für eine ganze Lebensgemeinschaft. Wir versuchen auch gemeinsam mit Biolandwirten, diese Pflanzen wieder auszubringen. Außerdem kaufen wir Grundstücke, auf denen bedrohte Arten ungestört wachsen können.

EV: Wie kommt man an eines der Samenpäckchen?

Jahn: Am einfachsten bei einer Sparda-Filiale, dort sind sie von morgen an zu haben. Wer dort keine mehr findet, kann sie auch über die Kontaktseite unserer Homepage bestellen. Oder man nimmt beim nächsten Pflanzenkauf einfach heimische Wildpflanzen.

Jetzt sehr stark sein: Die Badesaison beginnt!

Wenn Ihnen die gestrige Kälte noch in den Knochen steckt, wird es Sie jetzt ein wenig schaudern, aber beißen Sie einfach die Zähne zusammen (falls sie nicht zu sehr klappern). Denn: Heute eröffnen die ersten Freibäder. Im Kaifu, im Stadtparksee sowie im Bad Billstedt kann ab sofort zeigen, wer kein Warmduscher ist. Bei aktuell um die 16 Grad Wassertemperatur ist der Erfrischungseffekt garantiert, aber zumindest heute und morgen sollen ja auch 26 Grad Lufttemperatur erreicht werden. Wer noch härter drauf ist, kann sich auch in einen der Hamburger Badeseen wagen. Dort misst man derzeit 9 bis 13 Grad Wassertemperatur. Doch für Ironmen und -women gibt es auch gute Nachrichten: Abgesehen vom Eichbaumsee in Bergedorf, der seit Jahren ein Blaualgenproblem hat, gilt die Wasserqualität in allen Seen als unbedenklich. Getestet wird im Dreiwochenrhythmus, die Ergebnisse gibt es auf der Internetseite der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Mit ganz anderen Gefahren haben allerdings Badende in Nord- und Ostsee zu rechnen. Laut Nabu treiben in der Nordsee noch bis zu 1,6 Millionen Tonnen und in der Ostsee 300.000 Tonnen Munition aus den Weltkriegen. Besonders Steinesammler seien gefährdet: Gelbe Steine könnten in Wirklichkeit Phosphor sein, das sich in trockenem Zustand von selbst entzündet. Aber auch verhärtete "Schießwolle", ein Sprengstoffgemisch der Wehrmacht, könne Steinen zum Verwechseln ähneln, warnt der Nabu. Dann vielleicht doch lieber im Neoprenanzug in den Badesee.

Mittagstisch

Mittagspause mit Blick aufs Wasser

 

Ins Berger’s am Serrahn geht man nicht unbedingt wegen der Inneneinrichtung. Mit schwarzem Holzmobiliar, sparsamer Deko und generischen Bildern gerät die eher austauschbar. Ansprechender ist der Blick auf den Bergedorfer Stadthafen, den man durch die großen Fensterfronten oder auf der Außenterrasse genießen kann. Die Karte reicht von gutbürgerlich bis mediterran, wochentäglich gibt es ein anderes Mittagsgericht, am Testtag Flammkuchen mit Spargel für 9 Euro. Der Service ist ausgesprochen herzlich, die Wartezeit aufs Essen wird charmant vom restauranteigenen Hund vertrieben. Serviert wird ein hauchdünner und köstlicher Flammkuchen, belegt mit frischen Tomaten, Lauchzwiebeln und Paprika. Spargel findet sich allerdings nur wenig – schade, dass man hier so sparsam war. Und die Begleitung wäre von ihrem Salat mit gratiniertem Ziegenkäse, à la carte für 10 Euro, noch überzeugter gewesen, wenn die Küche es mit dem Heidelbeer-Gelee nicht zu gut gemeint hätte. Dennoch bleibt ein solider Gesamteindruck.

 

Bergedorf, Berger's am Serrahn, Serrahnstraße 2, Mittagstisch Montag–Freitag, 11.30–14 Uhr


Tobias Vogel

 

 

Was geht

Bilderbuchkino: Ritter Wüterich und Drache Borste sind Freunde, doch das können ihre Eltern nicht verstehen. Da hilft nur eines: Die beiden müssen sich heimlich zum Spielen treffen. "Ritter Wüterich und Drache Borste büxen aus", Abenteuer für Kids ab vier Jahren.

Bücherhalle Wandsbek, Wandsbeker Allee 64, 16 Uhr, Eintritt frei

Hysterische Vorlesung: Um 1900 revolutionierte der "Modernismo" Lateinamerika und Europa. Wie machte sich das in der Literatur bemerkbar? "Von hysterischen Frauen und starken Männern: Gender Trouble in der französischen und italienischen Literatur um 1900", öffentliche Vorlesung von Prof. Silke Segler-Meßner.

Universität Hamburg, Philosophenturm, Hörsaal F, Von-Melle-Park 6, 18.15 Uhr

Naturparadies Stadtpark: Spaziergänger entdecken im Stadtpark hin und wieder kleine Naturoasen. Hier pflanzt der Stadtpark Verein Hamburg Blumenwiesen, schafft Lebens- und Rückzugsräume für heimische Tiere. Zum Projekt "Ökologie im Stadtpark" führt Andreas Lampe durch Flora und Fauna, zeigt neugeschaffene Paradiese und ihre Bewohner.

Stadtpark, 18 Uhr, Spenden willkommen, Anmeldung unter oekologie@stadtparkverein.de (der Treffpunkt wird nach der Anmeldung bekannt gegeben)

Experimentelle Musik für Unerschrockene: Bei der Konzertreihe "Stark Bewölkt" gehtwomöglich die Sonne auf. Nina Polaschegg greift zum Kontrabass, Bruno Strobl zur Elektronik. Wenn dann noch Michael Maierhof das Cello präpariert und Heiner Metzger den soundtable einstöpselt, müssten sich die Wolken doch vor Überraschung verziehen. Wie das wohl klingt?

Hörbar, Brigittenstraße 5, 22 Uhr, 8 Euro

Hobbyköche aufgepasst: Die ZEIT Edition "Gemeinsam genießen", bestehend aus den Bänden "Schöne Gelegenheiten" und "Festliche Anlässe", ist ein bebildertes Kochbuch mit vielen Anregungen für leidenschaftliche Köche und Gastgeber.

Wir verlosen zwei Exemplare im Wert von 99,95 Euro. Senden Sie uns Ihren Namen und Ihre Adresse bis morgen 12 Uhr an elbvertiefung@zeit.de und verraten Sie uns, warum Sie gerne kochen. Viel Glück!

Hamburger Schnack

Morgens im Fahrstuhl:

Kollege 1: "Ich war nur einmal in der Schweiz; bin aber gleich wieder abgehauen."

Kollege 2: "Wieso? Zu viele Berge?"

Kollege 1: "Nee, der Kaffee war zu teuer."

 

Gehört von Yorck C. Scheel

Meine Stadt

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

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