Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

falls Sie schnell noch für Pfingsten einkaufen wollen und man sie nicht ins Kaufhaus lässt: Es handelt sich heute wahrscheinlich um keinen neuen Stromausfall, sondern um einen Streik. Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten des Hamburger Einzelhandels im Kampf um einen Euro mehr Lohn pro Stunde zu Warnstreiks aufgerufen. "Die Arbeitgeber werden in den nächsten Wochen verstärkt den Unmut der Beschäftigten zu spüren bekommen", kündigt Heike Lattekamp an, Verhandlungsführerin bei ver.di Hamburg. Aber erst mal sind die Kunden an der Reihe, genauer die von Galeria Kaufhof, Thalia, Karstadt, Kaufland, Marktkauf, real, H&M und ZARA. Nur als Tipp: Es haben noch andere Geschäfte geöffnet, hoffentlich, wenn der Strom nicht ausfällt...

Einige von Ihnen haben sich sehr über zwei unserer gestrigen Themen empört: Die einen wiesen darauf hin, dass es Akademikerinnen gebe, die daheim bei ihren Kindern blieben, weil sie das für vernünftiger hielten, als die Kleinen schon mit wenigen Monaten per SUV in der Krippe abzuwerfen. Andere konzentrierten sich auf das Thema Rauchen und sprachen den Verdacht aus, ich hätte mir nun eine neue Bevölkerungsgruppe ausgesucht, die ich diskriminieren könne, nach Radfahrern, Drohnenpiloten und Hundehaltern (Hundehalter diskriminieren –  ich!?). Einer legte mir noch sehr ernsthaft nahe, ich solle mich doch in den nächsten Ausgaben auf Frauen in Leggins konzentrieren. Die leidvolle Mail einer Leserin bewog mich dann allerdings doch, noch beim Thema rücksichtslose Raucher zu bleiben.  

"Ich habe zurzeit genau solch einen Raucher als Nachbarn, der gefühlt ›immer‹ auf dem Balkon sitzt. Sommers wie winters... Ich kann morgens nie!!! lüften", schreibt sie. "Bis vor Kurzem hatte ich unter mir auf der Terrasse das gleiche Spiel – das hieß, ich konnte nie die Fenster offen lassen, weil ich damit rechnen musste, meine Wohnung eingequalmt zu haben!" Auch das Problem des "Rauchtunnels" vor Restaurants erlebe sie ständig, "wir mussten uns an einem besonders schönen Tag in das Lokal setzen, weil ausnahmslos alle!!! draußen rauchten".

Und, liebe Raucherinnen und Raucher, bevor Sie nun zur Tastatur greifen, um mir etwas von cool-qualmiger Salonkultur und zigarettenintellektuellem Habitus zu mailen: "Ich komme aus einem absoluten Raucherhaushalt", schreibt die Leserin weiter, "meine ›linkspolitischen und umweltbewussten‹ Eltern haben schon am Frühstückstisch geraucht, die Küche, das Wohnzimmer waren blau, wir hatten viele politische ›Freunde‹, die natürlich auch rauchten in stundenlangen Diskussionen, und auch vor dem Auto machten sie nicht halt. Das war Folter!!!" Die Folgen? Ihre Mutter, mailt sie, "musste sich mittlerweile wegen einer Raucherlunge behandeln lassen", rauche aber dennoch weiter, sie selbst habe unter Atemstörungen gelitten und: "Ich habe zwei Leukämieerkrankungen über mich ergehen lassen müssen, und als ich meiner Mutter mal vorsichtig nahelegte, was einer der Gründe dafür sein könnte, ist sie schier ausgeflippt." 

Kommen wir schnell zu dem, was in Hamburg sonst noch los war.

Staatsschützer warnen vor Islamisten und Linksextremen

Gerade erst hatte sich die Zahl der erfassten rechtsextremen Straftaten in Hamburg fast verdoppelt – laut Verfassungsschutzbericht von 278 im Jahr 2014 auf 500 im Jahr 2015 – jetzt ist sie wieder gesunken: 342-mal manifestierten rechte Täter ihre Gegnerschaft zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, neu unter ihnen die "Identitären", "Reichsbürger" und rechte "Selbstverwalter". Aufatmen können die Staatsschützer dennoch nicht. "Wir haben einen kontinuierlichen Anstieg der islamistischen Szene in Hamburg", verkündete Verfassungsschutzchef Torsten Voß bei der Präsentation des neuen Berichts am Dienstag. Die Zahl der registrierten Salafisten, die für eine Gesellschaft nach islamistischen Prinzipien werben, sei von 460 im Jahr 2015 auf 670 Köpfe im Jahr 2016 gestiegen. Inzwischen rechnet der Verfassungsschutz mit 730 Salafisten – darunter 365 Dschihadisten, die den gewaltsamen Kampf befürworten. Die Terrororganisation IS werde in die Enge getrieben; "von daher müssen wir von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Anschlägen in Europa und damit auch in Deutschland ausgehen", schlussfolgert Voß. Innensenator Andy Grote sieht Bedrohungspotenzial vor allem auf der extrem linken Seite. Zahlenmäßig ist die vom Verfassungsschutz beobachtete Gruppe der Linksextremen mit 1100 Leuten offenbar konstant geblieben; die Zahl der erfassten Straftaten ging laut Bericht von 252 auf 165 zurück. Der G20-Gipfel sei aber "ein dankbarer Mobilisierungsanlass für die militante linke, linksextremistische Szene" – auch wenn lange nicht alle Linken Verfassungsfeinde seien. Wer sich von Gewalt nicht distanziere, sagte Grote, mache sich verdächtig.

Reederei Rickmers geht finanziell unter

Die Hoffnung starb zuletzt. Gestern reichte die Hamburger Reederei Rickmers Group beim zuständigen Amtsgericht den Insolvenzantrag ein. Dieser war nicht mehr abzuwenden, nachdem die HSH Nordbank, einer der Gläubiger, am Mittwoch bekannt gegeben hatte, dass sie das Sanierungskonzept für nicht tragfähig halte. Im vergangenen Jahr machte die Rickmers Group nach dem vorläufigen Geschäftsbericht einen Umsatz von 483 Millionen Euro und dabei 341 Millionen Euro Verlust. Die Netto-Finanzverschuldung wird mit 1,46 Milliarden Euro angegeben. Trotz des Insolvenzantrags waren gestern die Gläubiger einer 275-Millionen-Anleihe zusammengekommen, um einen gemeinsamen Vertreter zu bestimmen. Ursprünglich war das Treffen geplant, um über das von Rickmers vorgestellte Sanierungskonzept abzustimmen. Die Reederei strebt nun eine Insolvenz in Eigenverwaltung an und will den Geschäfts- und Schiffsbetrieb fortführen. Die Insolvenz passt zur seit neun Jahren andauernden Schifffahrtskrise, der bereits viele kleinere Reedereien zum Opfer gefallen sind. Auf der Liste der weltgrößten Containerhäfen war Hamburg früher unter den Top Ten, heute liegt es auf Platz 17. Immerhin sind hier noch rund 460 Unternehmen mit mehr als 23.500 Beschäftigten tätig, die mehr als die Hälfte der deutschen Handelsflotte bewegen. Allerdings wird es für sie immer schwieriger, von den Banken Geld zu bekommen. Nicht zuletzt die HSH Nordbank sitzt auf 12 Milliarden Euro alter Schiffskredite und muss deshalb verkauft werden.

"Man muss wachsam sein – auch heute noch"

In vielen Hamburger Straßen zeugen "Stolpersteine" vom Schicksal jüdischer Menschen, die unter den Nazis deportiert und ermordet wurden. Nun zeigt eine App auch die andere Seite: "Die Dabeigewesenen". Mit dem Smartphone können Hamburger nach Namen und Orten suchen. Was sie dabei entdecken können, erklärt Rita Bake, stellvertretende Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung, die die App mit auf den Weg brachte.

Elbvertiefung: Was waren es für Leute, die die App als "Dabeigewesene" entlarvt?
Rita Bake:
Wir meinen damit nicht nur Täter oder Menschen, die in der NSDAP gewesen sind. Dabeigewesene sind auch Leute, die etwa durch die sogenannte Arisierung günstig an ein Geschäft gekommen sind, die denunziert oder einfach zugeschaut haben. Das ganze System der Nazis hätte nicht funktioniert, wenn es nicht die Dabeigewesenen gegeben hätte.

EV: Warum brauchen wir eine solche App?

Bake: Es gibt ja immer noch diese Erklärung "Wir haben ja nichts gewusst, wir haben nichts gesehen." Die App zeigt, wie unwahrscheinlich das ist, weil sie veranschaulicht, dass Dabeigewesene und Opfer in Hamburg eng beieinander gewohnt und gewirkt haben. Uns ist es wichtig, deutlich zu machen, dass man wachsam sein muss. Auch heute noch.

EV: Die App nennt keine Personen, die noch leben.

Bake: Nein, das geht auch aus Datenschutzgründen nicht. Aber Unternehmen, die damals involviert waren, die finden Sie schon.

EV: Hat schon einmal jemand versucht, die App oder eine Nennung in der App zu verhindern – etwa um Verwandte oder das eigene Unternehmen in Schutz zu nehmen?

Bake: Nein. Aber ich habe Hinweise bekommen von Enkeln, die den Namen ihres Großvaters in unserer Datenbank gefunden haben und daraufhin mehr wissen wollten. In solchen Fällen verweise ich auf das Staatsarchiv oder Bundesarchiv, wo man sich Entnazifizierungsakten ansehen kann. Es hat auch schon einmal jemand das Profil seines Vaters selbst geschrieben und geliefert.

EV: Hat Sie eine Entdeckung besonders schockiert?

Bake: In der Isestraße zum Beispiel wohnte August Sommerkamp, ein Richter des NS-Regimes, im selben Haus mit Menschen, die Opfer der Nazis wurden. Der Mann wurde nach dem Krieg Amtsgerichtsdirektor und machte nach seiner Pensionierung 1959 noch Karriere als Fernsehrichter.

Wohnen und Feiern nach Konzept

Kaltmiete plus Grundsteuer, Stromrechnung, Müllabfuhr... und Partybugdet: Im geplanten Wohnprojekt der Baugemeinschaft Ankerplatz im Baakenhafen wird die Warmmiete wohl eine richtig heiße Sache werden. Wie beim Entscheid des Architekturwettbewerbs für die Bauvorhaben von Ankerplatz und Frank-Gruppe in der östlichen HafenCity bekannt wurde, wünschen sich die künftigen Bauherren nicht nur elektrische Lastenräder und Kaninchen auf dem Dach, sondern auch eine feste Kasse für Konzerte, Partys oder Flohmärkte von und für Nachbarn. "Es geht darum, für das gesamte Quartier Aktionen zu starten", so Jim Ulrici vom Projektberater Conpla, der die Baugemeinschaft betreut. Also künftig laufend Remmidemmi und schlaflose Nächte am Baakenhafen? Nein, sagt Ulrici: "Es soll nicht darum gehen, da alle drei Wochen ein fettes Fest zu machen, und die Nachbarn rufen dann die Polizei." Zumal die Partykasse Mietausgaben für Basstürme und Lasershows wohl ohnehin nicht abdecken würde: Die künftigen Bewohner des Projekts zahlen pro Quadratmeter Wohnfläche je 5 Cent – das macht für die größte bisher geplante Wohnung von 105 Quadratmetern einen guten Fünfer im Monat. Das Geld sei eher dafür gedacht, "überhaupt etwas lostreten zu können", erklärt Ulrici, ein nachbarschaftlicher Weihnachtsmarkt etwa solle nicht gleich im Kostendruck erstickt werden. Für das Image der HafenCity, die sich so gern als neuer Kultur-Schmelztiegel verkauft, eine charmante Idee. Fast so charmant wie das althergebrachte Viertelfest, das mit Klappstühlen und Nudelsalat aus der eigenen Küche auskommt.

Leisere Töne – lauter Applaus

Der Groove ist zurück: Heute startet das Elbjazz Festival im Hafen mit der Jan Garbarek Group, Lokalstar Anna-Lena Schnabel, dem Joshua Redman Trio und weiteren Szenegrößen. Rund 50 Jazzkonzerte bietet das Elbjazz nördlich und südlich der Elbe – ein deutlich schmaleres Programm als bisher, wie der neue Festivalleiter Alexander Schulz einräumt: "Früher waren es 70 bis 80 Konzerte." Neben vier Bühnen auf dem Werftgelände von Blohm+Voss bespielen die Jazzer nur noch St. Katharinen, das Thalia-Zelt am Baakenhöft, die Hochschule für Musik und Theater und die Elbphilharmonie. Bis zu 14 Spielstätten zählte das Elbjazz noch, bevor es 2016 eine wirtschaftliche Verschnaufpause einlegen musste – die vergangenen Festivals hatten zu oft Miese eingefahren. Nun geht es in abgespeckter Form weiter. Und: Dem Publikum scheint es zu gefallen. "Es sind viel, viel mehr Besucher als zuvor", sagt Schulz. Beim Ticketverkauf stehe der Zähler auf 19.500, fast doppelt so hoch wie nach Kassenschluss 2015. "Man kann nicht, wie in den Jahren zuvor, am Samstag lässig zum Counter schlendern", sagt der Festivalleiter. "Da ist nichts mehr." Waren die Jazzfans vom Aufgebot der fetten Jahre also schlicht übersättigt, ist weniger jetzt mehr? Wer das so deutet, der liegt laut Schulz daneben: "Hauptgrund für die Steigerungen ist wohl, dass wir nun die Elbphilharmonie als Spielstätte haben."

Mittagstisch

Impressionen aus Hongkong

 

Ob Blumen liebevoll miteinander flüstern? Oder zornig leise Wortgefechte ausführen? Das Flowers’ Whisper steht ganz im Zeichen des Gartens – vom (unechten) Wandrasen mit Blumen über gestickte Schmetterlinge, Libellen, Vögel und Blumen auf den Stuhllehnen bis hin zu fein gezeichneten Bildern. Die überaus freundliche Bedienung erklärt ausführlich das Menü, welches aus zwei chinesischen Suppen – einer Muschelsuppe mit Tofu (13,80 Euro) und einer Scharfen Nudelsuppe mit oder ohne Rindfleisch (7,80 oder 9,80 Euro) – besteht und auf Wunsch von einem Milchtee oder einer hausgemachten Limonade begleitet wird (Aufpreis als Mittagsmenü 70 Cent). Auch wenn das Ambiente an Hongkong denken lässt, stammen die Rezepte und Zutaten ebenso wie die Inhaberinnen aus China. Die Nudelsuppe auf Rinderbasis kommt in einer großen Schüssel, dazu erhält man einen Holzlöffel und Stäbchen, weswegen man die Nudeln und das Fleisch ganz ungeniert mit Letzterem in den Mund schieben darf. Die Tische befinden sich in perfekter Höhe, sodass man sich dazu gar nicht weit hinabbeugen muss. Herrlich!

 

Mitte, Flowers’ Whisper im Levantehaus, Mönckebergstraße 7, Mittagstisch 12 bis 15 Uhr

 

Elisabeth Knoblauch

Was geht

Chillige Bildung: Teenies rappen, tanzen, klatschen – entspannt zugucken ist aber auch erlaubt. Schließlich ist das Motto des Wandsbeker Kinder- und Jugendkulturfests "Chill dich schlau – Bildung: freiwillig & selbstbestimmt!". Damit betonen die Veranstalter, dass in der "offenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen" nicht nur Freizeit, sondern auch Bildung zählt: "als freiwilliger Entfaltungsprozess".

Kulturfest Wandsbek, Wandsbeker Marktplatz, 15–20 Uhr

Reise im Kopf: Mittelmeer, Vulkane, Blütenregen. Stress am Flughafen, verwirrende Sprachen, Sand im Schuh. "Reisegeschichten" sind so vielfältig wie die Menschheit – und deshalb nie auserzählt. Lesung im Rahmen der Reihe "Wortschwung".

Cafébühne, Schröderstiftstraße 7, 19 Uhr, Spenden erbeten

Elektrische Party: "Treibende Basslines, dramatische Buildups und mächtige Drops" versprechen die jungen DJs "Luca Secco & Craftkind". Was so viel heißt wie: House. Bis acht Uhr morgens will das Duo durch den Baalsaal zucken. Wer hält mit?

Baalsaal, Reeperbahn 25, 23.45 Uhr, 10 Euro

Was kommt

Im Auftrag des Herrn unterwegs: Eine Flamme, die aufs Haupt herniederfährt, und ein klarer Auftrag zur Verkündigung von Gottes Wort – so steht es geschrieben. Dass Pfingsten heute anders, aber dennoch groß gefeiert wird, zeigen die Hamburger Kirchen an diesem Wochenende. St. Michaelis fängt schon am Samstag an mit einem Frühlingsfest. Unter dem Motto "Ihr seid das Salz der Erde" gibt es eine Menge Spiele, Bastelaktionen und sogar Musik zum Thema Salz für Kinder und Erwachsene. Das Pfingstwochenende schließt am Montag mit dem Abendmahl. Auch die anderen evangelischen Hauptkirchen planen Festgottesdienste zu Pfingsten. Die Erzdiözese Hamburg lädt Katholiken ein, bei einer Erwachsenenfirmung am Pfingstmontag ihren Glauben zu bekräftigen.

St. Michaelis, Englische Planke 1, Sa, 11 Uhr

Blumen für Borchert: Der "Club der toten Dichter" ist schier unerschöpflich – Wolfgang Borchert aber sticht mit literarischem Pazifismus heraus. Mit "Eine Rose für die Dichter" ehrt der Verein Literaturlandschaften den vor 70 Jahren Verstorbenen: Literaturfreunde machen sich mit einer Rose in der Hand auf ans Dichtergrab, um an Borchert und sein Werk zu erinnern.

Ohlsdorfer Friedhof, Bestattungsforum, Fuhlsbüttler Str. 758, Sa, 14 Uhr

Kino für Kids: In Zeiten medialen Dauerfeuers avanciert Medienkompetenz zum Pädagogikfach Nummer eins. Das "Kinderkurzfilmfestival Hamburg" will Kids zwischen 4 und 18 Jahren sorgsam an Film und Kino heranführen. Dabei gibt es nicht nur zahlreiche internationale Kurzfilme zu sehen – fremdsprachige Streifen werden live in deutscher Sprache eingesprochen. Auch Schüler selbst drehen erste eigene Filme und präsentieren sie auf Zeises Leinwand. Ganz großes Kino!

Kinderkurzfilmfestival Hamburg, Programm online, Start So ab 15 Uhr im Zeise-Kino, Festival bis zum 11.6.

Rocker-Popper-Party: Auf welcher Seite der Musikgeschichte stehst du – cooler Kopfnicker oder moschender Cobain-Fan? Hier muss sich keiner entscheiden: Die "Kopfhörerparty fürs Herz" will den epischen Streit zwischen Rockern und Poppern beilegen. Wenn Nirvana und Beastie Boys gegen Take That und die Backstreet Boys antreten, bestimmt der Gast per Funkkopfhörer, wozu die Beine steppen. Unterhalten kann man sich ja später noch.

MS Hedi, St. Pauli-Landungsbrücken Brücke 10, So, 19 Uhr, 15 Euro

Finnland tanzt: Finnland ist bekannt für endlose Wälder und den Weihnachtsmann. Dass zur Volkskultur auch Tango gehört, wissen hierzulande nur Insider. Das "FINtango Frühlingsfest" will mit Tanzkönigin Marita Taavitsainenund demTangon Taikaa Orchester Santa Claus Konkurrenz machen.

Planten un Blomen, Musikpavillon, Jungiusstraße, Mo, 15–22 Uhr

Klavier-Star ohne Allüren: "Der Komponist hat immer recht. Ich liege immer falsch", sagte Murray Perahia einmal in einem Interview. Seine Bescheidenheit ist legendär, im Vordergrund sieht er stets die Musik. Pfingstmontag spielt der Pianist Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms.

Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, Großer Saal, Mo, 19.30 Uhr, ab 23 Euro

Odyssee auf der Bühne: Lügner und Außenseiter, Querdenker und Draufgänger, Egoist und Versager – "Peer Gynt" summiert diese Rollen in Henrik Ibsens gleichnamigem Werk zur Odyssee des modernen Menschen. Das "dramatische Gedicht" von 1867 ist zu einer der großen Mythen des europäischen Theaters geworden. Am kommenden Dienstag zeigt das Schauspielhaus die Inszenierung von Simon Stone zum letzten Mal. Tickets sichern!

Schauspielhaus, Kirchenallee 39, Di, 19.30 Uhr, ab 10 Euro

Was bleibt

Festival-Puzzle: 32 Orte, 17 Tage, ein Gedanke – Grenzen verwischen. Das Festival "blurred edges" bietet aktuelle Musik mit Widersprüchen. Es gibt nicht einen Organisator, vielmehr gestaltet eine ganze Reihe Hamburger Künstler eigene Events. Heraus kommt ein Puzzle aus elektronischen Sounds in Field-Recording, Komposition, Improvisation, Kino, Performance und Ausstellung.

blurred edges, 2.–18. Juni, Festivalticket 45 Euro unter shop@hanseplatte.de, Einzeltickets nur an den Abendkassen (manche Events sind kostenfrei)

Schnack

Eine Familie mit zwei kleinen Kindern kommt aus einem Hauseingang und sieht auf dem Parkplatz einen Mann, der auf einer bunten Decke halb unter einem Auto liegt, um es zu reparieren, daneben sitzen zwei Freunde. Da ruft der kleine Junge: "Oh cool, die machen da ein Picknick!"

 

Gehört von Simone Hinrichs

Meine Stadt

Bunte Lange Reihe, schöne Vielfalt © Rainer Neumann

SCHLUSS

Sie wissen ja: Dies ist eigentlich die Ecke für Störche, legginstragende Makaken und Killerschwäne. Die Kreatur, über die wir diesmal schreiben, heißt aber Polli, hat Flossen, große, dunkle Augen, und als man sie gefunden hat, wog sie nur 9,9 Kilogramm. Ein Vogel? Ein Flugzeug? Ein Fisch? Und was heißt "nur" 9,9 Kilo – ist doch ganz schön proper für ein Baby? Nicht, wenn es sich um ein Seehundbaby handelt. Polli ist der erste bedauernswerte elternverlassene Heuler, der in dieser Saison in die Seehundstation Friedrichskoog kam. Dort wird er jetzt mit Fischbrei und später dann (mit mutmaßlich den nunmehr extraeuropäischen Briten weggefangenen) Heringen auf 25 Kilo aufgepäppelt, wieder vor die Tür gesetzt und muss sich wie jeder anständige Seehund selbst um seinen Lebensunterhalt kümmern. Aber Polli hat sich Zeit gelassen. Zwei Wochen später als sonst habe die Geburtensaison in diesem Jahr begonnen, sagt Stationsleiterin Tanja Rosenberger. Die Ursachen dafür seien unbekannt. Wir hätten – in Anbetracht der Temperaturen der letzten Monate – zumindest eine Vermutung.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Pfingstwochenende. Am Dienstag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.