Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

noch einmal kurz zum berüchtigten Tangstedt im Landkreis Stormarn, dem Ort, wo die Einführung einer Pferdesteuer zwar vom Gemeinderat beschlossen wurde, dies aber den Widerstand der Minderheit der Reiterinnen und Reiter umso mehr aufstachelt: Zehn der 700 im Ort untergestellten Pferde seien bereits von einem der örtlichen Reiterhöfe weggebracht worden, war zu erfahren, und das, obwohl die Steuer erst am 1. Juli greifen soll. Außerdem bereitet die Rechtsanwaltskanzlei Graf von Westphalen in Hamburg eine Normenkontrollklage gegen die Rechtmäßigkeit der Pferdesteuer vor. Reiterinnen aus Tangstedt hätten den Auftrag erteilt; Kernargumente der Klage werden wohl sein: das Diskriminierungsverbot; denn die Pferdesteuer träfe zumeist Frauen, die häufiger ritten als Männer. Und das Sportförderungsgebot der Landesverfassung, wodurch sich eine Steuer auf Sport, also auch auf Reitsport, verbiete.

Und nun schnell nach Hamburg. Habe ich schon erwähnt, dass ich erwäge, mit einer Klage die Hundesteuer zu kippen? Die Kernargumente werden wohl sein: das Diskriminierungsverbot, denn die Hundesteuer für unseren Hund trifft zumeist Frauen – meine Frau und meine Tochter sind häufiger mit dem Hund unterwegs als ich. Und das Sportförderungsgebot: wenn das Hinterherrennen hinter dem Hund kein Sport ist, was bitte dann?!

Als Nächstes kommt dann, denken wir nur an Diskriminierung, die Kirchensteuer an die Reihe ...

Elphi nur für Touristen?

Nach all dem Ärger um den Vorverkauf von Elbphilharmonie-Tickets äußerten einige Leser nun einen üblen Verdacht: Kommen Hamburg-Besucher, die ihre Konzertkarte über ein Reiseunternehmen kaufen, leichter an Tickets als Hamburger selbst? Für All-inclusive-Pakete mit Übernachtung, Dinner und Elphi-Besuch (so angeboten etwa von einem stadtbekannten Hotel) gebe es schließlich noch Karten, steckte uns eine Leserin. Elphi nur für Touristen – und die Hamburger stehen im Regen und starren auf von Werbebannern gerahmte Leinwände? Elphilharmonie-Sprecher Tom R. Schulz wiegelt ab: "24.000 Tickets gehen in der nächsten Saison an 240 touristische Anbieter im In- und Ausland." Das wären knapp acht Prozent aller Konzerte der Hamburg Musik GmbH, die aber wiederum nur ein Drittel aller Konzerte veranstaltet. Insgesamt, sagt Schulz, gebe es 850.000 Tickets für die kommende Saison. Aber "der Nachfragedruck" sei "massiv". Und das "Haus für alle" sei "eben nicht nur eines für Anwohner, sondern für Musikbegeisterte aus der ganzen Welt". Aber werden nicht oft Tickets blind gebucht, nur um den Saal zu sehen – und um diesen dann noch vor Konzertende zu verlassen? "Ja, das habe ich selbst beobachtet", so Schulz, man könne das aber "nicht pauschal auf Pauschalreisende" (!) schieben, auch Hamburger verhielten sich so. Der umgekehrte Impuls ließe sich übrigens auch beobachten: Besucher, die erst mal so gar nichts über die Musik wissen und nach dem Konzert begeistert den Saal verlassen. Das lässt doch hoffen.

Zumal uns nun zunehmend Mails von Lesern erreichen, die bekennen, doch glücklich an Karten gekommen zu sein. "Ich habe bislang ohne großes Schlangestehen und mit nur ein wenig beiläufiger Geduld problemlos für drei Konzerte je zwei Karten bekommen", berichtet auch ein Kollege. "So waren einige der vom NDR veranstalteten Konzerte schon am Montagfrüh über deren Seite online zu buchen, ich bin auf Warteposition 8500 gestartet, war aber nach 20 Minuten dran und konnte problemlos buchen. Und noch am Montagabend gegen 19 Uhr habe ich am Bild-Box-Ticket-Shop in der Europa-Passage nach maximal 15 Minuten Anstehen 1.) selbst Tickets kaufen können und 2.) mitverfolgt, wie die überaus netten und geduldigen Mitarbeiter dort verzweifelt versucht haben, Kunden glücklich zu machen. Für Henzes ›Floß der Medus‹ gab es noch Karten, aber das ist halt schwieriger als Brahms ... Außerdem ist für alle von der Elbphilharmonie selbst veranstalteten Konzerte noch gar nicht final entschieden, wer ein Ticket bekommt ..." 

G20: Polizisten im Ausnahmezustand

Die vielen blau Uniformierten überall sind nur die Vorboten des größten Polizeieinsatzes in der Geschichte der Stadt Hamburg. Wenn Anfang Juli die Regierungsoberhäupter bei G20 tagen, heißt das für mehr als 15.000 Polizeikräfte Dauereinsatz. Wie formulierte es der von der linken Szene angefeindete Einsatzleiter Hartmut Dudde bei der gestrigen Pressekonferenz? "Wir werden die gesamte bundesdeutsche Polizei hier in Hamburg haben, eigentlich mit allem, was Polizeien so besitzen, sowohl an Technik als auch an anderem Equipment." Das klingt erstens danach, als würden sich die Kriminellen in anderen Teilen des Landes im Hinblick auf die Gipfelzeit jetzt schon die Hände reiben und zweitens, als gäbe es Anfang Juli keinen sichereren Ort als diese Stadt. Eine Vermummung und Straftaten werde er nicht zulassen, sagt der Polizeiführer. "Das dürfen wir auch gar nicht." Sollten aber etwa Schüler eine Straße in einer Verbotszone blockieren, versprach er ein Vorgehen mit Augenmaß. Von Normalbetrieb ist bei der Hamburger Polizei übrigens schon lange keine Rede mehr. "Wir sind schon seit sechs Wochen quasi im Ausnahmezustand, seit die Polizeifahrzeuge angesteckt wurden", sagt Niels Sahling von der 1. Hundertschaft der Hamburger Bereitschaftspolizei. Sahling ist einer von drei Polizisten, die ZEIT:Hamburg-Kollegen Oliver Hollenstein und Marc Widmann vor ihrem Einsatz beim Gipfel zum Gespräch gebeten haben. Sahling erzählt, dass die Arbeit schon jetzt ohne auswärtige Hundertschaften nicht mehr zu schaffen sei. Warum von Gipfel-Freude bei den Polizisten keine Rede sein kann, was die Erziehung der Hamburger damit zu tun hat und warum in Bayern die Polizeiarbeit leichter ist, erklären er und zwei Polizeikollegen im Interview in der ZEIT:Hamburg.

Verwirrung um Nulltoleranz in der S-Bahn

Will die Bahn nun verstärkt gegen Raucher, Bettler und Musiker vorgehen – oder nicht? Das "Hamburger Abendblatt" berichtete von einem "neuen Service": Fahrgäste könnten unter der Telefonnummer 040/39 18 43 85 Belästigungen melden; dann würden Mitarbeiter der DB-Sicherheit sich um den Vorfall kümmern. "Wir haben eine Nulltoleranzpolitik", zitiert das "Abendblatt" Stephan Schmidt, Sicherheitschef der S-Bahn Hamburg. Das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" zitierte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis mit der Aussage, diese Nulltoleranzpolitik sei nötig, weil sich viele Fahrgäste beschwert hätten. Uns gegenüber bestritt Meyer-Lovis dagegen einen Anlass für eine härtere Gangart. Auch die besagte Telefonnummer sei nicht neu. "Es ist der allgemeine Kundendialog der S-Bahn Hamburg", so Meyer-Lovis.

Islamismus: Verfassungsschutz enttarnt Fußballtrainer

Das Runde muss ins Eckige – geht es um diese Regel im Fußball, sind sich die Menschen auf der ganzen Welt einig. Der kulturelle Hintergrund, die Sprache und die Religion sollten beim Kicken eigentlich keine Rolle spielen. Was aber, wenn der Sport dafür genutzt wird, islamistische Ideologien zu verbreiten? In Hamburg soll genau das passiert sein. Wie der Hamburger Verfassungsschutz gestern mitteilte, soll ein Fußballtrainer, der sowohl Mannschaften in Flüchtlingsunterkünften als auch ein Flüchtlingsteam eines Hamburger Sportvereins trainierte und auch als Dolmetscher arbeitete, versucht haben, seine Schützlinge ideologisch zu beeinflussen. Von wegen uneigennütziger Einsatz pro Integration: Der Mann, der höherer Funktionär der verbotenen islamistischen Organisation Hizb ut-Tahrir (HuT) sein soll, habe versucht, jungen, meist afghanischstämmigen Geflüchteten die Vorstellung der HuT näherzubringen – Ziel der Vereinigung ist unter anderem die Errichtung eines weltweiten Kalifats auf Grundlage der Scharia. Auch zur Tötung von Juden hatte die Organisation, die Gewalt zur Umsetzung politischer Vorhaben als legitimes Mittel erachtet, bereits aufgerufen. Wie es weitergeht? Einrichtungen und Verein wollen sich nun wohl von dem Mann trennen...

Wo sich Fuchs und Flugzeug Gute Nacht sagen

Wann haben Sie zuletzt die Finger durchs Gras gleiten lassen und den Vögeln beim Zwitschern zugehört? Beim Langen Tag der Stadtnatur  am Wochenende kann man sie wieder entdecken, die unbekannte Flecken Natur mitten in Hamburg. Die Loki Schmidt Stiftung führt einen dann zusammen mit dem Verein GEO-Tag der Natur und dem Centrum für Naturkunde zum Beispiel – geradewegs zum Hamburg Airport Helmut Schmidt. Wieso denn ausgerechnet dorthin (abgesehen natürlich von der ungebrochenen Attraktivität des Namens Helmut Schmidt)? Wir fragten Markus Musser, Vogelschlag- und Jagdbeauftragter am Flughafen, der die Besucher übers Gelände führen wird.

Elbvertiefung: Herr Musser, mal ehrlich: Auf und über dem Flughafen gibt es jede Menge Verkehr, Abgase. Wächst an diesem öden Ort überhaupt was?

Markus Musser: Entgegen der Vorstellung ist die Natur auf dem Gelände sehr variabel, dort wächst zum Beispiel das Zittergras, das man in Hamburg sonst nicht mehr allzu oft sieht.

Elbvertiefung: Kein Wunder, dass das Gras zittert – es muss sicher jede Menge Kerosin schlucken. Ins Gras beißen sollte man da lieber nicht, oder?

Musser: Die Pflanzen sind völlig unbedenklich. Allerdings wird das, was bei uns wächst, eher für Tiere verwendet; wir liefern täglich Futter nach Hagenbeck. Probieren Sie vielleicht lieber den Honig, den unsere Bienen auf dem Gelände produzieren ...

Elbvertiefung: Tiere gibt es auf dem Gelände tatsächlich auch ein paar?

Musser: Insekten, Mäuse, Wiesel, Ringelnattern, Füchse und viele Vögel – für die ist der Flughafen ein Rückzugsort. Draußen in der Natur sind sie größeren Störungen ausgesetzt – Besucherverkehr mit Hunden wie im Wald gibt es bei uns nicht. Unser Flughafengelände ist ein Refugium, ein Rückzugsort für Tiere und Pflanzen, die es sonst nur noch selten im Stadtbild gibt.

Elbvertiefung: Aber der viel beklagte Fluglärm, immer wieder auch nachts ...

Musser: Das interessiert die Tiere überhaupt nicht. Viel wichtiger ist, dass es keine Störungen durch Menschen gibt. Die Flächen werden zweimal im Jahr gemäht, das war’s. Wir haben den höchsten Bestand an Feldlerchen in ganz Hamburg. Gerade früh am Morgen ist das ein tolles Konzert.Und dann gibt es Bussarde, Falken und Austernfischer ...

Elbvertiefung: Wieso fühlen die Vögel sich dort so wohl, obwohl sie sich den Luftraum mit den viel größeren metallenen Vögeln teilen müssen?

Musser: Die stehen nicht direkt in Konkurrenz. Natürlich gibt es auch einmal Kollisionen. Für den kleineren Vogel endet das meist tödlich, der größere kommt mit einer Delle davon, oder es kommt zu einer Verspätung. Das ist das sogenannte biologische Risiko. Aber auch da gibt es einen gewissen Gewöhnungseffekt. Ältere Krähen zum Beispiel können die Gefahr abschätzen und weichen den Flugzeugen aus.

Elbvertiefung: Eine solch akrobatische Szene werden die Besucher am Wochenende wohl eher nicht sehen können?

Musser: Mit viel Glück aber vielleicht einen Fuchs, der seinen Jungen eine Maus bringt.

Lesevertiefung

Drei Buchempfehlungen fürs Wochenende ...

 

Sachbuch Matisse und Picasso, Manet und Degas, Pollock und De Kooning, Freud und Bacon. Vier Freundschaftspaare, acht Künstler, die sich gegenseitig inspiriert haben, aber auch in Konkurrenz zueinander standen. Smee erzählt uns ihre Geschichte so wunderbar und spannend, dass Lust auf mehr entsteht. Sebastian Smee: Kunst und Rivalität. Insel Verlag, 26 Euro; aus dem Englischen von Stephan Gebauer

Kinderbuch Max Mutter arbeitet in einem Seniorenheim, welches auf Burg Geroldseck untergebracht ist und wo Max auch wohnt. Was kann es Langweiligeres geben, will Max doch ein berühmter Meisterdetektiv werden. Doch er und seine neuen Freunde, die wilden Alten haben bald einen Fall. Lisa-Marie Dickreiter & Winfried Oelsner: Max und die wilde 7 – Die Geister-Oma. Oetinger Verlag, 12 Euro; ab 8 Jahren

Roman Mit einem Stipendium beginnt der Deutsche Hans Stichler ein Studium in Cambridge und ermittelt Undercover im geheimen Pitt Club. Sein Talent im Boxring verhilft ihm schnell zu Sympathie und Vertrauen der anderen Mitglieder und bringen ihn auf die Spur von brutalen Ritualen. Takis Würger: Der Club, Kein & Aber, 22 Euro

… ausgewählt von Christiane Hoffmeister, Büchereck, Niendorf-Nord

 

Auf einen Kaffee mit ZEIT-Redakteuren

Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen:Diskutieren Sie mit ZEIT-Redakteuren jeweils eine Stunde über das, was die Stadt – und Sie! – bewegt. Ab 11 Uhr treffen Sie Frank Drieschner auf einen Kaffee zum Thema Radfahren und zum Straßenkampf auf zwei Rädern, ab 12 Uhr spricht der bekennende Chai-Latte-Trinker Oliver Hollenstein mit Ihnen über die Zumutungen des G20-Gipfels für die Stadt. Und ab 13 Uhr kommt dann noch Mark Spörrle, Chef der ZEIT:Elbvertiefung, auf einen Cappuccino vorbei. Wann? Am Samstag – nein: Sonnabend!

Wo? Im ZEIT Café im Helmut-Schmidt-Haus, Speersort 1,11–14 Uhr, Eintritt frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Verlosung

Newcomer und alte Größen – das Reeperbahn Festival treibt vom 20. bis 23. September wieder die Musikliebhaber auf den Kiez. Wir verlosen zwei Samstagstickets mit Elbphilharmonie-Zugang. Im Ticket enthalten: Konzerte, Shows und Partys, Konzert in der Elbphilharmonie (Verfügbarkeit vorausgesetzt), exklusive Konzerte in Plattenläden, Workshops und Visual-Arts, Spoken-Word, Playground- und Filmprogramm, Eatery: Specials in Restaurants und Cafés auf St. Pauli, öffentlicher Nahverkehr (HVV) für die An- und Abreise. Alles, was Sie tun müssen, ist, uns im Laufe des Tages Ihren Namen für die Gästeliste zu schicken und zu schreiben, warum Sie gerne dabei wären. Das alles bitte an elbvertiefung@zeit.de. Viel Glück!

Reeperbahn Festival, Sonnabend, 23. September

Was geht

Flamenco ohne Grenzen: Dass ein Schüler von Flamenco-Legende Paco Peña oft klingt wie der Meister, ist in diesem Fall ein Lob. Max Herzog entlockt seiner Gitarre darüber hinaus einen Dialog mit anderen Genres: subtile Jazzeinflüsse und Improvisationen, die alle Grenzen des traditionellen Flamenco hinwegspielen.

Echtzeit-Studio, Alsterdorfer Straße 15, 20 Uhr, 14 Euro

Stumme Musik: Der allmächtige Mr TV hat den Menschen ihre Worte genommen. Um die Kontrolle mithilfe von Massenhypnose vollends zu übernehmen, entführt er den letzten Menschen mit Stimme – eine bildschöne Sängerin. Passenderweise geschieht all das in einem Stummfilm, "La Antena" von Esteban Sapir. Den Streifenbegleiten Robert Masou (Kontrabass), Mirjam Keller (Klavier) und Hans-Christoph Hartmann (Saxofon).

Zinnschmelze, Maurienstraße 19, 20 Uhr, 10 Euro

Fliegende Farbwerke: Wer sich in "freie Klangwelten" spielen will, muss einen Hauch Spiritualität in sich spüren. Die Musiker von Blurred Edges – Raga Trigger Part I beziehen sie aus Indien; "Ragas für verschiedene Tageszeiten triggern die Fantasie." Wohin wird der "Tritonus des Sonnenuntergangs" die Gäste führen – ins Minimalistische, Introvertierte, Ekstatische? Hauptsache, am Ende kommen alle wieder auf dem Boden an.

Farbwerke M6 Konterkaro, Marktstraße 6, 20 Uhr, Spenden erbeten

Was kommt

Musiktag mit Rolf: Wer an ein und demselben Tag Trompete, Schlagzeug, Klavier und Querflöte spielen will, ist hier genau richtig. Vielleicht schaffen Besucher es auch noch, beim Tag der offenen Tür am Hamburger Konservatorium eine Geige zwischen die Füße zu klemmen und den Rekord im Simultan-Spielen zu sichern.Alternativ schnuppern Gäste im Musikgarten oder bei "Musik und Bewegung". Motto: "Starke Kinder". Promi-Gast: Rolf Zuckowski.

Hamburger Konservatorium, Sülldorfer Landstr. 196, Sa 11–16 Uhr

Expressionismus für Kids: Wie begeistern Eltern ihre Kinder für die Ausstellung "Max Pechstein. Künstler der Moderne"? Die Familienführung "Werkspione" hilft nach. Wie ein Spion machen sich Jungs und Mädels ab sechs Jahren auf die Suche nach Geschichten, Farben und Formen des deutschen Expressionisten.   

Bucerius Kunstforum, Rathausmarkt 2, Sa 11.30 Uhr, Kids 2 Euro, Erwachsene 9 Euro

Industrie trifft Kultur: 380 Events, 131 Industrieanlagen, ein gemeinsamer Nenner: das Wasser. Bei den Tagen der Industriekultur am Wasser öffnen historische Anlagen von Cuxhaven bis Kiel ihre Tore. In Hamburg gibt es unter anderem Führungen durch den Schellfischtunnel der Hafenbahn, durch die Wasserkunst Kaltehofe und Hafenrundfahrten mit dem Feuerlöschboot "Repsold".

Tage der Industriekultur am Wasser, ganztägig Sa und So, Programm online

Müll-Kunst: Flaschen schippern über das Meer in den Sonnenuntergang. Unbekannte haben sie auf den schwedischen Schären gefunden, jetzt sind sie Stars der Ausstellung "Gestrandet. Plastik aus dem Meer". Fotograf Manfred Schulze-Alex sensibilisiert hier für die bedrohte Natur, ohne den Zeigefinger zu heben. Seine Bilder ergänzen Videos wie "Gestrandet", ein Tagebuch über das Sammeln von Plastikmüll bis hin zur Entsorgung im schwedischen Hamburgsund.

Duvenstedter BrookHus, Duvenstedter Triftweg 140, Ausstellung vom 17. bis 30.6., Vernissage So 12 Uhr, Eintritt frei

Wettstreit der Poeten: Treppenstufen dienen als Tribüne, die Promenade als Arena – das Gemetzel kann beginnen. Beim "Wortflut"-Poetry-Slam liefern sich die besten Stadtpoeten verbale Gefechte. Fight!

Störtebeker Ufer, Magdeburger Hafen, Osakaallee, (bei Regen: Nachhaltigkeitspavillon, Osakaallee 9), So 17–18.30 Uhr, Eintritt frei

Abstrampeln für Platz: Der ADFC will "Mehr Raum fürs Rad!" und nimmt diesen auch gleich ein – mit einer Fahrradsternfahrt. "Das Rad braucht Platz – und zwar deutlich mehr, als ihm in Hamburg bislang zugestanden wird", fasst Stefanie Miczka vom ADFC zusammen. Von zahlreichen Orten aus werden Teilnehmer sternförmig bis in die Innenstadt radeln. Für Kinder gibt es eine rund sechs Kilometer lange Sternchen-Tour. Aus dem Weg, ich bin Rad!

Sternfahrt, Abfahrtsorte online, So, Start je nach Streckenlänge zwischen 8 und 13.45 Uhr

Hamburger Schnack

Ein Ehepaar in den Siebzigern steht vor einem Feinkostladen in St. Pauli. Sie betrachtet die Blumen, die dort verkauft werden, sagt: "Blumen hast du mir auch schon lange keine mehr geschenkt." Er brummt, sie seufzt. "Früher war mehr Romantik", versucht sie es noch einmal. Er sieht sie von der Seite an, lächelt: "Das heißt: Früher war mehr Lametta! Lametta – nach Loriot!" Beide lachen.

Gehört von Lia Helm

Meine Stadt

Ist jetzt überall in Hamburg gelbe Welle? © Rainer Neumann

SCHLUSS

Blaue Kleckse statt Gold: Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag einen Farbanschlag auf die 300 Quadratmeter große Hauswand auf der Veddel verübt, die Künstler Boran Burchhardt gerade mit feinstem Blattgold beklebt. Anwohner lassen derweil Spruchbänder ("Schmier Dein Gold woanders hin!") aus dem Fenster hängen, Passanten beschimpfen den Künstler bei der Arbeit – ist das die Art von Aufmerksamkeit, die Burchhard mit seinem schon im Vorfeld heftig umstrittenen Kunstprojekt für den Stadtteil schaffen wollte? "Die Leute sprechen jetzt wieder über die Veddel, Anwohner geben Fernsehinterviews, auf einmal ist der Stadtteil wieder in der Öffentlichkeit", sagte uns Burchhard. Und auch von dieser Art von Aufmerksamkeit könne das Viertel profitieren. Ärgerlich sei aber, fügt der Künstler noch hinzu, dass dabei "nur über den Konflikt" berichtet werde und kaum über sein Kunstwerk. Dabei gebe es durchaus positive Resonanz: Eine Anwohnerin habe sich schon für die Verschönerung der Hausfassade bedankt und ihre Wohnung neu eingerichtet – ganz in Gold.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.