Neuseeland ist neben den USA, Kanada und Australien das Auswanderungsland. Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Deutsche jedes Jahr in den südpazifischen Inselstaat auswandern, aber in Internetforen bekunden Tausende ihr Interesse an Neuseeland – als neue Heimat oder als Arbeitsmarkt. Und es wandern immer mehr Deutsche aus. Das Interesse der Medien an Auswanderungsthemen 2003 beweist dies. Und Neuseeland boomt. Das Image der "grünen, sauberen Insel" oder des "Paradieses" lockt immer noch. Mitte der 80er Jahre lebten rund 5000 Deutsche in Neuseeland, Ende der 90er waren es mehr als doppelt so viele. Wer sich für Neuseeland entscheidet, der tut dies nicht wegen besserer Löhne. Denn der Brutto-Durchschnittslohn liegt nur bei rund 13000 Euro im Jahr. "Natur, Lifestyle und Freiheit – das sind die Beweggründe, die meine deutschen Kunden angeben, wenn sie Deutschland verlassen wollen", sagt Peter Hahn. Der ehemalige Berliner Anwalt lebt seit 15 Jahren in der Hauptstadt Wellington und berät potenzielle Einwanderer und Arbeitsuchende auf dem Weg ans andere Ende der Welt.

In Neuseeland leben nur rund vier Millionen Menschen, das heißt der Arbeitsmarkt ist relativ klein. Neuseelands Wirtschaft ist trotz weltweiter Rezession in den vergangenen fünf Jahren erstaunlich stabil geblieben. Die Wachstumszahlen pendelten zwischen 2000 und 2003 zwischen 1,5 und 5 Prozent. Die Arbeitslosenquote rangierte unter 6 Prozent. Drei Viertel der Erwerbstätigen sind angestellt, rund 10 Prozent selbstständig. Seit November 2002 hat die neuseeländische Labour-Regierung Einwanderung und Arbeitsmöglichkeiten für Ausländer drastisch erschwert. Die Einwanderung oder die Ausstellung einer Arbeitsgenehmigung ohne ein konkretes Angebot ist faktisch unmöglich geworden. Durch die größten Reformen des Einwanderungsgesetzes in den vergangenen zehn Jahren sollen vornehmlich gut ausgebildete Menschen die Chance bekommen, in Neuseeland zu arbeiten und zu leben. Nach Plänen der Regierung will Neuseeland demnächst wohl wieder gezielt auf Fachkraft-Suche im Ausland gehen. Ob das wie über die Neuseeland-Info-Seminare in den Achtzigern geschehen soll, steht noch nicht fest.

Wer in Neuseeland arbeiten will, braucht grundsätzlich ein "Work Permit". Dieses in der Regel auf zwei Jahre begrenzte Visum wird nur ausgehändigt, wenn der Bewerber sehr gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift (die Tests wurden 2002 auf Universitätslevel angehoben) und ein Job-Angebot eines Unternehmens nachweisen kann. Das Unternehmen wiederum muss nachweisen, dass es nicht in der Lage war, einen Neuseeländer für eine vakante Position zu finden. Wohlgemerkt: Es geht bei der Vergabe der "Job Offer" lediglich um ein Angebot, das heißt nicht, dass der Bewerber den Job auch antreten muss. Jüngere Bewerber bis 39 werden von den neuen Gesetzen mit Wohlwollen bedacht, wenn es um eine spätere "Permanent Residency" gehen sollte. Die Vergabe erfolgt dabei nach einem Punktesystem, in dem es je nach Abschluss, Beruf, Berufserfahrung, Alter und so weiter bestimmte Punktezahlen gibt, die letzten Endes über eine erfolgreiche Einwanderung entscheiden. Für diejenigen, die lediglich mal in Neuseeland arbeiten wollen, zählt das zunächst nicht. Aber: Besondere Berücksichtigung finden nur Berufe, die in Neuseeland als "Mangelware" gehandelt werden. Die können auf der Internetseite der neuseeländischen Einwanderungsbehörde eingesehen werden. Beste Chancen haben seit jeher klassische Handwerksberufe (Zimmermann, Bäcker, Metzger und andere), IT-Spezialisten, Projekt-Manager oder teilweise auch Wissenschaftler. Bewerber sollten auch daran denken, dass es deutsche Unternehmen in der Touristik-Branche gibt, die immer wieder deutschsprachige Reiseführer, Consultants oder Manager suchen. Überhaupt: 50.000 Deutsche reisen jedes Jahr nach Neuseeland, das bedeutet, dass Deutschsprachige in vielen Dienstleistungsbetrieben gesucht werden. Allerdings müssen sich Bewerber auf ein niedriges Einkommensniveau gefasst machen: der durchschnittliche Stundenlohn liegt zwischen 6 und 8 Euro brutto, bei einem Eingangsteuersatz von 19 Prozent.

Die Auflistung der gesuchten Jobs ist allerdings nur mit Vorsicht zu genießen, denn so mancher Job, der auf der Liste steht, soll gar nicht besetzt werden. Andere, nicht aufgeführte, wiederum werden gesucht. Von den scheinbar strengen Regeln sollte sich der Bewerber nicht abschrecken lassen. Wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, in Neuseeland arbeiten zu wollen, für den gibt es – ganz nach Risikobereitschaft oder Abenteuerlust – verschiedene Wege am Rande der Formalität, die ins Land führen können.

Grundsätzlich gilt: Persönliche Kontakte sind vielleicht noch wichtiger als in Deutschland. Kontakte aufbauen und pflegen gehört zum A und O einer erfolgreichen Bewerbung in Neuseeland. Peter Hahn sagt das so: "In der Regel gilt: ohne Beziehungen und lokale Kenntnisse ist eine Jobsuche meist erfolglos."

Zunächst sollten Interessenten die einschlägigen Internet-Seiten mit Job-Angeboten durchforsten. Sehr empfehlenswert ist die Seite der Tageszeitung "New Zealand Herald" in Auckland, die jeweils mittwochs und samstags viele Stellenangebote hat und kostenlos ist (http://www.nzherald.co.nz). Daneben gib es Job-Seiten wie http://www.nzjobs.co.nz. Allerdings gehört eine gehörige Portion Glück dazu, eine Anzeige zu finden, die auf den Suchenden maßgeschneidert ist. Wer fündig wird, kann sich natürlich von Deutschland aus bewerben - wenn er sich vorher schlau gemacht hat, wie es um den tatsächlichen Bedarf steht. Allerdings wird es schwierig, einen persönlichen Kontakt aufzubauen. Denn wenn der Bewerber nicht vor Ort ist, hilft meist die beste Mappe nichts. Nützlich kann es sein, wenn man die E-Mail-Adresse des zuständigen Sachbearbeiters bekommt. E-Mail-Kommunikation funktioniert in Neuseeland wunderbar. Ein zweite Möglichkeit ist, einen privaten Arbeitsvermittler einzuschalten, natürlich gegen Geld. Die finden sich im Internet oder auf den neuseeländischen "Yellow Pages" unter "Employment Services".

Alles in Allem kommt der Interessent nicht umhin, eine Jobsuche mit einem Urlaub in Neuseeland zu verbinden. Denn so kann er direkt vor Ort auf Jobsuche gehen oder einen Arbeitsvermittler beauftragen, Unternehmen kennen lernen, und Kontakte knüpfen. Es gibt auch Geschichten von erfolgreichen Bewerbern, die über das übliche dreimonatige Touristenvisum bereits mit Hab und Gut nach Neuseeland eingereist sind, und dann über ein "Job-Angebot" eine "Work Permit" bekommen haben. Diese Variante erfordert allerdings auch starke Nerven, einen ausgeprägten Hang zur Risikofreude und viel Geduld. Denn: In Neuseeland arbeitet die Bürokratie auch nicht schneller als in Europa. Mit Ungeduld und Beschwerden kommt man nicht weit – nur mit Geduld und Freundlichkeit! Das gilt auch bei Bewerbungen. Eingangsbestätigungen sind nicht die Regel. Es kann sein, dass der Bewerber über Wochen nichts hört, und dann plötzlich zur Vorstellung eingeladen wird. Die Bewerbung soll nach amerikanischem Vorbild möglichst knapp sein, das heißt der Lebenslauf tabellarisch, nicht mehr als eine Seite, im Anschreiben auf das Unternehmen eingehen. Wichtig: Referenzen können schon mal mehr bringen als "sehr gute" Abschlüsse. Es ist wichtig, dass der Bewerber Beurteilungen von ehemaligen Arbeitgebern vorweisen kann (auf Englisch!). Zeugnisse müssen nur beigelegt werden, wenn das ausdrücklich erwünscht ist. Ein weiterer Tipp: Vor dem Vorstellungsgespräch sollte sich der Bewerber aus Deutschland bewusst machen, dass er in einem Land arbeiten wird, dessen Arbeitsethos sich von dem in Deutschland unterscheidet. Überzogener Ehrgeiz oder zu starke Persönlichkeiten kommen nicht unbedingt an. Sympathie ist wichtig! In Neuseeland leben die Menschen definitiv nicht, um zu arbeiten und reich zu werden! Dennoch haben deutsche Bewerber aufgrund "deutscher Verlässlichkeit", "deutscher Qualität" und "deutscher Genauigkeit" gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Wer nach Neuseeland gehen will, sollte Gespräche mit anderen deutschen Bewerbern führen und sich Tipps einholen. Im Internet gibt es dafür viele Foren.