Es ist wieder Gründerzeit in Deutschland: Menschen, die keine Lust haben, auf einen Arbeitsplatz zu warten, schaffen sich selbst einen, indem sie eine Firma gründen, meist für ungewöhnliche Dienstleistungen. Einen Aufräumdienst für notorische Schlamper etwa oder eine Art Heimservice für die Organisation origineller Kinderpartys. Andere gründen gar eine Versicherungsgesellschaft. So wie Knut Karsten Eicke, der den Anspruch erhebt, die "lustigste Versicherungsgesellschaft der Welt" zu betreiben.

Eickes "Sir Huckleberry Insurance Company" (www.sirhuckleberry.com) verkauft Policen, mit denen "ungenormte Risiken" versichert werden. So kann sich der Kunde bei Eicke gegen die Geburt von Zwillingen oder die Entführung durch Aliens versichern. Diese Spaß-Policen kosten in der Regel einen zweistelligen Eurobetrag und gelten für ein Jahr. Nach Aussage von Eicke sind sie ein beliebtes Geschenk auf Partys und Festen. Denn Eicke geht es weniger um eine seriöse Versicherung als um Humor: "Versicherungen sind ja was Beschissenes, was Dunkles. Es gibt doch kaum etwas, was geringer geschätzt wird. Alle Versicherungsfälle haben etwas Negatives!" Er und sein kleines Unternehmen wollen anders sein, positiv eben, und stets gute Laune verbreiten.

Bald 30 Standard-Policen des Kalibers "Very Very Huckleberry" hat Eickes Firma auf ihrer Homepage im Angebot. Ein unsicherer Bräutigam kann sich dagegen versichern, dass die Braut à la Julia Roberts in letzter Minute nein sagt, wer schon verheiratet ist, kann sich gegen mögliche Untreue des Partners absichern, oder dagegen, dass das Eheglück irgendwann den Bach runter geht. Selbst eine Police gegen den Abstieg des Lieblingsfußballvereins ist im Programm, Handybesitzer können sich gegen Funklöcher versichern und verrückte Teenager gegen das Auseinandergehen ihrer Lieblingsband. Soweit die preisgünstigen Standard-Policen. Teurer sind die individuellen Verträge. Verkauft ein kleiner Optiker Sonnenbrillen mit Sonnenscheingarantie, so kann er sich ebenso an Sir Huckleberry wenden wie der Tourismusverband von Loch Ness: der hat sich dagegen versichert, dass das Ungeheuer jemals gefunden wird.

Die Sir Huckleberry Insurance Company gründete Eicke 1985. Geschäft und Umsatz entwickeln sich "ganz langsam". Nur einmal ist das Geschäft richtiggehend explodiert. Als sich der ehemalige US-Präsident Bill Clinton nach seiner Affäre mit Monica Lewinsky einem Amtsenthebungsverfahren stellen musste, verkaufte Huckleberry in drei Wochen 2000 Policen gegen den möglichen Rücktritt Clintons. "Das war richtig viel Kohle", sagt Eicke ehrfürchtig. Doch auch heute muss er sich mit seinem Geschäft nicht verstecken. Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen mit vier festen und einigen freien Mitarbeitern knapp 50 000 Policen und machte rund 1 Million Euro Umsatz. "Wir können ganz gut davon leben, aber nicht in Saus und Braus", lautet Eickes knapper Kommentar zur Geschäftsentwicklung.

Der ehemalige Börsenspekulant legt wert auf die Feststellung, dass seine Firma eine "richtige Versicherung" ist: "Unsere Verträge sind alle echt!" Die Firma ist eine Versicherungsgesellschaft nach niederländischem Recht und unterliegt staatlicher Aufsicht. Für die eventuellen "Schadensfälle" muss sie Rücklagen bilden wie jede normale Versicherung auch. "Wir gelten als Unternehmen mit guter Zahlungsmoral". Doch es kommt nicht allzu oft zu "Schadensfällen", im Fall der Versicherung gegen eine Entführung durch Aliens etwa wird es den wohl auch nicht so schnell geben. Und wenn doch, dann muss der Entführte erstens wiederkommen und zweitens seinen kurzfristigen Ausflug in die unendlichen Weiten des Weltalls nachweisen.

Potenzial für seine Firma sieht Eicke vor allem bei Geschäftskunden. Firmen könnten doch, so seine Idee, lustige Policen an Stammkunden und an ihre Mitarbeiter verschenken – Incentives auf Huckleberry-Art. "Außerdem planen wir, die Versicherungen auf die USA auszuweiten. Da sehen wir noch Wachstum." Obwohl er schon über 60 Jahre alt ist, denkt Eicke nicht ans Aufhören. Da wird der grauhaarige Spaßvogel fast schon poetisch: "Ich möchte das noch bis ans Lebensende machen. Das macht mich auf eine stille Art glücklich."

Auch wenn dieses Beispiel nicht unbedingt zur Nachahmung empfohlen werden soll, so macht es vielleicht Mut für die eigene Unternehmensgründung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat seine Broschüre "Ich AG und andere Kleingründungen" neu aufgelegt. Dazu gehört auch eine CD-Rom, die folgendes bietet: einen Rechner, der die Entscheidung zwischen Ich AG oder Überbrückungsgeld erleichtert, einen elektronischen Laufzettel für die vorgeschriebenen Behördenbesuche und die dafür notwendigen Unterlagen, Planungsvorlagen (Business-Plan, Kapitalbedarf, Finanzierung) sowie Formulare und Muster etwa für Rechnungen, Mahnungen oder Kassenbuch.