ZEIT_online: Ingenieure sind in Deutschland Mangelware. Da ist die Jobsicherheit vergleichsweise hoch, sollte man meinen. Warum ist es trotzdem wichtig, sich permanent weiterzubilden?

Ihsen: In den Ingenieurwissenschaften ändern sich die betrieblichen Abläufe wahnsinnig schnell. Ingenieure sind Innovationsträger. Das Studienwissen muss deshalb immer wieder aktualisiert werden, sowohl fachlich als auch überfachlich.

ZEIT_online: In welchen Bereichen sollten sich Ingenieure weiterbilden?

Ihsen: Fachlich ist das abhängig von der Branche, der Funktion des Einzelnen und davon, inwieweit das Unternehmen selbst seine Mitarbeiter weiterbildet. Viele Ingenieure steigen auf einer fachlichen Ebene ein und übernehmen dann mehr und mehr Management- Aufgaben. Die brauchen dann Seminare wie Kommunikation, Kundenverständnis, Mitarbeiterführung oder auch Kulturkompetenz. Das sind alles Themen, die während des Studiums oft nur angerissen werden.

ZEIT_online: Wann lohnt sich ein Aufbaustudium, etwa ein Master of Business Administration (MBA)?

Ihsen: Das werde ich oft am Telefon gefragt. Da gibt es aber keine allgemeingültige Antwort. Generell gilt: Ein Aufbaustudium frisst über einen langen Zeitraum hinweg enorm viel physische und psychische Ressourcen. Das geht eigentlich nur in Absprache mit dem Arbeitgeber. Beide Seiten müssen gemeinsam überlegen, inwieweit etwa ein MBA Sinn macht. Der Arbeitnehmer kann aber nicht damit rechnen, mit seinem Wunsch offene Türen einzurennen. Schließlich macht er sich mit einem Aufbaustudium tendenziell für einen künftigen Arbeitgeber interessant. Sein jetziger Arbeitgeber hat ihn schließlich auch ohne MBA eingestellt. In jedem Fall ist der MBA heutzutage eine gute Alternative zu einer Promotion.