Warum hacken alle auf Florian Gerster, Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA) und Bernd Schiphorst, Vorstandsmitglied der Medienberatung WMP Eurocom rum? Weil "die inhaltliche Ausgestaltung des Beratervertrages (...) unzureichend" sei und "konkrete Leistungsinhalte sowie die Dokumentation des Projektcontrollings" fehlten, wie es der Verwaltungsrat der BA bemängelt ? Weil "ein seriöser Kommunikationsberater die Bundesanstalt für Arbeit eindringlich vor einem derartig angreifbaren Vergabeverfahren gewarnt hätte", wie die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung (Degepol) scharf kritisiert?

Hallooo! Der Florian hat doch gesagt, dass der Bernd den "größten Umbau in der Geschichte der Bundesanstalt für Arbeit" kommunikativ begleiten sollte. Das reicht doch! Schließlich war der Bernd mal Präsident und CEO bei Bertelsmann New Media! Und ist Medienberater der Länder Berlin und Brandenburg! Und Präsident des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC Berlin! Da muss man nicht immer alles klein, klein umschreiben, wie es Behörden gerne tun. Da wird gehandelt, nicht geregelt.

Außerdem: wieso stellt die Degepol eine, durch die WMP verschuldete, "Kommunikationskrise" des Arbeitsamtes fest? Der Bernd hat jetzt schon seinen Vertrag voll erfüllt, obwohl er früher als vereinbart die Zusammenarbeit mit dem Florian freiwillig beendet. Schon mal innerhalb der letzten Wochen in die Zeitung geguckt? Alles voll mit dem Florian seiner Bundesanstalt für Arbeit. Und das ist nun wirklich PR nach Maß.

Zudem weiß nun jeder, dass der Florian der Chef der BA und dynamisch und fleißig ist - 1,3 Millionen Euro für einen Beratervertrag sind Peanuts angesichts der großen Aufgaben, die vor ihm liegen. Wer das immer noch nicht kapiert hat, der konnte von Florian hören: "Wer viel arbeitet, macht auch mal Fehler." Zu guter Letzt ist nun jedem bekannt, auch den Mitarbeitern der BA, an denen das bis dato vielleicht vorbei gegangen war, dass der Florian den "größten Umbau in der Geschichte der Bundesanstalt für Arbeit" vorantreibt - also ein ähnliches Projekt hat, wie der Hartmut (Mehdorn) von der Deutschen Bahn.

Bei Medienberatung auf diesem Niveau geht es um mehr, als nur darum, ein paar Broschüren zu drucken und akribisch Haken auf seiner To do-Liste zu machen: Es geht um Kommunikation und zwar auf ALLER höchster Ebene. Der Florian ist schließlich Chef. Er braucht jemanden wie den Bernd, jemanden in Augenhöhe, der ihm nicht nur hilft, zu kommunizieren, sondern sich mit Wirtschaft, Medien und Politik zu vernetzten. Also mit anderen wichtigen Entscheidern. Die ihm zum Beispiel den Rücken stärken, wenn es mal hart auf hart kommt. Das nennt sich dann "Public Affairs" (Öffentliche Skandale). Und zufällig genau darauf haben sich die Medienberater von WMP Eurocom spezialisiert.

Offenbar haben die Bürokraten aus dem Verwaltungsrat und dem Bundesrechnungshof nicht richtig hingeschaut, wer da so alles in der Medienberatung die Fäden zieht: Der Hans-Erich (Bilges), Ex-BILD-Chefredaktionsmitglied und der Hans-Hermann (Tiedje), Ex-Chefredakteur von "Bild" und "Bunte" und 1998 Berater vom Bundeskanzler Helmut (Kohl). Im Aufsichtsrat sitzen übrigens der Roland (Berger), von der Unternehmensberatung Roland Berger und der Hans-Dietrich (Genscher), Ex-Außenminister. Aber das nur so nebenbei.

Und dass WMP von seiner PR-Arbeit selber profitiert, weil sie nun JEDER kennt, nicht nur Branchenprofis, ist doch nur recht und billig. Medienberatung, wenn sie gut funktioniert, ist immer auch eine win-win-Situation für beide Seiten, dem Berater und dem Ratsuchenden. Das war schließlich auch vor einem Jahr beim Rudolf (Scharping) und Moritz (Hunzinger) so. Gut, der Rudolf musste wegen seiner Kontakte zu dem PR-Profi seinen Job als Verteidigungsminister aufgeben, aber das war ihm eh zu langweilig, wurde vielerorts vermutet. Und dem Moritz seiner Beratungsfirma "Hunzinger Information" geht es nach wie vor gut und JEDER kennt sie heute.