Wir werden alle sterben. Auf welche Art das sein wird, darüber hat sich der Philosoph Nick Bostrom, derzeit an der Universität Oxford tätig, Gedanken gemacht. Der Schwede hat eine Liste zusammengestellt mit den Bedrohungen, die unsere Zivilisation auslöschen könnten. Ganz oben auf seiner Liste - noch vor dem atomaren Supergau - steht folgendes Katastrophenszenario: Terroristen lassen Schwärme von winzigen Nanorobotern frei, die auf der Erde alles kurz und klein fressen und jegliches intelligente Leben ausrotten. Bestsellerautor Michael Crichton ("Jurassic Park") hat diese Horrorvision bereits öffentlichkeitswirksam in seinem jüngsten Roman "Beute" verarbeitet und damit eine Diskussion um die Gefahren der Nanotechnologie angestoßen.

Im selben Maße wie die Nanotechnologie existentielle Ängste weckt, sorgt sie auch für ökonomische Hoffnung: "Gegenwärtig verfügt keine andere Technologie über mehr Potenzial als die Nanotechnologie", sagt Marco Beckmann, Experte für Nanotechnologie und Investment. Sein Buch "Profitieren von der Nanotechnologie" war das erfolgreichste deutschsprachige Fachbuch zum Thema im vergangenen Jahr. "Die Nanotechnologie wird nicht nur bestehende Produkte und Verfahren perfektionieren, sondern auch neue Produkte mit Eigenschaften ermöglichen, von denen wir bislang nur träumen konnten."

Von Nano spricht man in Dimensionen von unter 1000 Nanometern; ein Nanometer ist ein Millionstel von einem Millimeter. Zum Vergleich: Ein Nanoteilchen verhält sich zu einem Fußball in etwa so wie der Fußball zur Erdkugel. In der Nanowelt verschmelzen die Grenzen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen: "In Größenbereichen von wenigen Atomen, sprechen Chemiker, Physiker und Biologen dieselbe Sprache", sagt Jochen Dreßen vom Verband Deutscher Ingenieure (VDI).

Schon heute wird mit nanotechnologischen Anwendungen Geld verdient. Ein Beispiel: 20 Nanometer kleine Zinkoxid- und Titanium-Teilchen werden mit der Sonnencreme für das menschliche Auge unsichtbar auf der Haut verteilt. Sie reflektieren das Sonnenlicht und schützen den Menschen vor Sonnenbrand. Nanotechnologie verbessert auch die Leseköpfe der Festplatten in modernen PCs. "Es gibt schon heute viele Unternehmen, die erfolgreich tätig sind", sagt Matthias Werner von der Deutschen Bank. Er analysiert mit seinem Team die wirtschaftliche Verwertbarkeit neuer Technologien, unter anderem auch im Nanobereich. Sowohl große Unternehmen wie BASF, Degussa oder Infineon als auch kleine Start-Ups und Universitätsausgründungen sind auf dem Markt tätig. Weltweit werden in diesem Jahr rund 100 Milliarden Euro mit Produkten umgesetzt, die mit Nanotechnologie zu tun haben. Schätzungen der amerikanischen Regierungseinrichtung National Science Foundation (NSF) gehen davon aus, dass im Jahr 2015 bereits 1 Billion Dollar Umsatz mit Nanotechnik erzielt werden kann.

Für Matthias Werner ist das Kaffeesatzleserei. "Gerade bei neuen Technologien lassen sich die Entwicklungen über so lange Zeiträume hinweg nur schwer vorhersagen", sagt Werner. In den kommenden Jahren erwartet er für die Nanotechnologie ein langsames aber stetiges Wachstum. Besonders wichtig werde die Nanotechnologie künftig in den Bereichen Materialien, Elektronik, Biotechnologie und Medizin.

"Nanotechnologie hat einen sehr breiten Anwendungsbereich", sagt Dreßen vom VDI. "Fördert man die Forschung im Bereich Nanotechnologie, stärkt das den Standort Deutschland insgesamt". Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, zum Beispiel auch die der Autoindustrie, werde durch Innovationen auf dem Gebiet der Nanotechnologie verbessert.

Auch im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ist man von der Nanotechnologie als Konjunkturmotor überzeugt. Neben der Biotechnologie ist Nanotechnologie der zweite strategisch wichtige Bereich in der Forschungsförderung des BMBF. In diesem Jahr fließen rund 200 Millionen Euro Fördergeld an Projekte und Institute, die sich mit Nanoforschung beschäftigen - Arbeit durch Innovation lautet das Motto. "Deutschland braucht im globalen Wirtschaftswettkampf innovative Ideen, mit Steinkohlesubventionen kommt man nicht weit", sagt Florian Ludwig vom BMBF.