Da staunt der ChefDas Mitarbeitergespräch ist kein Small Talk

Ein regelmäßiges Gespräch zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gehört dazu. Was es für ein erfolgreiches Gespräch zu beachten gilt, erklärt die Kolumne zum Arbeitsrecht von 

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

Ich habe in vier Wochen mein erstes Mitarbeitergespräch mit meinem Chef. Muss ich mich auf ein Krisengespräch einstellen?,
fragt Gina Fischer


Sehr geehrte Frau Fischer,

Mitarbeitergespräche sind ein wichtiges Personalinstrument und dienen unter anderem der Mitarbeitermotivation. Im besten Fall zieht Ihr Vorgesetzter einmal jährlich mit Ihnen gemeinsam "Bilanz". Bei diesem Vier-Augen-Gespräch werden Ihre Leistungen und Entwicklungsmöglichkeiten besprochen sowie neue Ziele festgelegt. Wenn Ihr Chef sein Handwerk versteht, motiviert und fördert er Sie mit diesem Gespräch. Aber: Es kann auch anders ausgehen.

In dem Gespräch wird Ihr Chef auf ihre menschlichen und fachlichen Fähigkeiten eingehen. Außerdem wird er für Sie individuelle Ziele definieren sowie Ihre vergangenen Leistungen bewerten und honorieren. Sie sollten darauf achten, dass etwaige Zielvereinbarungen schriftlich festgehalten werden. Auch sollten die verbindlichen Absprachen einen exakt festgelegten Zeitraum enthalten.

Als Ziele eignen sich sogenannte weiche – neudeutsch softe – wie auch harte Faktoren. Sie sollten in einem vernünftigen Verhältnis stehen und vor allem auch erreichbar sein. Die berühmte nicht erreichbare "Bockwurst vor der Nase" motiviert nämlich nicht. Weiche Faktoren können Vereinbarungen über notwendige Veränderungen am Arbeitsplatz oder auch Weiterbildungsmaßnahmen sein. Auch hier sollten Sie darauf achten, dass diese möglichst klar umrissen sind. Harte Faktoren sind etwa konkrete Umsatzsteigerungen, Stückziele oder verringerte Ausschussquoten.

Nicht selten koppeln Arbeitgeber das Erreichen der Ziele an die Zahlung von Entgeltbestandteilen wie Boni, Prämien oder Vergütungsbausteinen. Es ist dabei zulässig, dass Ihr Arbeitgeber diese Bestandteile variabel gestaltet. Das heißt, die Höhe der Zahlungen vom Grad der Zielerrechung abhängig macht oder sie auch mit dem Erreichen von gemeinsamen Gruppen- oder gar Unternehmenszielen verbindet.

Verfügt der Betrieb, in dem Sie arbeiten, über einen Betriebsrat, ist es ratsam, sich bei ihm zu erkundigen, ob Betriebsvereinbarungen hierzu bestehen. Auch hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht bei Entlohnungsgrundsätzen, Leistungskontrollen und Beurteilungsgrundsätzen.

Sie sollten sich auf Ihr Mitarbeitergespräch gut vorbereiten und sich selbst vorab Ziele stecken. Diese können Sie dann aktiv vorstellen, ohne dass Sie abwarten, was Ihr Arbeitgeber anbietet. Zur Vorbereitung gehört auch ein Rückblick auf den Zeitraum seit dem letzten Gespräch und eine Selbsteinschätzung im Hinblick auf die zuletzt vereinbarten Ziele und Aufgaben. Da es Ihr erstes Gespräch ist, bezieht sich Ihr Rückblick auf Ihre Leistung seit Ihrer Betriebszugehörigkeit.

Wichtig: Sie sollten auch die Rahmenbedingungen klären, unter denen Sie Ihre Ziele erreichen sollen. Dazu zählt auch, welche Möglichkeiten Sie zur Zielkorrektur haben, wenn sich zum Beispiel Ihre Rahmenbedingungen ändern.

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Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Aber bekanntermaßen läuft es heutzutage anders. Wer zu alt ist und zu wenig leistet, bei dem vermuteten die Arbeitgeber aufgrund einer VermutungsVermutung "einen Kassenbon, eine Bulette oder Maultaschen".

    Dann klappt es auch mir der Kündiung,
    weil das Vertrauensverhältnis gestört ist.

    Üblicherweise wird heutzutage mit Sprüchen wie:

    "Ich glaube Sie wären bei der Konkurrenz besser aufgehoben"

    oder ähnliches motiviert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Arimus
    • 10. September 2010 14:08 Uhr

    Diese Sprüche hören wir jetzt auch hier in Berlin bei einem großen Schokoladenhersteller, ursprünglich einmal ein Familienbetrieb, wo die Mitarbeiter stolz waren, dort arbeiten zu dürfen, doch mit der neuen Geschäftsführung (kommt vom Wettbewerber) zählt nur noch die Rendite. Da kommen dann Sprüche, wie: "Wer will aber nicht kann, den nehme ich noch eine zeitlang an die Hand." Aber. "Wer nicht will aber kann, der fliegt hier raus." Tolle Kultur die nun hier einzieht.

    • Arimus
    • 10. September 2010 14:08 Uhr

    Diese Sprüche hören wir jetzt auch hier in Berlin bei einem großen Schokoladenhersteller, ursprünglich einmal ein Familienbetrieb, wo die Mitarbeiter stolz waren, dort arbeiten zu dürfen, doch mit der neuen Geschäftsführung (kommt vom Wettbewerber) zählt nur noch die Rendite. Da kommen dann Sprüche, wie: "Wer will aber nicht kann, den nehme ich noch eine zeitlang an die Hand." Aber. "Wer nicht will aber kann, der fliegt hier raus." Tolle Kultur die nun hier einzieht.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitgeber | Betriebsrat | Chef | Gespräch | Handwerk
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