Da staunt der ChefDer genehmigte Urlaub ist unwiderruflich

Hat der Chef den freien Tagen erst einmal zugestimmt, darf er diese nicht wieder verbieten. Wie sich Arbeitnehmer verhalten, erklärt die Kolumne zum Arbeitsrecht von 

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase


Ich habe Probleme mit meinem Arbeitgeber, der mir meinen bereits genehmigten Urlaub nicht mehr gestatten möchte, weil ich länger krank war. Er meint, jetzt wären meine Kollegen erst mal dran, denn die konnten ja nicht in den Urlaub fahren, weil sie meine Arbeit machen mussten. Was soll ich tun?, fragt Guido Belzmann

Sehr geehrter Herr Belzmann,

generell gilt: Haben Arbeitgeber den Urlaub genehmigt, ist dieser unwiderruflich. Dies gilt allerdings auch umgekehrt: Ein einmal festgelegter Urlaub ist auch nicht durch den Mitarbeiter rückgängig zu machen. Nachträgliche Änderungen sind nur möglich, wenn beide Parteien das vereinbaren. Hintergrund ist, dass mit der unwiderruflichen Freistellung der Arbeitnehmer in die Lage versetzt wird, seinen Urlaub uneingeschränkt nutzen zu können. Demzufolge muss ein Mitarbeiter seinem Chef auch nicht die Urlaubsanschrift mitteilen.

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Treten im Nachhinein aber betriebliche Interessen auf, die so wichtig für das Unternehmen sind, dass der Arbeitgeber den Urlaub rückgängig machen möchte, muss der Mitarbeiter einer Aufhebung zustimmen. Der Arbeitgeber kann nicht einseitig bestimmen, dass sein Mitarbeiter nun doch keinen Urlaub nehmen darf. Wenn der Arbeitnehmer also nicht mitspielt, müsste der Chef sogar eine einstweilige Verfügung erwirken.

Es gibt aber Ausnahmen: In besonderen heftigen Fällen – beispielsweise einer Katastrophe oder der plötzliche Ausfall einer größeren Anzahl von Mitarbeitern, durch den die Produktion generell gefährdet wäre – darf der Chef den Urlaub seines Mitarbeiters ohne ausdrückliche Vereinbarung verlegen. Das Gleiche gilt auch für einen etwaigen Rückruf des Mitarbeiters aus dem bereits angetretenen Urlaub. Entsprechende Kosten muss der Arbeitgeber allerdings tragen.

Nun aber zu Ihrem Fall: Ihr Arbeitgeber darf sie nicht verpflichten, Ihren bereits festgelegten Urlaub zu verschieben, weil Sie krank waren. Sie können wie geplant Ihren Urlaub antreten. Falls Ihr Chef Ihnen mit Sanktionen droht, sollten Sie sich einen Rechtsbeistand suchen und dagegen vorgehen.

Ihr Ulf Weigelt

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    • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
    • Quelle ZEIT ONLINE
    • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Chef | Katastrophe | Produktion
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