Ach ja, die Alpha-Mädchen, diese Krisenkinder. Die jungen Frauen sollten ja schon vieles sein. Vielleicht ist ja der Begriff "Generation K" die Zustandsbeschreibung der jungen Frauen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren ganz treffend? Fangen doch alle Schlagworte, die für diese Generation verwendet werden, mit dem Buchstaben K an: Sie wollen keine Kompromisse, sie wollen alles: Kinder, Karriere und die Krise meistern. Und sie sind politischer, als ihnen nachgesagt wird, weil sie ihre geschlechtsspezifische Benachteiligung reflektieren.

Zu diesen Ergebnissen kommt das Update der Studie "Frauen auf dem Sprung", die das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit dem infas Institut für Sozialwissenschaften im Auftrag der Frauenzeitschrift BRIGITTE durchgeführt hat. "Der Blick auf diese junge Frauengeneration zeigt uns die Gesellschaft, auf die wir zusteuern", behauptet WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger.

Gemeinsam mit ihrem Team hat sie dieselben 1020 Frauen im Alter zwischen 19 und 31 Jahren nach ihren Lebensvorstellungen und Lebenssituationen interviewt, die schon vor 18 Monaten in der gleichnamigen Vorgängerstudie zu ihren Lebensentwürfen und Lebenssituationen befragt wurden. Damals hatte sich gezeigt, dass die jungen Frauen selbstbewusster als ihre Müttergeneration sind – besonders was ihre Karriereambitionen angeht.

Doch zum Zeitpunkt der Befragung, Ende 2007, sah die Welt noch anders aus. Durch die Wirtschaftskrise haben sich die Berufschancen für die am besten ausgebildete Frauengeneration in Deutschland deutlich verschlechtert. Frauen sind besonders häufig von prekärer Beschäftigung und Teilzeitarbeit betroffen – in Krisenzeiten sind diese Jobs noch unsicherer. Eigentlich hätten die Soziologinnen einen Rückzug der Frauen in konservative Lebensmodelle zugunsten der Männer erwartet. Krisenzeiten bedingen einen solchen sogenannten Periodeneffekt. Doch das ist keineswegs der Fall. Die Frauen sind nicht bereit, sich auf die Familie zurückzuziehen und statt von eigener Erwerbsarbeit von männlicher oder staatlicher Unterstützung zu leben, erklären die Soziologinnen. Nicht einmal die Frauen, die zwischen den Befragungen Kinder bekommen haben, wollen eine Entweder-oder-Entscheidung treffen. Sie wollen beides – Beruf und Familie. "Diese Frauen machen keinen Rückzieher, im Gegenteil, sie bekräftigen noch selbstbewusster, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen", sagt die Soziologin. "Die Frauen sind die Gewinnerinnen der Krise", lautet das Urteil von Jutta Allmendinger. 

So erstaunt auch nicht, dass nur 17 Prozent der befragten Frauen bereit wären, für einen Partner den Job zu wechseln. 2007 waren es noch 37 Prozent. Herausstechend ist also die Leistungsbereitschaft.

Die zeigt sich auch in der starken Karriereaspiration der jungen Frauengeneration. Die Alpha-Mädchen haben es auf die Chefsessel abgesehen: "Unverändert hoch ist die Zahl der Frauen, die eine Führungsposition anstreben", sagt Jutta Allmendinger. Das seien immerhin 35 Prozent der befragten jungen Frauen – wobei hier sicherlich zu beachten ist, dass ein Großteil von ihnen auch in Frauendomänen arbeitet. "Diesen Frauen ist aber die Lohndiskriminierung sehr bewusst. Sie wollen gleichen Lohn für vergleichbare Arbeit", verdeutlicht die Soziologin. Warum sollte ein Maschinenführer mehr verdienen als eine Frau in einem sozialen Beruf, in dem sie Verantwortung für Menschen hat? Das sieht die Generation Alpha-Mädchen nicht ein.