Gleichberechtigung : Gemischtes Doppel für Unternehmen

Gleich viele Männer und Frauen in die Kontrollgremien der Wirtschaft – das fordert der Verein Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR). Die Forderung ist wirtschaftlich sinnvoll

Seit drei Jahren setzt sich die Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) für eine Erhöhung des Frauenanteils in der Wirtschaft ein. Rund 70 Mitglieder hat der Verein mittlerweile. "70 Mitglieder ist nicht so viel, aber es kommt auf die richtigen Frauen und Männer an", sagt Monika Schulz-Strelow, Präsidentin der Initiative und lacht. Die richtigen Männer und Frauen – das sind hochkarätige Vertreter aus der Wirtschaft, Manager und Managerinnen, Aufsichtsräte und Vorstände von Unternehmen mit Sitz in Deutschland.

Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Frauen in den Aufsichtsgremien der Dax- und MDax-Unternehmen zu verbessern – und das ist auch dringend notwendig. Lediglich 3,7 Prozent der Posten auf Seiten der Anteilseigner sind mit einer Frau besetzt. Selbst wenn man die von Arbeitnehmerseite besetzten Aufsichtsratspositionen mit einbezieht, liegt Deutschland mit einem Frauenanteil von insgesamt 10,8 Prozent allenfalls im europäischen Mittelfeld. Zahlreiche Studien belegen, dass Unternehmen, in deren Führungsspitze mehr Frauen sind, auch wirtschaftlich erfolgreicher sind und zudem ein besseres Image genießen. Erst kürzlich veranstaltete FidAR in Berlin eine international besuchte Tagung zu diesem Thema.

"Es handelt sich um eine so offensichtliche Diskriminierung. Aber das Fehlen der Frauen im Management wurde sehr lange Zeit nicht thematisiert", sagt Monika Schulz-Strelow. Die Unternehmerin, die viele Jahre Geschäftsführerin einer Tochtergesellschaft der IHK Berlin war, wusste aus ihrem eigenen Karriereweg um die Schwierigkeiten, die Frauen begegnen, streben sie einen Posten in einem Kontrollgremium an. "Ich war immer die einzige Frau in Männergremien. Für mich war es selbstverständlich, dass Frauen in Führungspositionen gehören. Aber ich habe auch immer geglaubt, dass das irgendwann von alleine kommt", erzählt die Unternehmerin. Auch für sich selbst.

Als sie ihr Unternehmen umstrukturieren musste, machte sie jedoch eine andere Erfahrung. "Ich habe mich um alle Mitarbeiter gekümmert und gedacht, dass ich nicht kommunizieren muss, was ich für mich möchte. Ich dachte: Die sehen doch, dass ich gut bin", sagt sie. Der erhoffte Karrieresprung erfolgte nicht wie gedacht. Eine Erfahrung, die die Wirtschaftsfrau nachdenklich machte und politisierte.

Als Feministin würde sich Schulz-Strelow jedoch nicht bezeichnen. Man muss vor allem wirtschaftlich argumentieren, sagt sie. Ja, es geht um gleichberechtigte Teilhabe – die ist vor allem gut für ein Unternehmen, weil es flexibler wird und das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil", erklärt die Unternehmerin.

Schulz-Strelow fand Mitstreiterinnen in der Wirtschaft und in der Politik. Ende 2006 erfolgte die Vereinsgründung. "Wir wussten: Wenn wir uns ein einzelnes Thema wie Frauen in Aufsichtsräte nehmen, gelingt eine gezielte Ansprache viel besser. Und wir haben uns auch vorgenommen, dass wir uns auflösen, sobald die paritätische Besetzung aller Kontrollgremien erreicht ist", erzählt sie.

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Kommentare

32 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Per FidAR gehts nicht!

Bitte sehr! Dann sollten sich die BefürworterInnen sich aber endgültig von dem Begriff Demokratie verabschieden und sich offen zum Rätesystem bekennen. In ihm werden Gleichberechtigung und Kompetenz mit ausgeglichenen Zahlenverhältnissen gleichgesetzt. Fähigkeit zum indiviuellen Personalmanagement wird den Unternehmen und ihren Anteilseignern nicht zugetraut... ein Modell, welches, wie ich meine, schon vor einem Jahrhundert gescheitert ist.

Im übrigen halte ich es nicht für die Aufgabe einer seriösen Wochenzeitung (im Übrigen weise ich der ZEIT diesen Rang zu), regelmäßig für einen 70-Leute-Verein Werbung und Lobbyarbeit zu betreiben.

Warum eigentlich nicht ?!

Nun, die Räterepublik wurde blutig niedergeschlagen, vielleicht wäre es mal an der Zeit einen neuen Weg zu gehen?!
Bei Deutschland von einer Demokratie zu reden mag ja stimmen, aber es schmerzt doch sehr.
Mittlerweile haben wir viel mit Bananenrepubliken gemeinsam!

Im übrigen möchte ich noch auf die kleinen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinweisen...
...nicht vergessen, Frauen und Männer sind politisch gleichgemacht (an dieser Stelle ein herrliches Wort) worden!
Das ist auch gut, aber der Natur hat zwei Geschlechter geschaffen, damit sie sich ergänzen!!!
Wer welche Rolle spielt muss individuell entschieden werden,
- nur haltet die Frauen weg von den Waffen, am besten indem man den Krieg ganz abschafft!

Unternehmen

Es ist absolut richtig, dass Unternehmen mit einem guten Frauenanteil im Management viel flexibler auf die Herausforderungen (z.B. Kriesen) reagieren können. Frauen bringen eine andere Perspektive mit, sehen andere Wege und Lösungen. Angeblich sind durch so eine kreative Mischung Umsatzsteigerungen über 20% möglich.
Auf der anderen Seite investiert jeder Unternehmer sein eigenes Geld und trägt ganz allein das unternehmerische Risiko. Deswegen sollten ihm alle Freiheitsgrade gelassen werden. Jede Bevormundung (z.B. durch eine Frauenquote) ist sehr gefährlich und fahrlässig.
Ich kann den Frauen nur zu (noch etwas mehr) Geduld raten. Es wird sich schon bald von alleine herumsprechen, dass ein gemischtes Führungsteam große Optimierungschancen mit sich bringt. Mit der Brechstange kann man das nicht erreichen, das schafft nur kontraproduktive Mauern und Cliquen im Team.

Zur Zielsetzung: "Mehr Frauen in Fuehrungspositionen" - ja bitte!

Nur bei der Umsetzung mit Hilfe von Quoten sehe ich immer ein gewaltiges Problem. Die Gruende dafuer, dass weniger Frauen in Fuehrungspositionen zu finden sind, lassen sich ja nun weiss Gott nicht nur auf Maenner-Gekluengel und Frauen-Unterdrueckung zurueckfuehren. Nicht, dass es derlei Probleme nicht gaebe, aber sie sind nicht das einzige Problem.

Viele Frauen haben oft einfach weniger Interesse an Fuehrungspositionen als Maenner. Nein, natuerlich nicht alle Frauen. Aber viele. Jeder, der das als eine Macho-Haltung hinstellen will, mache vorher bitte einmal eine Umfrage in seinem persoenlichen weiblichen Bekanntenkreis.

Ich kenne mich ein wenig im Universitaetswesen aus, wo man auch schon seit vielen Jahren einen hoeheren Professorinnen-Anteil anstrebt. Und auch hier finde ich diese Zielsetzung hervorragend. Aber Tatsache ist auch, dass sich viele Frauen gegen eine unsichere, mit hohem Zeiteinsatz (und damit oft Familienplanung entgegenlaufende)Laufbahn entscheiden. Soll man sie zwingen zu bleiben? Soll man Quotenregelungen schaffen, nach denen die kleinere Anzahl der verbliebenen Frauen alle - ungeachtet ihrer Qualifikation - in Fuehrungspositionen gepusht wird? Ich denke, nein.

Man koennte nun sagen: Man sollte Anreize fuer Frauen schaffen, die Arbeit in Fuehrungspositionen in Einklang bringen mit ihren Familienwuenschen. Betriebskindergaerten, Teilzeitarbeit und flexible Arbeitszeiten waeren da zu nennen. Ausser dem ersten zwar schwierig in Verbindung mit Fuehrungspositionen, aber machbar.
Diesem Vorschlag wuerde ich zunaechst zustimmen, aber "Gleichberechtigung" konsequent zu Ende gedacht, muesste dann auch maennlichem Anwaertern auf Fuehrungspositionen dieselben Hilfestellungen anbieten. Also ebenfalls fuer sie Kindergartenangebote, Teilzeitarbeit, Recht auf laengeren Vaterschaftsurlaub.

Ich denke, dass Deutschland in dieser Hinsicht noch viel zu tun hat. Aber Quotenregelungen wuerde ich tunlichst vermeiden. Wie sagte doch einmal eine Professorin zu mir (sinngemaess):

"Der Wunsch nach Gleichstellung der Frauen legt mir hier an der Uni organisatorisch noch mehr Steine in den Weg: Jedes Entscheidungsgremium muss einen gewissen Frauenanteil haben und weil es wenige Frauen gibt, gehoere ich immer dazu. Dadurch habe ich weniger Zeit fuer meine uebrigen Arbeiten als meine maennlichen Kollegen!"