Frauen in Führungspositionen : "Die Männer sind die Hüter der gläsernen Decke"

Nur wenige Frauen gelangen in Top-Positionen. Der Soziologe Carsten Wippermann erklärt im Interview, wie die Männerwelt die Konkurrentinnen systematisch abriegelt.

ZEIT ONLINE: Herr Wippermann, Sie haben in den vergangenen Wochen die Funktion und Wirkung der gläsernen Decke untersucht. Sind Sie jetzt ein anderer Mann?

Carsten Wippermann : (lacht) Ich hoffe, meine Frau, die gemeinsam mit mir an der Studie gearbeitet hat, sieht das nicht so. Vor allem unsere beiden Töchter können nichts mehr von der gläsernen Decke hören. Aber ich denke, das ändert sich auch wieder.

ZEIT ONLINE: Sie haben drei Mentalitätsmuster bei Männern im Management ausgemacht, die wie eine dreifache Schranke gegen Frauen wirken. Hat Sie das erstaunt?

Wippermann: Es gab gleich mehrere Ergebnisse, die uns überrascht haben. Zum einen sprachen die von uns befragten Männer sehr positiv über Frauen. Auf der Einstellungsebene haben diese Manager eine große Sympathie für Frauen in Führungspositionen. Aber man kann dies leicht als gender political correctness entlarven, wenn man in die Tiefe geht.

ZEIT ONLINE: Sie haben in einem ersten Schritt über 500 Männer und Frauen in Führungspositionen bei privatwirtschaftlichen Unternehmen in Deutschland befragt – und anschließend mit 30 Männern Tiefeninterviews geführt. Wussten die Befragten, worum es in der Studie geht?

Wippermann: Nein, wir haben das genaue Thema und den Auftraggeber nicht genannt. Es wäre sonst zu einem Antwortverhalten entsprechend der sozialen Erwünschtheit gekommen. Wir haben den Befragten aber mitgeteilt, dass es um Männer und Frauen in Führungspositionen geht. Auch haben wir absolute Diskretion zusagt. Anders kann man solche narrativen Tiefeninterviews nicht machen.

ZEIT ONLINE: Wie lief die Befragung ab?

Wippermann: Wir hatten einen Untersuchungszeitraum von acht Wochen. Die Manager wurden von Männern befragt, die Interviews wurden aufgezeichnet und hinterher transkribiert. Beim Lesen der Transkripte haben wir in mixed teams gearbeitet. Derjenige, der das Interview geführt hatte, brachte eine tiefe Nähe mit – der Teampartner brachte mit seiner Distanz eine andere Perspektive ein. Es war erstaunlich zu sehen, dass die Interviewer die Aussagen der Manager verteidigt haben. Der Prozess der Auswertung war für uns hoch spannend.

ZEIT ONLINE: Spannend sind die Ergebnisse. Sie machen aus, dass bei Männern in Führungspositionen nur oberflächlich eine Offenheit für Frauen besteht. Aber unter der Oberfläche schlummern Chauvinisten, die lieber unter sich selbst bleiben wollen?

Wippermann: So drastisch würden wir das nicht ausdrücken. Aber Sie haben Recht. Wir haben ausgemacht, dass latent drei verschiedene Mentalitätsmuster mit ihrer je eigenen Logik laufen, die schwer zu enthebeln sind. Wird Frauen der Zugang zu Posten in Kontrollgremien geboten, schließen sich gleich wieder andere Türen. Die dominierenden Mentalitätsmuster wirken wie ein mehrfach abgeriegeltes System.

ZEIT ONLINE: Das müssen Sie genauer erläutern. Wie funktioniert das?

Wippermann: Alle 30 von uns befragten Manager konnte man einem Typus zuordnen. Der eine ist sehr konservativ. Bei ihm kann man eine kulturelle und funktionale Ablehnung von Frauen qua Geschlecht ausmachen. Zitate aus den Interviews sind: Frauen seien eine Irritation im inner circle und unerwünscht im Vorstand. Der andere Typus hat eine emanzipierte Grundhaltung und geht davon aus, dass Frauen chancenlos gegen die Machtrituale seien. Das Topmanagement verlangt Härte und das steht im Widerspruch zum Frauenbild in unserer Gesellschaft. Es fielen Formulierungen wie: Ein Vorstandsposten ist eine andere Sportart – und Frauen hätten nicht die Härte dafür. Frauen, die entsprechend auftreten, wirken dann nicht mehr authentisch – und für diesen Typus ist aber Authentizität ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor. Der dritte Typus zeigt einen radikalen Individualismus. Diese Männer sagen, dass das Geschlecht eigentlich keine Rolle dabei spielt, wenn es um die Besetzung einer Führungsposition geht. Aber es gebe nicht genügend Frauen, die authentisch und flexibel genug dafür seien. Alle drei Haltungen kommen in einem Unternehmen vor. Das heißt: Erfüllt eine Frau eine der genannten Anforderungen, steht sie damit im Widerspruch zu den anderen beiden. Die gläserne Decke ist also dreifach gesichert.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Ich bin - wie imer- unterwältigt

Täusche ich mich, oder wird hier wieder einmal eine Korrelation als Kausalität verkauft?
Ist denn die festgestellte Meinung wirklich die Ursache für den Mangel an Frauen in Führungspositionen? Oder ist es vielmehr andersherum, dass nämlich die befragten Männer ihre Einstellung gewonnen haben, weil sie so wenige Frauen in Führungspositionen sehen?
Und überhaupt, wie verhält sich eigentlich der Frauenanteil in Führungspositionen zum Frauenanteil unter den entsprechend qualifizierten Menschen im passenden Alter? Ist da wirklich ein Mangel zu verzeichnen oder - nicht ganz undenkbar - haben vor 30 Jahren tatsächlich noch zu wenige Frauen den Weg in die Führungsetagen eingeschlagen, z.B. durch ein Studium?

Empirische Forschung

Sehr interessant,

man fragt Männer nach ihrer Einstellung zu Frauen (also einer Gruppe) und stellt dann erstaunt fest, dass diese Gruppe mit Verallgemeinerungen beschrieben wird. Dabei ist die Verallgemeinerung die Voraussetzung um eine Gruppe beschreiben zu können.
Mehr noch man fragt Männer nach den Gründen, warum Frauen in Führungsetagen weniger stark vertreten sind, und diese versuchen Kausal zu argumentieren. Die Antworten fasst man in Kategorien zusammen und stellt fest, dass die Erklärungen der Männer falsch und Vorurteile sein (unabhängig von der Meinung), um dann zu behaupten das dies den Mangel an Frauen in der Führungsetage auslöst. Also nicht die Krankheit ist schuld für das Symptom, sondern die (mitunter) falsche Diagnose medizinischer Laien. Hat eigentlich jemand untersucht ob die von Männern beschriebenen Verhaltensmuster ein Körnchen Wahrheit beinhalten?

Klingt nach einer Studie, die genau das Ergebnis hat, das gewünscht ist. Das Drama empirischer Forschung....

Die Studie sagt doch überhaupt gar nichts aus!!!

Ja, die Frauen sind ja auch so toll. Wie läuft es denn in Fraubenberufen, kommt hier ein Mann rein als Erzieher oder Kindergärtner in Führungspositionen, hier läuft es nämlich genau so ab wie in der Studie und das ist Frau nicht anders. Männer sollen aus den Frauenberufen rausgehalten werden und in Männerberufen sollte das für Frauen umgekehrt nicht gelten. Frauen sind auch nicht besser von der Leistung. Auch nicht in der Schule oder Studium, sie werden nur besser bewertet bei gleicher Leistung, sonst gar nichts. Und das was Professorinen bringen, kann in der Regel an die Leistung eines Professors nicht ranreichen, ich hatte noch keine weibliche Lehrerin, die einigermaßen überzeugen konnte.

Endlich kommt von Tina Groll mal ein Beitrag in dem sie nicht nur einen Mann zu Wort kommen lässt, sondern der auch konkret und objektiv auf die Probleme eingeht.

Etwas das die Studie auch zeigt ist übrigens: Männer haben nichts gegen Frauen in der Führung, sie haben etwas gegen die falschen Frauen in der Führung. Falsch bedeutet hier das es eine Person ist, die auf Grund ihrer Eigenschaften nicht zur Gruppe passt.

Hier benötigt es eingehende Sensibilisierung auf beiden Seiten. Vor allem benötigt es Kurse für Männer die ihnen verständlich machen wie sich Frauen verhalten, warum sie sich so verhalten und was sie damit bewirken wollen. Das "Rätsel" Frau ist nämlich nicht nur im privaten ungelöst.

Also liebe Zeit.de: In Ergänzung zu den Beiträgen von Marion Knaths währe eine Reihe sehr gut in der Männer Männern erklären wie sie am besten mit ihrer Kollegin umgehen und warum sich diese wie verhält.

"Hier benötigt es eingehende

"Hier benötigt es eingehende Sensibilisierung auf beiden Seiten. Vor allem benötigt es Kurse für Männer die ihnen verständlich machen wie sich Frauen verhalten, warum sie sich so verhalten und was sie damit bewirken wollen."

soll das ein witz sein?? der 1. april war schon

wenn jemand vom anderen was will, dann muss schon der dafür sorgen, dass der andere das versteht und nicht umgekehrt

Qualität bitte - nicht Quote

Betrachtet man die Endwicklung der letzten 20 Jahre, stellt man fest, daß die befähigten Frauen zu leise und bescheiden waren.
Heut muß man beklagen, daß die nicht befähigten Frauen zu laut profilierungsgeil sind.
Wie der Kommentator zu 3 richtig feststellt, haben Männer generell nichts gegen Frauen in Führungspositionen.
Mit Recht und Pflicht aber gegen die "falschen" Frauen. Diese sollten charakterlch auch geeignet sein. Das Geschrei nach Quoten ist primitiv.