Personalentwicklung Zu den schwarzen Schafen will niemand
Unternehmen mit schlechtem Image haben Probleme bei der Personalgewinnung. Kluge Köpfe nutzen die Karrierechancen
"Mit unseren zusätzlichen Leistungen möchten wir unser Ziel unterstützen, die Besten für unser Unternehmen zu gewinnen und zu halten." In den Stellenangeboten auf den Jobseiten der British American Tobacco Gruppe wird nüchtern formuliert. Tatsächlich jedoch versteckt sich hinter dem Versprechen auf attraktive Gehälter eine weit größere Problematik als auf den ersten Blick vermutet. Denn B.A.T. gehört zu den Unternehmen, die schon von Haus aus mehr anbieten müssen als vergleichbare Arbeitgeber. Der Grund: B.A.T. leidet unter einem schlechten Image.
Im Fall des amerikanischen Tabakwarenherstellers ist es im wesentlichen die Zugehörigkeit zu einer umstrittenen Branche, die aufs eigene Ansehen abfärbt, erläutert Tarik Torhan, Partner der Peronalberatung Lachner Aden Beyer & Company. Ähnlich geht es auch Unternehmen der Rüstungsindustrie oder der Zeitarbeitsbranche. Andere wie Lidl, die IKB-Bank, Giesecke & Devrient oder die Deutsche Bahn haben sich selbst in die Negativschlagzeilen gebracht. Die Folgen sind oft ähnlich. Steuert das betroffene Unternehmen nicht offensiv dagegen, fühlen sich auch die betroffenen Mitarbeiter unwohl. Die Motivation sinkt, am Stammtisch prahlen sie lieber nicht mit ihrem Arbeitgeber. Und selbst wer einen Job sucht, denkt zunächst an positiv besetzte Arbeitgeber. "Zu den sogenannten schwarzen Schafen will niemand", sagt Torhan.
Dabei gibt es gute Gründe, gerade diese anzuvisieren. Denn das Image färbt auch auf die Personalarbeit ab – und zwar zumeist in einem positiven Sinn. Unternehmen mit einem schlechten Außenbild, erläutert Management-Experte und Autor Reinhard Sprenger, haben eigentlich nur zwei Chancen, angemessen zu reagieren. Erstens: Sie müssen einen Immunschutz bei den vorhandenen Mitarbeitern aufbauen. Zweitens: Sie müssen zusätzliche Anreize schaffen, um Mitarbeiter zu halten und neue zu gewinnen.
Immunität erreichen die betroffenen Unternehmen dabei am Besten, wenn sie die Problematik thematisieren und gleichzeitig gegensteuern. Der Personaldienstleister Adecco beispielsweise löst das Problem so, in dem er sein Angebot als Arbeitsform der Zukunft verkauft. Tenor: Die böse Außenwelt hat es noch nicht verstanden, aber wer zu Adecco kommt, ist seiner Zeit voraus. Die Bahn zielt auf die Nachhaltigkeit des eigenen Produktes ab. "Wir fahren mit Strom, setzen auf erneuerbare Energien", sagt Annette von Wedel, die im Personalressort die Strategie sowie neue Projekte und Programme verantwortet. Botschaft: Das Unternehmen hat Zukunftsperspektive, wer mitmacht ebenfalls.
- Datum 24.09.2009 - 09:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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als minijobber bei einem discounter kann ich eines sagen. lidl & co haben ihren schlechten ruf vorallem aus einem grund: niedrige preise auf kosten des personals. unbezahlte überstunden, unwürdige bezahlung und schlechte arbeitsbedingungen sowie kontrolle durch den konzern sind hier der standard. wer hier in die höheren etagen einsteigt wird das vielleicht nicht zu spüren bekommen jedoch wird er sich früher oder später an diesen methoden beteiligen denn der druck wird von oben nach unten weitergegeben. es enttäuscht mich sehr einen so peinlichen, propagandistischen artikel ausgerechnet auf zeit.de zu finden
Wer so skrupellos ist, aus Karrieregründen bei korrupten oder kriminellen Unternehmen einzusteigen, der wird dort fraglos Karriere machen: Er ist genau der, den das Unternehmen braucht, um so fortzufahren wie bisher.
"Gerade weil es schwierig ist, neues Personal zu bekommen, werden die vorhandenen umsorgt – vor allem auf der Managementebene." Auf der Managementebene! Also genau da, wo das Übel seinen Sitz hat. Als einfacher Handlanger wird man von der Managementebene dann bespitzelt oder ausgebeutet (siehe Lidl, siehe Mafia). Nicht aus Bosheit, sondern nur aus Karrieregründen, versteht sich. Und als "Leistungsträger" gehört sich das schließlich auch so: Das ist Marktwirtschaft.
war als Trainee beim Burger-König. Nach 3 Monaten hat er gekündigt, weil er nicht bereit war, andere Menschen wie Dreck zu behandeln. Bei diesen angeblichen Schwarzen Schafen - die in Wahrheit eine veritable Herde bilden - ist Menschenverachtung erste Managerpflicht, Management by terror die einzig praktizierte Führungsmethode.
Wer sich bei diesen Sozialdarwinisten verdingt, um seine Karriere zu befördern, der würde sich auch als Oberaufseher in einem Straflager in Burma verdingen.
"Mit regelmäßigen Mitarbeiterbefragungen fühlt man der Belegschaft auf den Zahn" - heißt das dass Lidl heute nicht mehr die Mitarbeiterräume video und audio überwacht? Taschen und Fahrzeugkontrollen durchführt? Mitarbeiterbefragungen - das wäre mir als Mitarbeiter zu heikel, Lidl hat jahrelang kritische Mitarbeiter entlassen. Und so lange ist es doch noch nicht her, dass Lidl selbst dafür gesorgt hat, dass sie ihr heutiges image haben. Wenn sich ein Konzern wie Lidl vom Saulus zum Paulus wandeln will sollte er erst einmal Betriebsräte und echte Mitarbeiterbeteiligung einführen, transparenter werden und ordentliche Gehälter zahlen und zwar an diejenigen, die den Laden wirklich am laufen Halten, nicht nur an die Manager - alles andere ist Schönfärberei.
Und die Zeit sollte sich auch überlegen, ob derartige positivierende Berichterstattung in Ordnung ist, mir wäre ein wenig mehr über die tatsächlich herrschenden Verhältnisse in den besagten UNternehmen lieber.
... nicht mit dem Wort "Anzeige" versehen werden? Wo ist der Presserat?
Es ist in der Tat erschreckend, wie hier einzelne Unternehmen "schöngeschrieben" werden, während auf der anderen Seite ganze Wirtschaftszweige (Zeitarbeit) in wenigen Sätzen pauschal angekanzelt werden.
Zumindest meine Macht als Konsument bleibt mir noch! Weder die tollen Gehälter, noch die tollen Angebote können mich in eine LIDL-Filiale bringen!
Ich gehe einfach zu Lidl und helfe denen dann vor allem die kleinen unterbezahlten Angestellten an der Kasse und den Regalen noch "effektiver" arbeiten zu lassen.
Oder: Die Arbeitssklavenverleihbranche, auch sehr interessant. Man verleiht eine ungelernte Aushilfskraft an ein Unternehmen und bekommt dafür das 3-4 fache dessen, was man dem arbeitendem auszahlt. Der kann davon kaum leben, aber den Unternehmen geht es umso besser.
Meine moralischen Bedenken werde ich dann mit Geld neutralisieren. Wenn dann mit der Zeit jeglicher Idealismus abgestumpft ist werde ich auch opportunistische Einstellungen propagieren und auf die persönlichen Vorteile verweisen, die sich für mich ergeben wenn ich auf der besseren Seite eines ungerechten Systems stehe.
Vielen Dank diesen erhellenden Beitrag, Frau Hildebrandt-Woeckel. Der Arbeitsmarkt ist also gar nicht so erbarmungslos, wie er auf den ersten Blick scheint. Auch für all diejenigen, die Karriere machen wollen und Arbeitgebern sonst nichts anzubieten haben, besteht Hoffnung: Verkauft einfach euer Gewissen! Hört ab, baut Bomben, beutet aus und macht andere klein was das Zeug hält. Und wenn eure Freunde euch einfach nicht für den angerichteten Schaden feiern wollen? Wen stört es? Ihr werdet viele neue und vor allem gleichgesinnte Freunde finden. Eine glückliche Gemeinschaft aus Menschen, denen abgesehen von der eigenen Karriere alles egal ist. Außerdem: wer braucht schon ein soziales Leben nach der Arbeit, wenn der Arbeitgeber schon für die notige Bespaßung sorgt.
Und noch eine Frage an die Autorin: Wie darf man sich das vorstellen, Unternehmen rekrutieren über MUND-ZU-MUND-PROPAGANDA? Wird man, anders als bei der herkömmlichen Mund(-zu-Ohr)propaganda, nicht nur informiert und manipuliert, sondern direkt mit der Karrieritis infiziert? Oh du schöne neue Arbeitswelt.
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