ZEIT ONLINE: Junge Frauen sind kompromissloser und konsequenter denn je. Sie wollen alles – Kinder und Karriere. Frau Kleinschmidt, Sie sind so eine Frau, die beides hat. Jetzt mal die Wahrheit: Wie gut klappt’s?

Carola Kleinschmidt:(lacht) Es klappt mal besser, mal schlechter. Mein Sohn ist jetzt vier Jahre alt. Aber es hat auch eine Weile gedauert, bis mein Mann und ich uns mit der neuen Situation als Familie zurechtgefunden haben und die Aufgaben untereinander so aufgeteilt haben, dass wir damit glücklich sind.

ZEIT ONLINE: Wer ist nach der Geburt zu Hause geblieben?

Kleinschmidt: Das war ich, weil ich es als Freiberuflerin besser konnte. Es war eine bewusste Entscheidung. Die Erfahrung, selbst Mutter zu werden, hat meine Sicht auf das Berufsleben völlig verändert. Mein Blick hat sich geweitet. Mir ist aufgefallen, dass beispielsweise fast alle Karriereratgeber vornehmlich aus der Perspektive "höher, schneller, weiter" geschrieben sind. Das ist aber ein kapitalistischer Blick, der auf Maximierung ausgerichtet ist. Es gibt auch einen ganzheitlichen Blick. Aus dieser Perspektive besteht das Leben aus verschiedenen Säulen, von denen der Beruf eine ist. Mit diesem Blick rückt die Karriere wieder an die Stelle, die ihr gebührt.

ZEIT ONLINE: Also sagen Sie, man muss nur die Perspektive ändern und schon ist alles gut?

Kleinschmidt: Nein. Aber man kann zufriedener sein, wenn man nicht der Argumentation folgt: Ein Job lohnt sich nur, wenn er finanziell mehr einbringt, als die Kinderbetreuung kostet. Wir kennen bisher vor allem ein Muster, Familie und Berufstätigkeit zu vereinbaren und das sieht vor, dass einer der Partner im Beruf zurücksteckt, der andere umso mehr arbeitet. Bei allen anderen Lösungen erwarten wir, dass Schwierigkeiten auftreten. Diese Skepsis wirkt wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

ZEIT ONLINE: Wie sieht er denn aus, dieser andere Weg?