Arbeiten im Alter Opa darf's nicht lassen
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Alte schaffen Arbeit

Dass die Älteren den Jungen die Jobs wegnehmen, sieht Börsch-Supan nicht bestätigt. Zum einen sind die jüngeren Mitarbeiter für Unternehmen günstiger, zum anderen ist die Arbeitslosigkeit der Älteren höher: Sie finden altersbedingt viel schwieriger eine neue Anstellung. Ursache dafür ist das sogenannte Prinzip der Senioritätsentlohnung: Die Gehälter steigen mit den Berufsjahren. Noch problematischer findet Börsch-Supan die Frühverrentung: "Ältere werden subventioniert, damit sie aus der Erwerbsarbeit aussteigen. Das schlägt auf die Arbeitskosten. Die Unternehmen haben weniger Geld, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Viele Stellen werden gar nicht mehr mit Jüngeren wiederbesetzt." Zudem zeigen Untersuchungen, dass in Ländern, in denen die Frühverrentung hoch ist – beispielsweise in Italien oder Frankreich –, auch die Arbeitslosigkeit der Jüngeren hoch ist.

Auch eine Studie der Leuphana Universität Lüneburg und der Geneva Association, einer von der Versicherungswirtschaft getragenen Forschungseinrichtung, kommt zu dem Ergebnis, dass Arbeiten jenseits des gesetzlichen Rentenalters positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hat. Zu der von den Wissenschaftlern bezeichneten "Silver Workers" zählen in Deutschland schon heute etwa 400.000 Personen, die trotz Ruhestand erwerbstätig sind. Viele von ihnen arbeiten auf freiberuflicher Basis oder in speziellen Teilzeitmodellen weiter. Andere schaffen neue Jobs, weil sie sich noch einmal selbstständig machen und Mitarbeiter einstellen.

Thomas Zwick, Professor an der Munich School of Management, hat sich die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen von Beschäftigung von Älteren angesehen. Auch er glaubt, dass die These, dass mehr ältere Arbeitnehmer mehr Beschäftigungsverhältnisse bedeuten, aufgehen könnte. Voraussetzung dafür ist, dass die Strukturen geändert werden. Statt mit dem Alter steigende Löhne schlägt er eine alternative betriebliche Entlohnung vor: Individuelle Modelle, die sich nach Leistung richten und ein "systematisches Altersmanagement". Gemeint sind individuelle Altersteilzeitlösungen, bei denen die Beschäftigten und ihre Unternehmen individuell aushandeln können, wer wie lange und wie viel arbeitet. Insgesamt würden auch die Jüngeren davon profitieren, weil auch sie die flexible Teilzeitlösungen in Anspruch nehmen könnten. Entlastet wären alle, weil es mehr Beitragszahler gebe.

Den Experten geht es um einen "lateralen Karrierebegriff", erklärt Ursula Staudinger. "Nicht nur Erwerbsarbeit, auch Familienarbeit und ehrenamtliches Engagement gehören dazu. Ein langes, produktives Leben führen zu können hat einen umfassenden Arbeits- und Gesundheitsschutz zur Grundlage. Darum fordern die Wissenschaftler Politik und Wirtschaft auf, schon frühzeitig mit Vorsorge zu beginnen. Unternehmen müssen in den Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter investieren – schon bei den Auszubildenden. Zudem sollen Anreize für Weiterbildungsmaßnahmen geschaffen werden. Lebenslanges Lernen heißt die Devise. Ältere müssen motiviert werden, sich fortzubilden. Die Motivation haben sie, wenn sie auch die Aussicht darauf haben, dass ihnen neu gelerntes Wissen nützlich ist und sie es auch anwenden müssen. Das heißt: Schluss mit Frühverrentung, Anhebung des gesetzlichen Rentenalters, vielfältiger Einsatz von Arbeitnehmern. Wer 30 Jahre auf dem Bau geschuftet hat, kann vielleicht nicht bis über 70 Jahre körperlich arbeiten, wohl aber in flexibleren Arbeitszeitmodellen beispielsweise Bürotätigkeiten verrichten. Auf diese muss der Beschäftigte aber vorbereitet werden.

Die Altersforscher empfehlen der Wirtschaft auch eine bessere Durchmischung von Abteilungen – mit jungen und älteren Mitarbeitern, die in gemischten Teams arbeiten. So können Alte und Junge besser voneinander lernen.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Ich bin schon länger dafür, sich nicht an einem fixen Renteneintrittsalter festzuhalten, sondern an flexiblen Übergängen und auch flexibleren Arbeitszeitmodellen. Beispielsweise stelle ich in Frage, ob man mit zunehmenden Alter automatisch mehr Geld bekommen sollte und ob es nicht gerade umgekehrt sein müsste. Gerade in jungen Jahren habe ich hohe Kosten (Familiengründung, Hausbau ect.), aber wenig Gehalt, im Alter weniger Kosten (Kinder sind aus dem Haus, Haus ist abbezahlt) aber ein hohes Gehalt, was im Zweifel dazu führt, dass ich im Alter, obwohl ich arbeiten müsste, evt. keinen neuen Job finde, was dann zu sinkenden Renten führt.

    Die Denkblokaden fangen also nicht bei der Rente mit 67 an, sondern viel früher. Die Rente mit 67 finde ich nicht abschreckend, unser starres System macht mir Angst, weil ich nicht davon ausgehe, dass man mich bis 67 überhaupt arbeiten lässt, obwohl ich mir das durchaus vorstellen kann, auch übers 67. hinaus, wenn mir danach ist.

    Ich hoffe, diese Diskussion wird nicht wieder auf den Dachdecker reduziert, der wohl eher nicht mit 67 auf dem Dach rumturnt, sondern ganzheitlich betrachtet, was heißen kann, dass der Dachdecker mit 60 eine andere Arbeit ausführt als mit 40. Das erfordert natürlich Flexibilität von allen Beteiligten, auch den Arbeitgebern. Nur, weil ich mal Dachdecker gelernt habe, heißt das ja nicht, dass ich nicht später auch was Neues lernen kann.

  2. In sämtlichen hoch dotierten Positionen (Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte, Politiker, etc.) sollte jeder Arbeitsvertrag meines Erachtens unabdingbar mit Vollendung des 65. Lebensjahres enden, damit die nachfolgende Generation auch zum Zuge kommt.

    Eine Altersstuktur wie die eines Pflege- und ALTERSHEIMes (Rentner und Pensionäre) in den MANAGEMENTebenen ist meiner Meinung nach nicht erstrebenswert.

    • Chali
    • 22.10.2009 um 13:18 Uhr

    "Wir können uns das nicht leisten", stellt Axel Börsch-Supan, Professor ..."

    Ganz schön dreist, Herr professor. Sie leben doch von unseren Steuergeldern, und Ihre Pension wird ebenfalls von unseren Steuergeldern bezahlt.

    Wir, - nämlich: die Abhängig Beschäftigten - brauchen keine Bevormundung von irgendwelchen ... [Plauderern].

    Aber ich entnheme dem, dass Sie Ihre Pension erst später beziehen möchten? Schon, um nicht in den Verdacht zu geraten, Opfer nur von anderen zu fordern? Das wird sich sicher einrichten lassen, Herr Professor!

    • TDU
    • 22.10.2009 um 13:18 Uhr

    So ganz kann ich das nicht bestätigen. Es ist schon so, dass in Verwaltungstätigkeiten in Büros Rentner für das Zubrot Arbeiten erledigen, die ein Jüngerer einfach nicht so billig erledigen kann, weil er ja kein festes Einkommen in Form einer Rente hat.

    Ich habs dann dennoch versucht, kam aber gegen die Bestandstaktik, Familienfeste waren wichtig, die Unterlagen derweil versteckt, des Herrn nicht an. Da der Arbeitgeber sparen wollte, war ihm das egal. Als ich dann aber an den Verzögerungen durch o. g. Aktionen schuld war, habe ich es dran gegeben.

    Dennoch begrüße ich die Folgerungen.

    Die Frühverrentung der 1990iger hat dazu geführt, dass ab 50 Jahren 90% aller Menschen nur noch daran denken, bald in Rente zu gehen. Kann man das nicht, fühlt man sich denen gegenüber glatt wie ein Versager. Das wird sich aber ändern, denn die Erwerbsbiographien ändern sich.

    Bevor aber alle ab fünfzig Hungerlöhner sind oder gar keine Arbeit machen, wäre es wirklich besser, Arbeiten bis mindestens 65 Jahren würde wieder salonfähig. Dann würde sich auch das Arbeitsklima verändern. Das man irgendwie was tun muss, um sich zu ernähren und das kann, wäre eher Anlass zur Freude als zum Dauerfrust mit anschließender Behandlungsbedürftigkeit.

    Dann hat auch der o. g. Rentner keine Chance mehr. Seine geringe Qualifikation würde auffallen und andere würden den Job zu seinen Bedingungen nicht machen. Der Arbeitgeber hat also keine Wahl, er muss anständig bezahlen oder seinen Mist selbst erledigen.

    Eine Leser-Empfehlung
    • TDU
    • 22.10.2009 um 13:33 Uhr

    Da sehe ich auch einen Zusammenhang. Wenn Ältere nur Vorbild sind im Reisen, auf der Bank sitzen oder sich in der Poltik und in den Vorständen tummeln, was bekommt der junge Mensch für ein Bild. Ein paar Jahre arbeitslos, dann lohnt sich nichts mehr.

    Das könnte auch darauf hinweisen, wie menschliches Erfahrungs Know How diesen Jugendlichen oder Berufsanfängern verloren geht. Kriegen sie doch nur Ratschläge aus den Medien oder vom verständlicherweise ganz und gar eigennützigen Unternehmer. Vom gleichaltrigen Kollegen oder von dem im Aufstieg Begriffenen, der möglicherweise gerade um seine Stelle bangt, eher nicht.

    Dem Kampfplatz Arbeitsplatz ziehen da sicher einige das schnelle Geld vor. Ist auch hart, aber da darf man wenigstens mal austeilen.

    • Baer5
    • 22.10.2009 um 13:39 Uhr

    Auf altbekannte Weise (wie schon öfter in der ZEIT) wird hier einmal mehr [...] gegen die gesetzliche Rentenversicherung betrieben (nicht mehr bezahlbar, Altersgrenze muss angehoben werden usw.). Der zitierte Experte, Herr Börsch-Supan ist als eloquenter Sprecher der Finanzwirschaft bestens bekannt. Sobal dieser Name fällt, weiss man dann auch, woher der Wind weht.
    [Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
    Sicher wäre es positiv, die starren Altersgrenzen für den Ruhestand zu flexibilisieren, um den unterschiedlichen Möglichkeiten und Bedürfnissen der Menschen Rechnung zu tragen. Aber bitte nicht mit Hilfe einer so verdrehten Argumentation. Um die Erwerbsquote zu erhöhen, brauchen wir vor allem Wirtschaftswachstum für mehr Arbeitsplätze, und das erreicht man nunmal nicht mit Rentenkürzungen, die als "Anhebung der Altersgrente" getarnt werden sollen. Wem würde es nützen, wenn ältere Arbeitnehmer bis zum Umfallen im Job gehalten werden, während Jugendliche ohne Berufsperspektive schon auf der Schule lernen müssen, wie man einen Hartz4-Antrag ausfüllt?

  3. ... das letzte Wort ist das eigentlich erschreckende ....
    > Die Motivation haben sie, wenn sie auch die Aussicht darauf haben, dass ihnen neu gelerntes Wissen nützlich ist und sie es auch anwenden müssen. <
    Müssen nicht können. Motivation bedeutet etwas "können zu dürfen" und nicht zu müssen.

  4. das der Bauarbeiter nach 30 Jahre (wie hier beschrieben) meist sind es 40 und mehr ,sich im Alter von 65 an einen Bürotisch setzen wird,
    mit der kaputten Bandscheibe und der lädierten Hüfte
    vielleicht kann man erklären wer von der alten Generation als Massstab für solche Artikel dient
    ich hab ab meinen 14ten Lebensjahr bis zu meinen heutigen 60ten nur und teils schwere körperliche Arbeit verrichtet,meiner geringen Rente hab ich meinen Lebensstil angepasst und kann gut darauf verzichten nochmal als Stellenbewerber aufzutreten um milde Belächelt zu werden

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