Japaner auf dem Weg zur Arbeit. Der Job kann schnell zur Belastung werden, wenn die Kollegen mit Mobbing anfangen © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Ich arbeite seit zwei Jahren als Assistentin in einem Ingenieurbüro. Meine Chefs waren bisher mit meiner Arbeit sehr zufrieden. Seit drei Monaten hat einer meiner Chefs eine neue Sekretärin bekommen, die mir Anweisungen geben darf und entsprechend "über mir" steht. Am Anfang kamen wir ganz gut zurecht, seit etwa vier Wochen hat sich das Blatt gewendet. Die von mir erledigten Aufgaben werden stets von ihr beanstandet – ohne nachvollziehbare Gründe. Mittlerweile fühle ich mich von ihr sehr gedemütigt, sogar gemobbt. Und ich habe auch das Gefühl, sie merkt es und möchte mich "mürbe" machen. Was soll ich tun?,

fragt Anett Lange

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Sehr geehrte Frau Lange,

Mobbing liegt vor, wenn einzelne Mitarbeiter gezielt diskriminiert, beleidigt, ausgegrenzt oder sonst unangemessen behandelt werden. Das Bundesarbeitsgericht definiert Mobbing als das "systematische Anfeinden, Schikanieren oder Diskriminieren von Arbeitnehmern untereinander oder durch Vorgesetzte".

Mobbingattacken können viele Formen annehmen: Abwertende Äußerungen und abschätzige Behandlung, Nichtbeachten, Nachahmen und Nachäffen von Verhaltensweisen, aggressive und abwertende Äußerungen, die Vergabe sinnloser Arbeitsaufträge, überzogene und kleinliche Bewertung der Arbeitsergebnisse bis zu offenen Anfeindungen, Schikanen, Beleidigungen und Psychoterror.

Häufig steckt dahinter das Ziel, den Betroffenen mürbe zu machen, damit er von sich aus seinen Job aufgibt. Geht das Mobbing vom Arbeitgeber aus, verstößt er damit gegen die Fürsorgepflicht. Betroffene haben das Recht, sich direkt beim Arbeitgeber zu beschweren und Abhilfe zu verlangen. Wo vorhanden, kann auch der Betriebs- oder Personalrat um Mithilfe und Beistand angerufen werden.

Allerdings werden Beschwerden gegen den Chef kaum helfen, wenn er selbst mobbt. Dann bleibt nur die Möglichkeit, zu klagen. Dies muss der Arbeitnehmer jedoch sorgfältig abwägen, denn er steht in der schwierigen Situation, alles akribisch genau darzulegen und zu beweisen. In der Praxis ist es daher sehr schwer, mit ausschließlich rechtlichen Mitteln gegen Mobbingstrategien vorzugehen. Auch Schadenersatzansprüche geltend zu machen, ist recht schwierig, denn der Betroffene muss einen Schaden zunächst beziffern.

Häufig geht das Mobbing von Kollegen aus. Hier müssen sich Betriebsrat und Arbeitgeber vor den Mitarbeiter stellen. Insbesondere der Arbeitgeber hat dabei ausreichende Möglichkeiten, weil er gegen die Mobber mit Abmahnungen, Versetzungen und sogar Kündigungen vorgehen kann. Schließlich verstoßen Mobber gegen ihre arbeitsvertraglichen Pflichten wie Treue und Rücksichtnahme.

Zu Ihrem Fall: Ich würde Ihnen raten, eine Liste zu erstellen, in der Sie genau darlegen, was, wann und wie problematisch war und ist. Dann sollten Sie zuerst das Gespräch mit Ihrer Kollegin suchen.

Wichtig dabei ist: Schildern Sie ohne Wertungen die Situation aus Ihrer Sicht. Dabei werden Sie sehen, wie Ihre Kollegin reagiert. Haben Sie das Gefühl, sie ist uneinsichtig und lehnt eine Veränderung ihres Verhaltens ab, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef. Bei Ihrem Vorgesetzten sollten Sie ebenfalls auf Wertungen verzichten. Schildern Sie anhand von Beispielen die Probleme und sagen Sie ihm auch, dass das Gespräch mit Ihrer Kollegin ergebnislos verlaufen ist. Ihr Chef muss aufgrund seiner Fürsorgepflicht eingreifen und Ihnen helfen. Sollte auch dies zu keiner Abhilfe führen, wenden Sie sich vertrauensvoll an einen Fachanwalt.

Ihr Ulf Weigelt

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