Jugendarbeitslosigkeit "Die Krise trifft die Jungen am stärksten"
Vor Jugendarbeitslosigkeit schützt ein duales Ausbildungssystem immer noch am besten, sagt der Ökonom Peter Auer. Er erklärt, was Länder mit hoher Arbeitslosigkeit falsch machen.
ZEIT ONLINE: Vor Kurzem hat Eurostat die Zahlen zur Jugendarbeitslosigkeit in der EU veröffentlicht. Spanien schneidet besonders schlecht ab: Dort ist mehr als jeder dritte junge Erwachsene arbeitslos. Die Niederlande hingegen stehen sehr gut da, dort beträgt die Quote nur 6,3 Prozent. In Deutschland ist jeder 10. Jugendliche ohne Arbeit. Ist das ein guter Wert?
Peter Auer: Es stimmt, dass Deutschland vergleichsweise gut dasteht. Trotzdem muss man betonen, dass die Werte in den EU-Mitgliedsstaaten und damit auch in der EU kontinuierlich steigen. Die Staaten, die eine geringere Quote aufweisen – das sind die Niederlande, Österreich, Deutschland und Dänemark – haben ähnliche Rahmenbedingungen.
ZEIT ONLINE: Welche sind das?
Auer: Es gibt verschiedene Faktoren, die einer hohen Jugendarbeitslosigkeit entgegenwirken. Die älter werdende Erwerbsbevölkerung verschafft manchen Staaten eine demografische Entlastung. Länder mit geringer Jugendarbeitslosigkeit haben zudem ein duales Ausbildungssystem, das den Jugendlichen den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt erleichtert. In Frankreich und Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch ist, gibt es dieses System nicht. Die hierzulande oftmals kritisierte Lehrlingsausbildung gilt dort als Modell. Diese Länder bilden nicht nah an den Betrieben aus, der Übergang ins Erwerbsleben fällt vielen jungen Menschen schwer. Wenn sie den Einstieg schaffen, dann allenfalls in eine schnell endende befristete Beschäftigung. Man muss aber auch sagen, dass, wer in diesen Ländern erst einmal einen gesicherten Job hat, diesen auch nicht so schnell wieder verliert.
ZEIT ONLINE: Also stimmt es, dass die Jugendlichen die Verlierer der Krise sind?
Auer: Ja, das stimmt. Die Krise trifft die Jungen am stärksten. Die spanischen Zahlen sind ein eindringliches Beispiel: Dort betrug die Arbeitslosenquote der Jungen im August 2008 noch 26 Prozent, jetzt schnellte sie auf 39 Prozent hoch. Auch in allen anderen EU-Mitgliedsstaaten stieg vor allem die Arbeitslosigkeit der jungen Menschen an, in Deutschland um 17 Prozent zwischen August 2008 und August 2009. Das ist doppelt so hoch wie der Anstieg der Gesamtarbeitslosigkeit. Die Probleme sind zwischen den Generationen nicht gleich verteilt. Denn in dieser Krise versuchen die Unternehmen, ihre Beschäftigten zu halten. Das geht zu Lasten der Jungen, für die dann weniger Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen.
ZEIT ONLINE: In welchem Verhältnis stehen Jugend- und Gesamtarbeitslosigkeit eines Landes?
Auer: Meist korrespondieren die Zahlen. In allen EU-Ländern ist die Jugendarbeitslosigkeit höher als die Gesamtarbeitslosigkeit. Zum Beispiel in Deutschland: Hier beträgt die generelle Arbeitslosigkeit 7,7 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit 10,8 Prozent. Das war früher umgekehrt. In Spanien sind 18 Prozent aller Erwerbstätigen ohne Job, bei den Jungen sind es fast 40 Prozent.
ZEIT ONLINE: Welchen Einfluss hat eine hohe Bildung – kann man feststellen, dass Länder, die einen großen Anteil an hoch qualifizierten jungen Menschen haben, auch eine geringere Jugendarbeitslosigkeit aufweisen?
Auer: Nein, das ist leider nicht der Fall. Frankreich ist ein Beispiel dafür. Es hat einen hohen Anteil an Abiturienten und Akademikern und trotzdem gelingt vielen der Einstieg ins Berufsleben nicht. Die Wirtschaftskrise verstärkt dies natürlich: Während im April 2008 noch jeder zweite der frisch Diplomierten einen Arbeitsplatz fanden, waren es im April 2009 nur mehr 38 Prozent. Eine hohe Bildung vergrößert zwar die Chancen auf einen Job, ist aber keine Garantie. Weitere Beispiele sind die USA und Irland. Dort gibt es viele junge Akademiker. Vor der Krise betrug die Jugendarbeitslosigkeit in Irland 13 Prozent, jetzt ist sie auf 26,4 Prozent angestiegen – weil es keine Neueinstellungen mehr gab.
ZEIT ONLINE: Was kann man dagegen tun? Könnte mehr Frühverrentung helfen, die Jungen schneller in Jobs zu bringen?
Auer: Man kann keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen den Erwerbsquoten älterer und jüngerer Arbeitnehmer sehen. Viele Länder mit hohen Erwerbsquoten Älterer – also wenig Frühverrentung – haben auch eine geringe Jugendarbeitslosigkeit. Es gab früher Frühverrentungen mit Wiederbesetzung, wo ein solcher Zusammenhang dann erkennbar war, aber die sind aus der Mode geraten. Heute werden auch viele Stellen einfach gestrichen. Auch das Argument, den Kündigungsschutz zu lockern, um damit den Jugendlichen Zugang zum Arbeitsmarkt zu schaffen, funktioniert hier nicht, schon gar nicht in der Wirtschaftskrise. Das sind Schnellschüsse aus der Theorie. Am ehesten kann man feststellen, dass ein gutes, betriebsnahes Ausbildungssystem dazu beträgt, die Arbeitslosigkeit der Jungen niedrig zu halten.
ZEIT ONLINE: Gibt es kurzfristige Maßnahmen, welchen der jungen Generation in der aktuellen Krise helfen könnten?
Auer: Kaum. Es gibt Kurzarbeit für diejenigen, die schon einen Job oder eine Ausbildungsstelle haben. Denkbar wären staatliche Übergangsregelungen und aktive arbeitsmarktpolitische Maßnahmen – zum Beispiel ABM-Maßnahmen und Ausbildungsprogramme. Die dürfen aber nur temporär angelegt sein und müssen das Ziel haben, den Übergang in den regulären Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Peter Auer ist Fellow des Internationalen Instituts für Arbeitsfragen der ILO (International Labour Organisation)in Genf und war Leiter der Abteilung Arbeitsmarktforschung der International Labour Organisation. Zuvor war er Forschungsbeauftragter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) sowie Leiter des Europäischen Beschäftigungsobservatoriums. Die Fragen stellte Tina Groll.
- Datum 28.10.2009 - 16:18 Uhr
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Gerade weil es in Deutschland das duale Ausbildungssystem gibt, haben Jugendliche hierzulande eine Alternative zu einem Studium, was eine Akademikerschwemme wie in Frankreich und Spanien verhindert. Und was aus den amerikanischen Communitycolleges kommt, kann man nun beim besten Willen nicht als Akademiker bezeichnen.
Das belegen u.a. auch die Pisa-Studien!
[...]
[Gekuerzt, bitte verzichten Sie auf pauschalisierte Beleidigungen. Danke. /Die Redaktion pt.]
Liebe Redaktion,
Fakten sind entweder richtig oder falsch, aber nicht beleidigend!
Es ist eine Tatsache, dass deutsche Schüler bei Pisa auf Platz4 stünden.
Die Zahlen aus der vorletzten Pisa-Studie:
Deutschland -alle Schüler: 516 Punkte, Platz13
Deutschland -autochton: 532 Punkte, Platz 4
Deutschland -migrantisch: 439 Punkte, Platz 40
Liebe Redaktion,
Fakten sind entweder richtig oder falsch, aber nicht beleidigend!
Es ist eine Tatsache, dass deutsche Schüler bei Pisa auf Platz4 stünden.
Die Zahlen aus der vorletzten Pisa-Studie:
Deutschland -alle Schüler: 516 Punkte, Platz13
Deutschland -autochton: 532 Punkte, Platz 4
Deutschland -migrantisch: 439 Punkte, Platz 40
dass DIE ZEIT sich auch mal explizit der Probleme von Jungen annimmt, denn laut einer aktuellen Untersuchung des DGB hat innerhalb eines Jahres die Zahl der Jobsuchenden bei den Männern bis 24 Jahre um 26 Prozent zugenommen, bei Frauen hingegen um 2,8 Prozent.
Liebe Redaktion,
Fakten sind entweder richtig oder falsch, aber nicht beleidigend!
Es ist eine Tatsache, dass deutsche Schüler bei Pisa auf Platz4 stünden.
Die Zahlen aus der vorletzten Pisa-Studie:
Deutschland -alle Schüler: 516 Punkte, Platz13
Deutschland -autochton: 532 Punkte, Platz 4
Deutschland -migrantisch: 439 Punkte, Platz 40
Und wenn man ausschließlich die Arbeitslosenqoute unter den Maschinenbauern betrachtet, haben wir nur eine Arbeitslosenqoute von unter 5 %(Zahl ist fiktiv...). Ui, wir schön das doch ist. Dann hätten wir die geringste Arbeitslosenqoute.
Unser Bildungsystem ist eben nicht das Beste der Welt, das haben Sie mit ihren Zahlen wunderbar belegt. Wer ist nicht schafft, alle ins Boot zu holen, sollte sich ernsthaft Gedanken machen in einem Staaten..
Und wenn man ausschließlich die Arbeitslosenqoute unter den Maschinenbauern betrachtet, haben wir nur eine Arbeitslosenqoute von unter 5 %(Zahl ist fiktiv...). Ui, wir schön das doch ist. Dann hätten wir die geringste Arbeitslosenqoute.
Unser Bildungsystem ist eben nicht das Beste der Welt, das haben Sie mit ihren Zahlen wunderbar belegt. Wer ist nicht schafft, alle ins Boot zu holen, sollte sich ernsthaft Gedanken machen in einem Staaten..
Und wenn man ausschließlich die Arbeitslosenqoute unter den Maschinenbauern betrachtet, haben wir nur eine Arbeitslosenqoute von unter 5 %(Zahl ist fiktiv...). Ui, wir schön das doch ist. Dann hätten wir die geringste Arbeitslosenqoute.
Unser Bildungsystem ist eben nicht das Beste der Welt, das haben Sie mit ihren Zahlen wunderbar belegt. Wer ist nicht schafft, alle ins Boot zu holen, sollte sich ernsthaft Gedanken machen in einem Staaten..
Naja, in Ihrem Alter war mancher genauso naiv.
Nur ist es so: Bilden kann man nur sich selbst; Lehrer, Schule können notwendige Hilfestellung geben. Aber wenn man nicht will, kann das Bildungssystem auch nichts dafür...
Naja, in Ihrem Alter war mancher genauso naiv.
Nur ist es so: Bilden kann man nur sich selbst; Lehrer, Schule können notwendige Hilfestellung geben. Aber wenn man nicht will, kann das Bildungssystem auch nichts dafür...
Ich glaube, dass ein gelockertes Kündigungsrecht den arbeitslosen Jugendlichen doch helfen würde. Gerade wenn man einen jungen Menschen frisch von der Schule/Uni einstellt, weiss man als Unternehmer noch nicht, wie er/sie sich im Berufsleben anstellen wird. Wenn man nun befürchten muss, dass man einen mal eingestellten Menschen kaum wieder entlassen kann (selbst wenn sie/er sich als Depp herausstellt), werden es die Unternehmen bis aufs letzte hinauszögern, neue Leute einzustellen und schon gar vermeiden sie es, Leute einzustellen, die noch über keine Arbeitserfahrung verfügen. Klar schützt man mit striktem Kündigungsschutz die jungen Leute, die geschafft haben, sich schlussendlich einen Job zu erobern, aber man erweist denen einen Bärendienst, die noch am suchen sind, da jeder neu eingestellte Jugendliche für das Unternehmen fast existenzbedrohend werden kann, da es ihm kaum mehr kündigen kann.
Naja, in Ihrem Alter war mancher genauso naiv.
Nur ist es so: Bilden kann man nur sich selbst; Lehrer, Schule können notwendige Hilfestellung geben. Aber wenn man nicht will, kann das Bildungssystem auch nichts dafür...
So wie in der Krise die Arbeitslosigkeit der benannten Gruppe ansteigt, so schnell sinkt diese beim Anziehen des Marktes. Die Volatilität ist dort eben am größten. Wenn man aber mit über 50 den Job verliert, bringt einem selbst ein großer Boom am Arbeitsmarkt wenig ein, da es in dieser Situtation für die Gruppe älterer Arbeitsloser trotz vermeintlich guter Qualifikation meistens heißt: "game over".
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