Da staunt der ChefWer privat surft, fliegt raus

Private Internetnutzung am Arbeitsplatz kann ein Kündigungsgrund sein. Was zu beachten ist, klärt die Kolumne zum Arbeitsrecht. Von Ulf Weigelt von 

Den Facebook-Account während der Arbeitszeit zu checken kann ein Kündigungsgrund sein

Den Facebook-Account während der Arbeitszeit zu checken kann ein Kündigungsgrund sein  |  © Joseph Eid/AFP/Getty Images

Ich habe heute mit meinem Chef ein Konfliktgespräch gehabt. Er sah, dass ich am Arbeitsplatz mein Facebook-Profil geöffnet hatte. Daraufhin bat er mich um ein Gespräch, in dem er mir mitteilte, dass ich im Büro nicht privat im Internet surfen darf. Auch teilte er mir mit, dass ich beim nächsten Mal eine Abmahnung erhalten würde. Ich bin seit zehn Jahren in dem Unternehmen und mache meinen Job richtig gut. Darf er sich mir gegenüber so verhalten?
fragt Birgit Ehlers

Sehr geehrte Frau Ehlers,

Da staunt der Chef
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

das Verhalten Ihres Chefs ist verständlich. Eine britische Studie hat gezeigt, dass Mitarbeiter durch ihre privaten Web-Aktivitäten täglich etwa 40 Minuten ihrer Arbeitszeit verlieren. Auf das Jahr gerechnet geht so für Ihren Chef eine ganze Woche allein für Ihr privates Chatten, Posten und Twittern verloren.

Hat Ihr Chef Ihnen nicht ausdrücklich die privaten Web-Aktivitäten gestattet, kann Ihr Verhalten sogar ein Grund für eine fristlose Kündigung sein – und zwar ohne vorherige Abmahnung. Dies zeigt ein vergleichbarer Fall: Ein Mitarbeiter hatte das Internet während der Arbeitszeit in erheblichem zeitlichen Umfang ("ausschweifend") zu privaten Zwecken genutzt und damit seine arbeitsvertraglichen Pflichten verletzt (BAG, Az. 2 AZR 581/04).

Auch sollten Sie stets darauf achten, was Sie im Internet veröffentlichen. Eine Studie des Verbraucherministeriums zeigt nämlich, dass Personalmanager vor einem Vorstellungsgespräch das Web durchforsten, um zu sehen, wie sich der Bewerber darstellt. Und wer sich dort ablehnend über Job, Firma oder Chef äußert, fällt generell bei den Personalern durch.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Solche Studien sind doch Quatsch. Ein Mensch kann nicht 8h am Stück hochkonzentriert durcharbeiten. Da braucht man ab und an ne Pause bzw. Abwechslung. Ziel des AG sollte es doch sein, seine Mitarbeiter leistungsfähig zu halten und nicht, wie ein Aufseher jeden ihrer Schritte zu überwachen. Solange der Arbeitnehmer seine Pflichten gut erfüllt sollte ihm die eigenverantwortliche Entscheidung überlassen werden, wie er sich seine Zeit einteilt. Ob er da nun mit Kollegen Bürotratsch austauscht oder privat surft sollte keine Rolle spielen, solange er seine Arbeit gut macht und diese nicht beeinträchtigt wird.

    Dadurch wird ein Mehr an Verantwortung auf ihn übertragen, was sein Selbstbewußtsein stärkt und er sich auf ARbeit sicher wohler fühlt, als wenn er, trotz vorbildlicher Leistung, für sowas angemault wird. Bin mir sicher, durch solche Personalgespräche und die daraus resultierende Mindermotivation (die sich in verminderter Leistung und höheren Fehltagen niederschlägt) geht dem AG mehr verloren, als die paar Minuten Privatsurfen. Ganz abgesehen davon gibt's bei Bildschirmarbeitsplätzen ja auch die Bildschirmpause von 5min./h, da kommen wir also schon auf 30min/d.

  2. 2.

    Und wer fliegt, wenn der Chef privat surft? :-)

    Mit Verlaub, aber mit solchen Entscheidungen geht doch jede Verhältnismäßigkeit flöten. Weder Arbeitnehmer noch - geber sind Roboter, die sich nur auf ihre Arbeit, Arbeit und nichts als die Arbeit konzentrieren. Oder werden auch bald Gespräche zwischen Kollegen verboten, weil sie zuviel Zeit kosten?

    Ein bißchen mehr Gelassenheit, bitte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Arimus
    • 21. April 2010 18:31 Uhr

    Also in unserem Betrieb kann ich aus eigener Erfahrung sprechen, dass viel zu oft gesurft wird. Es werden die Urlaubsreisen herausgesucht und auch das beste Hotel recherchiert, zwischendurch bei facebook Bilder hochgeladen und über gmx private Nachrichten verschickt...alles in der Arbeitszeit. Auch hier sollte man einmal die Verhältnismäßigkeit sehen. Alle wollen einen guten Stundenlohn verdienen, aber dann sollten auch diejenigen, die über Gebühr das Netz während der Arbeitszeit nutzen, auch diese Zeit nacharbeiten oder es sein lassen.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Abmahnung | Arbeitszeit | Chef | Internet | Studie
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