Frage: Herr Frey, die Wirtschaftskrise macht Scheitern offenbar salonfähig. Doch wie sollte ein Betroffener mit einem Rückschlag umgehen?

Thomas Frey: Jeder muss sich Fehler gönnen. Doch die meisten versuchen, eine Niederlage auszublenden. Dabei darf man auf keinen Fall so weitermachen, als wäre nichts passiert, sondern sollte sich bewusst dieser Erfahrung stellen. Weil Veränderungsprozesse häufig erst einige Zeit nach dem Scheitern einsetzen, kann es hilfreich sein, sich mehrere Tage aus dem Büro zu verabschieden und in die Berge oder ans Meer zu fahren.

Frage: Wenn derjenige dazu kommt, in Ruhe nachzudenken, welche Fragen sollte er sich stellen?

Frey: Um einen Misserfolg zu meistern, muss man dem Ereignis eine andere Bedeutung, einen neuen Rahmen geben. Üblicherweise fragt sich der Gescheiterte: Was kann ich beim nächsten Mal anders machen? Genauso wichtig ist es, sich zu fragen: Was musste ich für mein Ziel aufgeben?

Frage: Warum denn das?

Frey: Nun, Zielerreichung hat häufig etwas mit Aufgeben zu tun. Im Beruf erfolgreich zu sein, bedeutet für viele Führungskräfte etwa, ihr Privatleben hintenan zu stellen. Nicht selten führt das zu Trennung – auch eine Art des Scheiterns.

Frage: Welche Frage ist noch essenziell?

Frey: Man sollte sich fragen, welche Fähigkeit habe ich noch nicht genutzt, um zum Ziel zu kommen?

Frage: Wie findet man diese verborgenen Talente?

Frey: Betroffene zeichnen dazu ihre Lebenslinie mit Erfolgen und Misserfolgen und fragen sich dabei, was ihnen schon mal aus der Krise geholfen hat. Oft entdeckt man Fähigkeiten wieder. Das ist wie Archäologie, man schaut unter die eigene Oberfläche.

Frage: Und wer allein nicht weiterkommt?

Frey: Der reflektiert die Situation vielleicht mit einem Freund und bittet ihn: Stell mir intelligente Fragen, damit ich zu neuen Antworten komme für das, was passiert ist. Man muss sich damit auseinander setzen, sonst ist die Gefahr groß, dass man so weitermacht wie bisher. Dann ist es aber nur eine Frage der Zeit bis zum nächsten Rückschlag.

Frage: Das hört sich nicht einfach nach Schalter umlegen an...

Frey: Das stimmt. Sinnvoll ist die Taktik der kleinen Schritte.

Frage: Wie funktioniert die?

Frey: Viele ändern Dinge, die erst nach Monaten oder Jahren eventuell Früchte tragen. So lange hält niemand durch. Deshalb verfällt der Gescheiterte in alte Verhaltensmuster und Gedankenweisen. Es ist daher wirksamer, sich kleine Ziele zu stecken. So stellt sich schnell raus, ob eine Änderung funktioniert oder nicht.