Diversity Management Männer an die Kosmetik, Frauen in den Baumarkt
Kosmetikkonzerne hätten gerne mehr Männer, Baumarktketten lieber mehr Frauen als Mitarbeiter. Diversity Management soll Abhilfe schaffen.
© Justin Sullivan/Getty Images

Männer arbeiten für die Kosmetikindustrie allenfalls als Models. Wenn es nach den Unternehmen ginge, könnt die Männerquote deutlich erhöht werden
Benjamin Rachow trägt sein kurzes, lockiges Haar ohne Gel, und auch sonst sind auf den ersten Blick keine Anzeichen von dekorativer Kosmetik sichtbar. Bei der Frage "Strähnchen, Tönen oder Färben?" macht jedoch keine Frau Rachow etwas vor – selbst seine Chefin nicht. Ihr hat der 31-Jährige sogar schon eigenhändig die Haare getönt. Farbe 535, ein "schönes Schokoladenbraun". Rachow arbeitet für einen großen Kosmetikkonzern im Marketing – und ist damit meist allein unter Frauen und eine Ausnahmeerscheinung.
Die Berufswahl ist in Deutschland nach wie vor geschlechtsabhängig. Schon bei kleinen Kindern ist zu beobachten, dass es nicht die Mädchen sind, die ausdauernd mit Baggern und Rennautos spielen und nicht die Jungen, die ihre Puppen mit Stethoskop und Fieberthermometer untersuchen. Jungen träumen von Helden, Mädchen vom Helfen. Diese Schlussfolgerung formulieren etliche Studien, die Kinder schon in frühen Jahren nach ihren Berufswünschen befragen. Meist ändern sich diese zwar bis zur Pubertät noch zigmal – trotzdem bleibt die Tendenz bestehen. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung steht der Kfz-Mechatroniker ganz oben auf der Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe für Jungen, gefolgt vom Koch und Industriemechaniker. Bei den Mädchen stehen Friseuse, Verkäuferinnen und Arzthelferinnen hoch im Kurs.
Das soll sich ändern. Unternehmen, Organisationen und nicht zuletzt die Politik setzen sich für ausgeglichene Verhältnisse ein. In vielen Bereichen droht der Fachkräftemangel. Das Thema "Diversity" ist deshalb inzwischen anerkannt und wird von vielen Personalmanagern angewandt. So unterscheiden viele Arbeitgeber nicht mehr nur generell zwischen Männlein und Weiblein, sondern fördern auch das jeweils unterrepräsentierte Geschlecht. Die Vielfalt zahlt sich aus. Sie fördert das Betriebsklima, klingt nach Political Correctness und spiegelt den Gesellschaftswandel wider. So heimwerkern längst nicht mehr nur Männer und pflegen sich längst nicht mehr nur Frauen.
Ein bekannter Haarpflege- und Lippenstiftkonzern beispielsweise stellt schon seit Jahren Männern nach und veranstaltet gemeinsam mit einem großen Autobauer Recruiting-Veranstaltungen. So kommt das Unternehmen mit Bewerbern ins Gespräch, die sonst im Leben nicht auf die Idee gekommen wären, für eine Lippenstiftmarke zu arbeiten. 44 Prozent aller Mitarbeiter des Kosmetikkonzerns sind inzwischen männlich. "Wenn unsere männlichen Mitarbeiter sagen, dass unsere Produkte sexy seien und authentisch von ihrer Arbeit berichten, ist das die beste Nachwuchswerbung für andere Männer", sagt der Personalchef.
Auf Frauenfang sind andere Unternehmen – etwa die Baumärkte. Dübel, Spachtel, Zement – nichts klingt weniger feminin. Trotzdem beschäftigen die großen Baumarktketten Männer und Frauen im ausgeglichenen Verhältnis. Nur die Leiter der Baumärkte sind meist noch männlich.
(Erschienen in Junge Karriere )
- Datum 02.12.2009 - 18:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Junge Karriere
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...die gesellschaft angeblich so sehr wandelt, mag man sich fragen, warum bitte strebt dann die mehrheit immer noch nach geschlechtstypischen berufen? hat die mehrheit vom wandel noch gar nichts mitbekommen? sollte es etwa männer geben, die ohne schuldgefühle gerne männer und frauen, die ohne minderwertigkeitskomplexe gerne frauen sind? und wenn dem so wäre, warum muß da auf krampf gegenan-diversitygemanaget werden?
ist doch klar: noch mehr Geld rausholen!
Zu männlichen Mitarbeitern in der Kosmetikbranche kann ich nicht viel sagen.
Im Baumarkt jedoch ist mir das Geschlecht ziemlich egal. Schön wäre es halt, wenn die Mitarbeiter ein bißchen Ahnung hätten, das ist jedoch leider äußerst selten.
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