Da staunt der ChefStressfrei im Großraumbüro

Lärm im Büro: Muss ein Arbeitnehmer die privaten Telefonate der Kollegen tolerieren? Was das Arbeitsrecht dazu sagt, erklärt unsere Kolumne. Von Ulf Weigelt von 

Großraumbüro in einem Callcenter

Hier wird es laut: Blick in das Großraumbüro eines Callcenters  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Vor einigen Monaten ist unser Betrieb umgezogen. Seitdem haben wir alle nicht mehr unsere Einzelbüros, sondern sitzen mit rund zehn Leuten in einem Großraumbüro. Der Lärmpegel ist so enorm, dass ich mich häufig nicht mehr konzentrieren kann. Als besondere Belästigung empfinde ich die Privattelefonate meiner Kollegen. Muss ich das tolerieren? Was könnten ich und mein Arbeitgeber dagegen unternehmen?, fragt Sandra Heilberg

Sehr geehrte Frau Heilberg,

Lärm in einem Großraumbüro ist erst einmal ganz normal. Einige stecken diesen recht gut weg und können dennoch konzentriert arbeiten, andere haben es da etwas schwerer. Für Sie, die aus dem Einzel- in ein Großraumbüro gewechselt ist, ist der Stresspegel sehr hoch und dadurch leidet auch Ihr Arbeitsvermögen. Bewiesen ist mittlerweile sogar, dass eine konstante Lautstärke zu stärkerem Stress und geringerer Arbeitsmotivation führt .

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Da staunt der Chef
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

In Bezug auf die Privattelefonate Ihrer Kollegen kann und sollte Ihr Arbeitgeber handeln. Er kann (vielleicht hat er dies auch bereits im Arbeitsvertrag mitgeregelt) private Telefonate generell ausschließen. Dabei sind Arbeitgeber meist aber nicht päpstlicher als der Papst. Ein Telefonat mit der Familie, falls es abends später wird, ist dann meistens in Ordnung. Ein längeres "Pausen-Gespräch" mit dem Freund jedoch nicht! Und die Nutzung der privaten Mobiltelefone kann Ihr Arbeitgeber grundsätzlich im Büro jederzeit untersagen.

In Bezug auf den Lärmpegel könnten Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen und Ihrem Vorgesetzten einige Büroregeln aufstellen. Suchen Sie das Gespräch mit der Mitarbeitervertretung oder dem Arbeitgeber. So kann jeder sowohl das Klingeln des eigenen Telefons als auch das des Büroanschlusses so leise wie möglich einstellen. Auch könnten Sie sogenannte "Ruhezeiten" vereinbaren: Je zwei Stunden am Vor- und Nachmittag auf unnötigen Lärm und laute Gespräche verzichten. Für besonders Lärmempfindliche könnte auch ein kleiner geschlossener Raum geschaffen werden, in dem man ungestört und in Ruhe arbeiten kann. Ich bin mir sicher, sollte das Problem offen angesprochen werden, wird auch Ihr Arbeitgeber rasch handeln, damit effektiv weitergearbeitet werden kann.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Hoffentlich habe ich nie eine solche Kollegin wie Frau Sandra Heilberg, die gleich zum Chef rennt und petzt anstatt mir selber zu sagen, was sie an meinem Verhalten stört.
    Und hoffentlich habe ich nie einen Chef, der jedes mich anschwärzen gleich voll annimmt und mir dann eins auswischt.
    Vielleicht sollte die gute Frau ganz einfach kündigen. Dann hört sie wenigstens auf hintenrum über ihre Kollegen zu lamentieren.
    Wenn sie etwas Charakter hätte würde sie die nervenden Kollegen einfach mal direkt auf die Situation ansprechen und ich denke, daß die meisten so rücksichtsvoll wären, nicht mehr ihre privaten Telefonate herumzuschreien. [...]
    [entfernt. Bitte verzichten Sie auf eine vulgäre Sprache sowie auf persönliche Angriffe. Danke, die Redaktion/vv]

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