Da staunt der Chef Lohndumping ist sittenwidrig
Stundenlöhne von unter fünf Euro bei Subunternehmen der Bahn oder Drogeriemarktketten: Was gesetzlich erlaubt ist, erklärt die Kolumne zum Arbeitsrecht.
© Sean Gallup/Getty Images

Ist ins Gerede wegen Lohndumping gekommen: die Drogeriemarkt-Kette Schlecker
Überall hört man von schrecklichem Lohndumping. 1,50 sollen Subunternehmen der Bahn bezahlt haben, auch der Drogeriemarkt Schlecker ist in Verruf geraten, bekannt waren schon Fälle bei Discountern. Ich verstehe nicht, warum Unternehmen so handeln dürfen. Ich dachte immer, in Deutschland herrschen Gesetze, die so eine Ausbeutung verhindern?, fragt Georg Walkau
Sehr geehrter Herr Walkau,
es gibt durchaus die Möglichkeiten zur Vermeidung von Lohndumping – zur Not per Klage. Grund: Arbeitgeber sind verpflichtet, ihren Mitarbeitern für die Arbeitsleistung eine angemessene Vergütung zu zahlen. Danach ist so mancher heute gezahlter Lohn auch sittenwidrig. Aber: Wo kein Kläger ist, da gibt es auch keinen Richter.
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE
Für viele Mitarbeiter bilden Tarifverträge die Grundlage für die Höhe ihres Arbeitsentgelts. Die dort festgelegte tarifliche Vergütung – nach zutreffender Eingruppierung – darf arbeitsvertraglich nicht unterschritten werden. Voraussetzung ist natürlich, dass die Arbeitsvertragsparteien tarifgebunden sind oder der Tarifvertrag allgemeinverbindlich ist. Auch sind in einigen Branchen (z.B. Baugewerbe oder Malerhandwerk) Mindestlöhne nach dem so genannten Entsendegesetz festgeschrieben.
Gilt keine Tarifbindung oder gibt es keinen verbindlichen Mindestlohn für eine Branche, treffen Arbeitgeber und -nehmer eine freie Vereinbarung über die zu zahlende Höhe der Vergütung. Nicht selten sind jedoch solche Vergütungsvereinbarungen unwirksam. Besteht nämlich ein auffälliges Missverhältnis von Arbeitsleistung und Arbeitsentgelt oder nutzt der Arbeitgeber eine Zwangslage, die Unerfahrenheit, einen Mangel an Urteilsvermögen oder eine erhebliche Willensschwäche des Mitarbeiters aus, handelt es sich um einen sittenwidrigen Lohnwucher. Wann er vorliegt, entscheiden jedoch der Einzelfall und die Gesamtumstände.
So befand beispielsweise das Landesarbeitsgericht Bremen, dass ein Stundenlohn von fünf Euro für eine weibliche Auspackhilfe in einem Supermarkt sittenwidrig niedrig ist. In diesem konkreten Fall gab es einen anzusetzenden Maßstab, nämlich die entsprechende Tarifgruppe des als einschlägig anzusehenden Tarifvertrages. Ihr Lohn lag ein Drittel unter diesem.
In der Praxis ist die Situation leider nicht immer so eindeutig. Dennoch lohnt sich die Klage unter Umständen auch dann, wenn es keinen einschlägigen Tarifvertrag in der jeweiligen Branche gibt. Vor dem Gang zum Rechtsanwalt sollte in Betrieben mit Betriebsrat zunächst aber immer erst dieser angesprochen werden.
Im Fall Schlecker ging es allerdings nicht nur um Lohndumping, sondern gleichzeitig auch um das Thema Leiharbeit sowie die Lohnunterschiede trotz "Equal Pay" (Lohngleichheitsgesetz).
- Datum 01.02.2010 - 15:06 Uhr
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- Serie Fragen zum Arbeitsrecht
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Warum nicht gleich Praktika einrichten, dann würden die Leute ganz umsonst arbeiten?
Seit Jahren ist eine enorme Abwärtsspirale in den Löhnen zu beobachten-Lohnverzicht-Billigstlöhne. Hartz-4 war dafür ein Erpressungsszenario.Ist es immer noch.
Ein ich möchte bereits sagen..pintereskes Szenario in Deutschland. Wobei mir auffällt: In der ganzen Welt mimen deutsche Politiker die Gutmenschen, es gehört zum schicken, guten Ton , ökologisch bewegt, aufgeklärt, bewusst zu leben. Am Frühstückstisch bevorzugen wir Eier von glücklichen Hühnern, mindestens Freilauf und mit Bio gefüttert.Bloss nicht von gequälten Hühnern, die nicht artgerecht Eier legten.
Menschen im eigenen land gegenüber sind wir verhaltensstarr-verhaltensauffälligerweise-als habe sich das gemütskalte Deutschland an auch eine hohe Sockelarbeitslosigkeit gewöhnt. Millionen schikaniert-ausgegrenzt--in Hartz 4. Gedemütigt mit 1-Euro-Jobs, mit Scheinweiterbildungen aus der Arbeitslosenstatistik gemogelt-wir gewöhnten uns auch-Eier glücklicher Hühner am Frühstückstisch schmausend-an Billigstlöhne.
Hühnern hierzulande geht´s besser, wirklich-Hühnern gegenüber sind wir human.Tiere haben mehr Rechte mittlerweile...was ist in Deutschland los?
Gut ausgebildete Mütter haben kaum eine Chance, nach Babypause in Teilzeit, Vollzeit zurückzukehren...es ist Zeit für ein anderes denken im Land der immerhin glücklichen Hühner."Der Markt wird´s schon richten"-posaunten einige...schwupps, da kollabierten die Banken.Menschen sind kostenfaktoren.
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