Das optimale LebenLiebe plus Karriere

Junge Menschen sind flexibler und freier als jemals zuvor. Gleichzeitig streben sie nach Perfektion, im Job wie in der Liebe. Warum es nicht Traumjob und Traumpartner gibt. von Diana Fröhlich und Michael Detering

Kussszene zwischen den Schauspielern Ali MacGraw and Ryan O'Neal in der Filmromanze "Love Story"

Ach, wie schön, aber auch nur eine Filmszene: Die Schauspieler Ali MacGraw and Ryan O'Neal küssen sich in dem Romanzenklassiker "Love Story"  |  © Archive Photos/Getty Images

Auf den ersten Blick führt Christian Seitz ein perfektes Leben: 2003 hatte der heute 31-Jährige den Mut, sich mit einer Tischlerei im niedersächsischen Buxtehude selbstständig zu machen. Er renoviert erfolgreich Fachwerkhäuser und alte Jahrmarktkarussells, hölzerne Schönheiten aus vergangenen Jahrhunderten. Traditionelle Handwerkskunst, das ist seine Leidenschaft. Er beschäftigt heute – je nach Saison – bis zu 25 Mitarbeiter. Und arbeitet selbst rund 15 Stunden am Tag. Auch am Wochenende ist er oft beschäftigt. "Jetzt bin ich noch jung, jetzt kann ich Geld verdienen", sagt er. "Wenn ich jetzt genug arbeite, kann ich mit 50 in Rente gehen. Das ist mein Traum." Eigentlich ist Christian Seitz ein glücklicher Mensch.

Bei genauerer Betrachtung ist Christian Seitz aber nicht so glücklich, wie es scheint. Seitz ist Single – wider Willen. Dabei hat er schon alles versucht, um nicht mehr allein seine Freizeit verbringen zu müssen. Er sah sich auf dem Schützenfest nach der großen Liebe um, er meldete sich bei einer Dating-Plattform im Internet an, er machte sogar bei der NDR-Fernsehsendung "Land und Liebe" mit.

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Seitz lernte auch jede Menge Frauen kennen, aber sich fest binden, vielleicht sogar heiraten, das hat bis heute nicht geklappt. "Eigentlich bin ich ein totaler Familienmensch", sagt Seitz. Er würde gerne Familie gründen. Doch seine letzte Beziehung scheiterte an seinem Job. Und den würde er um nichts in der Welt aufgeben. Von der Vorstellung, die Traumfrau zu finden, hat er sich indes verabschiedet. Lange war er auf der Suche nach ihr. Heute sagt er: "Sie sollte einfach gut zu mir passen und Verständnis für meinen Job aufbringen."

Wie Christian Seitz geht es vielen jungen Menschen. Sie machen Abitur, ziehen von zu Hause aus, studieren in einer Großstadt, machen ein Praktikum im Ausland, steigen irgendwann in den Job ein oder gründen ein eigenes Unternehmen. Sie sind frei, alles tun zu können, was sie möchten – und die Freiheit nutzen sie auch. Ist ein fester Job erst einmal gefunden, erhält er alle Aufmerksamkeit. Das Privatleben bleibt auf der Strecke.

Dabei sind die Ansprüche der jungen Generation hoch: Nicht nur der Job soll die Erfüllung bringen, auch ein Partner sollte möglichst perfekt sein. Mit einem Kompromiss wollen sich die wenigsten zufrieden geben. Doch wer zwölf Stunden pro Tag oder mehr im Büro verbringt, hat wenig Möglichkeiten, die große Liebe per Zufall zu treffen. Es fehlt etwas, um die Vorstellung vom perfekten Glück tatsächlich perfekt zu machen.

Leserkommentare
  1. Falls Ihnen der Artikel auch bekannt vor kommt:
    er steht in inhaltlich identischer Form in der Ausgabe 12/2009 des Magazins "Jung Karriere" des Handelsblatts.
    Die Personen und Beispiele sind absolut identisch, genauso wie die verwendeten Zahlen. In der Printausgabe "Junge Karriere" wurden dafür nur fünf Seiten verwendet (plus Werbeseiten).

    Nicht dass der Artikel dadurch schlechter wird, je öfter er erscheint, aber ich habe doch andere Ansprüche an die "Zeit".

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    es heißt natürlich "Junge Karriere"

  2. es heißt natürlich "Junge Karriere"

    Antwort auf "Holtzbrinck GmbH"
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    @Andi Fischer: Das Niveau von "Junge Karriere" ist journalistisch sicherlich ein anderes als das der ZEIT, aber nicht so schlecht, dass man (diesen) Artikel daraus nicht an dieser Stelle, übergreifend über die Verlagsgruppe, darstellen könnte. Insofern leiden "junge Tischler" bei der ZEIT nicht anders als bei dem Heft des Handelsblatt.

  3. @Andi Fischer: Das Niveau von "Junge Karriere" ist journalistisch sicherlich ein anderes als das der ZEIT, aber nicht so schlecht, dass man (diesen) Artikel daraus nicht an dieser Stelle, übergreifend über die Verlagsgruppe, darstellen könnte. Insofern leiden "junge Tischler" bei der ZEIT nicht anders als bei dem Heft des Handelsblatt.

    Antwort auf "Korrektur"
  4. Man sollte nicht den Fehler machen, die Probleme die High Potentials bei der Lebensgestaltung auf normale Menschen (ob mit oder ohne akademischem Abschluss) zu übertragen: Vielfach finden junge Akademiker deutlich verschlechterte Einstiegschancen in den Beruf vor als noch vor einer Generation: befristete Arbeitsverträge, niedrige Einstiegsgehälter usw. Wenn man es da zu etwas bringen und überzeugen will, um eine dauerhafte Perspektive zu erzielen und ein anständiges Gehalt, muss man sich schon ganz schön ins Zeug leben. Und dies in einer Lebensphase, in der normalerweise Partnerwahl und Familiengründung ansteht. Dieser Aspekt fehlt mir in dem Artikel.

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    sehe ich ähnlich!

    "Das Leben ist (zu) kurz" - ein abgesdroschner Spruch, aber trotzdem recht treffend. Mann, was kenne ich Leute, die dem perfekten leben hinterher hecheln, v.a der sog. Karriere, aber auch dem perfekten Partner und viele Erlebnisse/Optionen. Mann "muss" z.B schon meherere Kontinente bereist haben. Und viele stellen dann um die 40-50 fest, dass sie (fast) nur noch einen Job haben, aber keinen Partner und/oderKinder, bzw. eine halbwegs glückliche Familie.

    Ich denke v.a. der Beruf/Job etc. wird heute insgesamt überbewertet und ich bin nun ganz gewiss kein Leistungsverweigerer. Aber egal wo man liest/hört - auch in der Zeit wird der Mainstream vorgegeben: Karriere,Selbstverwirklichung,Krippen, Mobilität, Gloabalisierung........ Irgendwie passt das alles nicht mehr so recht zusammen.

    So wie sich heutzutage für Frauen(immer noch)öfters die Frage stellt: Karriere oder Kinder, Teilzeit oder Vollzeit, eher Hausfrau oder Krippe, müss(t)en sich auch viele Männer z.B. fragen, ob der dritte oder vierte Job- u. Ortswechsel für die "Karriere" es tatsächlich wert ist.

  5. Ich gehöre selbst der Gruppe "um die 30" an. Und mir gehen diese Perfektionisten in meinem Umfeld mittlerweile einfach nur noch auf den Keks. Nicht nur alles machen - sondern auch noch alles richtig machen. Wie soll das gehen? Was für ein Selbstbetrug!
    Ein trauriges Bild, was unsere Generation da abgibt.

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    Ich kann da nur zustimmen: das ist wirklich traurig und ich, 28, fühle mich gerade auch ein bisschen elend. Danke jedenfalls an die Autoren für den sensiblen Umgang mit dem Thema.

  6. sehe ich ähnlich!

    "Das Leben ist (zu) kurz" - ein abgesdroschner Spruch, aber trotzdem recht treffend. Mann, was kenne ich Leute, die dem perfekten leben hinterher hecheln, v.a der sog. Karriere, aber auch dem perfekten Partner und viele Erlebnisse/Optionen. Mann "muss" z.B schon meherere Kontinente bereist haben. Und viele stellen dann um die 40-50 fest, dass sie (fast) nur noch einen Job haben, aber keinen Partner und/oderKinder, bzw. eine halbwegs glückliche Familie.

    Ich denke v.a. der Beruf/Job etc. wird heute insgesamt überbewertet und ich bin nun ganz gewiss kein Leistungsverweigerer. Aber egal wo man liest/hört - auch in der Zeit wird der Mainstream vorgegeben: Karriere,Selbstverwirklichung,Krippen, Mobilität, Gloabalisierung........ Irgendwie passt das alles nicht mehr so recht zusammen.

    So wie sich heutzutage für Frauen(immer noch)öfters die Frage stellt: Karriere oder Kinder, Teilzeit oder Vollzeit, eher Hausfrau oder Krippe, müss(t)en sich auch viele Männer z.B. fragen, ob der dritte oder vierte Job- u. Ortswechsel für die "Karriere" es tatsächlich wert ist.

    • JArthur
    • 12. Januar 2010 13:52 Uhr

    ...und schon haben sie die gegenseite. zwischen objektiver und subjektiver sinnerfüllung sollte nunmal jeder selbst entscheiden. ein toast auf das leben! und wie wir uns zeitlebens abmühen für nichts und garnichts...wie wahr!

    • ARAER
    • 12. Januar 2010 14:40 Uhr

    Es gibt einen tollen Film mit Adam Sandler, mit Titel: Klick
    Er stellt witzig und dramatisch dar was eigentlich wichtig ist...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Karriere.de
  • Schlagworte Karriere | Liebe | Internet | Single | Statistisches Bundesamt | Plus
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