Flirt im BüroDarf der Chef Liebe am Arbeitsplatz verbieten?

Der Job ist die Partnerbörse. Doch die Liebe unter Kollegen ist nicht immer im Sinn des Unternehmens. Wann sich der Arbeitgeber in die Beziehung einmischen darf. von 

Verliebtes Paar

Liebe am Arbeitsplatz: Nicht jeder mag frisch verliebte Kollegen. Der Arbeitgeber darf von seinen verliebten Mitarbeitern verlangen, dass sie sich im Job zurücknehmen  |  © Mario Tama/Getty Images

Seit ein paar Wochen bin ich mit einem Kollegen liiert. Bisher hat es noch niemand in der Firma bemerkt und auch von uns nicht erfahren. Trotzdem fragen wir uns, was wir beachten müssen. Könnte der Chef die Beziehung verbieten?, fragt Claudia Diemer

Sehr geehrte Frau Diemer,

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Beziehung! Sie befinden sich übrigens in bester Gesellschaft, denn der Arbeitsplatz ist mittlerweile auch eine der erfolgreichsten Partnerbörsen. Einer Umfrage des Marktforschungsinstituts IFAK zufolge lernt durchschnittlich jeder zehnte deutsche Beschäftigte seinen Partner im Job kennen. Interessant, nicht wahr?

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Da staunt der Chef
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

Zum Problem wird die Liebe im Büro nur dann, wenn Sie Ihre Arbeit vernachlässigen. Treffen Sie sich beide beispielsweise während Ihrer Arbeitszeit und außerhalb Ihrer Pausen, verletzen Sie beide Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten. Dann kann Ihnen beiden eine Abmahnung drohen. Und im Wiederholungsfall sogar die fristlose Kündigung.

Vorsichtig sollten Sie auch sein, wenn Sie und/oder Ihr Partner in einer Position tätig sind, in der Sie Publikumsverkehr haben. Arbeiten Sie zum Beispiel am Empfang eines Unternehmens, sollte Ihr Partner Sie dort auf keinen Fall besuchen, gar körperlichen Kontakt suchen. Ihr Kontakt sollte sich ausschließlich auf die Pausen beschränken. Und auch hier würde ich Ihnen raten, sich neutral zu verhalten, damit das Betriebsklima nicht leidet. Eventuell könnte sich nämlich ein Kollege belästigt fühlen. Denken Sie daran, nicht jeder hat Verständnis für ein frisch verliebtes Paar. Eine andere Möglichkeit ist, die gemeinsamen Pausen außerhalb des Unternehmens wahrzunehmen. Dies würde ich Ihnen allerdings nicht auf Dauer raten. Sie könnten sich ansonsten von Ihren Kollegen entfernen. Und dies wollen Sie sicherlich auch nicht.

Sie schreiben leider nicht, ob Sie mit Ihrem Partner ein Abhängigkeitsverhältnis haben. Befinden Sie sich nämlich in einem "Ausbilder und Auszubildenden"-Verhältnis, müssen Sie sehr vorsichtig sein. Der Ausbilder darf auf keinen Fall das Abhängigkeitsverhältnis ausnutzen. Hier spielt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers eine ganz besondere Rolle. Schließlich sollen im Ausbildungsverhältnis andere Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden.

Auch sagen Sie leider nicht, ob Sie beide in der gleichen Abteilung oder Zimmer arbeiten. Denn eine vom Arbeitgeber veranlasste "kleinere" Änderung Ihres Arbeitsortes kann Ihnen nach dem Bekanntwerden der Beziehung "drohen". So ist der Wechsel in ein anderes Zimmer oder die Bedienung einer anderen Maschine durchaus im Rahmen des Erlaubten. Eine Verschlechterung Ihrer Arbeitsbedingungen darf jedoch nicht eintreten. Der Wechsel beispielsweise vom Einzelzimmer in ein Großraumbüro ist genauso wenig rechtens wie die Zuweisung einer schmutzigen, belastenden Arbeit bei sonst besseren Arbeitsbedingungen.

Entscheidend könnte für Sie Anfang des Jahres noch die Frage nach dem Anspruch auf einen gemeinsamen Urlaubszeitraum sein. Hier gilt, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, die Urlaubswünsche ihrer Mitarbeiter zu berücksichtigen. Einen Strich durch die Rechnung können Ihnen dringende betriebliche Belange machen . Vorrangig könnten aber auch die sozialen Gesichtspunkte Ihrer Kollegen sein. So haben Eltern mit Kindern beispielsweise in Ferienzeiten Vorrang.

Ihr Ulf Weigelt

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs.

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Leserkommentare
  1. ohoo. Man sollte also seine Pausen möglichst mit den Kollegen verbringen.

    Es ist interessant was für ein Bild vom Arbeitnehmer an dieser Stelle immer vermittelt wird. Eine Art kriechendes Nichts, das immer bemüht ist, karrieremäßig für sich das Beste herauszuholen.

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    @1: Interessant auch, was sie ein Bild von sich selbst zeichnen indem sie bei "Pause mit Kollegen" gleich an Karriere denken. Ich dachte nämlich eher das dies eine angenehme Athmosphäre am Arbeitsplatz schafft, in der man die Menschen die täglich mit einem Arbeiten nicht nur als Kollegen, sondern auch als angenehme Mitmenschen schätzen kann.

  2. @1: Interessant auch, was sie ein Bild von sich selbst zeichnen indem sie bei "Pause mit Kollegen" gleich an Karriere denken. Ich dachte nämlich eher das dies eine angenehme Athmosphäre am Arbeitsplatz schafft, in der man die Menschen die täglich mit einem Arbeiten nicht nur als Kollegen, sondern auch als angenehme Mitmenschen schätzen kann.

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    wenn Sie wissen möchten wie ich denke: mach einfach woran du am meisten Spass hast! Wenn du Lust hast mit deiner Freundin/Frau, deinem Freund/Mann deine Mittagspause zu verbringen, dann mach das. Ich wüsste nicht warum man an die Kollegen denken sollte an dieser Stelle. Vielleicht sind die Kollegen ja stinklangweilig. Vielleicht auch nicht. Das alles spielt eine Rolle. Aber im Artikel wird suggeriert, dass es WICHTIG ist Zeit mit den Kollegen zu verbringen, ob man Lust dazu hat oder nicht. Und warum sollte man an dieser Stelle etwas tun wozu man vielleicht nicht unbedingt Lust hat? Ich schätze mal, damit man nicht irgendeinen unangenehmen Eindruck hinterlässt, der der Karriere nicht förderlich ist. Wenn es anders ist, dann möge man mir bitte verzeihen.

  3. wenn Sie wissen möchten wie ich denke: mach einfach woran du am meisten Spass hast! Wenn du Lust hast mit deiner Freundin/Frau, deinem Freund/Mann deine Mittagspause zu verbringen, dann mach das. Ich wüsste nicht warum man an die Kollegen denken sollte an dieser Stelle. Vielleicht sind die Kollegen ja stinklangweilig. Vielleicht auch nicht. Das alles spielt eine Rolle. Aber im Artikel wird suggeriert, dass es WICHTIG ist Zeit mit den Kollegen zu verbringen, ob man Lust dazu hat oder nicht. Und warum sollte man an dieser Stelle etwas tun wozu man vielleicht nicht unbedingt Lust hat? Ich schätze mal, damit man nicht irgendeinen unangenehmen Eindruck hinterlässt, der der Karriere nicht förderlich ist. Wenn es anders ist, dann möge man mir bitte verzeihen.

    Antwort auf "Pause mit Kollegen"
    • Boono
    • 14. Februar 2013 8:22 Uhr

    Lieber Herr Weigelt,

    in Ihrer Reihe über Arbeitsrecht geht es fast immer nur darum: Darf der Chef dies verbieten, darf er jenes einschränken. Was darf ich kleiner Arbeitnehmer überhaupt, ohne eine Abmahnung oder Kündigung zu riskieren? Man hat so langsam das Gefühl, wir wären - etwas überspitzt formuliert - im Feudalismus sthengeblieben.

    Wie wäre es einmal mit einer Reihe "Wie kann ich als Arbeitgeber (meine) Mitarbeiter für mich gewinnen?"
    In Zeiten des (zumindest behaupteten) Fachkräftemangels hätte diese Motivation immerhin nicht nur einen sozialen, sondern einen handfesten wirtschaftlichen Hintergrund.

    Gruß, B.

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