Existenzgründer-Interview "Man kann es schaffen, auch ohne viel Kapital"

Jo B. Nolte berät Existenzgründer, zurzeit auch in der ZDFneo-Doku "Plan B". Ein Interview über Tücken und Chancen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

Coach Jo B. Nolte unterstützt Dominik Schweer bei der Umsetzung seines rollenden Open-Air-Cafés in Münster

Coach Jo B. Nolte unterstützt Dominik Schweer bei der Umsetzung seines rollenden Open-Air-Cafés in Münster

ZEIT ONLINE: Frau Nolte, Sie beraten in der ZDFneo-Doku "Plan B" Existenzgründer. Was sind klassische Fehler beim Schritt in die Selbstständigkeit?

Jo B. Nolte: Bei Kleinstgründungen starten viele unterfinanziert. Die Gründer kalkulieren so, dass sie bis zum Zeitpunkt der Geschäftseröffnung gerade so noch mit dem Geld hinkommen, ihnen fehlen aber Reserven für die nächsten Monate. Ein zweiter klassischer Fehler bezieht sich auf die Persönlichkeit. Oft unterschätzen Gründer ihre persönlichen Schwächen, was Ängste, den Umgang mit Risiko und Entscheidungskompetenzen betrifft.

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ZEIT ONLINE: Woran liegt es, dass viele die finanzielle Seite ausblenden?

Jo B. Nolte

Jo B. Nolte, 44, ist seit 1995 selbstständig und berät seit 1999 vor allem Gründer. Außerdem ist sie als Coach und Management-Trainerin bei verschiedenen internationalen Unternehmen tätig. Zur Zeit kann man ihr mittwochs um 19.30 Uhr in der ZDFneo-Doku "Plan B - Ich werde selbstständig" bei der Arbeit zusehen.

Nolte: Die Gründer, die ich begleite sind häufig Kreative aus Design, Kunst, Kultur und Musik. Kreativen liegt der Umgang mit Zahlen meistens ja von Haus aus schon nicht so sehr. Zum anderen gründen viele aus der Arbeitslosigkeit heraus. Die haben schlicht und ergreifend nichts auf der Tasche. Und die Banken sind nicht gerade großzügig mit Krediten für Gründer sondern begrenzen den Dispo genau dann, wenn man das Geld braucht. Daran scheitern viele Gründungen. Man kann es aber trotzdem schaffen. Wer finanziell nicht abgesichert ist, hat eben ein paar schlaflose Nächte mehr hat als jemand, der über eine ordentliche Kapitaldecke verfügt.

ZEIT ONLINE: Worauf muss ein Gründer achten, der sich von Freunden und Familie Geld leiht?

Nolte: Wenn es zu Zahlungsverzögerungen oder -ausfällen kommt, werden Freundschaften und Familienbande auf eine harte Probe gestellt. Außer einer Schuldenvereinbarung, die besagt, dass jemand Schulden hat, sollte man auch gleich zu Beginn eine Rückzahlungsvereinbarung schriftlich festhalten.

Leser-Kommentare
  1. 1. Coach

    Und wenn's nichts wird mit der eigenen Selbständigkeit, wird man "Coach". ;-)

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    wird Coach. Eigenes Unternehmen mit eigenem Risiko schon mal gehabt? Quatsch. Gerade dadurch hat frau doch einen besseren unverfälschten Blick von außen

    wird Coach. Eigenes Unternehmen mit eigenem Risiko schon mal gehabt? Quatsch. Gerade dadurch hat frau doch einen besseren unverfälschten Blick von außen

  2. Am besten übt man die Selbständigkeit, wenn man schon einschlägige Aufträge annimmt. Das gilt natürlich nur für Kleinunternehmer. Ansonsten trifft die Verfasserin den Kern.
    Man muß sich aber darüber klar sein, daß man Sklave ist, sobald man Kredite aufgenommen hat. Besser ist, ohne Finanzierungen auszukommen.

  3. wird Coach. Eigenes Unternehmen mit eigenem Risiko schon mal gehabt? Quatsch. Gerade dadurch hat frau doch einen besseren unverfälschten Blick von außen

    Antwort auf "Coach"
    • wowman
    • 19.02.2010 um 10:23 Uhr

    Vor ein paar Jahren sagte mir ein schwedischer Unternehmer im Ruhestand: "To get rich, you've got to work like an asshole."
    Meine eigene Erfahrung als (erfolgreicher) Gründer, derzeit angestellt und irgendwann zweifellos wieder Unternehmer zeigt, dass sich diese Aussage auch auf weniger ambitionierte Ziele übertragen lässt.
    Nein, nicht Workaholic, sondern schlicht die Bereitschaft, zwei,drei, vier... Wochen fokussiert zu ackern.
    Dann wären da noch...(die Liste ist lang), die wichtigsten Punkte meiner Ansicht nach Glaube an die Idee, Optimismus und Spaß an der Arbeit - und dem Ausgleich zu ihr.

  4. Nach langer Berufserfahrung (und erfolgreichem Exit)habe ich vor 10 Jahren für die Unterstürzung von Gründern entschieden. Die Kommentare zur Berufsgruppe der Coaches und Berater teile ich nicht, wie in jedem anderen Beruf gibt es unterschiedlich ausgeprägte Qualitäten. Den qualifizierten Rat eines Experten vor einem Vorhaben einzuholen mag kostspielig erscheinen, wer potentielle Fehler früh erkennt, zahlt später weniger Lehrgeld.

    Die Kernaussage der Verfasserin findet insbesondere hinsichtlich des häufig massiv unterschätzen Kapitalbedarfs meine Zustimmung.
    Eine Alternative zum Fremdkapital der Bank ist und bleibt eine Gründung mittels Eigenkapitals, und die Einbindung weiterer Gesellschafter in die Unternehmung.
    Wer eine Unternehmensgründung, gleich wie klein oder groß, ohne Haftung und die damit verbundenen Risiken anstrebt, disqualifiziert sich und hier hilft werde Glaube an die Idee noch Optimismus.

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