ZEIT ONLINE: Frau Nolte, Sie beraten in der ZDFneo-Doku "Plan B" Existenzgründer. Was sind klassische Fehler beim Schritt in die Selbstständigkeit?

Jo B. Nolte: Bei Kleinstgründungen starten viele unterfinanziert. Die Gründer kalkulieren so, dass sie bis zum Zeitpunkt der Geschäftseröffnung gerade so noch mit dem Geld hinkommen, ihnen fehlen aber Reserven für die nächsten Monate. Ein zweiter klassischer Fehler bezieht sich auf die Persönlichkeit. Oft unterschätzen Gründer ihre persönlichen Schwächen, was Ängste, den Umgang mit Risiko und Entscheidungskompetenzen betrifft.

ZEIT ONLINE: Woran liegt es, dass viele die finanzielle Seite ausblenden?

Nolte: Die Gründer, die ich begleite sind häufig Kreative aus Design, Kunst, Kultur und Musik. Kreativen liegt der Umgang mit Zahlen meistens ja von Haus aus schon nicht so sehr. Zum anderen gründen viele aus der Arbeitslosigkeit heraus. Die haben schlicht und ergreifend nichts auf der Tasche. Und die Banken sind nicht gerade großzügig mit Krediten für Gründer sondern begrenzen den Dispo genau dann, wenn man das Geld braucht. Daran scheitern viele Gründungen. Man kann es aber trotzdem schaffen. Wer finanziell nicht abgesichert ist, hat eben ein paar schlaflose Nächte mehr hat als jemand, der über eine ordentliche Kapitaldecke verfügt.

ZEIT ONLINE: Worauf muss ein Gründer achten, der sich von Freunden und Familie Geld leiht?

Nolte: Wenn es zu Zahlungsverzögerungen oder -ausfällen kommt, werden Freundschaften und Familienbande auf eine harte Probe gestellt. Außer einer Schuldenvereinbarung, die besagt, dass jemand Schulden hat, sollte man auch gleich zu Beginn eine Rückzahlungsvereinbarung schriftlich festhalten.