Ich leide unter einem Burnout und bin deshalb seit knapp vier Wochen krank geschrieben. Über die Art meiner Erkrankung habe ich meinen Arbeitgeber allerdings nicht informiert. Nun feiert meine Mutter in einer Woche ihren 60. Geburtstag. Darf ich an der Feier, die im kleinen Familienkreis stattfinden wird, teilnehmen?, fragt Britta Lessau

Sehr geehrte Frau Lessau,

arbeitsrechtlich gesehen entsteht eine Arbeitsunfähigkeit meistens durch Krankheit. Nicht jede Krankheit führt aber automatisch zur Arbeitsunfähigkeit. Als arbeitsunfähig gilt ein Arbeitnehmer, wenn er außer Stande ist, seine Arbeit zu verrichten. Oder wenn er die Arbeit zwar noch durchführen kann, sich dabei aber sein Gesundheitszustand drastisch verschlechtert. Als arbeitsfähig dagegen gilt aber, wer sich vielleicht nicht selbst zur Arbeit bewegen kann, seine Arbeitsleistung dennoch voll erbringen kann. Das wäre beispielsweise bei einem Mitarbeiter in einem Büro der Fall, der sich den Fuß gebrochen hat, aber seine Arbeit am Schreibtisch trotzdem ausüben kann.

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Generell bedeutet eine Krankschreibung für Arbeitnehmer nicht gleichzeitig, dass sie nur zu Hause im Bett liegen müssen . Allerdings müssen sie bestimmte Sorgfaltspflichten beachten und dürfen ihre Genesung nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Das Bundesarbeitsgericht hat in einer Entscheidung aus dem Jahr 2006 (Urteil vom 2.3.2006, 2 AZR 53/05) ausdrücklich eine Pflicht des arbeitsunfähigen Arbeitnehmers zu einem gesundheitsförderndem Verhalten festgestellt. Eine Verletzung dieser Pflicht rechtfertigt grundsätzlich eine ordentliche verhaltensbedingte Kündigung. Das Bundesarbeitsgericht hatte in dem zu entscheidenden Fall sogar eine außerordentliche Kündigung für gerechtfertigt erachtet. In dem konkreten Fall war ein Arbeitnehmer trotz Krankschreibung wegen Hirnhautentzündung im Hochgebirge Ski gelaufen. Dabei hatte er sich schwere Frakturen zugezogen, die zu einer erheblichen Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit geführt hatten.

Da es jedoch keine grundsätzlichen Verhaltenspflichten bei Arbeitsunfähigkeit gibt, ist letztlich immer die Erkrankung im Einzelfall entscheidend.

Zu Ihrem Fall: Wer aufgrund eines Burnouts krank geschrieben ist, sollte "größere und belastende" Aktivitäten außer Haus vermeiden. Ihr Arbeitgeber könnte vielleicht die Meinung vertreten: "Wer feiern kann, kann auch arbeiten."

Um nicht arbeitsrechtliche Maßnahmen wie Abmahnung oder gar Kündigung zu provozieren – auch wenn diese unter Umständen arbeitgeberseitig nicht erfolgreich sind – sollten Sie nicht ausgelassen feiern oder angetrunken öffentlich auffallen. Während der Arbeitsunfähigkeit sind Sie auch bei solchen Feierlichkeiten zu einem gesundheitsfördernden Verhalten verpflichtet.

Ihr Ulf Weigelt

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