Abmahnung Krank gewesen, rausgegangen, Job verloren?

Eine Arbeitnehmerin ist krank geschrieben, aber nicht bettlägerig. Sie geht aus und trifft den Chef. Droht jetzt eine Abmahnung? Die Antwort in der Kolumne zum Arbeitsrecht

Ich war letzte Woche vier Tage wegen einer Kehlkopfentzündung krankgeschrieben. Als ich am letzten Tag meiner Krankschreibung mit einer Freundin mittags eine Suppe essen war, hat mich der Geschäftsführer dabei gesehen. Jetzt droht er mir mit einer Abmahnung. Ist das rechtens? Mein Arzt hat mir nicht ausdrücklich gesagt, dass ich im Bett bleiben muss, sondern nur, dass ich so wenig wie möglich sprechen soll. Wäre die Abmahnung rechtskräftig?, fragt Gisela Werner

Sehr geehrte Frau Werner,

Sie müssen Ihre geforderten Arbeitspflichten am Arbeitsplatz erfüllen, dafür erhalten Sie ihren Lohn. Verstoßen Sie jedoch gegen diese Pflichten, kann Ihr Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen, die sie eindeutig warnen soll – so die Theorie.

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Da staunt der Chef
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

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Im Gegensatz zur Ermahnung soll die Abmahnung durch ihre rechtlichen Folgen Druck auf Arbeitnehmer aufbauen. Die Liste der Abmahnungsgründe ist lang. Am häufigsten verwarnen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter, weil sie unentschuldigt fehlen oder Arbeitsanweisungen ignorieren und missachten. Aber auch wegen extremer, politischer Meinungsäußerungen, Verstoß gegen Rauch- oder Alkoholverbote oder Missachtung Vorgesetzter können Mitarbeiter abgemahnt werden.

Sogar wegen außerbetrieblichen Verhaltens kann es eine Abmahnung geben. Allerdings nur in besonderen Ausnahmefällen und zwar, wenn sich das Verhalten des Mitarbeiters außerhalb der Arbeit unmittelbar negativ auf das Arbeitsverhältnis auswirkt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Kassierer außerhalb der Arbeitszeit stiehlt.

Eine Abmahnung muss auch nicht zwangsläufig schriftlich erfolgen. Es reicht aus, wenn der Arbeitgeber diese mündlich mitteilt. Allerdings sieht das Arbeitsrecht vor, dass der Mitarbeiter natürlich vom Inhalt der Abmahnung erfahren muss. Sonst ist die Maßnahme unwirksam. 

Zu Ihrem Fall: Essen zu gehen trotz einer Krankschreibung stellt kein abmahnungsrelevantes Arbeitsverhalten dar. Man kann keine Pflichtverletzung in diesem Verhalten sehen. Entscheidend ist aber immer die Einzelfallbetrachtung. Dass Ihr Vorgesetzter Sie gesehen hat, ist zwar nicht ganz glücklich, allerdings bedeutet eine Krankschreibung nicht automatisch, dass Sie zu Hause im Bett bleiben müssen. Ein Verhalten Ihrerseits, welches die Heilung in Frage stellt, sehe ich nicht. Vielmehr dienen auch soziale Kontakte dazu, dass ein Mitarbeiter schnell wieder gesund wird und ins Arbeitsleben zurückkehrt.

Ihr Ulf Weigelt

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs. Wir beantworten Ihre Fragen zum Arbeitsrecht – Woche für Woche auf ZEIT ONLINE. Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

 
Leser-Kommentare
    • xoxox
    • 17.03.2010 um 7:42 Uhr

    Jeder halbwegs intelligente Chef weiss heutzutage, dass solche Abmahnungen nicht gerechtfertigt sind.

    Jeder Krankgeschriebene darf alles tun, solange es den Krankheitsverlauf nicht negativ beeinflusst oder nahelegt dass gar keine Erkrankung vorliegt.

  1. Im Zweifelsfall sollte man den Arzt fragen, wie man sich verhalten soll um die Genesung zu unterstützen.
    Mir hat ein Arzt mal regelrecht angeordnet ich solle auf jeden Fall rausgehen, spazieren und schwimmen gehen.
    Ich fand die Aussicht, krankgeschrieben zu sein und dann Kollegen im Freibad zu treffen, nicht so efreulich.
    Aber es gelten die ärztlichen Empfehlungen. Bleibt man in einer solchen Situation zuhause im Bett liegen behindert man eher den Heilungsprozess.

  2. Das ist ein interessanter Fall, weil es doch exemplarisch die jeweils persönliche Perspektive zeigt.
    Die Frau hat sicher nach bestem Gewissen gehandelt und der Chef überzogen. Ohne jetzt als Menschenversteher dazu stehen, kann man sich fragen, was hat der jeweils andere erlebt und gesehen und wie gedeutet.
    Eine kranke Mitarbeiterin sitzt angeregt, fröhlich (?) mit einer anderen Frau beim Essen. Vielleicht reden sie auch. Das ist das, was der Chef sieht. Jeder würde diesen Sachverhalt interpretieren und mit dem bisherigen, Krankmeldung, in den Zusammenhang zu stellen.

    Verwunderlich, dass sich die Frau wundert. Ist der Chef jetzt ein böser Mensch, weil er sich seine Gedanken gemacht hat? Seine Handlung war rechtlich nicht haltbar und überzogen.

    Ein guter Weg wäre für beide gewesen sich über ihr Zusammentreffen zu unterhalten unabhängig von rechtlichen Hintergründen. Dies hätte das Erlebte sicher etwas erklären können.

    Es lässt sich auch fragen, was ist beiden Personen jeweils wichtig? Will der Chef die volle Arbeitskraft, ehrliche Mitarbeiter, die Mitarbeiterin loswerden usw.?
    Will die Frau einen Job zum Geldverdienen, liegt ihr etwas an einem guten Arbeitsverhältnis, möchte sie motiviert erscheinen usw.?

    MIr geht es an dieser Stelle nicht um das im Recht sein moralisch oder juristisch, sondern wie gut sind Menschen eigentlich in der Lage sich in den jeweils anderen hineinzuversetzen. Würden wir das mehr tun, hätten wir wahrscheinlich weniger von solchen Problemen.

    • Sonate
    • 17.03.2010 um 8:15 Uhr

    ich kenne eine Firma, da hat der Chef gesagt: ich bestimme ob einer krank ist und nicht der Arzt, daraufhin hat er die Krankmeldung zerrissen und der Frau gesagt, welche ihren Arm in Gips hatte, sie haben ja noch einen andern Arm , und notfalls können sie auch noch mit den Füssen arbeiten!!

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    Warum denn bitte auch nicht?
    Klar geht dann alles etwas langsamer, aber deshalb wochenlang NICHT arbeiten, tut mir leid, aber vom Inhalt muß ich diesem Chef zustimmen - es kommt natürlich immer drauf an, wie so eine Botschaft rübergebracht wird und wir generell das Arbeitsklima ist. Ich habe das Glück meinen Job zu genießen und finde es beispielsweise völlig unangebracht, daß ich ACHT Wochen nach der Entbindung meines Sohnes nicht arbeiten DURFTE - obwohl ich gerne wollte!
    Also in diesem konstruierten Fall fördert der Chef meines Erachtens durch sein unfreundliches/bedrohliches (und auch albernes) Gebären doch nur das Ausnutzen aller Möglichkeiten zur Arbeitsvermeidung. Dummer Junge;-)
    MfG

    Warum denn bitte auch nicht?
    Klar geht dann alles etwas langsamer, aber deshalb wochenlang NICHT arbeiten, tut mir leid, aber vom Inhalt muß ich diesem Chef zustimmen - es kommt natürlich immer drauf an, wie so eine Botschaft rübergebracht wird und wir generell das Arbeitsklima ist. Ich habe das Glück meinen Job zu genießen und finde es beispielsweise völlig unangebracht, daß ich ACHT Wochen nach der Entbindung meines Sohnes nicht arbeiten DURFTE - obwohl ich gerne wollte!
    Also in diesem konstruierten Fall fördert der Chef meines Erachtens durch sein unfreundliches/bedrohliches (und auch albernes) Gebären doch nur das Ausnutzen aller Möglichkeiten zur Arbeitsvermeidung. Dummer Junge;-)
    MfG

    • 6bb6
    • 17.03.2010 um 8:43 Uhr

    ... dass Sie versuchen, dem Dativ zu retten, aber nach «wegen» dürfen Sie den Genitiv verwenden (wegen extreme[i]r[/i] Äußerungen) ;-)

    • hannam
    • 17.03.2010 um 8:47 Uhr

    Abgesehen davon, daß es Erkrankungen gibt, bei denen man erst gesund wird, wenn man wieder rausgeht, erhärtet sich mein Verdacht, daß dieses System am Krankwerden der Menschen verdient-nicht aber an gesunden.
    Warum soll ein vernünftiger Mensch freiwillig in diesem Krankenunwesen beharren?
    Sind diese sogenannten versicherungen nicht ein großer Betrug am Menschen?
    Oder sind die Menschen alle schon zu einfältig und serienverseucht um das zu erkennen?

  3. 7. Chefs

    ich hatte mal nen chef der war der meinung
    "Krank kann man ja mal sein, aber da kann man ja dann auch urlaub nehmen!"

  4. . . aber der Arzt sagt ihr, sie soll so wenig wie möglich sprechen. Dann geht sie mit der Freundin essen. Was machen die Frauen praktisch gesehen dabei ? Sie quasseln pausenlos ohne Unterbrechung wie ein Uhrwerk. Sie hätte auch arbeiten können.

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    • bierus
    • 17.03.2010 um 12:52 Uhr

    .. aber seit wann quasseln Uhrwerke?

    • bierus
    • 17.03.2010 um 12:52 Uhr

    .. aber seit wann quasseln Uhrwerke?

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