Offene Stellen Keine Bewerber trotz Mindestlohn
Gebäudereiniger werden gesucht: Trotz eines Stundenlohns von 8,40 Euro findet die Branche nicht genügend Arbeitskräfte. Gewerkschaften kritisieren die rauen Sitten.
Die Gebäudereiniger haben lange gestreikt im vergangenen Herbst. Jetzt wird im Bundesanzeiger der neue Tarifvertrag veröffentlicht. Darin enthalten ist der neue Mindestlohn für etwa 800.000 Gebäudereiniger bundesweit: 8,40 Euro pro Stunde. "Damit haben wir einen attraktiven Tariflohn", sagt die Sprecherin der Berliner Gebäudereinigungsinnung, Tanja Cujic. Immerhin gibt es niedrigere tarifliche Stundenlöhne in Deutschland, manche von oder sogar unter sechs Euro. Und dennoch hat die Branche ein massives Problem: Sie findet nicht genügend Arbeitskräfte.
Mit einem drastischen Fall machte Stephan Schwarz, Handwerkskammerpräsident in Berlin und selbst Reinigungsunternehmer, auf das Problem der Branche aufmerksam. In Berlin mit Zehntausenden von Langzeitarbeitslosen, klagte Schwarz, habe er unter 130 vom Jobcenter vorgeschlagenen Personen nur eine Frau für sein Unternehmen gewinnen können – obwohl er 100 Stellen zu besetzen hat. Ein extremer Fall, aber auch nicht ungewöhnlich, bestätigt Cujic. Ebenso wie Schwarz führt sie als Begründung die Arbeitsbedingungen ins Spiel: auf verschiedene Tageszeiten verteilte Arbeitszeiten, die harte körperliche Anstrengung. Beide Unternehmer sehen aber auch eine generelle Arbeitsunwilligkeit als Ursache.
Arbeitnehmervertreter und Gewerkschafter allerdings sehen für den Arbeitskräftemangel in der Branche noch andere Gründe. Bei ihnen hat das Gewerbe zumindest einen "rauen" Ruf. Der Preiskampf ist hart. Allein in Berlin konkurrieren beispielsweise rund 2500 Unternehmen. Ein Wettbewerb, der auch auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen werde, meinen Arbeitnehmervertreter. Der neue Mindestlohn etwa müsste nach Ansicht der Gewerkschaft IG BAU schon seit dem Tarifabschluss im Herbst gezahlt werden – de facto aber tun das viele Unternehmen, anders als etwa Schwarz, bislang nicht.
Arbeitnehmervertreter monieren auch die Höhe der Arbeitsleistung. "Die Bezahlung pro gereinigtem Quadratmeter oder geputztem Hotelzimmer ist zwar nicht zulässig", sagt Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten, die diejenigen Reinigungskräfte vertritt, die im Hotelgewerbe tätig sind. "Aber über Leistungsverabredungen wird trotzdem großer Druck auf die Arbeitnehmer ausgeübt." Auch von unlauteren Praktiken bei der Mitarbeitersuche berichten Betriebsräte. In den ersten Wochen werde die Arbeit als Schulungsmaßnahme eingestuft, die Kosten werden dann weiter vom Arbeitsamt getragen. Auch unbezahlte Praktikanten, die nie übernommen werden, gebe es viele. Die Gegenwehr ist oft gering, denn gewerkschaftlich organisiert sind die wenigsten in der Branche.
Auch die Mitarbeiter von Schwarz’ GRG bekommen den Druck des Marktes nach Ansicht von Arbeitnehmervertretern inzwischen zu spüren. "Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind in den letzten Jahren gestiegen, wenn man das auf die Quadratmeterleistung umrechnet", sagt Stefan Riedel, Betriebsratsvorsitzender. Rechtens ist das. Unternehmenssprecher Ingmar Hötschel betont, dass konkrete Leistungen nicht in den Arbeitsverträgen festgeschrieben seien. Eine hohe Kündigungsrate in den ersten Wochen und einen hohen Krankenstand hat das Unternehmen nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden dennoch – auch das ist typisch für die Branche. "Es gibt Konkurrenten, die bieten Leistungen an, die schlicht nicht durchführbar sind", sagt Riedel. "Dann flüchten die Leute."
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel)
- Datum 09.03.2010 - 12:20 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Trotz eines Stundenlohns von 8,40 ist wohl etwas unglücklich formuliert, da es in Anbetracht der Tatsache, dass es sich laut Artikel um einen harten Job ohne feste Arbeitszeiten handele, ja eher heißen müsste, dass wegen dieses Stundenlohns keine Arbeitskräfte gefunden werden. Natürlich sind 8,40 besser als das, was man in anderen Jobs bekommt, aber deswegen sind 8,40 noch lange kein anständiger Lohn (selbst der französische Mindestlohn liegt darüber).
... der Tagesspiegel, der hier als billige Manipulationsvorlage benutzt wird, ist wesentlich ausführlicher:
http://www.tagesspiegel.d...
Unter anderem steht da auch:
"In einer Hinsicht hat sich Schwarz’ öffentliche Klage schon gelohnt. Am Freitag, dem Tag nach der Talkshow, sind bei der GRG 130 schriftliche Bewerbungen eingegangen. „Wir freuen uns auf die Leute“, sagte ein Sprecher, „in den nächsten zwei Wochen führen wir die Bewerbungsgespräche.“"
Zu den Ablehnungen beim Jobcenter steht da:
"Dass die Diskrepanz zwischen vorgeschlagenen Arbeitssuchenden und eingestellten Mitarbeitern so groß ausfällt, hält Olaf Möller für ungewöhnlich. „Dieser Fall ist sicherlich nicht typisch“, sagt der Sprecher des regionalen Zusammenschlusses der Arbeitsagenturen Berlin-Brandenburg. Möller verweist auf die sogenannte Sanktionsquote, die im Jobcenter Reinickendorf bei 3,2 Prozent liegt "
Oder mit anderen Worten, vielleicht wollte Schwartz nur ein Exempel konstruieren, um dem Guido beizuspringen.
Wie hoch die Anzahl der Ablehnungen ist, sagt außerdem gar nichts aus. Alleinerziehende Mütter etwa, dürfen Arbeit logischerweise ablehnen, wenn es die Betreuung negativ tangiert. Vielleicht war einfach die Auswahl des JC schlecht oder die Zahlen veraltet.
... der Tagesspiegel, der hier als billige Manipulationsvorlage benutzt wird, ist wesentlich ausführlicher:
http://www.tagesspiegel.d...
Unter anderem steht da auch:
"In einer Hinsicht hat sich Schwarz’ öffentliche Klage schon gelohnt. Am Freitag, dem Tag nach der Talkshow, sind bei der GRG 130 schriftliche Bewerbungen eingegangen. „Wir freuen uns auf die Leute“, sagte ein Sprecher, „in den nächsten zwei Wochen führen wir die Bewerbungsgespräche.“"
Zu den Ablehnungen beim Jobcenter steht da:
"Dass die Diskrepanz zwischen vorgeschlagenen Arbeitssuchenden und eingestellten Mitarbeitern so groß ausfällt, hält Olaf Möller für ungewöhnlich. „Dieser Fall ist sicherlich nicht typisch“, sagt der Sprecher des regionalen Zusammenschlusses der Arbeitsagenturen Berlin-Brandenburg. Möller verweist auf die sogenannte Sanktionsquote, die im Jobcenter Reinickendorf bei 3,2 Prozent liegt "
Oder mit anderen Worten, vielleicht wollte Schwartz nur ein Exempel konstruieren, um dem Guido beizuspringen.
Wie hoch die Anzahl der Ablehnungen ist, sagt außerdem gar nichts aus. Alleinerziehende Mütter etwa, dürfen Arbeit logischerweise ablehnen, wenn es die Betreuung negativ tangiert. Vielleicht war einfach die Auswahl des JC schlecht oder die Zahlen veraltet.
Verstehe ich das recht:
Für 170 bezahlte(?) Monatsstunden gibt das 1.428 brutto?
Und wie viel steht dann rechts unten auf dem Zettel? Und wie viel Fahrtkosten können dann davon abgezogen werden?
...habe ich ehrlich gesagt eine ganz einfache Erklärung, warum es wenige Menschen gibt, die sich sowas antun:
Ich habe Höhenangst. Und davon befreit mich auch kein Stundenlohn von 8,40€....
Vielleicht geht es ja vielen Menschen so wie mir....
"...8,40 Euro pro Stunde. "Damit haben wir einen attraktiven Tariflohn", sagt die Sprecherin..."
1994 habe ich als Student bei einer Zeitarbeitsfirma gejobbt, für 16 DM/Stunde, sprich 8 Euro...
aber heute gibt es so was kaum noch. und das gilt nicht nur für die reinigungsbranche...
aber heute gibt es so was kaum noch. und das gilt nicht nur für die reinigungsbranche...
8,40 sind wenig?? Ich habe einen echt anspruchsvollen Job in der Werbebranche und mein Stundenlohn liegt bei unter 6 Euro. Überstunden werden nicht bezahlt und können nicht abgefeiert werden. Aber ich beschwer mich nicht. Das tun nur diejenigen, denen es eigentlich am besten geht.
dann herzlichen Glückwunsch! ;)
Nein, wie gesagt, 8 Euro und mehr haben Ungelernte bereits 1994 bekommen. Und das bei einer Zeitarbeitsfirma, die eh wenig bezahlen. Solche Löhne waren damals noch akzeptabel, heute absolut nicht mehr.
.... 6*170 macht 1020 Euro.
Ich hoffe, dass Sie wenigstens billig im Osten wohnen und kein Wohngeld von mir beziehen! Nachher sind Sie noch Aufstocker und bekommen Ihren Wohlstand nicht aus eigener Arbeit, sondern von mir!
super, danke noch mal.
wegen solcher bewerber rutschen die löhne in der branche (die auch meine ist) ins bodenlose!
aber es gibt noch schlimmere: bei uns bewerben sich teilweise leute, die für gar keinen lohn arbeiten wollen (und das sind keine 19jährigen schulabgänger, sondern ende 20 mit jahrelanger erfahrung).
ich bin für die einführung des straftatbestandes "unlauterer wettbewerb" für arbeitnehmer!
manche leute machen ihre ausbildung jedenfalls nicht für hungerlöhne und andere, stellen sie sich das vor, wollen (müssen!) sogar noch ihre familie ernähren!
also wehren sie sich gefälligst, mehr lohn fänden sie wohl auch nicht schlecht...oder glauben sie dem chef, dass er so arm ist.
dann herzlichen Glückwunsch! ;)
Nein, wie gesagt, 8 Euro und mehr haben Ungelernte bereits 1994 bekommen. Und das bei einer Zeitarbeitsfirma, die eh wenig bezahlen. Solche Löhne waren damals noch akzeptabel, heute absolut nicht mehr.
.... 6*170 macht 1020 Euro.
Ich hoffe, dass Sie wenigstens billig im Osten wohnen und kein Wohngeld von mir beziehen! Nachher sind Sie noch Aufstocker und bekommen Ihren Wohlstand nicht aus eigener Arbeit, sondern von mir!
super, danke noch mal.
wegen solcher bewerber rutschen die löhne in der branche (die auch meine ist) ins bodenlose!
aber es gibt noch schlimmere: bei uns bewerben sich teilweise leute, die für gar keinen lohn arbeiten wollen (und das sind keine 19jährigen schulabgänger, sondern ende 20 mit jahrelanger erfahrung).
ich bin für die einführung des straftatbestandes "unlauterer wettbewerb" für arbeitnehmer!
manche leute machen ihre ausbildung jedenfalls nicht für hungerlöhne und andere, stellen sie sich das vor, wollen (müssen!) sogar noch ihre familie ernähren!
also wehren sie sich gefälligst, mehr lohn fänden sie wohl auch nicht schlecht...oder glauben sie dem chef, dass er so arm ist.
ich lach mich kaputt.
dann herzlichen Glückwunsch! ;)
Nein, wie gesagt, 8 Euro und mehr haben Ungelernte bereits 1994 bekommen. Und das bei einer Zeitarbeitsfirma, die eh wenig bezahlen. Solche Löhne waren damals noch akzeptabel, heute absolut nicht mehr.
Wie war das mit dem freien Markt? Wenn niemand den Job für 8€ machen will, muss man die Löhne eben anheben auf z.B. 10€. Dann werden sich schon welche melden...so einfach ist das...
... das mit dem Markt gilt doch nur für die andere Seite, auf keinen Fall bei Spargelbauern und/oder anderen Ausbeutungsbranchen.
Wahrscheinlich würde sich das Problem schon auflösen, wenn die Firma einen vernünftigen Schichtdienst anbieten würde, der den Job auch planbar macht, wenn man z.B. Kinder hat (oder haben will).
Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, wieso die vielen Bewerber den Job überhaupt ablehnen dürfen. Imho ist das bei H4 doch mehr oder weniger verboten? Leider hakt hier der/die Autor/in nicht nach, so dass letztlich wieder der Eindruck entsteht, die meisten Arbeitslosen würden gar nicht arbeiten wollen.
Das 8,40 Stundenlohn immer noch ein arger Hungersold ist, sei mal dahingestellt, vermutlich kann man aber zumindest davon leben (zumindest in den etwas ärmeren Gegenden und ohne Familie).
... das mit dem Markt gilt doch nur für die andere Seite, auf keinen Fall bei Spargelbauern und/oder anderen Ausbeutungsbranchen.
Wahrscheinlich würde sich das Problem schon auflösen, wenn die Firma einen vernünftigen Schichtdienst anbieten würde, der den Job auch planbar macht, wenn man z.B. Kinder hat (oder haben will).
Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, wieso die vielen Bewerber den Job überhaupt ablehnen dürfen. Imho ist das bei H4 doch mehr oder weniger verboten? Leider hakt hier der/die Autor/in nicht nach, so dass letztlich wieder der Eindruck entsteht, die meisten Arbeitslosen würden gar nicht arbeiten wollen.
Das 8,40 Stundenlohn immer noch ein arger Hungersold ist, sei mal dahingestellt, vermutlich kann man aber zumindest davon leben (zumindest in den etwas ärmeren Gegenden und ohne Familie).
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