Gleichstellung "Die lautesten Affen sitzen oben"
Karriere, Hierarchie und Armee seien für Schweizer Männer wie ein Korsett. Die Männerbewegung habe noch viel zu tun, sagt der Chefredakteur der Schweizer "Männerzeitung" im Interview.
© George Marks/Retrofile/Getty Images

Die klassische Rollenverteilung: Sie kümmert sich um Heim und Herd, er macht Karriere
ZEIT ONLINE: Herr Knill, wenn man die Schweizer Männerzeitung durchblättert, kommt es einem vor, als hielte man eine Emma für Männer in den Händen. Machen Sie eine Männer-Emma?
Ivo Knill: Wir machen auf jeden Fall eine Zeitung, in der Emanzipationsthemen aufgegriffen werden.
ZEIT ONLINE: Sind die Männer in der Schweiz denn benachteiligt?
Knill: Es ist wie im Zoo: Die lautesten Affen sitzen zu oberst auf der Stange. An der gesellschaftlichen Spitze stehen (noch) mehrheitlich Männer. Das heißt aber nicht, dass die Mehrheit der Männer privilegiert ist. Die Lebensentwürfe der Schweizer Männer sind gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Wir haben es zwar geschafft, die Frauen in die Arbeitswelt zu integrieren. Die Männer haben aber kaum eine Alternative zur Rolle als Versorger und Ernährer. Wenn ein Paar Kinder bekommt, erhält die Frau drei Monate Mutterschaftsurlaub. Einen Vaterschaftsurlaub gibt es in der Schweiz nicht. Je nach Arbeitgeber erhalten junge Väter zwei Tage bis zwei Wochen frei. Das reicht nicht, um sich als Familie neu zu organisieren. Familien geht es heute schlechter als noch in den achtziger Jahren, weil die Lebenshaltungskosten gestiegen sind. Eigentlich sind zwei oder wenigstens anderthalb Einkommen nötig. Solange es keine entsprechenden politischen Rahmenbedingungen gibt, werden junge Männer und junge Frauen in die klassischen Rollenbilder gedrängt. Gerade einmal fünf Prozent der Väter arbeiten in Teilzeit . Es ist nahezu unmöglich als Mann eine Teilzeitstelle zu bekommen. Und bei den Jungen beobachten wir schlechtere Bildungschancen. Arbeitslosigkeit, Gewalt – das sind überwiegend männliche Probleme.
ZEIT ONLINE: Dabei gibt es schon seit den achtziger Jahren in der Schweiz eine Männerbewegung.
Knill: Die Männerbewegung entstand gewissermaßen Seite an Seite mit der Frauenbewegung. Immerhin führte die Schweiz erst 1971 das Frauenwahlrecht ein. Die Gleichwertigkeit der Geschlechter ist ein gemeinsames Projekt von Männern und Frauen. Die Männerbewegung der achtziger Jahre setzte sich sehr kritisch mit der traditionellen Männerrolle auseinander. Wir wollten nicht so werden, wie unsere Väter. Die Männerbewegung von heute möchte vielschichtige Lebensentwürfe für Männer und die gleichen Rechte und Pflichten für beide Geschlechter.

Ivo Knill ist Chefredakteur der Schweizer Männerzeitung und engagiert sich seit vielen Jahren in der Männerbewegung.
ZEIT ONLINE: Aber sind Männer denn rechtlich nicht gleichgestellt?
Knill: Immer mehr Männer empfinden sich als benachteiligt. Besonders im Scheidungsfall fühlen sich Väter zu wenig respektiert und letztlich ohnmächtig. In der Regel wachsen die Kinder nach einer Trennung ihrer Eltern bei der Mutter auf. Das betrifft mittlerweile jedes sechste Kind in der Schweiz. Ein gemeinschaftliches Sorgerecht muss erst vor Gericht erstritten werden. Und weil es kaum Teilzeitstellen für Männer gibt, ist es nahezu unmöglich, dass sich Väter gleichberechtigt um ihre Kinder kümmern können. Für Männer ist schließlich die Berufskarriere sicherer als die Familienkarriere. Das ist frustrierend.
ZEIT ONLINE: Entsprechend sind die Forderungen der Schweizer Männerbewegung.
Knill: Richtig. Wir fordern eine Elternzeit auch für Männer mit der entsprechenden Unterstützung für Familien, wir wollen aber auch, dass die Anliegen der Jungen stärker berücksichtigt werden. Ihre Förderung scheint von der Agenda verschwunden zu sein. Wir wollen auch eine gesetzliche Gleichstellung von Vätern, was das Sorgerecht der Kinder angeht und wir möchten, dass mehr Männer in Gleichstellungsbehörden arbeiten.
Das sind Frauendomänen. Aber Gleichstellung wird erst verwirklicht, wenn auch Männer an diesen Stellen arbeiten. Es gibt übrigens viele Frauen, die diese Forderung unterstützen – allerdings fehlt es noch an Männern mit der entsprechenden Ausbildung. Gender Studies ist ein Fach, das überwiegend von Frauen studiert wird. Und insgesamt sollten die Interessen der Männer in den Fokus der Gesellschaft rücken.
- Datum 02.06.2010 - 17:00 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich bin selbst, so würde ich sagen, emanzipiert. Mein Partner und ich leben eine gleichberechtigte Beziehung, und das mit viel Humor. Ich begreife mich als emanzipierte Frau mit feministischem Hauch.:) Ich würde mir auch wünschen und plädiere dafür, dass Väter in ihrer Rolle bestärkt werden. Sorgerecht und Erziehungskompetenz dürfen nicht allein bei der Mutter liegen, Väter sind ungemein wichtig, für Mädchen und Jungen. Sie sind mindestens ebenso wichtig, wie Mütter.
Wenn der nette Herr mehr Teilzeitarbeit, und vor allem Teilzeitarbeit mit Karrierechancen, für Männer fordert, finde ich das unterstützenswert. Da müssten wir aber wohl im selben Boot fahren, denn für Frauen ist das meist auch ein Abstellgleis.
die gleichberechtigungsdebatte ist bisher recht asymmetrisch und monologisch geführt worden. zum besseren verständnis der probleme auf der jeweils anderen seite schlage ich folgenden feldversuch vor: jede/r stelle sich einmal konsequent vor, was das für ihn / sie bedeuten würde, wenn ab sofort die unterschiedliche rechtliche position von männern und frauen in diesem staate umgekehrt werden würde. vielleicht könnte das sogar mal für ein jahr real ausprobiert werden? denn faktisch haben männer und frauen weder nach dem wortlaut der gesetze noch nach ihrer anwendung die gleichen rechte, sondern höchst unterschiedliche.
Das ist ein Beitrag zur Gleichstellung der Geschlechter.
Wider Erwarten scheint aber die Welt allein dadurch, dass Frauen auch in Führungspositionen, gleich welcher Art, aufgerückt sind nicht besser geworden zu sein.
Frauen machen in Führungspositionen im Durchschnitt so etwa gleich viele Fehler wie Männer. Die Unterschiede sind nicht groß, was natürlich ein Argument gegen die Bevorzugung eines Menschen allein auf Grund seines Geschlechts ist.
Sowohl Frauen als auch Männer mögen geschlechtsspezifische Vorteile und Nachteile bei der Ausübung von Führungspositionen haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Ergebnis im Durchschnitt aber das Gleiche ist. Mein persönlicher Eindruck ist, dass gemischte Führungsteams einen gewissen Vorteil haben, indem jedes Geschlecht seine Eigenarten einbringen kann, sowohl Männer als Frauen bei Anwesenheit des anderen Geschlechts etwas vernünftiger reagieren und deshalb der Führungserfolg insgesamt besser wird.
Das einzige was mir aufstösst ist, dass Frauen sich erlauben, unter Berufung auf die angebliche Benachteiligung in einer Weise über Männer herzuziehen, die bei Männern nicht political correct wäre.
...was den Schluss zulässt, dass man, egal ob Frau oder Mann, wohl gewisse Charaktereigenschaften besitzen muss, um Führungspositionen inne zu haben.
...was den Schluss zulässt, dass man, egal ob Frau oder Mann, wohl gewisse Charaktereigenschaften besitzen muss, um Führungspositionen inne zu haben.
Ich glaube es kaum. Er will keine Männerrechte durchsetzen, indem er Frauenrechte abbauen will. Das hört man selten unter den männlichen Aktivisten. Von solchen soll es auch in Deutschland welche geben. Die werden aber durch Stammtischparolen niedergedrückt. Schön mal was positives zu hören!
Die meisten Männerrechler, von denen ich lese oder höre, setzen sich vor allem für den Abbau der Ungerechtigkeit von Männer ein und kritisieren diese natürlich und damit auch breite Teile des Extrem-Feminismus, der immer nur Frau=Opfer, Mann=Täter schreit und für noch mehr Rechte für Frauen auf den Kosten von Männern plädiert.
Und das sind nicht einfach nur irgendwelche Schreihälse, sondern ziemlich oft führende Politiker, die z.B. sowohl gegen Wehrpflicht/Zivilidienst für alle sind, aber natürlich auch gegen die Abschaffung oder die vorschlugen, dass die ohnehin schon benachteiligten Männer in Zukunft noch mehr Steuern zahlen sollen, weil Frauen ja weniger verdienen (was daran liegt, dass sie auch mehr arbeiten und abgesehen davon landet ein Großteil des Geldes, das Männer verdienen, bei Frauen).
Solche Forderungen sind nunmal schlicht absurd und ungerecht. Dagegen zu protestieren hat nichts damit zu tun, dass man will, dass Frauen benachteiligt werden, sondern eben - was doch angeblich der Feminismus immer fordert - mit Gleichberechtiugung.
Die meisten Männerrechler, von denen ich lese oder höre, setzen sich vor allem für den Abbau der Ungerechtigkeit von Männer ein und kritisieren diese natürlich und damit auch breite Teile des Extrem-Feminismus, der immer nur Frau=Opfer, Mann=Täter schreit und für noch mehr Rechte für Frauen auf den Kosten von Männern plädiert.
Und das sind nicht einfach nur irgendwelche Schreihälse, sondern ziemlich oft führende Politiker, die z.B. sowohl gegen Wehrpflicht/Zivilidienst für alle sind, aber natürlich auch gegen die Abschaffung oder die vorschlugen, dass die ohnehin schon benachteiligten Männer in Zukunft noch mehr Steuern zahlen sollen, weil Frauen ja weniger verdienen (was daran liegt, dass sie auch mehr arbeiten und abgesehen davon landet ein Großteil des Geldes, das Männer verdienen, bei Frauen).
Solche Forderungen sind nunmal schlicht absurd und ungerecht. Dagegen zu protestieren hat nichts damit zu tun, dass man will, dass Frauen benachteiligt werden, sondern eben - was doch angeblich der Feminismus immer fordert - mit Gleichberechtiugung.
Frauen sitzen hierzulande familienrechtlich am längeren Hebel. Unterhaltsdruck lastet in traditioneller Form unverändert auf Männern.
Die zielgerichtete Entrechtung von Vätern ist Ergebnis eines institutionalisierten Feminismus, der jedes Maß verloren hat, weil er im Mann primär den Feind und nicht den Partner sieht. Demzufolge verhindern Feministinnen vom Schlage einer Familienrichterin Johanna Bacher das obligatorische, gemeinsame Sorgerecht. Parallel dazu heißt es, Männer sollen "Macht abgeben". Gemeint ist wohl die Macht, z. B. keinen Betreuungsunterhalt gegen die Mutter geltend machen zu können.
Die familienrechtlichen Realitäten gehören topdown nach den Kriterien des Gender Mainstreaming reformiert. Dann wollen wir doch mal sehen, wie schnell sich die Unterhaltslast mithin die Erwerbstätigkeiten der Geschlechter angleichen.
Solange allein Frauen als Gleichstellungsbeauftragte entscheiden, wo zu gendern ist und wo tunlichst nicht, bleibt alles beim "Alten" und in Folge dessen, die Geburtenrate im Keller, denn die Rolle des familiär isolierten mithin gesundheitlich ruinierten Zahlesels zu übernehmen, kann nicht wirklich die des emanzipierten Mannes sein.
Die meisten Männerrechler, von denen ich lese oder höre, setzen sich vor allem für den Abbau der Ungerechtigkeit von Männer ein und kritisieren diese natürlich und damit auch breite Teile des Extrem-Feminismus, der immer nur Frau=Opfer, Mann=Täter schreit und für noch mehr Rechte für Frauen auf den Kosten von Männern plädiert.
Und das sind nicht einfach nur irgendwelche Schreihälse, sondern ziemlich oft führende Politiker, die z.B. sowohl gegen Wehrpflicht/Zivilidienst für alle sind, aber natürlich auch gegen die Abschaffung oder die vorschlugen, dass die ohnehin schon benachteiligten Männer in Zukunft noch mehr Steuern zahlen sollen, weil Frauen ja weniger verdienen (was daran liegt, dass sie auch mehr arbeiten und abgesehen davon landet ein Großteil des Geldes, das Männer verdienen, bei Frauen).
Solche Forderungen sind nunmal schlicht absurd und ungerecht. Dagegen zu protestieren hat nichts damit zu tun, dass man will, dass Frauen benachteiligt werden, sondern eben - was doch angeblich der Feminismus immer fordert - mit Gleichberechtiugung.
Danke Frau Groll, dass Sie so etwas ausfindig machen!
...was den Schluss zulässt, dass man, egal ob Frau oder Mann, wohl gewisse Charaktereigenschaften besitzen muss, um Führungspositionen inne zu haben.
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