WM : Fußball gucken streng verboten

Der Chef ist ein WM-Muffel. Muss er tolerieren, dass seine Mitarbeiter die Spielübertragungen angucken? Besser ist das, erklärt Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne.
Akutes WM-Fieber: Diese beiden Fans fiebern mit © Mario Tama/Getty Images

Meine Mitarbeiter möchten gerne die WM-Spiele während der Arbeitszeit via TV begleiten. Ich bin absolut kein Fußball-Fan und möchte das nicht. Eventuell bin ich zu einem Kompromiss bereit: Ist die deutsche Mannschaft ab dem Halbfinale noch dabei, darf geguckt werden. Oder bin ich dazu verpflichtet, meinen Mitarbeitern die Möglichkeit zu bieten, die deutschen Spiele zu sehen?, fragt Guido Bresser.

Sehr geehrter Herr Bresser,

generell sind Sie als Arbeitgeber selbstverständlich nicht dazu verpflichtet, Ihren Mitarbeitern bei Veranstaltungen dieser Art das Zuschauen zu ermöglichen. Doch denken Sie als Arbeitgeber bei Ihrem Verhalten auch daran, dass das Arbeitsleben nach der WM weitergeht. Ich rate daher Arbeitgebern und Mitarbeitern immer zu Kompromissen.

Viele Fußball-Fans nehmen gerade zu Zeiten mit besonderen sportlichen Ereignissen Urlaub. Ist dies nicht möglich, könnten Sie diesen Mitarbeitern auch ein flexibles Arbeitszeitmodell anbieten: Wer die Spiele zu Hause verfolgen möchte, muss die Arbeitszeit vor- oder nacharbeiten. So ist es auch in unserem Büro. Kollegen gingen am letzten Freitag früher und kamen dafür am Samstag und verrichteten ihre Arbeit, die am Freitag nicht erledigt wurde.

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Und möchten Mitarbeiter noch kurzfristig Urlaub nehmen, sollten Sie als Arbeitgeber versuchen, dies zu ermöglichen. Ich rate Arbeitnehmern auch stets, auf keinen Fall krankzufeiern, wenn sie es versäumt haben, Urlaub einzureichen und die Spiele am Arbeitsplatz nicht verfolgen können. Kommt das heraus, kann der Arbeitgeber den betreffenden Mitarbeiter abmahnen und unter Umständen sogar fristlos kündigen. In diesem Zusammenhang möchte ich nur erwähnen, dass sich das Bundesarbeitsgericht vor kurzer Zeit mit einem Fall beschäftigte, wo es um die Erstattung von Detektivkosten von vermeintlich krankfeiernden Arbeitnehmern ging. Die Arbeitnehmerin sollte 3.546,12 Euro für die Ermittlungstätigkeit zahlen. Also Vorsicht!

Sind Sie bereit, für die Spiele einen Fernseher zur Verfügung zu stellen, sollten Sie vorab Ihre Bedingungen klar formulieren – am besten schriftlich. So kommt es anschließend nicht zu Missverständnissen.

Möchten Sie auf keinen Fall einen Fernseher in Ihrer Firma installieren, könnten Sie für die Spiele der deutschen Mannschaft das Radiohören oder die Verfolgung per Internet genehmigen. Doch auch hier Vorsicht: Haben Sie die private Nutzung des Internets generell verboten, sollten Sie dieses Verbot für die WM-Zeit aufheben. Auch hier rate ich für einen schriftlichen Hinweis, der die private Internetnutzung nur für die Zeit der WM erlaubt.

Das Thema Alkohol am Arbeitsplatz, besonders bei solchen Ereignissen, ist immer heikel. Muss nämlich anschließend noch weitergearbeitet werden, kann es für Sie als Arbeitgeber in Bezug auf die Haftung bei Mitarbeiterfehlern problematisch werden. Und brenzlig wird es für Sie, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund seines Promillepegels am Arbeitsplatz verunglückt. Trinken Ihre Mitarbeiter trotz Verbot während der Spiele am Arbeitsplatz, können Sie Abmahnungen oder gar Kündigungen aussprechen. Ein Alkoholverbot sollte daher ausdrücklich vorab nachweislich ausgesprochen werden.

Und trotz aller Euphorie rate ich zu einem gemäßigten Verhalten am Arbeitsplatz. Entsprechende WM-Outfits oder gar das Gesicht mit den Deutschlandfarben zu verzieren sind Aktionen, die sich Mitarbeiter und Arbeitgeber am Arbeitsplatz verkneifen sollten.

Ihr Ulf Weigelt

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs. Wir beantworten Ihre Fragen zum Arbeitsrecht – Woche für Woche auf ZEIT ONLINE. Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

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Kommentare

16 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Alkoholkonsum und: wie gucken Sie?

Lieber Herr Schäfer, liebe alle,

danke für die Anmerkung. Da war der Arbeitsrechtskolumnist wohl selbst im WM-Fieber. :-) Wir meinen natürlich, dass ein Alkoholverbot ausgesprochen werden sollte und haben den Fehler korrigiert.

Übrigens darf in der Redaktion von ZEIT ONLINE WM geguckt werden. Wie sieht es es bei Ihnen aus, liebe Leser und Leserinnen? Gucken sie - und guckt Ihr Chef mit? Oder sind Sie völlig genervt? Und ist es eigentlich fair, wenn diejenigen, die Fussball nichts abgewinnen können, während der Übertragung arbeiten und somit mehr als die Kollegen arbeiten?

Und: Wo gucken Sie heute Abend, haben wir Spätdienstler unter den Lesern? :-)

Bin gespannt auf Ihre Postings!

herzlichst,

Tina Groll

"Halt mal das Band an, ich will den Elfmeter sehen"...

...WM, EM,Olympia, wo soll ich da eine Grenze ziehen liebe Frau Groll? Bei Bier, Chips und Salzletten ZEIT-Artikel schreiben? Dieser Artikel scheint so entstanden zu sein. Dem Kneipenpersonal muß man sicherlich den Blick auf den TFT nicht verwehren wie siehts aber beim Krankenpfleger oder dem Feuerwehrmann aus? Bei allem Verständnis: Privatvergnügen gehören in den Privatbereich, es sei denn, man ist Fußballtrainer oder Vuvuzelaverkäufer. Oder Sportredakteur bei der ZEIT.

Am besten alles verbieten, Herr Bresser

so machen Sie sich richtig beliebt und Ihre Mitarbeiter werden hinter Ihrem Rücken nur das beste für Sie und Ihre Firma tun..
Ich finde, Sie sollten nicht auf Herr Weigelt hören, sonst denkt jeder nur Sie sind eine Lusche, die sich nicht durchsetzen kann. Denn wenn Sie keinen Fußball mögen, dann hat auch kein anderer Fußball zu schauen, oder maximal die zwei letzten Spiele ab dem Halbfinale. Aber nur wenn Deutschland noch dabei ist. Wenn diese unglaubliche Großzügigkeit Ihrerseits nicht durch Dankeshymnen und Lobgesänge honoriert werden sollte, sind Ihre Mitarbeiter sowieso nur fußballverrückte Nichtsnutze.