Frauen in Israel "Eine Frau gehört immer jemandem"
Rula Deeb leitet die arabische Frauenorganisation "Kayan" in Israel, die Araberinnen für Führungspositionen ausbildet. So sollen die Bedingungen der traditionellen arabischen Frauen in den Dörfern verbessert werden. Von Gisela Dachs, Haifa
© Abbas Momani/AFP/Getty Images

Jenseits der traditionellen Rollenverteilung: Diese Araberin arbeitet als Fotografin
In kaum einem Land ist das Frauenbild so widersprüchlich wie in Israel. Wie sich die Israeli ihren eigenen Weg zwischen Beruf, Familie, Armee, Geschichte und Religion erkämpfen, beschreibt ZEIT-Korrespondentin Gisela Dachs in einer exklusiven Serie in den kommenden Wochen auf ZEIT ONLINE. Lesen Sieden ersten Teil der Serie hier,den zweiten hier,den dritten Teil hier und den vierten Teil hier .
In dem Wohnhaus in der Arlosoroff-Strasse in Haifa muss man ein paar Treppen nach unten steigen, um zur Haifa Women`s Coalition zu gelangen. Vier feministische Vereinigungen haben sich hier auf zwei Etagen zusammengeschlossen; sie wollen die Rechte und das Selbstbewusstsein von Frauen stärken. Im Eingang stapeln sich viele Broschüren in arabischer Sprache. Die Karikaturen sprechen für sich: Sie zeigen junge Frauen mit traurigem Blick unterm Hochzeitsschleier – oder mit Baby und Putzwedel. "Ich entscheide mich, mit wem ich leben will" steht auf einem Aufkleber. Damit können sich heterosexuelle Frauen, die gegen arrangierte Ehen sind, genauso identifizieren wie Lesben. Keine einfachen Themen für die arabische Minderheit in Israel.
Genau deshalb wird hier darüber gesprochen. Zur Women`s Coalition gehören die Kayan Feminist Organisation , die arabische Frauen fortbildet und das Haifa Rape Crisis Cente r, das sich um Vergewaltigungsopfer kümmert. Aswat engagiert sich für lesbische Palästinenserinnen und bei Isha-le-Isha setzen sich jüdische und arabische Frauen für Koexistenz ein. Ein bunter Reigen, der gemeinsame Interessen verteidigt. Gesprochen wird Arabisch und Hebräisch.

Gisela Dachs, Jahrgang 1963, studierte Literaturwissenschaften und Philosophie an der Sorbonne-Universität in Paris. Sie arbeitete zunächst als Redakteurin bei der französischen Tageszeitung Liberation und ab 1990 im Politik-Ressort der ZEIT in Hamburg. Seit 1994 schreibt sie aus Israel und der Region. Im Januar 2010 erschien ihr Buch (im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung) Israel kurzgefasst.
Es ist kurz nach zehn, als Rula Deeb leicht verschwitzt auftaucht und sich wegen der Verspätung entschuldigt. Aber ihre beiden Hunde seien ausgerissen, die habe sie erst wieder einfangen müssen. Die 41-Jährige ist die Direktorin von Kayan. Sie trägt kurzes Haar, ein elegantes schwarzes Outfit mit einem beduinenartigen Hosenrock und geschwungene Hängeohrringe. Nach ihrem Äußeren zu urteilen, könnte sie genauso gut irgendwo in einem Büro in Paris sitzen. Aber dieser Eindruck täuscht. Ihr Engagement ist ein sehr lokales – wenn auch mit einer weitreichenden Botschaft: Ihre Zielgruppe sind die arabischen Frauen in Israel.
Nach der Staatsgründung wurden in Israel etwa 100.000 im Land verbliebene palästinensische Araber eingebürgert. Heute zählen etwa 1,45 Millionen Bürger und Bürgerinnen zu dieser nationalen Minderheit, die allerdings keine homogene Gruppe darstellt. Rund 83 Prozent sind Muslime, acht Prozent Christen und acht Prozent Drusen.
Sie alle haben keine einfache Identität: Politisch und rechtlich sehen sie sich als israelische Staatsangehörige, national und kulturell aber als palästinensisch-arabisch.
- Datum 17.06.2010 - 17:56 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








...muss es sowohl bei Frauen als auch bei Männern sein, sonst ist er nicht ernst zu nehmen. Zu einer Heirat gehören immer zwei und bei arangierten Ehen hat der Junge ebenfalls nichts zu sagen - nicht umsonst treffen z.B. Ehrenmorde außerhalb Deutschlands häufiger Männer, als Frauen.
Ich sehe nicht, wo man den Frauenrechtlerinnen einen Vorwurf machen kann. In einer Gesellschaft, in der der Ehemann weite Rechte über seine Frau hat, besteht durchaus ein guter Grund, dagegen anzukämpfen. Wenn man dabei dann auch die Zwangsheirat bekämpft, ist dass doch sogar auch gut für die zwangsverheirateten Männer, auch wenn deren Leiden nicht erwähnt werden.
Ich sehe nicht, wo man den Frauenrechtlerinnen einen Vorwurf machen kann. In einer Gesellschaft, in der der Ehemann weite Rechte über seine Frau hat, besteht durchaus ein guter Grund, dagegen anzukämpfen. Wenn man dabei dann auch die Zwangsheirat bekämpft, ist dass doch sogar auch gut für die zwangsverheirateten Männer, auch wenn deren Leiden nicht erwähnt werden.
Danke vielmals Seyinphyin
Habe es nieee verstanden, wieso gewisse Organisationen bei Zwangsheirat immer nur von der Frau als Opfer ausgehen.
Ich kenne zwei Kosovaren, die von Ihren Eltern eine Frau vorgesetzt bekommen haben. Natürlich ist das schlimm für die Frauen aber doch nicht minder für die Männer. Dass der Feminismus nun aber irgendwie denkt, dass die Männer nicht auch darunter leiden ist halt einfach der dumpfen Ideologie (Frau = Opfer / Mann = Täter) geschuldet. Und seien wir ehrlich eine unglaubliche Diskriminierung und Sexismus pur!
Ich habe manchmal das Gefühl, dass gewisse Feministinnen einfach denken, wenn der Mann was zum bu… hat, dann ist Mann schon glücklich. Menschliche Bedürfnisse wie Zuneigung, Liebe und Selbstbestimmung werden eh nur Frauen zugesprochen!
Ich sehe nicht, wo man den Frauenrechtlerinnen einen Vorwurf machen kann. In einer Gesellschaft, in der der Ehemann weite Rechte über seine Frau hat, besteht durchaus ein guter Grund, dagegen anzukämpfen. Wenn man dabei dann auch die Zwangsheirat bekämpft, ist dass doch sogar auch gut für die zwangsverheirateten Männer, auch wenn deren Leiden nicht erwähnt werden.
zwangsehe gab es immer in vielen Ländern, auch in Deutschland. Mann und Frau wurden einfach verheiratet mal es passte. Bis 1972 hat mein Ehemann auch noch in Deutschland das sagen gehabt, erst dann kam die Gleichberechtigung, meist aber auch heute noch nur auf dem Papier. GleicheArbeit ungleicher Lohn oder ist es nicht so heute.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren