Ausnahmefall Frau: Auch bei einer Quote von 20 Prozent wären die Männer deutlich in der Überzahl © Alexander Nemenov/AFP/Getty Images

Keine Angst, liebe Männer. Noch ist die Männerdämmerung nicht angebrochen. Das, was Familienministerin Kristina Schröder (CDU) im Interview mit dem Handelsblatt gesagt hat, ist wenig neu. Ein Anteil von 20 Prozent Frauen auf Aufsichtsrats- und Vorstandsposten bis 2015 hält sie für möglich. Ähnlich hatte sich schon ihre Vorgängerin, Ursula von der Leyen (CDU), im vergangenen Jahr geäußert. Schröder geht nur einen kleinen Schritt weiter. Sie muss das, immerhin will sie sich in ihrem Amt profilieren und die Wählerinnen ansprechen, die sich auch für Ursula von der Leyen und Angela Merkel begeistern, weil sie karriereambitioniert und erfolgreich sind und so oder so an der gläsernen Decke rütteln würden. Für Schröder ist es zudem leicht, den bereits beschrittenen Weg der Vorgängerin weiter zu gehen. Eine Autobahn, auf der die Frauen die Männer überholen können, wird daraus so schnell jedoch nicht.

Aber immerhin spricht Schröder ganz öffentlich von einer festen Quote, die noch vor einem halben Jahr verpönt war. Und sie nennt eine Zahl: 20 Prozent. Ein Fünftel. Das tut niemandem weh. Doch sie will die Quote vorerst nicht in ein Gesetz gießen. Schröder will lediglich eine gesetzliche Berichtspflicht für Unternehmen einführen. Indes liegt in der Sprache der Ministerin eine klare Ansage. Sie könne sich nur so lange gegen eine Quote aussprechen, so lange sich etwas tue, sagt sie. Dies sei aktuell der Fall, wie im März zuletzt das Beispiel der Telekom zeigte, die eine 30-Prozent-Frauenquote bis 2015 erreichen will. Nicht länger ist auch allein von börsennotierten Konzernen die Rede. Große Firmen könnten über das Handelsgesetzbuch erreicht werden, überlegt die Ministerin. Und nicht nur sie allein. Erstmals ist auch das Justizministerium involviert. Das ist in der Tat ganz neu.

Warum aber jetzt? Punkt eins: In Kürze wird die Corporate Governance Kommission ihre Arbeitsschwerpunkte der Öffentlichkeit vorstellen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sie die Frauenförderung stärker ins Zentrum rücken wird. Bislang war im Corporate Governance Kodex, der nur für börsennotierte Unternehmen gilt, von Vielfalt, nicht aber explizit von Frauenförderung die Rede. Nun aber ist der Druck, den Lobbyverbände wie FidAr (Frauen in die Aufsichtsräte) ausgeübt haben, groß genug geworden.

Flankiert wird er durch die Wirtschaftskrise, in der Konzerne ihr Führungspersonal austauschen und gerne mal etwas anderes probieren. Frauen zum Beispiel. Auch nicht vergessen werden darf, dass die gut ausgebildeten jungen Frauen ihren Teil vom Kuchen fordern und das heißt auch die Hälfte der Posten in den Kontrollgremien der Wirtschaft. Gender Mainstreaming gehört eben zum guten Ton.

Das alles zusammen erklärt, warum die Frauenquote in der Wirtschaft jetzt auf die politische Agenda kommt.