ArbeitsrechtDen Urlaub genehmigt immer noch der Chef

Darf ein Mitarbeiter, der Single ist, in den Sommerferien Urlaub nehmen, wenn alle anderen Kollegen Familie haben? Die Antwort verrät Ulf Weigelt in der Arbeitsrechtskolumne. von 

Strandurlauber genießen den Sonnenuntergang

Strandurlauber genießen den Sonnenuntergang  |  © Stephane de Sakutin/AFP/Getty Images

Ich war bisher der einzige "Single-Mitarbeiter" in meiner Abteilung und habe meinen Urlaub immer im Frühling oder Herbst/Winter gemacht, um meinen Kollegen mit Familie den Urlaub in der Ferienzeit zu ermöglichen. Nun habe ich aber eine Freundin mit Kind und möchte dieses Jahr ebenfalls in der Ferienzeit meinen Sommerurlaub machen. Jetzt bestehen aber meine Kollegen auf ihre "angestammten Rechte". Was kann ich tun?, fragt Guido Lemke

Sehr geehrter Herr Lemke,

bei der Bewilligung von Urlaub muss Ihr Arbeitgeber betriebliche und soziale Belange sowie Urlaubswünsche aller Arbeitnehmer gegeneinander abwägen. Ihren Urlaubswunsch können vor allem aber NICHT Ihre Kollegen ablehnen, sondern nur Ihr Arbeitgeber .

Anzeige
Da staunt der Chef
Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

Wären Sie als neuer Mitarbeiter ins Unternehmen gekommen und würden zur gleichen Zeit Ihren Sommerurlaub nehmen wollen wie die Kollegen, dürften Sie als "Neuling" eher nicht zum Zug kommen. Die Geschäftsleitung und die Kollegen könnten von Ihnen eine gewisse Flexibilität erwarten.

Da Sie nun aber kein neuer Kollege sind und bisher immer "zurückgesteckt" haben, muss Ihr Chef nun überprüfen, wer in diesem Jahr bereits Urlaub hatte. Vorrang hat derjenige, für den es um den ersten Urlaubsanspruch in diesem Jahr geht. Außerdem sollten in die Überlegungen das Alter und ein eventuell damit verbundenes Erholungsbedürfnis oder Kinder mit Ferien mit einbezogen werden.

Lehnt Ihr Chef nun Ihren Urlaubsantrag ab, können Sie – sofern vorhanden – sich beim Betriebsrat beschweren, denn dieser hat bei der Aufstellung von Urlaubsplänen und bei der Aufstellung allgemeiner Urlaubsgrundsätze mitzubestimmen. Das Mitbestimmungsrecht bezieht sich allerdings auf kollektive Sachverhalte, so beispielsweise auf die Einführung von Betriebsferien für alle Arbeitnehmer in einem bestimmten Zeitraum, es bezieht sich aber nicht auf die Dauer des Urlaubs. Sie können auch gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen. Selbstverständlich haben Sie aber kein Recht, ohne eine Genehmigung in den Urlaub zu fahren. Dann droht Ihnen eine Abmahnung und im Wiederholungsfall die Kündigung.

Ihr Ulf Weigelt

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs. Wir beantworten Ihre Fragen zum Arbeitsrecht – Woche für Woche auf ZEIT ONLINE. Schreiben Sie uns   (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Arimus
    • 21. Juli 2010 18:49 Uhr

    Der eigenmächtige Urlaubsantritt ist lediglich ein Unterfall der beharrlichen Arbeitsverweigerung. Der Arbeitnehmer darf seinen Urlaub nicht eigenmächtig nehmen, sondern er muss seine Wünsche mit dem Arbeitgeber abstimmen, § 7 Abs 1 BUrlG. Daher ist jedes andere Verhalten vertragswidrig und rechtfertigt – in aller Regel(!) ohne vorherige Abmahnung – die Kündigung, weil der Arbeitnehmer nicht davon ausgehen kann, dass der Arbeitgeber die Eigenmächtigkeit duldet (LAG Köln 16.3.2001 NZA-RR 2001, 533; LAG Hamm 17.10.2007 NZA-RR 2008, 294, 295). Die Betonung liegt wie immer auf "in aller Regel". Dennoch würde ich vorher abmahnen und dann fristlos kündigen. Auch bei Emmely waren viele Fachleute der Ansicht die fristlose Kündigung würde Bestand haben und zwar ohne Abmahnung. Im Ergebnis darf der Arbeitgeber viele Monate "nachzahlen". Es entscheidet im Arbeitsrecht meist der Einzelfall :-)

    • eras
    • 27. Juli 2010 21:16 Uhr

    ...sind rund 6 Wochen lang. Die werden halt je nach Menge der urlaubswilligen Mitarbeiter aufgeteilt in 2mal 3 Wochen oder 3mal 2 Wochen. In diesen Blöcken darf dann geurlaubt werden. Dann sollte sich das managen lassen.

    Wem das nicht passt: Es gibt halt noch Herbstferien. Ansonsten: Pech gehabt...

    Wer als Chef irgendeinem Mitarbeiter "angestammte Rechte" zugesteht, ist schlicht dämlich. Die werden dann nämlich nicht nur im Ferienbereich eingefordert. Angestammtes Recht ist, was im Vertrag steht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service