ZEIT ONLINE: Herr Berssenbrügge, die Justizminister der Länder diskutieren über eine Frauenquote , um weiblichen Führungskräften den Aufstieg zu erleichtern. Als Deutschland-Chef des größten Nahrungsmittelkonzerns der Welt: Was halten Sie davon?

Berssenbrügge: Nicht viel. Ich finde diese Idee ungerecht.

ZEIT ONLINE: Warum?

Berssenbrügge : Es muss uns doch darum gehen, die besten Köpfe ins Top-Management zu holen – unabhängig davon, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt. Außerdem bin ich optimistisch, dass auf andere Weise gelingen wird, mehr Frauen in die Führungsspitzen zu bringen. Es geht darum, in den Unternehmen Kulturen zu schaffen, in der Chancengleichheit wirklich gelebt wird und Leistungsaspekte den Ausschlag bei der Beförderung geben.

ZEIT ONLINE: Klingt gut. Hat in der Vergangenheit aber nicht gereicht.

Berssenbrügge: Glauben Sie mir: Es dauert nicht mehr lange bis wir mehr weibliche Vorstände haben – auch bei Nestlé. In unserem Fall kommt noch ein anderer Aspekt dazu: Die meisten Kaufentscheidungen zu unseren Produkten treffen Frauen. Wenn Frauen also die große Mehrheit unserer Käufer repräsentieren, ist es nur folgerichtig, dass wir ein besseres Verständnis unserer Käuferbasis quer durch das Unternehmen, also auch auf der obersten Führungsebene, absichern.

ZEIT ONLINE: Warum sitzen dann Sie an der Spitze – und keine Frau?

Berssenbrügge: Männer streben auch heute noch konsequenter nach oben und machen ihre Karriereansprüche meist energisch geltend. Nach meiner Erfahrung sind Frauen häufig zu kritisch mit sich selbst und zu zurückhaltend. Maggie Thatcher soll einmal gesagt haben: Frauen sind wie Teebeutel.

ZEIT ONLINE: Den Satz kennen wir nicht.

Berssenbrügge: Man weiß erst wie stark sie sind, wenn man sie in heißes Wasser wirft. Viele Frauen machen einen starken Job, aber sie bringen sich vorher nicht so sehr in eine Aufstiegsposition wie Männer.