Selbstüberschätzung Warum Chefs an ihrem Ego scheitern
Immer wieder stolpern Manager über Affären. So unterschiedlich die Gründe sind, eine Ursache haben alle gemein: Selbstüberschätzung.
© Frederik Persson/AFP/Getty Images

Ein Manager bei einer Präsentation: Forscher haben herausgefunden, dass Selbstüberschätzung wichtig für den Überlebenstrieb ist
Als Vorstandsvorsitzender des amerikanischen IT-Konzerns Hewlett-Packard verdiente Mark Hurd im vergangenen Jahr etwa 82.000 Dollar – täglich. Kürzlich trat er von seinem Posten zurück, wegen gefälschter Spesenabrechnungen . Deren Wert: knapp 20.000 Dollar.
Natürlich könnte man Hurds unrühmlichen Abgang abtun als pure Dummheit oder Naivität, aber dafür war er zu lange und zu erfolgreich im Geschäft. Über 25 Jahre arbeitete er beim amerikanischen Maschinenbaukonzern NCR, zuletzt als Geschäftsführer, bevor er im April 2005 HP-Chef wurde. In seiner Amtszeit legte die Aktie des Technologiekonzerns um 113 Prozent zu, der Jahresumsatz kletterte auf 115 Milliarden Dollar. Umso abrupter und überraschender kam Hurds Absturz.
Der Anlass: Um eine Affäre mit einer Schauspielerin zu verheimlichen, fälschte der Familienvater und Vorgesetzte von 300.000 Mitarbeitern gut ein Dutzend Spesenquittungen. Gleichzeitig forderte er von seiner Belegschaft moralisch einwandfreies Verhalten ein, den regelmäßigen Besuch von Ethik-Kursen inklusive.
Wieso riskierte Hurd für eine für seine Verhältnisse geringe Summe den Job? Schuld an seiner selbst verursachten Demission ist vor allem ein psychologisches Phänomen – Selbstüberschätzung.
Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt: Hurd befindet sich in bester Gesellschaft. Ob Politiker, Top-Manager oder Börsenmakler, in schöner Regelmäßigkeit stolpern hochrangige, vermögende und moralisch scheinbar integre Persönlichkeiten über Affären.
Sei es, weil sie diese als Kavaliersdelikte abtaten und deren öffentliche Sprengkraft unterschätzten, wie etwa Ex-Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, der sich einst mit Freundin im Pool planschend ablichten ließ , während sich seine Soldaten auf den ersten Auslandseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr vorbereiteten. Andere überschätzen schlicht ihre Fähigkeiten. Wendelin Wiedeking glaubte nach erfolgreichen Jahren als Porsche-Che f, mit einem finanziellen Husarenritt den vielfach größeren Konkurrenten Volkswagen übernehmen zu können.
Der Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman von der Universität Princeton nennt das den "Overconfidence-Effekt": Demnach geht jeder Mensch insgeheim davon aus, dass er mehr kann, mehr weiß und mehr darf, als es in der Realität tatsächlich der Fall ist. Wir überschätzen unsere Befugnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen . Ständig und überall.
Beschrieben wird die verhängnisvolle Ego-Falle schon in der griechischen Mythologie: Als Ikarus mit seinem Vater Dädalus auf Kreta gefangen gehalten wurde, bastelte er ein Gestänge aus Federn und klebte es mit Wachs zusammen. Allerdings ignorierte er die Warnungen seines Vaters und flog zu nah an die Sonne. Das Wachs schmolz, er stürzte ins Meer. So bitter es auch ist: In jedem von uns steckt ein kleiner Ikarus.
Peter Kenning, Marketingprofessor an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen, erlebt das im Hörsaal regelmäßig. Zu Beginn jedes Semesters stellt er seinen Studenten gerne eine vermeintlich simple Frage: "Glauben Sie, dass Sie die Klausur im Verhältnis zu Ihren Kommilitonen überdurchschnittlich gut, durchschnittlich oder unterdurchschnittlich bewältigen werden?" Das Ergebnis fällt jedes Mal ähnlich aus: Etwa die Hälfte sagt voraus, dass sie durchschnittlich abschneiden wird, die andere Hälfte rechnet mit einer herausragenden Note. Tatsächlich liegen nachher viele unter dem Durchschnitt, aber vorher prophezeit das keiner.
Ebenso wenig glaubt jemand ernsthaft, dass er mit seinen hochfliegenden Plänen scheitern wird. So wie der einstige Jahrhundertzocker Nick Leeson , der sich in den Neunzigerjahren als Chefhändler der britischen Barings Bank einbildete, die Bewegungen der Märkte vorhersehen zu können. Weit gefehlt: Durch riskante Spekulationen verlor er umgerechnet knapp eine Milliarde Euro und sorgte für den Zusammenbruch des Geldhauses.
Auch Privatanleger sind vor diesen Fehleinschätzungen nicht gefeit , wie Brad Barber und Terrance Odean von der Universität von Kalifornien 2001 feststellten. Eine Brokerfirma verschaffte ihnen Zugang zu den Anlageentscheidungen von über 35.000 Haushalten. Dabei bemerkten die Forscher, dass Männer fast 50 Prozent häufiger mit Aktien handelten als Frauen. Trieb das den Gewinn nach oben? Ganz im Gegenteil: Die Männer erzielten weniger Rendite. "Wer sich als Investor selbst überschätzt, interpretiert Börsennachrichten und handelt dementsprechend", sagt Barber, "obwohl er gar nicht die notwendige Kompetenz hat."
Für das Berufsleben gilt dasselbe: Wir glauben, mehr draufzuhaben, und alles ein bisschen besser zu können als die anderen. Die meisten Professoren halten sich selbst für überdurchschnittlich gute Pädagogen, Manager für kompetenter als die Konkurrenz, und knapp 90 Prozent der Autofahrer zählen sich selbst zum besten Drittel.
So unlogisch dieses illusionäre Selbstvertrauen ist, so verständlich ist es auch. Niemand würde sich durch die Mühen eines Studiums quälen, wenn er das Scheitern von vornherein fest einplant, niemand den Motor starten, wenn er einen Unfall für unvermeidlich hält. Und niemand würde auf einem Chefsessel Platz nehmen, wenn er mit dem baldigen Konkurs des Unternehmens rechnet.
- Datum 17.09.2010 - 13:21 Uhr
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- Quelle WirtschaftsWoche
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Beitrag ist wirklichkeitsnah.
Vergessen wurden (außer Scharping) die Politiker.
In hohem Maße gehören sie in diese Kategorie.
wie man denn einen König spiele.
Er antwortete: "Einen König kann man nicht spielen. Man wird dadurch zum König, dass man von den anderen als König behandelt wird."
Was will uns das sagen?
Die Autoren des Artikels haben die Hälfte vergessen - nämlich die "Untergebenen" der Chefs.
Chefs können nur dann einen Größenwahn entwickeln, wenn sie von ihren "Untergebenen" mit kriecherischer, schleimiger Unterwürfigkeit behandelt werden.
Leider gibt es in diesem unseren Lande (wie auch anderswo) Abermillionen Menschen ohne Rückgrat, die als Königsmacher fungieren für größenwahnsinnige Chefs, Politiker, Geistliche, "Stars" usw.
Solange das so bleibt, werden wir uns auch keine wirkliche Demokratie erringen können.
Ein Teil wurde bereits von Psychologen untersucht. Es nennt sich Dunning-Kruger-Effekt: http://de.wikipedia.org/w...
Es zeigt sich nämlich, dass unfähige Personen zur Überschätzung neigen, weil sie um die Probleme gar nicht erst wissen. UMGEKEHRT überschätzen Experten dazu relativ die Probleme (Downing-Effekt).
ABER: Im Ersten Fall in diesem Artikel wurde ein anderer Effekt beschrieben: Nämlich, dass ein narzisstischer Mensch gar nicht auf die IDEE kommt, dass ein "niederer Mensch" die "wahnwitzig intelligenten" Unterschlagungen entlarven kann oder sich traut.
Auch betrachten sich diese Leute auch als moralisch höher stehend. In IHREM Falle ist der Betrug zum Wohle der Firma: "Wenn es MIR gut geht, ist das auch gut für die Firma." Wenn aber ein "niederer Mensch" etwas unterschlägt, ist das ein Vertrauensbruch.
Das erste Beispiel erscheint mir also als ein anderer Fall.
Megalomanie in Kombination mit Mikrozephalie ergibt
Führungskräfte.
Der Versuchung der überschätzenden Fehleinschätzung unterliegen wir alle. Aber man kann dagegen arbeiten.
Allerdings ist das sehr unpopulär. Wer "übertrieben ehrlich" (so nennt man das karrieretechnisch) ist, kann seine Karriere beerdigen, wen er kein Kommunikationsgenie ist. Es gibt auch nur sehr wenige Menschen die das nötige Selbstbewußtsein mit genügend Eigenkritikfähigkleit verbinden können, ohne das die Ausstrahlung und Tatkraft leidet.
Womit wir bei dem Dilemma sind, dass wir uns Führer suchen und bevorzugen, die als Selbstdarsteller überzeugend sind.
Ob sie daneben auch faktisch fachlich über realistische Kompetenz verfügen ist in einer Mediengesellschaft für die Karriere so unbedeutend wie nie zuvor.
Das führt sogar dazu, das ausgesprochene Dummheit Macht erlangt, denn Dummheit ist schmerzfrei, schlicht weil dumme Menschen nicht mal Wissen, was für Fehler sie machen.
Die Sensationsgier der Medien, weg von der Nachricht, hin zur Sensation, leistet dieser verstärkten Fehlallokation kräftig Vorschub.
Die jüngste Diskussion um Sarrazin ist ein Beispiel und die political correctness ist ein solches Instrument, das dem Anschein den Vorrang vor den Fakten geben.
H.
Es gab ja mal eine Untersuchung, welche Personen denn die meisten Freunde hätten.
Das waren diejenigen, die am besten lügen konnten.
Dieses Untersuchungsergebnis glaube ich unbesehen.
Es gab ja mal eine Untersuchung, welche Personen denn die meisten Freunde hätten.
Das waren diejenigen, die am besten lügen konnten.
Dieses Untersuchungsergebnis glaube ich unbesehen.
Es gab ja mal eine Untersuchung, welche Personen denn die meisten Freunde hätten.
Das waren diejenigen, die am besten lügen konnten.
Dieses Untersuchungsergebnis glaube ich unbesehen.
Oder sogenannte Freunde?
Oder sogenannte Freunde?
... kommen solche Leute dann auf die Chefposten? Weil sie behaupten sie packen dass und man ihnen gerne glauben will?
Ich selbst gehöre zu den Leuten die ihre eigenen Fähigkeiten eher unterschätzen. Das hat auch schon zu schlechten Ergebnissen geführt. Genau dann wenn man mit jemandem zusammenarbeitet der sich selbst überschätzt. Dann tendiert man dazu die eigene Einschätzung der Situation zurück zu halten und den anderen machen zu lassen. Oft mit negativen Folgen. Es gibt also auch eine Rückseite der Medallie. Allerdings landet nur eine Gruppe in der Chefetage und kann maximales Unheil anrichten.
bekanntes Phänomen, dass viele Stämme bevorzugt dasjenige Mitglied zum Führer wählen, das am lautesten schreit und am aggressivsten auftritt. Wahrscheinlich weil sich die Stammesmitglieder davon den höchsten Nutzen für den Stamm versprechen.
Leider bewahrheitet sich das oft nicht. Ich glaube, es ist ein Konstruktionsfehler in der Natur, der sich mit fortschreitender Entwicklung immer katastrophaler auswirkt.
Sehr häufig kommen nämlich gerade die Unreifsten und Gestörtesten in Machtpositionen und richten so maximalen Schaden an.
Man schaue sich nur einmal um ... in der Politik ... in der Wirtschaft ...
Da kann man nur noch schreiend weglaufen!
bekanntes Phänomen, dass viele Stämme bevorzugt dasjenige Mitglied zum Führer wählen, das am lautesten schreit und am aggressivsten auftritt. Wahrscheinlich weil sich die Stammesmitglieder davon den höchsten Nutzen für den Stamm versprechen.
Leider bewahrheitet sich das oft nicht. Ich glaube, es ist ein Konstruktionsfehler in der Natur, der sich mit fortschreitender Entwicklung immer katastrophaler auswirkt.
Sehr häufig kommen nämlich gerade die Unreifsten und Gestörtesten in Machtpositionen und richten so maximalen Schaden an.
Man schaue sich nur einmal um ... in der Politik ... in der Wirtschaft ...
Da kann man nur noch schreiend weglaufen!
Artikelzitat: "Demnach geht jeder Mensch insgeheim davon aus, dass er mehr kann, mehr weiß und mehr darf, als es in der Realität tatsächlich der Fall ist. Wir überschätzen unsere Befugnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen. Ständig und überall."
Ich habe selten so einen Quark gelesen. Nur weil MANCHE Menschen an Selbstüberschätzung leiden, heißt das noch lange nicht, dass es immer und überall zutrifft. Ich kenne nur wenige Putzfrauen, die meinen, sie putzten besser als andere. Aber fast jede Führungskraft, die ich kenne, glaubt, dass sie die beste sei.
Dem liegt meines Erachtens eine gefühlte, sich selbst erfüllende Prophezeiung zugrunde: Wenn jemand besonders ehrgeizig ist, dann versucht er (auch mit unlauteren Mitteln) alle Hindernisse zu überwinden, um an die Spitze zu kommen. Wenn er dann tatsächlich an der Spitze ist, kann er sich einreden, dass er ja besonders "qualifiziert" sei, denn sonst hätte er es ja nicht geschafft! Vielleicht ist er aber nur ein begnadeter Schleimer. Oder er hatte sehr viel Glück. Oder er ist besonders skrupellos. Meistens ist es wohl eine Verbindung dieser Faktoren. Die Qualifikation ist es in den seltensten Fällen.
Dass so jemand dann denkt "mir kann keiner was!", das liegt eigentlich auf der Hand. Diese Menschen mögen geistig erwachsen sein, psychisch befinden sie sich auf der Stufe eines Dreijährigen, der meint, mit seinem Trotz alles Erreichen zu können und die Regeln nach seinem Gusto verdrehen zu dürfen.
die herausgefunden haben wollen, dass heutige Führungskräfte häufig eine soziopathische (früher: psychopathische) Persönlichkeitsstruktur haben.
Das wird ja wohl so stimmen.
"Artikelzitat: "Demnach geht jeder Mensch insgeheim davon aus, dass er mehr kann, mehr weiß und mehr darf, als es in der Realität tatsächlich der Fall ist. Wir überschätzen unsere Befugnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen. Ständig und überall."
Ich habe selten so einen Quark gelesen. Nur weil MANCHE Menschen an Selbstüberschätzung leiden, heißt das noch lange nicht, dass es immer und überall zutrifft. Ich kenne nur wenige Putzfrauen, die meinen, sie putzten besser als andere. Aber fast jede Führungskraft, die ich kenne, glaubt, dass sie die beste sei."
Dieses häufige "WIR" in dem Artikel ist mir auch unangenehm aufgefallen. ICH jedenfalls ziehe mir diese Jacke nicht an. Leiden die Autoren insgeheim an Selbstüberschätzung, dass sie sich nicht vorstellen können, dass es auch Menschen ohne Hybris gibt?
die herausgefunden haben wollen, dass heutige Führungskräfte häufig eine soziopathische (früher: psychopathische) Persönlichkeitsstruktur haben.
Das wird ja wohl so stimmen.
"Artikelzitat: "Demnach geht jeder Mensch insgeheim davon aus, dass er mehr kann, mehr weiß und mehr darf, als es in der Realität tatsächlich der Fall ist. Wir überschätzen unsere Befugnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen. Ständig und überall."
Ich habe selten so einen Quark gelesen. Nur weil MANCHE Menschen an Selbstüberschätzung leiden, heißt das noch lange nicht, dass es immer und überall zutrifft. Ich kenne nur wenige Putzfrauen, die meinen, sie putzten besser als andere. Aber fast jede Führungskraft, die ich kenne, glaubt, dass sie die beste sei."
Dieses häufige "WIR" in dem Artikel ist mir auch unangenehm aufgefallen. ICH jedenfalls ziehe mir diese Jacke nicht an. Leiden die Autoren insgeheim an Selbstüberschätzung, dass sie sich nicht vorstellen können, dass es auch Menschen ohne Hybris gibt?
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